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Stern-Combo Meissen

Bilder einer Ausstellung - The Rock Version - Live

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; DVD; Klassikrock / Adaptionen
Label: Buschfunk
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Manuel Schmid vocals, keyboards
Martin Schreier percussion, spoken word
Sebastian Düwelt keyboards
Axel Schäfer bass
Frank Schirmer drums, percussion
Leipziger Symphonieorchester
Landesjugendchor Sachsen
Stephan König Leitung, Bearbeitung, Dirigent

Tracklist

Disc 1
1. Promenade 1 1:54
2. Gnomus 4:33
3. Promenade 2 1:28
4. Vokalise-Interlude 2:37
5. Das alte Schloss 2:01
6. Schloss Rockstein 2:32
7. Eine Nacht auf dem Kahlen Berge 12:07
8. Das alte Schloss (Nachspiel/Erinnerung) 1:01
9. Promenade 3 0:45
10. Tuilerien 4:07
11. Bydlo 3:36
12. Promenade 4 1:16
13. Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen 1:31
14. Samuel Goldenberg & Schmuyle 5:43
15. Promenade - Zwischenspiel 1:31
16. Promenade 5 1:53
17. Der Marktplatz 2:35
18. Drum Solo 1:55
19. Katakomben 3:16
20. Promenade 6 (Con mortuis in lingua mortua) 2:10
21. Baba Yaga 6:22
22. Das große Tor von Kiew 9:08
Gesamtlaufzeit74:01
Disc 2
1. DVD-Version: Tracks 1-22 wie auf CD plus Promenade 5 (Zugabe) und Bonus: Verkaufsgespräche (Drumsolo)


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther @


Bilder einer Ausstellung, "die Rockversion" – der Titel klingt im ersten Moment etwas seltsam, so als habe es noch nie eine Rockversion des berühmten Klavierwerks von Mussorgsky gegeben. Dabei ist dieses Werk seit ELP´s "Pictures at an Exhibition" schon fast zu einer fixen Idee von Rock- und Elektronikmusikern geworden. Immer neue Einspielungen wurden über fast fünf Jahrzehnte hinweg vorgelegt, darunter die von Mekong Delta aus dem Jahr 1996, die sich besonders eng an die Vorlage hielt. Aber auch deutsche Musiker waren fleißig: Bei POND präsentierte man neben einer Mussorgsky-Adaption zusätzlich sogar eigene "Gemälde einer Vernissage".

Der Untertitel "die Rockversion" hat beim vorliegenden Album einen konkreten Hintergrund. Denn von Stephan König, dem Leiter des Projektes, liegt auch eine Jazzversion der Mussorgsky-Bilder vor. Die Rockversion kam erst im Anschluss daran zustande – als Auftragswerk der Stadt Grimma für das 1. Sächsische Landesmusikfest im Jahr 2015. Anders als die Jazzversion, von der man sich nur auf youtube einen Eindruck verschaffen kann, hat es die Rockversion auf den Plattenmarkt geschafft.

Für die Realisierung des Ganzen wurde mit der Stern-Combo Meissen eine Band gewonnen, die bereits in den 70er Jahren Klassikadaptionen arrangierte und sich dabei unter anderem mit Mussorgsky befasste. Die Rockversion von "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" war eins der Resultate. Beim aktuellen Album dient die Gruppe als namengebendes Aushängeschild, was aus Marketinggründen verständlich erscheint, die musikalischen Verhältnisse aber doch auf den Kopf stellt. Die Combo spielt eine wichtige Rolle, trotzdem hat hier keine Rockband Orchester und Dirigent verpflichtet, vielmehr wurden umgekehrt Rockmusiker angeheuert, um ihre Erfahrungen mit dem Artrock einzubringen. Dass von den Originalmitgliedern der Combo in den letzten Jahren so viele verstorben sind – Thomas Kurzhals 2014, Reinhard Fißler 2016, Norbert Jäger 2017 – ist ein trauriger Begleitklang.

Wie vordem bei ELP handelt es sich bei diesem Album um eine Liveaufnahme. Während die Briten aber ein Trio bildeten, ist das von Stephan König aufgefahrene Personal mindestens 20mal so stark – bestehend aus der Combo, dem Leipziger Symphonieorchester und dem Landesjugendchor Sachsen. Anders als bei ELP (aber wie bei Mekong Delta) wird die Bilderfolge komplett wiedergegeben, jedoch – sehr wichtig! – durchweg in Königs Bearbeitungen, bei denen auch die reinen Orchesterparts nicht unangetastet bleiben. Angereichert ist der Ablauf durch die "Nacht auf dem kahlen Berge" (in der bewährten Fassung von Thomas Kurzhals) sowie durch weitere Einsprengsel von Seiten der Stern-Combo Meissen. Dazu gehört das kurze, aber flotte Progstückchen "Schloss Rockstein". Letzteres stammt von Manuel Schmid, der bei dem Projekt als Keyboarder, Sänger und Texter agiert. Ein Vokalise-Interludium, das nicht besonders gut in den Spannungsbogen passt, dürfte als Hommage an Reinhard Fißler zu verstehen sein, von dem es stammt.

Eines schält sich schnell heraus: Siebzig Musiker ergeben in der Summe nicht mehr Rockmusik als drei, ganz im Gegenteil: Chor und Orchester werden von König bewusst eher "klassisch" eingesetzt, wobei er allerdings den Orchesterpartien – wie dem gesamten Arrangement – ein gewisses Quantum an leichtem Jazz beigemischt hat. Dass es sich durchweg um einen bearbeiteten Mussorgsky handelt, wirkt sich nicht zuletzt auf Dauer und Tempo der Musik aus. Die originalen Klavier-Bilder von 1874 werden von den meisten Pianisten in etwa einer halben Stunde abgewickelt. Hier braucht die Sache deutlich länger (netto natürlich, also abzüglich der erwähnten Zusatzstücke). Schon der "Gnomus" nimmt knappe viereinhalb Minuten ein, üblich wären (selbst in der Ravel-Fassung) zweieinhalb bis drei Minuten. Es ist richtig, dass auch ELP dem "Gnomus" relativ viel Zeit gewidmet haben – nicht zuletzt wegen allerlei Soundspielereien. Allerdings wirkt ihre Einspielung von A bis Z wie eine jugendliche Kraftexplosion, wovon bei König nicht die Rede sein kann. Für eine "Rockversion" ist seine Fassung recht gebremst. Vor allem bei Baba Yaga könnte man sich mehr rhythmisches Feuer vorstellen.

Über ELP wurde seinerzeit gerne behauptet, sie hätten Mussorgsky "modern interpretiert". In Wirklichkeit haben sie ihn geplündert und so der Rockmusik viel musikalisches Material jenseits der gängigen Hauptharmonien und 4/4-Takte erschlossen. Diese Mission war verdienstvoll, aber es war eindeutig eine Mission zugunsten der Rockmusik, nicht zugunsten von Mussorgsky. Stephan König hingegen versteht sich als Brückenbauer zwischen E und U, der die verschiedenen Traditionen möglichst gleichberechtigt behandeln will. Dagegen ist nichts zu sagen, es birgt allerdings die Gefahr, alle Aromen gleichmäßig zu verwässern und es auf diese Weise keinem Recht zu machen. Angesichts dieses Risikos ist die Bearbeitung gut gelungen. Wer Angst um seine Coolness hat, sollte aber die Finger davon lassen: Ein bisschen Bombast gehört mit zum Menü, und die brave Ernsthaftigkeit der Texte erzeugt oft einen gewissen Musical-Effekt. Letzteres betrifft vor allem die verschiedenen Promenaden, bei denen häufig gesungen wird. Cool finde ich hingegen, dass man den von Martin Schreier gesprochenen Worten, die es zwischendrin gibt, deutlich den "Sachsen"dreier anhört. Das gehört schließlich mit zur Geschichte.

Dies ist sicher das interessanteste Projekt, an dem die Stern-Combo Meissen seit langer Zeit beteiligt war, und es wird ganz zu Recht betont, dass die Band damit zu ihren musikalischen Fundamenten zurückgekehrt ist. Angesichts der vielen musik- und rockmusikgeschichtlichen Verflechtungen und bandbiographischen Rückbezüge erscheint mir eine Wertung im Stile von "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht" ziemlich uninteressant. Ich habe das Album hier gerne vorgestellt. Über die Punkte, die ich unten vergebe, sollte sich niemand lange den Kopf zerbrechen.

Neben der Audio-CD enthält das Paket eine DVD. Man kann die Bilder also auch betrachten. Natürlich nicht die Bilder des Malers Viktor Hartmann, die Mussorgsky einst inspirierten, sondern die Bilder der Aufführung beim Landesmusikfest. Sie fand nicht im Konzertsaal statt, sondern war ein Open Air Event. Ab und zu sind auf der DVD ein paar kurze Videoeffekte eingestreut, meist belanglos, teilweise (vor allem beim "Marktplatz") ganz witzig. Diese optischen Sequenzen hat ebenfalls Stephan König beigesteuert.

P.S.:

Den einen oder anderen Leser mag es nerven, wenn in dieser Rezension ständig Vergleiche mit Emerson, Lake and Palmer angestellt werden, als hätten die ein rockmusikalisches Patent auf die "Bilder einer Ausstellung". Die Bezugnahme befolgt aber nur die alte Regel, wonach sich Dinge im Vergleich besser erläutern lassen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.8.2017
Letzte Änderung: 12.8.2017
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Stern-Combo Meissen 9.00 3
1978 Weißes Gold 12.00 2
1979 Der Weite Weg 12.00 1
1980 Reise zum Mittelpunkt des Menschen 12.00 3
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2011 Lebensuhr 10.00 1

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