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Pyrolator

Inland

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979 (CD-Reissue 2012, bureau b)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Ata Tak
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Kurt Dahlke Synthesizers, Sequenzer, E-Organ, Logan Stringorchestra, Electronics, Sounds

Tracklist

Disc 1
1. minimal tape 1/23 2:47
2. it always rains in wuppertal 3:19
3. inland 1 3:01
4. minimal tape 1/8 3:22
5. danger cruising 3:17
6. inland 2 1:43
7. inland 3 2:53
8. minimal tape 3/72 4:21
9. bärenstrasse 3:50
10. have a good ride 2:40
11. inland 4 2:34
12. nordatlantik 1:51
13. der Volksmund wird beatmet   (13-18 Bonustracks CD-Reissue) 4:21
14. struktur 01 2:25
15. november mühlheim 2:02
16. ok margo 4:22
17. die einsamkeit des langstreckenläufers 8:23
18. struktur 22 2:24
Gesamtlaufzeit59:35


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Der Pyrolator heißt mit bürgerlichem Namen Kurt Dahlke, und wurde Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem durch seine Mitgliedschaft in den NDW-Formationen D.A.F., Der Plan und Fehlfarben, und als einer der Macher des Labels Ata Tak bekannt. Bisweilen veröffentlicht Dahlke aber auch Soloalben, zuerst 1979 das hier rezensierte "Inland", welches sich vorwiegend in experimentellen Elektronikgefilden aufhält.

Die Neue Deutsche Welle verbindet man heutzutage meist mit mehr oder weniger unkonventionelle Pop-Produktionen aus den 80ern, mit Trio, Nena, Extrabreit und Ideal, mit einer Art von Neuem Deutschen Schlager, der sich erstaunlicherweise irgendwie aus dem Punk entwickelt hatte. Ganz ähnlich wie in Großbritannien formierten sich in der BRD in der zweiten Hälfte der 70er deutschsprachige Punkbands, die Keimzellen für neue musikalische Ideen legten, aus denen dann (etwas vereinfach dargestellt) später im Jahrzehnt die New Wave wurde, oder auch schräger Artpop, Avantgardistisches und der Neue Schlager. Und was hat das alles mit Prog zu tun?

Nun, eine gewisse stilprägende Rolle bei dieser Geschichte hat wohl der Krautrock gespielt, z.B. Produktionen von Can, Faust, Neu! und Amon Düül. Man höre z.B. "Archangels Thunderbird" von den Düüls (z.B. in der Version auf "Live in London"), und man versteht dass diese Musik einen gewissen Einfluss auf die aufblühende britische Punk- und New-Wave-Szene gehabt hatte. Andererseits klingen so einige frühe NDW-Produktionen auch nicht viel anders als Krautrock, oder sind im Grunde weiterhin solcher. Als Beispiel sei der D.A.F.-Erstling "Ein Produkt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft" genannt, der eigentlich ein recht wüstes, sehr authentisches Krautrockgejamme darstellt, oder das eine oder andere Stück von S.Y.P.H. (insbesondere auf deren viertem Album von 1981), die mit Holger Czukay aufgenommen haben.

Das bringt uns schließlich zu "Inland". Auf dem Album ist nämlich waschechte, experimentell-bizarre Krautelektronik zu finden, was vielleicht auch erklärt, warum das Album 2012 von bureau b auf CD wieder veröffentlicht wurde, ergänzt um eine Ladung Bonustracks (zu denen keine weiteren Informationen gegeben werden, die aber vermutlich aus denselben Sessions stammen).

Sperrige, freifromatige Elektronikklänge wabern hier durch die Gehörgänge, kurzweilige Elektronikminiaturen (bis auf das lange "die einsamkeit des langstreckenläufers") angereichert mit allerlei Klangsamples und Geräuschen, einfachen rhythmischen Mustern und Maschinensounds. Auf dem Cover steht noch das Wort "synthesizer", was wohl dem im Plattenladen durch die Neuerscheinungen blätternden potentiellen Käufer einen Hinweis auf die auf dem Album vorherrschende Klangquelle geben sollte. Kosmisch oder spacig ist diese Musik allerdings nicht ausgefallen, eher kantig und expressionistisch, wobei bisweilen gewisse Bezüge zur Düsseldorfer Szene, insbesondere zu Cluster und den Solowerken der Cluster-Musiker, insbesondere zur Musik von Dieter Moebius herstellbar sind. Stellenweise nimmt die Musik nämlich auch heitere und klarere Formen an, in "danger cruising" z.B. (oder im Bonustrack "november mühlheim"), in dem die Töne etwas runder und fast gutgelaunt voran purzeln. Doch meistenteil geht es hier eher wüst zu, wälzen sich bedrohlich dröhnende Sounds dahin, hektisch fiepende und pulsierende Sequenzermuster, minimalistisch-repetitive Klangkonstrukte, verfremdete und elektronisch angereicherte Stimmdurcheinander oder industriell sägende Tonschleifen, die z.B. auf einem frühen Cluster-Album nicht negativ aufgefallen wären, und vielleicht am ehestens mit den zeitgleich oder etwas früher entstandenen Hervorbringungen von Asmus Tietchens vergleichbar sind.

"Inland" ist ein ausgesprochen interessante Album mit krautiger Elektronik, das nicht nur die progressiven Wurzeln der Neuen Deutschen Welle demonstriert, sondern auch für sich allein stehend ein durchaus eigenständiges und wichtiges Statement im Bereich experimentelle Elektronik darstellt. Krautelektronikadepten machen hier jedenfalls nicht viel falsch.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.9.2017
Letzte Änderung: 10.9.2017
Wertung: 11/15

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