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24173 Rezensionen zu 16523 Alben von 6433 Bands.
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Electric Orange

EOXXV

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Elektronische Musik; Krautrock; Postrock
Label: Studio Fleisch
Durchschnittswertung: 9/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Dirk Jan Müller Synthesizers, String Ensemble, Hammond Organ, Mellotron, Clavinet
Dirk Bittner Guitars, Percussion, Cowbell, Phonofiddle, Cajun
Tom Rückwald Bass, Acoustic Bass, Drop Guitar
Georg Monheim Drums, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. continuum   (April 2013) 22:58
2. under the nun   (March 2013) 16:01
3. gnosis   (May 2013) 20:03
Gesamtlaufzeit59:02
Disc 2
1. misophonia IV   (January 2016) 20:05
2. misophonia V   (January 2016) 16:35
3. faint   (January 2017) 22:01
4. residuum   (January 2017) 16:52
Gesamtlaufzeit75:33


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 5)


Wie kürzlich erwähnt (siehe meine Rezension zu "Time Machine 1992​-​2017"), feiern Electric Orange dieses Jahr ihren 25sten Geburtstag. Zu diesem Anlass hat man nun der eben genannten Archivkompilation auch ein Studioalbum folgen lassen, das ca. zwölfte der Band aus Aachen, und schon die dritte Veröffentlichung der Gruppe im Jahre 2017 (schon im April erschien die Livescheibe "Würzburg Cairo 2015"). "EOXXV" (was wohl für Electric Orange 25 steht) ist als Doppel-CD in elegantem Digipack, oder als Triple-Vinyl-Box zu haben, und natürlich als Download.

Im Vergleich zu den beiden direkten Studiovorgängern ("Volume 10" und "misophonia"), die durch die Verwendung von allerlei mehr oder weniger exotische Instrumenten auffielen, sind Electric Orange auf "EOXXV" vorwiegend in einer eher klassisch-krautrockigen Besetzung zu Gang: E-Gitarre, Bass, Schlagwerk und allerlei Tastenwerk (Synthesizer und Orgel meist). Die Musik wird daher etwas schlichter instrumentiert, kommt aber nicht minder dicht, vielschichtig, farbig und dynamisch aus den Boxen. Wie auf dem direkten Vorgänger gerät die Musik bisweilen in elegisch gleitende bis dynamisch treibende Postrockgefilde, versprüht dabei aber immer noch eine kosmisch-krautige Atmosphäre. Allzu retro klingt man dabei aber nicht mehr, auch wenn durchweg analoges Equipment zum Einsatz kommt.

Die durchweg sehr ausladenden Nummern wirken wie Studiojams, oder Improvisationen, arbeiten sich hypnotisch-repetitiv, kosmisch hallend, farbig mäandernd, spacig rockend, elegisch wabernd, kerniger treibend und voluminös voran, wobei die drei Stücke auf CD1 (die schon im Jahre 2013 aufgenommen wurden) etwas rockiger und erdiger daher kommen, während es auf CD2 freier und klangmalender zugeht. Oder, eigentlich treiben nur die ersten beiden Nummern von CD1 etwas jammend-rockend-krautig voran, wohingegen "gnosis" vom Kontrabass bestimmt ruhig dahin gleitet, angereicht mit allerlei Tastenflächen, stoischer Perkussion und diversen schliefenden und zupfenden Beiträgen Bittners. Ein intensiv-entspannter Elektro-Spacejazz (und könnte fast von den Necks stammen), ist das, der eine gewisse mysteriöse Atmosphäre verströmt.

Das gilt noch viel mehr für die Stücke der zweiten CD (die wohl, wie die Namen der ersten 2 Nummern vermuten lassen, eine Fortsetzung von "misophonia" darstellt), die alle etwas freiformatiger klangmalen, und nur selten rocken. Mächtige Tonbilder arbeiten sich aus den Boxen, alles in allem recht luftig und gemächlich, ohne wüst oder schräg zu werden, mitunter fast entspannt gleitend (man höre den Anfang von "faint", oft aber leicht angedüstert, melancholisch, oder fast bedrohlich (man höre das abschließende "residuum"). Retrokrautrock ist das eigentlich nicht mehr, eher ein eigenständiger, klangvoller kosmischer Postrock (im krautigen Geiste).

"EOXXV" ist ein weiteres starkes Album geworden, dass Freunde atmosphärisch-freien Klangbastelns mit mehr oder weniger deutlichen Rockbezügen, elektronisch-auslandendem Postrock und moderner Krautelektronik sehr zusagen sollte. Natürlich kann man der Band vorwerfen, dass sich in stilistisch-kompositorischer Hinsicht im langen Verlauf des Albums nicht viel tut, und das Ganze eher träge dahin gleitet. Es mag also sicher den einen oder anderen geben, der diese Musik als langweilig empfinden möge, obwohl sich hier doch einiges tut, und jede Nummer anders instrumentiert und konzipiert wurde. Wer also kurzweilig-komplexes Frickeln und erdiges Rocken bevorzugt, oder klare Songstrukturen braucht, der sollte einen Bogen um diese Musik machen. Die oben umrissene Zielgruppe wird aber sehr viel Spaß an "EOXXV" haben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.9.2017
Letzte Änderung: 30.9.2017
Wertung: 12/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 5)


Zum 25-ten Jahrestag des eigenen Bestehens legt die Formation um Dirk Jan Müller eine zutreffend „EOXXV“ genannte 2-CD-veröfentlichung vor, die auf der ersten CD drei Longtracks von 2013 und auf der zweiten vier lange Stücke aus den Jahren 2016 und 2017 präsentiert.

Die erste CD bietet hypnotisch-trancige und energetische („continuum“), suchend-experimentelle („under the nun“) und zwischen Ambient-artig und minimalistisch-repetitiv angesiedelte Space-Krautrock-Jams („gnosis“).

Die Longtrack-Jams der zweiten CD sind von deutlich elektronischer, zum großen Teil auch von entspannterer Natur. Für das Klangbild von „misophonia IV“ sind die trancigen Perkussions-Rhythmen und die darüber schwebenden Synthesizer bestimmend, die zugleich rhythmische und lautmalerische Klangmuster erzeugen. In „misophonia V“ hört man wieder das traditionelle Schlagzeug-Kit, das im ersten Teil des Stückes für eine entspannte Begleitung des hier dargebotenen Canterbury-Prog (?) sorgt und im zweiten einen Elektronik-Rock-Jam vorantreibt. Der sphärische Elektronik-Rock wird im ersten Teil von „faint“ in ähnlicher Form fortgesetzt, diesmal unter Einsatz von dunkel eingefärbten Mellotron-Klängen und Gitarrensolos. Im weiteren Verlauf gewinnt das Stück durch die stampfenden Rhythmen und die rockenden Gitarren erheblich an Intensität, so dass gegen Ende das Gebotene zu einer treibenden Space-Rock-Nummer mutiert. „residuum“ besticht durch die Duelle, oder vielmehr durch das teamorientierte Solieren von atmosphärischen Synthies neben einer elektrischen Gitarre.

Für Fans solcher Musik, die eben auf ausgedehnte, einfallsreich gestaltete Kraut-Space-Elektronik-Jams stehen, ist „EOXXV“ eine lohnenswerte Anschaffung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.9.2017
Letzte Änderung: 27.9.2017
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 5)


Reich beschenkt werden Fans zum 25-jähirgen Jubiläum der Aachener Formation Electric Orange. Neben der Archivveröffentlichung Time Machine noch mit einem Studioalbum, das den ebenso passenden wir einprägsamen Titel EOXXV trägt und ebenfalls als Doppel-CD kommt. Wobei, beschenkt ist jetzt nicht ganz das richtige Wort, schließlich muss man ihre Tonträger ja käuflich erwerben. Aber ich kann nur dringend empfehlen, auch für diesen Tonträger den Obolus zu entrichten, denn die wunderbaren Klänge, welche hier kredenzt werden, sind die Investition wert.

Electric Orange sind längst keine Retro-Krautrock-Band mehr, das macht das neue Album wieder deutlich. Es ist der Geist des Krautrock, besser gesagt einer bestimmten Spielart des Krautrock, den die Aachener aufnehmen und auf eine Weise verarbeiten, die zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt klingt. Die beiden Scheibchen klingen dabei recht unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen lediglich, dass es sich um recht ausladende Stücke handelt.

Die drei Stücke der ersten CD zeigen sich bewegter, dynamischer, auch dezent rockiger. Speziell Continuum ist von geradezu hypnotischer Wucht, verbindet spaciges Schweben mit erdigem Rocken und ist mit seinen 23 Minuten eigentlich noch viel zu kurz. Die beiden anderen sind etwas zurückhaltender, dafür teilweise experimentellerer Natur; so enthält Under the Nun eine längere freiformatige Passage aus wabernden Tastenklängen und wildem, etwas rituell anmutendem Getrommel, während das schwebende Gnosis schon auf den Stil der zweiten CD verweist, durch den kräftigen Kontrabass aber auch eine recht jazzige Note bekommt.

Die zweite CD zeigt sich also von ganz anderer Natur. Hier ist viel freies elektronisches Klangwabern angesagt, ganz in der Tradition der „Kosmischen Musik“ der frühen 70er. Aber auch hier eifert die Band nicht einfach den Vorbildern nach, es ist erneut eher der Geist dieser Musik, der aufgenommen und auf ganz eigene Weise verarbeitet wird. Wuchtig und voluminös zeigt sich die Musik hier, das wuselige Schlagzeug setzt einen netten Kontrast zu den langsam wogenden Klangflächen. Sehr schön ist auch die Kombination mit der kratzigen Gitarre im abschließenden Residuum.

Die Aachener zeigen mit ihrem Jubiläumsalbum erneut, dass sie zur Speerspitze des modernen Krautrock gehören. Fantastische Musik für jeden, der nicht an Strukturen und Konventionen hängt!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.9.2017
Letzte Änderung: 30.9.2017
Wertung: 12/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 4 von 5)


Verharrend, ohne woher und wohin, endlos ein paar Tonstufen umspielend (vier Töne hoch, einen Soundeffekt runter und wir sind wieder da), so dehnen sich die Stücke auf dieser Doppel-CD. Das Schlagzeug trommelt vor sich hin, bietet aber auch gerne sinnlose Beckenakzente, die betonen, wo es nichts zu betonen gibt. Ich sehe einen Mann, der an einem unbestimmten Nachmittag stundenlang in seiner Teetasse rührt, die Stirn dabei in nachdenkliche Falten legt, aber weder trinkt noch denkt. Derweil scheppert Muttern in der Küche mit dem Geschirr herum, und der Sohnemann übt zwei Zimmer weiter auf der Gitarre leise die Tonleiter. Alles läuft auf halber Flamme, alles ist vertraut und so könnte es ewig weitergehen – was es bei Electric Orange gefühlt auch tut.

Langeweile als Stilmittel – diese schöne Formel hat man mal für den Roman "Die Blendung" von Elias Canetti geprägt. Aber man muss unterscheiden: Langeweile kann quälend sein oder belanglose Behaglichkeit verbreiten. Letzteres gilt für diese CD. Sie fordert vom Hörer nichts, umspült ihn mit den altvertrauten Klängen der Progression von vorvorgestern und lädt in aller Biederkeit zum psychedelischen Heimatabend ein. Darüber beschwert sich niemand, ja, alle sind recht zufrieden. Wie jeder Heimatabend ist auch dieser urgemütlich und ein bisschen ulkig zugleich. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es bekanntlich nur ein kleiner Schritt, und vom Erhabenen zum Bequemen scheint der Weg auch nicht allzu weit zu sein. In den weichen Kissen der krautigen Psychedelik lässt sich jedenfalls ganz vortrefflich die Zeit verdämmern.

So bleibt die Diagnose einer atmosphärischen Gebrauchsmusik, eines Klangdienstes, der liefert, was gewünscht wird. Diesen Mechanismus gibt es in allen Kunstgattungen, und jeder der ihn beseitigen wollte, müsste auf zwei, drei Bücher, CDs oder Filme verzichten, die er eigentlich gerne mag. Aber hier ist mir die Sache denn doch mehrere Spuren zu bräsig. Man fühlt sich nicht gerne mit irgendwelchem Kram abgespeist, doch genau dieses Empfinden löst das Album bei mir aus.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.10.2017
Letzte Änderung: 4.10.2017
Wertung: 4/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 5 von 5)


Auf EOXXV wurde ich nicht etwa durch die positiven Rezensionen der Herren Breiling, Zielinski und Rindfrey aufmerksam, sondern durch diejenige von Kollege Günther. Sehr lesenswert. Die Unterschiede in der Notengebung haben mich dann neugierig gemacht.

Auf der einen Seite mag ich repetitive Muster, das Einlullende, sich im Rhythmus des eigenen Herzschlags ewig Dahinziehende, den endlosen Zähfluss einer konturlosen Klangwolke. Auf der anderen Seite habe ich immer das Gefühl, dass die Musiker, die solche Musik machen, einfach keine Melodien und Songs schreiben können und lediglich Sounds zustande kriegen. Um diesen kompositorischen Mangel zu kompensieren werden die Stücke dann überlebensgross aufgeblasen und in die Länge gezogen.

Genau das tun Electric Orange hier auch. Jedes Stück ist zwar ein wenig anders als die anderen. Jedes in sich aber sehr monolithisch, nur mit unwesentlichen und in meinen Ohren unwichtigen Variationen versehen und auf Dauer zu eindimensional. Trotz der körperlich spürbaren repetitiven Monotonie wird die Musik mit der Zeit irgendwie, ja ich sags, langweilig.

Aber wie Achim oben schon anmerkt: es gibt bestimmt eine Zielgruppe, welche mit dieser Art von Klängen mächtig Spass hat und bestens bedient wird. Mein Ding ist es nicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.10.2017
Letzte Änderung: 4.10.2017
Wertung: 6/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Electric Orange

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1996 Orange commutation 10.00 1
1999 Electric Orange (double CD Version) 10.50 2
2001 Abgelaufen 10.00 1
2001 Totales Brummen - 1
2001 Cows don't dream at night 11.00 1
2001 rechnung offen 8.00 1
2001 rote sonne 10.00 1
2001 sessions nebenan 11.00 1
2001 tonbandreste 10.00 1
2002 Unterwasser - Live 2002 12.00 1
2003 Platte 11.33 3
2007 Morbus 12.33 3
2008 fleischwerk 12.00 2
2010 Krautrock from Hell 10.00 3
2011 Netto 11.00 2
2014 Volume 10 12.50 5
2015 Nein! HITS à gogo - Golden Recordings 11.00 2
2016 misophonia 11.60 5
2017 Würzburg Cairo 2015 12.00 1
2017 Time Machine 1992​-​2017 11.00 2

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