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Video Liszt

Ektakröm Killer

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981 (Vinyl-Neuauflage 2016)
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik
Label: Epic / Medical Records
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Xol Synthesizer, Keyboards, Gitarre
Dan Diersant Computer, Synthesizer, Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. Ekta-Kröm Killer   (LP-Seite 1) 7:42
2. Photoflex 2:54
3. Pictures Of Machine Men 5:03
4. Shutter's Shudders 3:53
5. Fade In Hong Kong   (LP-Seite 2) 3:31
6. Vanilla Quartz 3:28
7. Destroyer Eye 3:32
8. The Tube 7:41
Gesamtlaufzeit37:44


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Frankreich war in den 70er Jahren neben Deutschland die zweite kontinentaleuropäische Hochburg populärer elektronischer Musik, wovon nicht nur die Werke von Jean Michel Jarre oder Richard Pinhas zeugen, sondern auch jene von Immigranten wie Tim Blake oder Vangelis. Vermutlich ist es diesem Umstand geschuldet, dass "Ektakröm Killer", das 1980 entstandene und 1981 veröffentlichte einzige Album von Video Liszt, mittlerweile so eine Art Legendenstatus erreicht hat. Denn die Platte wurde nie neu aufgelegt, war entsprechend selten und klingt - worauf ich gleich noch zu sprechen kommen werde - immer noch futuristisch. 2016 allerdings wurden die ersten beiden Punkte mehr oder weniger aufgehoben: Das US-Label Medical Records presste "Ektakröm Killer" zum "Record Store Day" im April des Jahres in kleiner Auflage nach, sodass dieses Album zumindest für den (bis jetzt andauernden) Moment wieder relativ einfach erhältlich ist.

Hinter Video Liszt steckte ein Herr mit dem Pseudonym Xol, als weiterer Instrumentalist wurde ein gewisser Dan(iel) Diersant aufgeführt, und der prominente Richard Pinhas, der hier als Produzent fungierte, will nach eigenen Angaben auch direkt musikalisch an "Ektakröm Killer" beteiligt gewesen sein, ohne diese Angabe näher zu spezifizieren. Pinhas selber brachte auch ins Gespräch, "Xol" sei das Pseudonym von Hervé Picart gewesen. Über die letzteren beiden Punkte gibt die Platte natürlich keinen Aufschluss, interessant ist allerdings, dass sowohl Diersant als auch Xol neben der Elektronik jeweils auch Gitarre gespielt haben sollen - ihre Aufgabenteilung deckt sich also mit den Fähigkeiten von Pinhas.

Was nun die Musik auf "Ektakröm Killer" angeht, fällt erst einmal seine Struktur auf: Am Anfang und am Ende stehen mit dem Titeltrack und "The Tube" jeweils zwei längere Stücke, die sich eine verwandte Keyboard-Arpeggio-Melodie (bezeichnendes Merkmal: Phrasen werden jeweils zweimal gespielt) teilen. Das klammert dieses Album geradezu ein, wobei "The Tube" einen ganz netten Abschluss bildet, indem diese Arpeggio-Melodie ziemlich sinfonisch erst auf 4-5 Stimmen parallel gespielt wird, ehe dann Gitarre und Elektronik polyphon solieren. Hingegen hatte der Titeltrack das Album noch mit eher aufsteigend und offen begonnen und überdies mit seiner Fixierung auf den Rhythmus den Ton für dieses Album angegeben. Das äußert sich dann eben in den sechs kompakteren Stücken zwischen Anfang und Ende. Dabei fällt insbesondere ein Hang zu poppigen Melodien und einer fröhlich-unbekümmerten Stimmung auf, wie er in "Photoflex", "Shutter's Shudders", "Fade In Hong Kong" und "Vanilla Quartz" zu finden ist. Die Begleitung zu diesen Synth-Melodien bilden jeweils eingängige Basslinien und eine eher simple Harmonik, die insbesondere während der Strophen zumeist nur aus zwei Tonarten besteht.

Sagte ich "Strophen"? Ja, die gibt es - und zwar mit ziemlich präsentem Vocoder-Gesang, der jedoch dermaßen verfremdet ist, dass Texte oder ähnliches kaum verständlich sind. Eher hört sich das wie ein Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch mit französischem Akzent an, das aber ebenso amüsant wie futuristisch klingt. Immerhin offenbart "Photoflex" mit der Phrasierung dieser nach "schön, schön, schön from a video magazine" oder so klingenden Zeilen, dass Reihung und Phrasierung der Vokabeln an Kraftwerks bekanntes "Fahr'n, fahr'n, fahrn' auf der Autobahn" erinnern. Überhaupt klingen die fröhlicheren Kraftwerk-Nummern wie "Europa Endlos" oder "Ohm Sweet Ohm" immer wieder mal an, "Fade In Hong Kong" ließe sich allerdings ebenso auch noch an zeitgenössische Mike-Oldfield-Sachen wie "Platinum" anlehnen.

Zwischen diesen fröhlichen Nummern, deren größter Reiz zweifellos in der freundlichen, optimistischen Atmosphäre voller pfeifender Synthies und schnalzender Drumcomputer besteht, haben sich mit "Pictures Of Machine Men" und "Destroyer Eyes" allerdings auch noch zwei eher düstere Stücke eingeschoben. Die sind für sich genommen sogar noch besser gelungen: In ersterem gibt es einen stampfenden Rhythmus, darüber wehmütige Akkorde, tremolierende Sounds und später noch minimalistische Gitarrenriffs, zwischendrin erst ein ein-, später dann mehrstimmiges Synth-Solo und einen hübschen Gegensatz zwischen 6/8-Motiven und dem 2/4-Rhythmus. "Destroyer Eyes" dagegen ist minimalistischer ausgefallen und verwendet wieder diese Zweier-Harmonik und eher wenig Abwechslung, schafft es aber mit abwechselnd unterschiedlich verfremdetem Gesang eine ähnliche Stimmung wie Eloys "Atlantis' Agony At June 5th - 8498, 13 P.M. Gregorian Earthtime" zu erzeugen.

Mag sein, dass die kürzeren Stücke ein bisschen simpel und repetetiv ausgefallen sind - als Ganzes ist "Ektakröm Killer" eine relativ schlüssige und abwechslungsreiche Angelegenheit, die sich einerseits (kompositorisch) der poppigen Seite der Elektronik nähert, diese andererseits aber mit dem unbedingten technoiden Futurismus im Sound und diesem extremen Vocoder-Einsatz teils auch wieder verwirft. Das ist frappierend, denn gemessen an bspw. der Jarre'schen Elektro-Romantik wirkt das Video-Liszt-Unikum geradezu schroff und aggressiv, ohne dabei aber spätere Stile wie EBM, Techno oder Noise vorwegzunehmen. Insofern ist "Ektakröm Killer" wohl eine interessante musikalische Bestandsaufnahme der Jahrzehntwende - auch wenn der eingangs geschilderte Legendenstatus wohl in erster Linie tatsächlich durch die kommerzielle Nichtverfügbarkeit zustande gekommen sein dürfte.

Anspieltipp(s): Pictures Of Machine Men, Photoflex, The Tube
Vergleichbar mit: Kraftwerk, Jean Michel Jarre, Mike Oldfield
Veröffentlicht am: 5.10.2017
Letzte Änderung: 5.10.2017
Wertung: 11/15
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