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Amorphis

Am Universum

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2001
Besonderheiten/Stil: Gothic; Psychedelic
Label: Relapse Records
Durchschnittswertung: 7/15 (1 Rezension)

Besetzung

Pasi Koskinen Gesang
Esa Holopainen Gitarre
Tomi Koivusaari Gitarre
Santeri Kallio Keyboards
Niclas Etelävuori Bass
Pekka Kasari Schlagzeug

Gastmusiker

Sakari Kukko Saxofon
Antti Halonen Singende Säge ("Grieve Stricken Heart")

Tracklist

Disc 1
1. Alone 6:18
2. Goddess (Of The Sad Man) 4:00
3. The Night Is Over 4:04
4. Shatters Within 5:22
5. Crimson Wave 4:45
6. Drifting Memories 4:24
7. Forever More 4:30
8. Veil Of Sin 5:10
9. Captured State 4:28
10. Grieve Stricken Heart 6:42
Gesamtlaufzeit49:43


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Amorphis' Album aus dem Jahre 2001 hat einen merkwürdigen Ruf: Einerseits kam just um diese Zeit herum der Trend auf, die Finnen mit Gothic Rock zu assoziieren, was sicherlich der gleichzeitigen Popularität von Landsmännern wie HIM, Sentenced, The 69 Eyes oder The Rasmus geschuldet war. Andererseits gilt "Am Universum" im Nachhinein als experimentellstes, psychedelischstes und ausgefallenstes Werk der Band. Wie das zusammengeht? Das ist eigentlich keine Zauberei: Einerseits wurden die Stücke gegenüber "Tuonela" nochmals geradliniger, rockiger und melancholischer, zudem ließ Pasi Koskinen hier erstmals das Grunzen völlig in der Kehle und beließ es bei, nun ja, elegischem Klargesang - der Punkt für den Goth-Mainstream! Aber: Die Tendenzen zur Diversifikation des Klanges, die es auf "Tuonela" mit Psychedelic- und Folk-Referenzen gegeben hatte, wurden hier ebenfalls fortgesetzt. Insofern hört sich "Am Universum" dann größtenteils doch noch einmal komplett anders an als alles, was die Band zuvor aufgenommen hatte, und hierauf dürfte letztgenannte Reputation fußen.

Unter diesem Gesichtspunkt sollte ich allerdings nicht verhehlen, dass "Am Universum" eben nur klanglich einen Fortschritt darstellt. Kompositorisch wird es wie berichtet deutlich einfacher: Geradlinige Rock-Rhythmen, wenn auch teils maschinell bis stampfig, was dann eben an 80er-Goth à la Sisters Of Mercy oder Fields Of The Nephilim erinnert, und zumindest auf dem Papier eher simple Strophe-Bridge-Refrain-Strukturen liegen vor. Die Raffinesse, die "Elegy" und "Tuonela" ganz oder teilweise geprägt hatte, fehlt augenscheinlich. Aber es gibt auch hier ein "Aber": Auffällig ist, dass Amorphis die Proportionen zwischen Strophe, Bridge und Refrain völlig verkehren. Man kann sich den Spaß gönnen und mal auf die Uhr schauen: In "Shatters Within" dauern Bridge und Refrain zusammengenommen 1:10 Minuten, wohingegen die Strophen davor und danach lediglich 47 Sekunden veranschlagt (auf ähnliche Verhältnisse kommt man auch noch im abschließenden "Grieve Stricken Heart"). Und nur die Strophen setzen auf Melodien aus sich wiederholenden Phrasen, während Bridge und Refrain zumeist durchkomponiert sind - es scheint fast, als hätten Amorphis hier ihre Prioritäten als Songwriter lediglich verlagert.

Den grundsätzlichen Makel, dass die Songs lediglich aus wenigen sich wiederholenden Blöcken bestehen, behebt dieser Hang zu komplexen Melodien allerdings nicht, und besonders in Momenten, wo zur Begleitung eher gewöhnlich gerockt wird, steht die Musik ein bisschen dumm da. Das wäre dann die Gelegenheit, sich nach den anderen Klängen zu sehnen, die es auf diesem Album gibt, und die bestehen aus: Esa Holopainens unvergleichlicher Delay-Gitarre, den durchtriebenen Keyboard-Einsätzen, die von klassischer Rock-Orgel bis zu bedrohlichen Soundscapes reichen, vor allem aber dem in fast jedem Song zu hörenden Saxofon von Sakari Kukko. Mit solchen Mitteln ergibt sich - wie gesagt, dort wo nicht einfach gerockt wird - ein recht bunter Sound, auch wenn es die Band gelegentlich übertreibt, wenn wie im Opener "Alone" beispielsweise ausgerechnet die interessantesten Spuren hinter Bass, Gesang und Schlagzeug untergehen. Trotzdem wird über die Arrangements einiges an Spannung erzeugt, beispielsweise mit der überraschend ruhigen Bridge in "Goddess (Of The Sad Man)" mit chilliger Klavier-und-Saxofon-Begleitung oder der The-Doors-artig unterlegten Strophe in "Crimson Wave".

Letzteres Stück hat dann auch noch eines der wenigen echten kompositorischen Kabinettstückchen dieses Albums: Die letzten 40% der Spielzeit sind Jam-artig ausgelegt, was aber nicht sofort auffällt, denn eigentlich hört man hier vorwiegend ein langes Saxofon-Solo. Darunter allerdings passiert einiges, und es bereitet schon Freude, wie Santeri Kallio an der Orgel die Begleitakkorde ziemlich kreativ auswalzt. Andere Punkte in dieser Hinsicht sammelt die Band sonst noch mit "The Night Is Over", dessen Refrain man ungleich ruhiger als die üblichen Komponenten des Songs gestaltet hat und der folglich jeweils durch eine Instrumentalpassage erst wieder die Intensität der eher sumpfigen als rockigen Strophe herstellen muss, und mit "Drifting Memories", das zwischenzeitlich tatsächlich noch mal die Themen-Kompositionen von "Elegy" anklingen lässt und es außerdem schafft, den in den Strophen eher schunkeligen 6/8-Takt in Instrumentalpassagen überraschend treibend klingen zu lassen.

Das allerdings sind eher nur kleinere Punkte. Im Gesamtbild ist "Am Universum" nämlich eine melancholische Rockplatte auf solidem Niveau, aber mit eher simplem Songwriting. Das ist schade angesichts der - ich schrieb es schon - Raffinesse früherer Tage, und die genannten Eigenheiten einzelner Songs und der psychedelische Sound sind zu wenig, um die grundlegende Richtung hier zu beeinflussen. Denn auch der schönste und ausgefallenste Refrain profitiert nicht unbedingt von Wiederholungen in unveränderter Form zu indifferenter Begleitung. Nein, hier wäre mehr drin gewesen...

Anspieltipp(s): Crimson Wave, Drifting Memories, Goddess (Of The Sad Man)
Vergleichbar mit: zwischen The Doors, Hawkwind und The Sisters Of Mercy
Veröffentlicht am: 5.10.2017
Letzte Änderung: 5.10.2017
Wertung: 7/15
auch die besseren Songs kommen kaum über 10 hinaus

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amorphis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Tales From The Thousand Lakes 12.00 1
1996 Elegy 14.00 1
1997 My Kantele 11.00 1
1999 Tuonela 10.00 1
2003 Far From The Sun 11.00 1

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