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Apallic

Of Fate And Sanity

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: Boersma-Records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Eike Scheubach Gesang
Frank Schöne Gitarre
Klaas Olthoff Gitarre
Kristian Bloem Bass
Dennis Harms Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Iter Initium 1:20
2. The Awakening 4:09
3. Mental Prison 5:50
4. Masked Insanity 6:34
5. Days Before The Black 6:01
6. Deranged 4:09
7. Iter Ex Umbra 1:33
8. The Watchmaker 4:09
9. Leaking Hourglass 5:00
10. A Taste Of Lethe 13:55
Gesamtlaufzeit52:40


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Man glaubt es kaum, wenn man es nicht mittelbar miterleben würde, aber das beschauliche Ostfriesland ist in den letzten Jahren dank Szene-Bekanntheiten wie Slaughterday, Weak Aside, Burial Vault oder Nailed To Obscurity und nicht zuletzt durch das in Rhauderfehn ansäßige Soundlodge-Studio von Jörg Uken tatsächlich zu einer Death-Metal-Hochburg geworden. Wenn man es so betrachtet, dann ist es eigentlich kein Wunder, dass mittlerweile auch progressive Genrevertreter nach vorne drängen - und hierzu gehören eben Apallic aus Emden, die weniger als drei Jahre nach ihrer Gründung und lediglich zwei nach ihrer Debüt-EP "Somnium" mit "Of Fate And Sanity" ihr Debütalbum aufgenommen haben (natürlich in ebenjenem Studio).

Noch ein paar Formalitäten: Das Quintett vom Dollart lässt sich nicht lumpen und hat auf "Of Fate And Sanity" auch gleich eine Konzeptstory eingearbeitet, deren einzelne Abschnitte recht anschaulich auf der Bandhomepage erläutert werden. Es geht (mal wieder?) um einen Komapatienten, Amnesie, zurückkehrende Erinnerungen und schließlich den "Kampf um Leben und Tod" - also eigentlich alles wie auf Ayreons "The Human Equation", nur weitestgehend ohne Theatralik. Die findet sich bei der Vertonung der Story lediglich in Form von Soundeffekten im Intro "Iter Initium" sowie gelegentlichen verfremdet dargebotenen Monologen des Protagonisten, beispielsweise am Ende von "Masked Insanity". Zum Konzept gehört vielleicht auch noch die gesangliche Aufteilung: Es gibt einerseits das gewöhnliche tiefe Grunzen, andererseits aber wie als Antwort darauf öfters ein teils auch mehrstimmiges höheres Keifen. Gut möglich, dass sich hier zwei Wesenszüge der erzählten Person streiten.

Was ihren sonstigen Musikstil angeht, erscheinen Apallic jedenfalls ziemlich gefestigt. Die acht Songs (wie erwähnt: "Iter Initium" ist ein Intro und "Iter Ex Umbra" ein weiteres Zwischenstück) setzen auf technisch-komplexen Death Metal in überwiegend hoher Geschwindigkeit, der seine Komplexität aus verschiedenen Quellen speist. Das wäre einmal das filigrane, unterschwellig melodische Riffing à la Into Eternity, ähnlich verspieltes Drumming und auch gerne ein Gegensatz aus schnellen, treibenden Passagen und langsameren Midtempo-Grooves. Wozu das gut ist, wird gleich erläutert werden. Erst einmal möchte ich aber noch erwähnt haben, dass Apallic ihren Stil bisweilen auch variieren. Da gibt es dann wie beispielsweise am Anfang von "Mental Prison" oder in "Days Before The Black" weniger akzentuiertes, sondern eher gezogenes und auf Harmonien setzendes Riffing, und sowas weist schon in eine andere Richtung - beispielsweise auf gängigen Post Metal à la Intronaut oder gleich auf kreativeren neueren Progmetal wie das Disillusion-Debüt.

Nun aber wie angekündigt zu den Gegensätzen: Tatsächlich bemühen sich Apallic nämlich darum, ihre Songs recht stark zu gliedern. Das geht dann eben so weit, dass Strophen und Refrains eben auf unterschiedliche Rhythmen setzen. Zwar ist so ein Ablauf ja ein wenig vorhersehbar, andererseits grenzt man diese sonst oftmals verwandten Komponenten so umso stärker gegeneinander ab. Da die jeweilgen Übergänge hier aber ziemlich flüssig sind, ergibt sich auf "Of Fate And Sanity" damit dann doch stets ein recht homogenes, schlüssiges Bild. Der andere Punkt hierbei: "Strophe" ist auf diesem Album auch nicht gleich "Strophe". So sind schon im Opener "The Awakening" die Strophen 1 und 2 ganz anders gestaltet als 3 und 4, wohingegen der Refrain unangetastet bleibt - auch so geht Progression. Lustig ist, dass mit soviel Abwechslung in diesem Lied gar nicht auffällt, dass es genre-unüblich hier gar keine längeren Instrumentalpassagen gibt. Qualität gewinnt "Of Fate And Sanity" also neben dem spielerischen Können vor allem durch sein ziemlich klares Songwriting, das Kontraste, Gegensätze und Variationen zugleich hervorhebt und passgenau wieder verbindet - das ist schon eine beachtliche Leistung.

Ausgebremst wird das Album allerdings durch einige kleinere Mängel. Das wäre einmal die trotz des prominenten Namens nicht optimale Produktion - gerade das Schlagzeug klingt eher schlaff und macht klanglich viel weniger her als spielerisch. Zum anderen versäumen es Apallic gelegentlich, echte Höhepunkte in den Songs zu markieren. So könnte beispielsweise der Refrain von "Deranged" viel mehr hermachen, hätte man ihn etwas aufwändiger arrangiert. Und schließlich wäre da noch der abschließende Dreizehnminüter "A Taste Of Lethe", der zwar ebenfalls aus verschiedenen Parts zusammengesetzt wurde. Anders als sonst sind diese aber jeweils für sich genommen länger und teils geradezu monoton ausgefallen, was dann doch sehr verwundert. Immerhin sorgt der Longtrack am Ende noch mal für einen gelungenen Abschluss, indem im Schlussteil noch einmal "Days Before The Black" aufgegriffen wird, und versöhnt damit etwas.

Fazit also: Mit "Of Fate And Sanity" ist Apallic ein gutklassiger Einstand gelungen, das viele Stärken in Technik und Songwriting demonstriert. Wie die meisten Debütalben ist auch "Of Fate And Sanity" wie im vorigen Absatz dargestellt nicht ohne Macken, im Großen und Ganzen überwiegen aber die positiven Eindrücke. Der Weg, den Apallic hier eingeschlagen haben, scheint auf jeden Fall in die richtige Richtung zu führen.

Anspieltipp(s): Days Before The Black, Leaking Hourglass, The Awakening
Vergleichbar mit: Prog-Death, der auf übermäßige Frickelei verzichtet
Veröffentlicht am: 6.10.2017
Letzte Änderung: 5.10.2017
Wertung: 10/15

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