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Antoine Fafard

Proto Mundi (inklusive ‚Doomsday Vault‘)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion
Label: Timeless Momentum
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Antoine Fafard bass and all guitars
Simon Phillips drums
Jerry Goodman violin
Gary Husband lead synth and hammond organ
Martin Maheux drums
Mark Tremblay electric guitar

Gastmusiker

Gavin Harrison drums
Vinnie Colaiuta drums
Scott Henderson electric guitar
Dave Weckl drums
Jean-Pierre Zanella sax
Jerry de Villiers guitar and synth guitar
Gerry Etkins key solo
Chad Wackerman drums
Magella Cormier drums
Terry Bozzio drums

Tracklist

Disc 1
1. Mission Ganymede 20:21
2. The Journey 20:15
3. Empty World 10:29
Gesamtlaufzeit51:05
Disc 2
1. Peace for 4 5:25
2. Black Light 5:36
3. Shuffle It! 5:13
4. Omniabsence 4:51
5. The Chamber 5:00
6. Invisible Light 4:34
7. 13 Good Reasons 6:23
8. D-Day 5:19
9. Rift & Raft 4:49
10. Sum of Six 6:15
11. Phree Motion 5:16
12. Cape Spear 5:40
13. Fur & Axes 5:04
14. Holding Back Time 5:56
15. Variation 4:21
Gesamtlaufzeit79:42


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @


Der Kanadier in Großbritannien – wie heißt das für ihn – Canexit? Also Brexit ist doof, die Seuche des Populismus ist eine menschliche Intelligenzschwäche, die große Kräfte entfalten kann.

Doch hier geht es um einen Musiker und seine Musik, und beides arbeitet vollständig gegen Populismus und Abgrenzung an. Die Musik will alle Menschen erreichen, die ein Interesse an ihrer Ästhetik, ihrem Stil haben. Also Scheiß auf weltweite Idioten und ihre Idiotie. Es lebe die Musik, die Kunst, die Kreativität!

Antoine Fafard, einstmal Chef und Vordenker der kanadischen Jazzrocker Spaced Out (CDs + DVD 2000 – 2008), die von Album zu Album komplexer, technischer und metallischer arbeiteten und bis zuletzt leuchtend glühende Begeisterung in ihren Fans auslösten, ist seit einigen Alben und Jahren schon unter eigenem Namen aktiv. Was er mit Spaced Out machte, sei Vergangenheit, aber immerhin gefielen ihm einige Sachen davon noch ganz gut, meinte er einmal.

In diesem Jahr legt der kanadisch-britische Bassist und Komponist neben diesem Album eine Box auf, die seine Soloalben beinhaltet, inklusives dieses Albums und ebenso inklusive des Albums, das hier als Bonus dazu gegeben worden ist. Wer mag, kann sich die volle Jazzrock-Kante geben und wahrhaft exzellente Musik in magnas moles ins Musikzimmer holen.

„Proto Mundi“, als (rein instrumentales) Konzeptwerk angelegt, dessen ausführliche Story im Booklet nachzulesen ist, enthält lediglich drei Tracks. Mehr gibt es nicht. Da die Stücke indes jeweils (siehe oben) nicht so ganz kurz sind, reichen sie, ein vollständiges Werk zu sein.

Auf den Punkt gebracht: was dieses Quartett hier leistet, ist hochintensiv virtuoser Jazzrock rasanter Spielkunst. Groß gedacht, grandios eingespielt, mit Lässigkeit und Verve intoniert. Außergewöhnlich eindrucksvoll die Handwerkskunst der Beteiligten, von denen sich niemand mehr vorstellen muss. Erstaunlich zuerst: Antoine spielt nicht nur Bass, Gitarre zudem. Diese Position ist vakant geblieben. Doch der Maestro scheint ein ebenso guter Gitarrist wie Bassist zu sein, beide Instrumente werden lebhaft und ausdrucksstark gespielt. Zweiter Mann an den Saiten ist eine Jazzrock-Legende, die einst mit The Flock und Mahavishnu Orchestra zu Weltruhm gelangte: Jerry Goodman. Und sein Beitrag ist erlesen. Zum Niederknien!

Ein genialer Trommler arbeitet – an den Tasten. Gary Husband, der selbst gerade ein Solowerk mit Pianointerpretationen von Mahavishnu-Tracks veröffentlichte, ist bekannter Maßen ein ebenso geübter Pianist wie Schlagzeuger. Er geht an den Tasten ganz auf und kann als nicht ansatzweise zurückgestellt gelten.

Nicht zuletzt sitzt hier ein Mann am Schlagzeug, den ich nicht nur Dominik unbedingt empfehlen möchte: Simon Phillips. Was für ein Ensemble!

Die Songs sind nah an den 1970ern, dennoch ganz modern und zeitlos. Hin und wieder schauen einige mahavishnueske Sprenkel hervor, wie insgesamt kraftvolle Akzente aus der Mitte des Jazzrock-Stiles interpretiert werden. Doch die Songs sind ausdrucksstark komponiert, sind keine Vehikel für Altbekanntes, sondern frisch und vital. Antoine Fafard hat einen eigenen unverwechselbaren Stil. Wenn die instrumentale Weite eine besondere Dichte und intensive Rasanz erreicht hat, stolpern seine Ideen über radikale Rhythmusbrüche und werden zu exzellent verrückten Exegesen bester Jazzrockkunst. Seine Rhythmusvorstellung arbeitet sich technisch und lebhaft aus, setzt über Breaks und hält kurz inne, schnelle Intermezzi folgen, nach denen jeweils kurz angehalten wird und wieder setzt hohe Komplexdichte an, in Schüben, akzentuierten Schüben. Wer rhythmisch so denkt, kann nur ein großes musikalisches Gespür, zudem enormes kompositorisches Gedächtnis haben.

Die beiden 20-Minüter beweisen indes eine weitere Note – Elegie. Erstaunlich, wie elegant und ohne energische Einbuße sich diese Tracks entfalten. Das Baby als dritter Track zuletzt ist technischer, gar metallischer, kommt Spaced Out – Gefilden jedoch nicht zu nahe. Der Mann ist erwachsener und stiller als früher, ohne indes an Kraft und Witz verloren zu haben.

Wem das nicht reicht, der mag sich die zweite CD gönnen, die dem Paket limitiert beiliegt. „Doomsday Vault“, der Name sagt es, muss vor dem Weltuntergang aus den Katakomben gerettet werden und Antoine Fafards Musikerjahre nacherleben lassen. Die Songs stammen aus der Spaced Out Periode bis heute, und nicht einer ist überflüssig.

Diese knackfrischen Songs, allein die Veröffentlichung nur unbedingt wert, beweisen die Beliebtheit des Bassisten im Jazzrock-Gewerbe. In den 15 Tracks arbeitet er mit 15 Musikern zusammen, die – siehe oben – für ausgezeichneten Jazzrock stehen. Allein die Schlagzeuger! So wird das Album zum Handwerksstudium, das für Laien gleichermaßen erfreulich ist. Ganz dazu geeignet, ein feuchtes Näschen zu bekommen.

Mancher Jazzrock-Freak mag bemängeln, dass die Musik von Antoine Fafard stets so außerordentlich technisch und intensiv kompositorisch ist. Ein wenig unterkühlt, in Höhepunkten überheiß brodelnd. Nun, persönliche Vorlieben sind stets Maßstab, sich mit der Welt zu beschäftigen. Wer nicht drauf steht, darf sich am Waldspaziergang erfreuen. Den die Jazzrock-Süchtigen später machen müssen.

Ich kann dies alles nur empfehlen.

Anspieltipp(s): Mission Ganymede, The Journey, Empty World
Vergleichbar mit: Spaced Out, Mahavishnu Orchestra, den Beteiligten in ihren Jazzrock-Bands und -projekten
Veröffentlicht am: 10.11.2017
Letzte Änderung: 10.11.2017
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Antoine Fafard

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 Solus Operandi 11.00 1

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