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Orpheus Nine

Transcendental Circus

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Neoprog; RetroProg
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jason Kresge keyboards, lead vocals
Mark DeGregory drums, vocals
Tony Renda bass, vocals
Matt Ullestad guitar

Tracklist

Disc 1
1. Of Zygotes and Grace Notes 1:17
2. Eightfold Way 6:46
3. Fetish 8:31
4. Hand of Make-Believe 5:32
5. No Illusions 4:23
6. Age of Rhyme and Reason 6:27
7. Transcendental Circus

1. I: Barcarolle of Bedlam 5:30
2. II: Hallowed Playground 4:14
3. III: Intergalactic Clown Festival 3:00
4. IV: Swimming in Our Four O’Clock Tea 2:51
5. V: Not Within the Memory of Elephants 3:00
6. VI: Freak Tent Mausoleum 2:55

8. Reaper’s Carousel 3:47
9. Sandcastles 6:00
10. The Fall of the House of Keys 10:44
Gesamtlaufzeit74:57


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Wir tauschen uns hier hinter den Kulissen immer über neue Musik aus. Andauernd bekomme ich Mail von Rezensentenkollegen mit Hörtipps. Und verschicke mindestens ebenso viele. "Hör Dir das mal an!" "Das könnte Dir gefallen!" "Das musst du gehört haben!" Wir sind ständig im Netz unterwegs, auf Streamingseiten, bei YouTube, auf Bandcamp, um Neues und Unerhörtes für Euch zu entdecken und zutage zu fördern.

Vor einigen Wochen stieß ich bei diesen Stöbereien auf Orpheus Nine. Die Band begann als Soloprojekt des Keyboarders Jason Kresge. Kresge entwarf eklektische, keyboardgetriebene Musik mit Klavier, Orgel und Synthesizer als Lead-Instrumenten. Nach einer Zeit des Experimentierens tat er sich 2005 mit dem Schlagzeuger Daniel Nydick zusammen, und die beiden verbrachten einige Jahre damit, ihren Stil weiterzuentwickeln. Das Ergebnis war moderner Progressive Rock mit Anflügen von Klassik, Jazz, Metal und Elektronik.

Bis 2011 hatte sich das Duo um den Bassisten Tony Renda und den Gitarristen Matt Ullestad erweitert. Diese Besetzung blieb aber nicht lange zusammen, Planungskonflikte erzwangen eine vorübergehende Pause.

Nydick wurde dann 2012 durch Mark DeGregory ersetzt. Das Quartett spielte dann 2017 endlich sein Debütalbum ein: "Transcendental Circus". Auf dieses stieß ich dann vor einigen Wochen. Das Cover lockte mich: Ein Knäbling hockt in einem Zauberbuch und sieht Ballons zu.... Kitsch! Ja! Aber verheißungsvoller Kitsch: So sehen Progcover aus.

Also begann ich, mich zu informieren. Aber über Orpheus Nine ist nur wenig bekannt, das Wenige habe ich eben für Euch zusammengetippt. Das gleiche gilt für das Album, darüber ist außer den Songtiteln gar nichts zu erfahren. Mal sehen, die Plattenfirma hat Promo-CDs verschickt, einige gingen an die Kollegen, die werden vielleicht/hoffentlich ein wenig mehr Hintergrundinfos bieten können.

Die Musik auf diesem Album enttäuscht nicht: Passend zum Cover erklingt eine höchst vergnügliche Mischung aus AOR/Neoprog und Old School Retroprog. Wobei für mich Neoprog ohnehin eher eine Spielart des AOR als des Progressive Rock ist, halt mit längeren Stücken und Käsekeyboards, die didludidludidlu-Figuren über alles drüberspielen. Das kann scheiße sein, ist es auch meistens, muss es aber nicht. Hier ist es das nicht.

Die Verteilung dieser beiden Stile ist klar und eindeutig: Auch wenn "Eightfold Way" höchst proggig einsteigt, mit krummen Takten und schmerzgrenzenden Schnärzekeyboards, sind doch die kürzeren Stücke durchwegs dem Neoprog, die Longtracks "Transcendental Circus" und "The Fall of the House of Keys" dem Retroprog zuzurechnen. Überschneidungen gibt es, von "Eightfold Way" abgesehen, keine.

Dabei sind die Neoprog-Stücke zwar deutlich einfacher gestrickt, aber dennoch höchst vergnüglich. Sie lehnen sich an an Sachen von Saga oder Styx, manches geht auch in die Glass-Hammer-Richtung. Diese Stücke warten mit klarem Strophe/Refrain-Aufbau, mitreißenden Riffs und besagten Käsekeys auf - besonders auftrumpfen können sie aber durch die eingängigen Melodien, die sich schnell ins Ohr fräsen. Ob sie sich genauso schnell wieder herausfräsen, bleibt abzuwarten. Manchmal ist es halt ein wenig zu schlicht: "No Illusions", eine Art AOR-Swing, bräuchte ich persönlich nicht unbedingt.

Für mich stehen eher die reinrassigen Prog-Stücke im Vordergrund, die Longtracks "Transcendental Circus" und "The Fall of the House of Keys". Im 22-minütigen epischen Titelstück lässt die Band die Gelenke knacken, um zu zeigen, was sie wirklich können. Hier halten sich technische und kompositorische Virtuosität geschickt die Waage mit Emotion und Melodie, und die Band sprüht nut so vor Ideen. Ich habe hier sämtliche Takte gezählt, die ich kenne, es gibt harte Gitarrenriffs in 9/8, in 7/8 und in 5/8, scharfzüngige Keyboardfanfaren, jazzig-emersoneske Soli, an Gentle Giant gemahnende Gesangspassagen, Polyrhythmik, Polymetrik - 22 Minuten lang kriegt der Progfan alles um die Ohren geballert, was ihm so gefällt an dieser seiner Musik.

Zu viel des Guten ist's halt. Während "Barcarolle of Bedlam" (sic) eine Ouvertüre ist, und sich in Punkto Reichhaltigkeit damit noch herausreden kann, ist "Transcendental Circus" im Ganzen für den normalen Hör wohl einfach zu vollgepackt. Ein typisches Merkmal junger Progbands: Sie wollen sich beweisen, zeigen, was sie können, werden übermütig und jagen eine Idee der anderen hinterher, anstatt sich Zeit zu lassen, die guten Ideen reifen zu lassen, und zu starken Stücken zu entwickeln. Der Punkt hier: Die Ideen sind halt alle verdammt gut, also hört man mit großem Vergnügen zu! Allerdings ist es damit gleichzeitig auch schade um sie, denn jede einzelne hätte es verdient, mehr Raum auf dem Album zugestanden zu bekommen. Da ist es gut, dass "Transcendental Circus" auch ruhige Abschnitte hat, die braucht es zum Erholen.

"The Fall of the House of Keys" ist da gelungener. Auch in diesem Stück werden alle möglichen Einflüsse verarbeitet, von ELP und Yes über Saga und Styx bis hin zu Dream Theater und Return to Forever, man lässt dem Stück aber Raum zum Atmen und Zeit zum Entwickeln. Gut so! Wer weiß, was von dieser Band noch kommt: Dieser Track könnte sich als der richtungsweisende Track des Album erweisen.

A propos: Wer weiß, was von dieser Band noch kommt! Sie wird sich überlegen müssen, ob sie diese Mischung aus AOR/Neoprog und Retroprog beibehalten will, oder ob sie sich auf einen der beiden Stile konzentrieren will. Hier funktioniert die Mischung gut, aber schon das nächste Album könnte als inhomogen emfunden werden. Den AOR beherrschen sie, aber in diesem Bereich tummeln sich viele Bands - vielleicht zu viele. Der Prog dagegen ist vielversprechend: die Band ist hochtalentiert und hochkompetent, und Musik von dieser Qualität ist im Retroprogbereich nicht alltäglich.

Alles in allem ist "Transcendental Circus" ein derart frisches und vergnügliches Neo/Retroprog-Album wie ich es schon sehr lange nicht mehr gehört habe. Ein herausragendes Debüt!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Special Providence, Stewart Bell, Ingranaggi Della Valle, Malcolm Smith, District 97, Styx, Saga
Veröffentlicht am: 21.11.2017
Letzte Änderung: 26.11.2017
Wertung: 11/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 2 von 2)


Orpheus Nine aus New Yersey liefern mit „Transcendental Circus“ ihr Debütalbum ab. Ihr keyboard-dominierter Progressive Rock erinnert klanglich an Bands wie Styx, Starcastle und auch Saga. Auf dem ganzen Album springen die amerikanischen Musiker fleißig zwischen Neo- und Retroprogelementen hin und her und treffen hier definitiv keine Entscheidung. Der Mix ist aber kurzweilig und spannend – so kann man es ihnen nicht übel nehmen. Speziell der Keyboarder und Bandleader "Jason Kresge“ tobt sich mit diversen Solis trefflich aus – speziell bei den beiden Longtracks – hier klingt es auch mal nach E.L.P. oder anderen keyboard-dominierten Progrockern.

Melodisch verspieltes Piano eröffnet das Album, das von einem temporeichen Synthiesolo abgelöst wird, Sänger „Kresge“ steuert typische Neoprog-Melodien bei; trotz der recht frickeligen Keyboardarbeit verbleibt der Opener „Of Zygotes and Grace Notes“ aber eher im Bereich Neoprog.

„Fetish“ eröffnet mit einem Genesis-inspirierten Akustikgitarren-Intro und bleibt auch eher in diesem musikalischen Genre – hinzu kommen ein paar fette Riffs auf der Gitarre, die teils arabisch anmuten. Im Laufe des Titels gesellen sich auch AOR-Elemente hinzu und im Finale gar richtig theatralisch-martialische Töne.

„No Illusions“ dagegen ist nun richtig gradlinig – ein Blues-Rocker. Als hätte man es geahnt, geht es mit „ Age of Rhyme and Reason“ wieder temporeicher und synthielastiger zur Sache. Dieser Song und manch andere Stelle des Albums verbreitet auch definitiv 80er Synthie-Atmosphäre.

Bevor es zu sehr verflacht, erlöst das Titelstück “Transcendental Circus“ den Hörer mit komplexem, frickeligen und abwechslungsreichen Retroprog der im Mittelteil gefühlvollen Gesang und konventionelle Keyboards aber auch theatralische, zirkushafte Elemente enthält. Keyboardsounds aller Art (Vibraphone, 70er Schweine-Orgel, spacige Synthies, klassisches Piano…) wechseln mit dramatischen verschachtelten Hardrock-Passagen. Spannend! – auf jeden Fall das interessanteste und am Meisten komplexe Stück des Albums.



Insgesamt scheint die junge Band noch auf der Suche, hat definitiv Potential und man darf über die weitere Entwicklung von Orpheus Nine gespannt sein.

Fazit: Wahrlich kein schlechtes Debüt! – Für mich darf es aber etwas mehr in Richtung "Transcendental Circus“ gehn!

Anspieltipp(s): Transcendental Circus
Vergleichbar mit: Starcastle, Styx, E.L.P
Veröffentlicht am: 25.11.2017
Letzte Änderung: 26.11.2017
Wertung: 10/15

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