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Andrea Orlando

Dalla vita autentica

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Moderne Klassik; Neoprog; RetroProg; sonstiges
Label: AMS
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Andrea Orlando drums, percussion, keyboards

Gastmusiker

Alessandro Corvaglia vocals
Agostino Macor keyboards
Stefano Marelli guitar
Laura Marsano guitar
Marcella Arganese guitar
Melissa Del Lucchese cello
Paolo Priolo bass
Rossano Villa programming, effects
Roberta Tumminella violin, viola
Alessandro Paolini contrabass
Marco Callegari trombone

Tracklist

Disc 1
1. Le forme della distanza (instrumental) 4:25
2. Oltre domani 6:05
3. Cinque giorni d'autunno 8:15
4. Cadi con me 3:44
5. Il giardino di maya (instrumental) 4:23
6. Fragile 4:57
7. Dalla vita autentica 16:51
Gesamtlaufzeit48:40


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Andrea Orlando war schon bei Finisterre dabei, der "Stammband von Italiens Workaholic in Sachen Prog, Fabio Zuffanti" (Thorsten Gürntke). Dort bediente er auf einigen Aufnahmen das Schlagzeug.

Italienischer Prog, dafür gibt es im Hause ja inzwischen einige Fachleute. Ich melde mich jetzt mal zu Wort als notorischer Nichtfachmann für alles Italienische - mit Ausnahme der Amarettini zum Espresso. Zunächst einmal: Ist das Soloalbum von Andrea Orlando überhaupt Prog, und wenn, was für einer? Keine einfache Frage für jeden, der sich einmal in die Brückner´schen Genredefinitionen vertiefte.[Progdefinition] (etwas scrollen)

Es gibt nur zwei Stücke komplett ohne Gesang, von denen das erste etwas elektronisch klingt. Vor einem treibenden Rhythmus erzeugt ein erdiges E-Piano Alan-Parsons-Referenzen; auch der Brite leitete seine Alben gern mit bündigen Instrumentals ein.
Der Trommler von der Apennin-Halbinsel setzt sich mit seinem Solowerk und dem Dutzend Gastmusikern daraufhin gleich zwischen mehrere Stühle. Zum einen versucht er sich an einem gemäßigten Retroprog mit unterschiedlichen italienischen Vokalisten, zum anderen gleitet er in moderne Klassik für Streichquartette ab, um zwischendurch, Ambition hin, Ambition her, etwas beliebige Popmusik zum Besten zu geben. Der Spagat gelingt eigentlich nur beim abschließenden Titelsong. Ist Olter domani noch ein federleicht inszeniertes Stück mit eingängigen Gitarrenchorussen und vielen mellotronartigen Synthesizerflächen, könnte Cadi con me mit schmachtender Sängerin direkt auf der Playlist von Radio Dimensione Suono landen, um landauf, landab durchgenudelt zu werden.

Das achtminütige Cinque giorni d` autunno besteht aus verschiedenen Teilen, die durch kurze Pausen voneinander getrennt sind. Nach einem lebhaften Emerson-Orgelintro, erhebt Sänger Alessandro Corvaglia seine Reibeisenstimme zu einer balladenhaften Pianobegleitung, bevor es mittels Kathedral Organ mächtig sakral wird, was einen handfesten Stilbruch zur Folge hat und weder zum Beginn, noch zum Rest passen will. Zwar wird im Schlussteil wieder mehr Tempo geboten, aber der Gesamteindruck bleibt zerfahren.

Das zweite Instrumental befindet sich eindeutig auf der Habenseite. Orlando zeigt, wo der Drumstick hängt und legt einen schnellen und rhythmisch extravaganten Abstecher hin, bei dem ein Streichinstrument die erste Geige spielt.

Auch Fragile hat diese Pausen, ähnlich einer Schwarzblende beim Film, die verdeutlichen soll, dass in der Handlung Zeit vergangen ist. Streichquartett (largo)und Schlagzeug (grave) bereiten das schwermütige Feld für Corvaglia. Besonders, wenn sich der Celentano-hafte Gesang (Adriano wird einem jeden italienischen Sänger bis zum jüngsten Tag als stimmliches Vorbild allgegenwärtig sein) in ungeahnte Höhen schraubt, wird es….. nun ja, besonders.

Es scheint so, als warte der Künstler das ganze Album über darauf, endlich das finale furioso zünden zu können. Und tatsächlich, sollten einige Passagen der vergangenen 30 Minuten entbehrungsreich gewesen sein: Jetzt gibt es die Belohnung für die Dauerhaften. Orlando wirft noch mal alles in die Waagschale und wird endlich autentica, zelebriert musikalisch das Leben, wie er es sich vorstellt.

Das Titelstück, Dalla vita autentica, folgt einer spezifischen Dramaturgie im Aufbau, wobei das klangflächenorientierte Konzept, vor allem mit wohlklingenden Streichern, voll zum Tragen kommt, Kontrabass, Violine, Viola, und Cello werden im Overdubverfahren zunehmend verdichtet. Der Track setzt sich, wie bereits geläufig, aus mehreren Parts zusammen: Zurückhaltendes Cellointro mit Pianobegleitung, ein Solopiano übernimmt die Harmonien, es wird bei unauffälligem Metrum schneller. Jetzt kommt der Gesang hinzu, aber er erhält nur eine Nebenrolle und intoniert bis Minute vier. Dann dominiert unter heftigen Tempowechseln wieder die schon bekannte Mischung aus klassischem Streicherensemble und schwerem Retroprog-Arrangement mit Piano, Orgel, mellotronhaften Synthesizerpads, Gitarren, Bass und Drums. Gelegentlich vermischen sich die Stile, wenn etwa die Streicher vom Schlagzeug begleitet werden.

Ja, das ist Prog, dynamisch und symphonisch, mit einem eindeutigen Kontrast zwischen klassisch modernistischen und rockig retrograden Elementen, die zunächst isoliert, später vereint ihre Wirkung entfalten. Orlando tastet sich an das Hauptthema heran, das um Minute 13 herum in seiner vollsten klanglichen Fülle erscheint, und in dem sämtliche Instrumente eingebunden sind, einschließlich der E-Gitarre als Leadstimme. Das ist schon beeindruckend. Noch beeindruckender ist die fast zweiminütige Blende, die das Werk zum Abschluss bringt.

Das Album ist in der Summe zuweilen ein netter Zeitvertreib, vor allem, wenn man sich dafür interessiert, wie sich einige italienische Musiker die Zeit vertreiben.

Anspieltipp(s): Il giardino di maya, Dalla vita autentica
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.11.2017
Letzte Änderung: 30.11.2017
Wertung: 8/15
Ohne Gesang wären es satte drei Punkte mehr

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