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Process of Illumination

Radiant Memory

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; New Artrock; Progmetal; sonstiges
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

KC Cheek guitar
Aaron Smith piano, synthesizer
Erik Schow bass
Robert Schlembach drums, percussion

Tracklist

Disc 1
1. Forest Temple 9:17
2. Fifteen 5:30
3. Omen 6:12
4. Aura 7:02
5. The Complex 7:04
6. Resolved 3:00
7. Gallow´s Call 7:16
8. Off The Edge Of A Nightmare 8:39
9. Hopeful Bridges 4:47
Gesamtlaufzeit58:47


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Die Texaner wählten für ihr instrumentales Debutalbum eine Mischung aus kantigen Metalriffs, Heavy Drumming und einem hohen Keyboardanteil (Digitalpiano, diverse Lead- und Layersounds), was tastenaffine Hörer erfreuen dürfte. Dabei gestalten sich die Ergebnisse zwar kraftvoll, aber in ihrer Üppigkeit zuweilen prätentiös.

Fifteen - ja fünfzehn sind´s. Fünfzehn Achtel, die sich in dieser rhythmisch komplexen Komposition mit 4/5 und 9/8 abwechseln. Es scheint, als hätten sich die Jungs für die Singleauskopplung besonders ins Zeug gelegt, denn das ist mit Abstand der beste Track: Zwingende Melodik mit hohem Wiedererkennungsfaktor, energische Djent-Akkorde, pfeilschnelle Breaks, entpannter Mittelteil unter der Majorität einwandfreier E-Pianosounds. Omen schlägt noch einmal in die gleiche Kerbe, schnell und heavy, mit etwas weniger rhythmischen Hakenschlägen und mehr symphonischen Keyboardflächen.

Schade, schade, diese Merkmale werden nicht beibehalten, denn partiell wirklich beeindruckende Songteile der Siebenminüter werden mit kompositorischen Leerformeln und Verlegenheits-Intermezzi verschnitten, was einen Mangel an Erfindungsreichtum nahelegt. Schon Forest Temple (der erste Song, den sie jemals geschrieben haben!) verfolgt einen etwas langatmigen cinematischen Ansatz und offenbart den Charakter, den die Musik auf „Radiant Memory“ über weite Strecken bewahrt, weswegen sie den einen ereignislos erscheinen mag, anderen als Soundtrack oder Musik nebenbei durchaus gefallen dürfte. Das generelle Problem der Instrumentalmusik ist, dass wegen der fehlenden Vocals etwas Inhaltsvolles an deren Stelle treten muss, um den Eindruck musikalischer Trivialität zu vermeiden.

Bei Forest Temple und Aura eröffnet eine Gitarrenfigur, in anderen Stücken bestreiten ein Piano oder Synthiegewaber den sich relativ lang hinziehenden Einleitungsteil (Hopeful Bridges, Resolved). Man stellt beim Abhören dieser Teile unwillkürlich die Verbindung zu einem Filmscore her, bei dem die Musik die Handlung illustrieren soll, aber nicht dominieren darf. Erst nach etwa einem Drittel der Songs übernimmt der metal-gerichtete Prog mit dunklen Gitarrenriffs, schweren Drumschlägen und markanten Keyboardschichtungen die Führung und bringt Kontrast und Lebendigkeit in das Konglomerat. Aura ist für den angekündigten Progmetal insgesamt zu keyboardlastig und gefügig, The Complex lebt von brachialem Bombast, Resolved und Gallow´s Call stellen mit phrasenhaftem Pianogeklimper, Marschmusik-Appeal und synthetisch klingendem Electronic-Boogie die schwächsten Songs des Albums. Off the Edge of a Nightmare beginnt wieder sehr gebändigt und legt erst spät die martialische Rüstung an, hat dabei dermaßen viele dezente Zwischenteile, dass der Name Hopeful Bridges dafür angemessener gewesen wäre.

Die vier Amerikaner füllen mit „Radiant Memory“ eine musikalische Wundertüte nur zu zwei Dritteln, die sie angesichts eines Debutalbums durchaus etwas voller hätten stopfen können. Man wünscht dem Quartett für den nächsten Wurf mehr Mut zu solistischen Ausflügen, weniger Verliebtheit in wollige Synthiegespinste und etwas reduzierte Vorhersehbarkeit.

Anspieltipp(s): Fifteen, Omen
Vergleichbar mit: Polyphia, Arch Echo (weniger komplex und jazzorientiert)
Veröffentlicht am: 9.1.2018
Letzte Änderung: 9.1.2018
Wertung: 9/15
„Fifteen“ bringt die Neun

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