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24797 Rezensionen zu 16977 Alben von 6612 Bands.
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Solar Project

Utopia

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; New Artrock; Rock / Pop / Mainstream; Psychedelic; RetroProg
Label: Nu Musi Records
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Holger vom Bruch vocals
Sandra Baetzel saxophone, backing vocals
Volker Janacek drums
Sebastian Jungermann basses
Peter Terhoeven guitars
Robert Valet keyboards
Stefan Schnelting percussion

Tracklist

Disc 1
1. Utopia

1. Part 1 3:59
2. Part 2 4:36
3. Part 3 2:38
4. Part 4 4:06

15.13
2. Eden 16 Q 11:08
3. Dystopia

1. Part 1 2:55
2. Part 2 5:05
3. Part 3 2:29
4. Part 4 2:17
5. Part 5 11:07

23:40
4. Eden (Video version) 4:03
Gesamtlaufzeit54:04


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Weil es genau so wie bei meinem Vorredner (Jochen zu „Aquarmada) das erste der Solar-Project-Alben ist, das ich höre, kann ich völlig unbefangen an die Sache herangehen. Außerdem bin ich momentan zu bequem, mir einige der angeblich 11 Vorgänger (ich selbst zähle nur zehn) zu Gemüte zu führen. Es gäbe also noch eine Menge über diese Band zu schreiben. Zunächst einmal klingen die verfügbaren Etiketten vielversprechend: „Komplexer Art-Rock“, „floydisch filigran“ und „psychedelisch“.

Das Cover von Utopia ziert der „vitruvianische Mensch“. Allerdings ist es nicht der von Leonardo, der sich so vorbildlich proportional in die Quadratur des Kreises einfügt; die Illustration stammt wie die der vorangegangenen vier Alben von dem renommierten Artwork-Wizard Sergej Schachow. Die ausgestreckten Extremitäten der stilisierten Figur deuten auf der einen Seite auf die großen Themen Zerstörung und Umweltverschmutzung, repräsentiert durch heranrollende Panzer vor qualmenden Schloten und verfinstertem Himmel, auf der anderen auf die freundlich erscheinende Utopie einer hoffnungsvollen Zukunft in einer futuristischen Stadt.

Utopia besteht aus nur drei Songs: dem gleichnamigen, vierteiligen und 15-minütigen Titelstück, Eden 16 Q (11 Minuten) und dem Fünfteiler Dystopia, das mit 24 Minuten den größten Raum einnimmt. Die Sonnenanbeter beginnen mit dem Titelstück, einem Konglomerat aus verschiedenen Ideen unter dem gemeinsamen Dach der Abhandlung "weitgehend wenig erfolgversprechender Glückssuche des modernen Menschen". Die pessimistische Suche nach dem Sinn von allem - Leben ist das, was einem widerfährt, während man auf die Erfüllung seiner Träume wartet.

Utopia, Pt 1 eröffnet mit einem hektischen Instrumentalteil, der, das stellt sich später heraus, dem Longtrack die musikalische Klammer verleiht. Bass, Hammondorgel und Gitarre spielen unisono zu etwas plärrenden Synthesizereinwürfen, bevor zum ersten „floydigen“ Erlebnis hinübergewechselt wird. Hier stört, sorry, nur der Gesang. Aber irgendwann muss ja über Agonie und Verlogenheit berichtet werden. Part 2 beginnt elektronisch/spacig, nein, psychedelisch/filigran. Egal, eins von beiden. Das Saxophon von Frau Baetzel passt hervorragend, mir gefallen auch der fauchende Wah-Wah-Rhythmus, der aus dem linken Kanal herüberweht, und natürlich die übrigen Saitenarbeiten. Den Gesang, sorry, vermisst man in Part 2 nicht. Part 3 belauscht eine Unterhaltung zwischen mehreren Personen, vermutlich über das oben angeführte Thema. Aber das ist nebensächlich und weit links und rechts im Panorama angeordnet, hauptsächlich wird es wieder freudig floydig durch eine „Crazy Diamond-Gedächtnisgitarre“. Leider verstummt sie nach zweieinhalb Minuten, und Part 3 dürfte sich aus diesem Grund nicht wie das Vorbild für die Verwendung in der Psychotherapie eignen. Part 4 greift das hektische Motiv aus Part 1 erneut auf, auch der Sänger ist wieder mit dabei und vermittelt neue Erkenntnisse über die befremdlichen Befindlichkeiten. Später verwandelt sich Part 4 in einen straighten 4/4-Rock mit Lead und Backgroundgesang, hervorzuheben ist hier erneut das Saxophonsolo.

Mit Eden 16 Q wird dann ordentlich Zeit geschunden: Geräusche aus dem Sumpf, elektronische Klänge und Percussion, schließlich Gitarrenfetzen. Fünf Minuten verplempert, bis endlich mal was passiert. Eine memorable Melodie erscheint, und weitere vorsätzlich knörige Gesangzeilen, die jeweils mit „Why do we/Why don´t we“ beginnen, folgen. Das ist alles irgendwie zu simpel, floydig hin, floydig her, wenn nach knapp neun Minuten wieder die Percussion das Kommando übernimmt, dann die Elektronik, und die Amplituden im Zuge einer deutschen Industrieblende langwierig heruntergepegelt werden. Die Botschaften werden mir etwas zu platt und mit dem Holzhammer verabreicht.
Man sollte zwar unvoreingenommen, aber doch grundsätzlich mit skeptischer Distanz an Longtracks herangehen und die vorhandene musikalische Substanz unter die Lupe nehmen. Und da wird, auch von den schillernden Heroen der Progwelt, so viel aufgeblasene Banalität demonstriert! Eden 16 Q fällt also diesbezüglich zunächst unangenehm substanzlos auf und kurze Zeit später beim Rezensenten durch. Den Aussagewunsch hätten die sieben Musiker auch in dreieinhalb Minuten hinbekommen. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung, es gibt Leute, denen gefällt so ein Soundtrack, die konsumieren das auch nebenbei beim Tapezieren oder Kaffeetrinken mit Tante Erna.
Tatsächlich haben Solar Project am Schluss eine vierminütige „Video Version“ von Eden dahintergeklemmt. Na also, warum nicht gleich so? Geht doch!

Nun zu Dystopia, dem Fünfteiler. Die Band-Homepage verrät: "Die Songsequenz zeichnet im Gegensatz ein ziemlich düsteres Bild, in dem hoffnungsvolle Passagen von dunklen und bedrohlichen Klangstrukturen eingerahmt werden". Dem Vernehmen nach stellt die Dystopie anhand grob geschnitzter Assoziationen ("What kind of world do we live in? A world without colours. A world of frozen tears,...dystopia is everywhere") also einen finsteren Gegenentwurf zur Utopie dar, diese ist in den Teilen eins bis vier atmosphärisch allerdings schon reichlich trostlos ausgefallen. In Dystopia sind die einzelnen Parts - vergleichbar mit Utopia - weiterhin klar voneinander abgegrenzt. Textblöcke, die sich mit bedenklichen Entwicklungen der Gegenwart beschäftigen und vor deren Folgen warnen, wechseln mit Instrumentalteilen ab. Solar Project vertrauen vornehmlich auf ein konventionelles und etwas rückwärtsgewandt erscheinendes Arrangement aus Gitarre, Hammondorgel und Stringsynthesizer mit Saxophon- und Keyboardverzierungen, wobei auch hier schöne instrumentale Passagen gelingen (Dystopia, Part 3, Mittelteil(e) und Schluss von Part 5). Part 3 und 4 bereiten als Bridge das „Finale Furioso“ in Pt. 5 vor, der sich als bluesiger und melodiöser Slow-Shuffle offenbart, später an Tempo zulegt und bis zum Schluss spannend bleibt.

Die rhetorische Qualität der englischen Texte, das wurde schon angedeutet, hat angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Konzeptalbum mit einem gewissen Anspruch handeln soll, deutlich Luft nach oben. Ich möchte nicht anmaßend erscheinen, empfehle aber für künftige Projekte die Hinzuziehung eines dahingehend bewanderten native speaker.

Anspieltipp(s): Utopia, Pt.2; Pt.3; Dystopia, Pt.1; Pt.3; Pt.5
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.4.2018
Letzte Änderung: 5.4.2018
Wertung: 8/15
Solides Konzeptalbum mit zu langen Tracks und insgesamt wenig Überraschungen

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Solar Project

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 The House Of S.Phrenia 12.00 1
1997 ...in Time 11.00 1
2000 Five 11.00 1
2004 Force Majeure 7.50 2
2007 Chromagnitude 9.00 2
2014 Aquarmada 7.00 1

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