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Die Wilde Jagd

Uhrwald Orange

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Krautrock
Label: Bureau B
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Sebastian Lee Philipp Musik,Texte,Gesang,Produktion und div.Instrumente
Stefan Dötsch Schlagzeug auf Flederboy und 2000 Elefanten
Thomas Klein Schlagzeug auf Stangentanz,Kreuzgang und Säuregäule
Ralf Beck Abmischung

Tracklist

Disc 1
1. Flederboy 15.36
2. 2000 Elefanten 7.20
3. Stangentanz 7.16
4. Fremde Welt 6.18
5. Kreuzgang 15.40
6. Ginsterblut 7.07
7. Säuregäule 10.25
8. Der Uhrwald 10.15
Gesamtlaufzeit79:57


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Die Wilde Jagd nennt sich ein Projekt des Berliner Multiinstrumentalisten Sebastian Lee Philipp und des Düsseldorfer Produzenten Ralf Beck, deren Musik meist als Neo-Krautrock und Elektronik vorgestellt wird. Auf dem zweiten Album „Uhrwald Orange“ beschränkt sich Beck nur noch auf die Tätigkeit des Co-Produzenten und des abmischenden Tontechnikers und macht damit Die Wilde Jagd zu einem Soloprojekt von Philipp.

Der Titel des zweiten Albums „Uhrwald Orange“ bezieht sich (außer der Tatsache der Name des tatsächlichen Studios zu sein) auf den dank der Vorstellungskraft von S. L. Philipp entstandenen Uhrwald, einem geheimnisvollen Raum aus Traum und Klang. Es soll sich hierbei sozusagen um ein paralleles Universum mit eigenen Zeitabläufen handeln. Dort hausen seltsame Wesen wie die Säuregäule, die Flederboys und die Elefanten, die sich nur in Gruppen mit 2000 Exemplaren aufzuhalten scheinen. Man trinkt dort schon mal Ginsterblut, spaziert fromm singend durch die Kreuzgänge, oder übt sich im Stangentanz, um nur einige Tätigkeiten zu nennen. Der Infozettel nennt noch die Themen wie Rausch, Weiblichkeit und Reinkarnation. Inspiriert wurden diese Vorstellungen vor allem durch das Bild „Tiere der Nacht“ des Malers Frans Snyders und durch die Liedersammlung „Libre Vermell de Montserrat“ aus dem 14-en Jahrhundert.

Das Ziel war es, die Elemente der repetitiven Elektronik, der mittelalterlichen Musik, der europäischen Folklore und der Weltmusik mit improvisierten Jams, Field Recordings und den psychedelisch arrangierten Gitarren zu vermischen. Zu diesem Zweck nutzt der Künstler das Tonstudio mit der dort vorhandenen Sammlung von analogen Synthesizern und Drumcomputer. Auch wenn man auf dem vorliegenden Album meist die Beiträge von zwei Gastschlagzeugern verwendet.

Die aus einfachen und zugleich hypnotischen Schlagzeugrhythmen, im Hintergrund anschwellenden Synthies und repetitiven Gitarrenfiguren bestehenden Passagen von „Flederboy“ klingen für mich wie eine Verschmelzung der Berliner (z. B. Klaus Schulze) und der Düsseldorfer (z. B. La Düsseldorf) Schule für die elektronische Musik. Stücke wie „Kreuzgang“, „Säuregäule“ und „Stangentanz“ vereinigen Elektronisches und Krautiges zu einem überzeugenden Ganzen, wenn auch etwas weniger sphärisch als "Flederboy" anmutend.

Während „Stangentanz“ zusätzlich noch von folkloristischen Einsprengseln profitiert, hat man in „Kreuzgang“ (vermutlich) fromme Chorgesänge dazu gemischt, die das Stück doch letztlich in eher meditative Gefilde überführen. „Fremde Welt“ besteht aus rein elektronischen Klängen, die wie eine rhythmische Variante von minimalistischer Dark Ambient-Musik anmuten. Die sehr schön arrangierten, polyphon summenden Synthies zu den Sequencer-Motiven dienen als der Ausgangspunkt für das Titelstück, das zudem noch die gesprochenen poetischen Texte wie beispielsweise „warst du der Donner, der mich weckte, und der Regen, der mich nährt, und die Wolken die ihn schöpften…“ zu bieten hat. Sehr einnehmend!

Neben den fünf Instrumentals gibt es auch zwei Stücke mit dem deutschsprachigen Gesang (sowie eines mit einer Rezitation), die man vermutlich je nach Komposition als folkloristisch, oder psychedelisch eingefärbten Neo-Krautrock einstufen darf.

„Uhrwald Orange“ halte ich für eine originelle Scheibe, deren Hauptzutaten Elektronisches, Krautrockiges und Poetisches mit etwas Vorstellungskraft seitens des Hörers als eine Fahrkarte in eine bizarr-schöne Welt dienen können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.4.2018
Letzte Änderung: 6.4.2018
Wertung: 10/15

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