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RTFACT

Life Is Good

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Klassischer Prog; Melodic Rock / AOR; Neoprog; RetroProg
Label: AFL Music
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Edward Tsiselsky Keyboards
Dmitry Ilugdin Synthesizers
Eugene Sharikov Bass
Joel Taylor Drums

Gastmusiker

Jeff Scott Soto Vocals
Nad Sylvan Vocals
Will Champlin Vocals
Oz Noy Guitar
Jeff Kollman Guitar
Rafael Moreira Guitar
Josh Smith Guitar
Gary Meek Flute, Sax

Tracklist

Disc 1
1. Life Is Good 6:04
2. Artifact 6:24
3. I Got Money In My Pocket 6:13
4. Gotika 5:03
5. Hail To The Winner   (Part I) 3:35
6. Hail To The Winner   (Part II – Tarantella) 3:28
7. The King, The Master, And The Timekeeper 4:30
8. Hollywood Walk Of Fame 6:02
9. Life Is Good   (Remix) 1:16
Gesamtlaufzeit42:35


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Okay, also, das nächste Album, das die Leute so bissl aus dem Häuschen hat, ist "Life Is Good" von RTFACT. Wobei gleich zu sagen ist, dass RTFACT keine richtige Band ist, vielmehr so ein Art privates Projekt.

RTFACT, RT/Fact, Artefakt, der Name dieses Projekts lässt mehrere Interpretationen zu. Am interessantesten dürfte die Anspielung auf R(ussia)T(oday) sein, einen russischen Sender, der seit einigen Jahren in westlichen Ländern zu sehen ist, radikalen Positionen aller Art eine Bühne bietet, Verschwörungstheorien und platte Lügen dabei nicht immer scheut, und so unter unseren Gesellschaften Zwietracht sät.

Der russische Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Filmproduzent und Komponist Yuri Volodarsky sendet dagegen eine klare Botschaft: Life Is Good! Sie besteht in seinem Projekt RTFACT, das er zusammen mit seinem U.S.-amerikanischen Texter David Andrew Grout ins Leben gerufen hat, und das zur Verwirklichung seiner musikalischen Ideen einige hochkarätige Musiker aus verschiedenen Genres von Rock und Prog beschäftigt. Und ein Orchester. Mit von der Partie sind unter anderem Jeff Scott Soto (u. a. Journey, Sons of Apollo), Nad Sylvan (u. a. Steve Hackett, Agents of Mercy, Unifaun), Will Champlin (yep, der Sohn von ex-Chicago-Keyboarder Bill Champlin), Oz Noy (u. a. Steely Dan, Sting, John Medeski), Jeff Kollman (u. a. Chad Smith, Cosmosquad, Glenn Hughes), Rafael Moreira (u. a. Virgil Donati, Paul Stanley) und Joel Taylor (u. a. Alan Holdsworth, Al DiMeola).

"Life Is Good" soll angeblich ein Retroprog-Album sein. Vermutlich rührt diese Einordnung von einem vier-, fünfminütigen Promovideo her, das seit einiger Zeit auf YouTube zu sehen ist, und in dem einige Songschnipsel aneinandergefügt sind. Ein reines Retroprog-Album ist es aber nicht - auch wenn es immerhin ordentlich Retroprog enthält. Zusätzlich sind auf dem Album nämlich auch funkiger Rock, rhythmandbluesiger Rock, 80er-Musik, Amerikanisches aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert, Neobarock, Neoklassik und vieles andere zu hören. Dafür, dass das nicht auseinanderfällt, umso mehr, als hier gleich drei (sehr) verschiedene Sänger agieren, sorgt eine Band, die trotz der vielen Mitglieder eine klare klangliche Identität besitzt. "Life Is Good" ist kein Sammelsurium. Es ist überhaupt kein Surium.

Der Titeltrack "Life Is Good" und "Artifact" starten dann aber tatsächlich gleich als knackige Prog-Rocker durch, zusätzlich betankt durch Orchester und Kirchenorgel. Fans klassischen Progs dürfen sich hier auf höhere Herzfrequenzen und warme Erinnerungen an gute alte Zeiten freuen.

Leider wird's mit Stücken wie "I Got Money In My Pocket" und "Hail To The Winner (Part I)" dann erstmal ein wenig seicht. Während ersteres in so eine funkig-styxige R'n'B-Pop-Richtung geht, ist letzteres eine saccharinhaltige Ballade, die das Album in meinen Ohren ein wenig zu stark ausbremst - für Luftgitarristen allerings durchaus einiges an Betätigungsmöglichkeiten bietet. Zum Glück ist "Hail To The Winner" Part II eine Tarantella, bei der zunächst das Orchester in klassisch-mozarteskem Stil, dann die gesamte Besetzung wieder nach Herzenslust abrocken und abfeiern kann. Das ist musikalisch umso interessanter, je weiter sich die Band von den Klassik-Klischees entfernt (die sie leider auch immer mal im Programm hat), aber umgekehrt umso fröhlicher, je hemmungsloser man sich diesen Klischees hingibt. Geschmackssache - gut gemacht ist's aber allemal.

"Gotika" beginnt mit einer barock-kontrapunktischen Einleitung von Keyboard und Bass, bevor es dann einen düsteren pseudoklassischen Prog-Rocker auf die Ohren gibt, wie man ihn von Keith Emersons Filmmusiken her kennt. Der Barock kehrt gegen Ende noch einmal zurück, bevor "The King, The Master, And The Timekeeper" dann erneut den Schritt in die Klassik macht. Jeff Scott Soto sorgt mit seiner kraftvollen Stimme für ordentlich Power, die allerdings nicht ganz zum feingliedrigen Arrangement passen mag. Trotzdem: "The King, The Master, And The Timekeeper" ist wieder ein starkes Stück zwischen Klassik und Prog.

Das Album klingt mit "Hollywood Walk Of Fame" aus, das, wie der Name schon sagt, Filmmusik, sowie daneben amerikanische Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Rock zu einem vergnüglichen Progsong verbindet, den auch diverse dramatische Störmomente nicht aus dem Konzept bringen können. Life is good.

RTFACTs "Life Is Good" ist keine bahnbrechende Sensation, dafür feiert es zu sehr Musiken früherer Zeiten ab, auf die Yuri Volodarsky steht. Aber das macht die Band so gekonnt, und mit derart viel guter Laune, dass es geradezu ansteckend ist. Dass das Album bei all den unterschiedlichen Gastmusikern nicht wie ein Flickenteppich wirkt, ist das Verdienst der Kernbesetzung und ihres musikalischen Leiters. Ein klasse Album das ich - hm, wem empfehlen würde? Vielleicht ja Fans der Flying Colors, die haben ja auch starke Musik aus verschiedenen Genres im Progamm. Ganz aus dem Häuschen bin ich zwar nicht, aber doch halb draußen und dabei ganz hervorragend unterhalten!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2018
Letzte Änderung: 29.6.2018
Wertung: 12/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 2)


„Life is Good“ von RTFACT wird offiziell, nämlich auf einem sehr schön gestalteten Werbezettel als das faszinierendste und überraschendste Prog-Album des Jahres 2017 vorgestellt, bzw. angepriesen. Hmm, wenn ich mir zum Beispiel die „Babyblauen“ Tipps des Monats von 2017 anschaue, da hat es für mir schon mal Faszinierenderes gegeben als „Life is Good“ von RTFACT. Aber in der Kategorie der am wenigsten erwarteten Prog-Alben hätte „Life is Good“ durchaus gute Chancen unter den ersten fünf zu landen.

Es werden wohl nur einige wenige Nischen-Experten damit gerechnet haben, dass der russische Schauspieler, Autor, Filmproduzent, Regisseur, Musiker und Komponist Yuri Volodarsky irgendwann noch ein weiteres Prog-orientiertes Album herausbringen würde. Immerhin wurde 2015 von ihm eine Alben-Trilogie (und eine limitierte 2-CD+DVD-Box) als Yuri Volodarsky & Friends angekündigt, die diverse Kompositionen von Volodarsky versammeln sollte, von denen die ältesten bis zur Mitte der 70er Jahre zurückreichen. Nachweislich veröffentlicht wurden bisher „Revelation“ und „Without a Word“, wie mir die knappen im Internet zu findenden Infos verrieten.

Als die wichtigsten Einflüsse für den (fast) alleinigen Komponisten von „Life is Good“ werden neben den klassischen Komponisten Borodin, Rimsky-Korsakov und Tchaikovsky auch die Prog-Helden der 70er wie Emerson, Lake & Palmer, Rick Wakeman, Triumvirat und Pink Floyd genannt.

Für den 2017 neuen Tonträger werden die Kompositionen von Volodarsky unter dem Projektnamen RTFACT (was marktechnisch vermutlich günstiger ist als Volodarsky & Friends) dargeboten. Volodarsky hat zu diesem Zweck die erstklassigen und erfahrenen Musiker verpflichten können. Volodarsky spielt selbst nicht mit, auch wenn er in einem anderen Werbetext als sehr talentierter Musiker beschrieben wird.

Warum genau das Artwork des Albums aus alten Karten besteht, habe ich bisher nicht herausfinden können, aber das schaut schon mal sehr gut aus. Eine auf Mittelamerika zentrierte Karte mit der Überschrift „Life is Good“. Was wollten uns die Künstler damit bloß sagen? Aber egal, ich mag die alten Karten. Deswegen würde es mir sehr schwer fallen, dieses Album nicht zu mögen.

Und wenn mir gleich zu Anfang per Gentle Giant-artigem Chorgesang in dem Titelstück unmissverständlich mitgeteilt wird, das Leben sei gut, kann ich nicht anders, als zumindest die darin enthaltene positive Einstellung zu mögen. Das sollte nicht viel über das restliche Album aussagen, denn „Life is Good“ wurde als einziges Stück des Albums nicht von Yuri Volodarsky sondern von Maxim Volodarsky komponiert, wer auch immer das jetzt sein mag. Die dichten Arrangements sind schon mal vorbildlich, was unter anderem einem lebhaften Orchester im Hintergrund zu verdanken ist.

Das instrumentale „Artifact“ bietet wohl vieles von dem, was sich die Retroprog-Fans wünschen: ausgebaute Keyboard-Beiträge im Geiste von Wakeman und Emerson und dazu eine Prise Bombast von einem energetisch agierenden Orchester. Es bleibt sehr zu hoffen, dass der Text von „(I Got) Money in my Pocket“ ironisch gemeint ist. Zu den die schwachsinnigen Klischees bedienenden Textzeilen wie „I got money in my pocket, Now talk to me baby, talk to me!“ gibt es dann eine Verschmelzung von Mainstream-Rock und US-Prog, was, von einem russischen Komponisten kommend, eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit andeutet. Auf der anderen Seite wurden die Songtexte von einem gewissen David Andrew Grout beigesteuert, der seinen American Way of Life-Songtext möglicherweise auch noch ernst meinte. Von den daraufhin aufkommenden Verdachtsmomenten bezüglich des Schielens auf das US-Publikum möchte ich jetzt nicht unbedingt anfangen.

Für „Gotika“ ist es Volodarsky glücklicherweise wieder eingefallen, dass er guten, durch klassische Vorbilder inspirierten Bombast-Prog komponieren kann. Die Melodie und die Songtexte von „Hail to the Winner Part I“ scheinen wieder das US-Publikum ansprechen zu wollen, dessen Teile vermutlich Texte über Gewinner und schmachtend-bombastische Balladen zu schätzen wissen. Ich finde die Nummer leider ausgesprochen kitschig. „Hail to the Winner Part II“ scheint Musical, Klassik und abgehenden Happy-Jam-Rock unter einen Hut bringen zu wollen. Man muss es nicht mögen, aber die Idee erscheint zumindest interessant.

„The King, The Master and the Timekeeper“ ist offiziell Emerson, Lake & Palmer gewidmet. Der Songtext steckt zudem voller ELP-Referenzen. Der eher an lockerem US-Prog orientierten Musik hat man einige Referenzen hinzugefügt, die an Keith Emerson erinnern. Dafür sind die Keyboard-Beiträge von „Hollywood of Fame“ noch ein Stück deutlicher an Emersons Spielweise orientiert, garniert mit einigen Filmmusik-, und Vaudeville-Exkursionen.

Unter dem Strich halte ich „Life is Good“ für ein nettes eklektisches Rock-Album mit einem beachtlichen Retroprog-Anteil. Viel Originelles oder Überraschendes konnte ich darauf nicht entdecken. Als eine Hommage an den „klassischen“ Prog der 70er ist es durchaus in Ordnung, aber von einer umwerfenden Sensation ziemlich weit entfernt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.6.2018
Letzte Änderung: 28.6.2018
Wertung: 10/15

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