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Ghost Island

Assimilation

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018 (12.5.)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Postrock
Label: Fluttery Records
Durchschnittswertung: 9.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

John Romero
Roddy
Michael
Harout
Nathan

Tracklist

Disc 1
1. Your Hope 4:57
2. Your Joy 3:02
3. Your Doubt 5:02
4. Crushed 3:59
5. Your Fear 10:45
6. Your Equanimity 8:24
7. Assimilation 9:31
Gesamtlaufzeit45:40


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Ghost Island nennt sich eine Postrock-Band aus dem US-Bundesstaat Arizona. Zunächst war es ein Soloprojekt des aus Phoenix stammenden Musikers John Romero, der seit 2013 als Ghost Island musikalisch aktiv ist. Mit der Zeit erweiterte sich die Besetzung zum Quintett (von den anderen Musikern werden nur die Vornamen genannt). Mit ihrem zweiten Album Assimilation landete die Band bei Fluttery Records, dem Spezialisten für Postrock- und Ambient-artiges.

Bei neuen Postrock-Bands bin ich mittlerweile grundsätzlich eher skeptisch. In diesem Genre tummeln sich schon seit Jahren zu viele Bands ohne eigenen Charakter, werden oft lediglich die auch schon 15 oder 20 Jahre alten Ideen der üblichen Verdächtigen neu aufgekocht. Nun erfinden auch Ghost Island das Genre nicht gerade neu, aber im Gegensatz zu anderen rezenten Postrockern zeigen sie zumindest ansatzweise einen eigenen Stil.

Die Musik ist komplett instrumental. Wie im Genre üblich, stehen auch hier Gitarren im Zentrum der Musik, während die Keyboards keine große Rolle spielen, entweder komplett fehlen oder nur im Hintergrund stehen. Anstatt des Postrock-typischen allmählichen Aufbaus der Musik bis zu einem heftigen Ausbruch verlegen sich Ghost Island jedoch eher auf impressionistisch anmutende, farbig und abwechslungsreich gestaltete Klanggebilde, die hauptsächlich aus flirrenden Geflechten der Gitarre bestehen. Ab und zu setzt die Gitarre auch an dezent zu sägen und zu kratzen; das jedoch stets zurückhaltend, wie um die herrschende Elegie nicht zu stören. Manche Songs sind dabei recht karg und spröde arrangiert, was der bei derartiger Musik stets vorhandenen Gefahr übermäßiger Wohligkeit entgegensteht. Bass und Schlagzeug sind dabei, was im diesem Genre nicht selbstverständlich ist, keine bloßen Rhythmusgeber, sondern halten durchaus selbstbewusst dagegen.

Insgesamt steht der Postrock des US-Quintetts eher dem „fictional Acoustic space“ von Bands wie Bark Psychosis nahe. Das ist zwar auch nicht gerade neuartig, aber immerhin stehen doch deutlich weniger neue Postrocker in dieser Tradition als in der von Explosions In The Sky und Konsorten (wobei man auch den ein oder anderen Einfluss dieser Bands bemerkt, etwa im abschließenden Titelstück). Für Postrock-Liebhaber ist Assimilation somit zu empfehlen. Das Album erscheint am 12. Mai.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.4.2018
Letzte Änderung: 30.4.2018
Wertung: 10/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


"Assimilation" bedeutet bekanntlich "Angleichung" oder "Anpassung", insofern ist es für Ghost Island vielleicht nicht unbedingt vorteilhaft, diesen Namen für ihr Zweitwerk zu verwenden. Denn sich an das Gros eines bekannten und weitestgehend ausformulierten Stils angleichen zu wollen, sollte Skepsis erwecken. Und tatsächlich langweilen "Your Joy" und "Your Doubt" mit simpel-monotonen Ostinati-Motiven auf der Gitarre, vergleichsweise klappriger Rhythmik und auf halbem Weg steckenbleibenden bzw. abgebrochenen Dynamik-Steigerungen schon ziemlich - gerade so, also mit dieser (handwerklich verhaltenen) Verwendung üblicher Klischees, geht es eben nicht.

Der Rest von "Assimilation" ist da glücklicherweise eigenständiger und interessanter. Zwar geht auch das eröffnende "Your Hope" im Mittelteil mit rockigerer Ausrichtung den konventionellen, buchstäblich ausgetretetenen Weg, aber der minimalistische Anfang mit heulenden Streichern und einem schleppend echoenden Gitarrenmotiv, der am Ende seine Erwiderung findet, ist im Kontrast dazu viel kurioser und unterhaltsamer. Auch "Crushed" beschwört nach den beiden genannten Reinfällen mit einem schwer-schleppenden Düstermotiv diesen Stil und bringt zudem noch eine relativ komplexe Rhythmik in die gedehnten Takte, was angesichts des generell spartanischen Sounds relativ spannend ist und schließlich mit Fokus auf einen pochenden Bassdrum-Rhythmus schon ganz manierlich läuft. Leider sind die solistischen Versuche dazu wenig ergiebig, alsbald macht sich zudem Monotonie breit, und am Ende flaut alles einfach ab, ohne auf den Punkt gekommen zu sein, aber die Anlage des Stückes ist schon eine ganz andere.

Bemerkenswert ist außerdem, dass sich Ghost Island in den folgenden drei Quasi-Longtracks ebenfalls kaum noch Blöße geben. Tatsächlich sind "Your Fear", "Your Equanimity" und der abschließende Titeltrack überwiegend gut strukturiert und stellen damit einige Postrock-Manierismen sogar noch in interessante Zusammenhänge. So könnte etwa die Glockenspiel- oder Xylofon-Begleitung des - was sonst? - optimistischen Gitarrenmotivs am Anfang von "Your Fear" kitschig und abgeschmackt sein, ist aber angesichts gegenseitigen polyphonen Umspielens tatsächlich sogar ziemlich reizvoll. Nach einer ruhigeren, aber spannenden Passage um 3:20 herum werden diese Elemente in einem Ausbruch um 4:30 herum dann wieder aufgegriffen und erzeugen hier zusammen mit den härteren Gitarren tatsächlich einiges an Drive. Ebenfalls unterhaltsam und kurios sind in diesem Stück noch die in einer weiteren Wartehaltungs-Passage um 6:00 eingeführten blubbernden Sounds im Hintergrund, die angesichts der repetetiven Begleitung tatsächlich auch als Spacerock-Tribut durchgehen könnten.

Auch in "Your Equanimity" fängt schleppend und deshalb interessant an, kann danach aber sogar noch eine Schwäche (ein schludrig gespieltes Bassriff) ins Gegenteil verkehren, weil der Offbeat-Rhythmus dazu ziemlich erfrischend ausfällt. Die anschließend einsetzenden Gitarren verfallen zwar dem Klischee, bringen den Song dafür aber durch Motivation einer vorübergehenden Verhärtung voran. Das Ende ist ebenfalls eine Erwähnung wert: Ein Finale gibt es, aber die Durchführung der dortigen Steigerung bleibt alleine dem Schlagzeug vorbehalten - verglichen mit den Genre-Standards ist das eine im positiven Sinne unterkühlte Variation dieses Topos. Hingegen hat "Assimilation" Anlaufschwierigkeiten, weil sich die chillige Gitarre mit dem sehr aktiven Schlagzeug beißt, die folgende Kombination aus Groove und Ostinati gewöhnlich und lau klingt und im "Ausbruch" alleine die Gitarren härter werden - das lässt die Musik aber in Abgrenzumg zum Erwarteten eigenartigerweise eher wie Noiserock wirken. Später holt man auch hier wieder diese Space-Sounds ins Boot und schafft noch einen gediegenen Abschluss.

Frei von Mängeln und Schwächen ist "Assimilation" also auch in dieser Hälfte nicht. Nach dem eher schwachen Auftakt in der ersten Hälfte können sich Ghost Island aber außerordentlich steigern und eine unterm Strich doch relativ eigenständige Interpretation des Genres manifestieren. Bezeichnend ist dabei übrigens, dass offenbar schon kleine Details wie eben die eingestreuten Elektronik-Sounds oder bestimmte Phrasierungen der Rhythmik ausreichen, um die Musik in ein ganz anderes Licht zu tauchen. Das ist keine Revolution, aber insgesamt ziemlich annehmbar, und hierauf können Ghost Island in Zukunft sicher aufbauen. Obwohl das Verhältnis zum Genre als Ganzen natürlich wie eingangs geschildert ambivalent zu betrachten sein wird.

Anspieltipp(s): Your Fear, Your Equanimity
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.6.2018
Letzte Änderung: 30.6.2018
Wertung: 9/15
Minimal ist besser!

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