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Diablo Swing Orchestra

Pacifisticuffs

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Folk; Independent / Alternative; Jazzrock / Fusion; Latin; Mathrock; Rock / Pop / Mainstream; Progmetal
Label: Candlelight Records
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Kristin Evegård Gesang, Klavier
Daniel Håkansson Gitarre, Gesang
Pontus Mantefors Gitarre, Keyboards
Martin Isaksson Trompete
Daniel Hedin Posaune
Johannes Bergion Cello
Andy Johansson Bass
Johan Norbäck Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Knucklehugs (Arm Yourself With Love) 2:26
2. The Age Of Vulture Culture 5:00
3. Superhero Jagganath 5:41
4. Vision Of The Purblind 1:01
5. Lady Clandestine Chainbreaker 4:50
6. Jigsaw Hustle 4:52
7. Pulse Of The Incipient 0:34
8. Ode To The Innocent 3:49
9. Interruption 5:21
10. Cul-De-Sac Semantics 1:09
11. Karma Bonfire 4:14
12. Climing The Eyewall 4:40
13. Porch Of Perception 0:44
Gesamtlaufzeit44:21


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Zu Zeiten des Debütalbums und von "Sing-Along Songs For The Damned And Delirious" galt das Diablo Swing Orchestra als Sensation: In Fortsetzung und Überzeichnung des seit den späten 80ern grassierenden Crossover-Gedankens wurden hier auf einmal garstiger Metal, eingängiger 30er-Jahre-Jazz, der nicht nur den namensgebenden Swing ins Boot holte, sondern auch noch die europäische Gypsy-Schule, dazu noch diverse Latin-Anleihen und nicht zuletzt der an populäre Truppen wie Nightwish gemahnenden Soprangesang von Annlouice Wolgers, geb. Lögdlund in einen Topf geworfen. Das Ergebnis war natürlich recht krass, konnte aber gerade aufgrund der Tatsache überzeugen, dass aus diesem Hexenkessel dennoch ziemlich eingängige, geradlinige Songs mit originellen Einfällen hervorgingen.

Der Schwung scheint dem DSO indes allerdings abhanden gekommen zu sein: Nach "Pandora's Piñata" dauerte es mehr als fünf Jahre, bis Ende 2017 schließlich mit dem hier vorliegenden "Pacifisticuffs" ein neues Album stand - dessen Cover den Comic-Stil der letzten beiden Platten mit einem modern-generischen Photoshop-Artwork bricht. Und dazu wurde auch noch die Sängerin gegen Kristin Evegård ausgetauscht, deren Stimme eher zu Chansons oder vielleicht noch Musicals als zu Opern passt. Kann das gut gehen? Erinnert sich überhaupt noch jemand an die Schweden, oder muss man in Sachen Bekanntheitsgrad wieder von unten aufbauen?

Na ja, gemessen an diesen Vorzeichen tut sich auf "Pacificsticuffs" eigentlich vergleichsweise wenig am musikalischen Rahmen: Noch immer gibt es eine per se unterhaltsame Stilmixtur, die als ganzes gar nicht so hart ist - die Gitarren bratzen eigentlich nur zu die Strophen einrahmenden Instrumentalpassagen los, und das dann üblicherweise auch "nur" in den Bläsern untergeordneter Position. Ausnahmen bestätigen hier die Regel, wenn beispielsweise in "Superhero Jagganath" der bombastische Refrain zwischen Musical und Muse ("Survival") in späteren Wiederholungen galoppierend unterlegt wird, einige Breaks in die genüssliche ABBA-/Bee-Gees-Disco von "Jigsaw Hustle" fahren oder am Ende des Tangos "Lady Clandestine Chainbreaker" schweres Math-Riffing zu einer Klangwand ertönt - aber es bleiben eben Ausnahmen.

Vielmehr liegt der Schwerpunkt nunmehr auf Blas- und Streichinstrumenten, die immer wieder in durchaus opulenten Arrangements die Melodieführung übernehmen - oder dabei eben in Ergänzung der vorigen Ausführungen den kantigen Gitarrenspuren eben das Sahnehäubchen aufsetzen. Ziemlich deutlich wird dieses Wechselspiel jedenfalls in "The Age Of Vulture Culture", in dem auf den Refrain jeweils ein emanzipierter Part dieser Instrumentengruppen folgt, oder eben in "Lady Clandestine Chainbreaker" mächtig-bombastischer Tango gespielt wird. Ansonsten bringen Diablo Swing Orchestra diesmal noch weitere Stile in den Crossover ein: Bereits in "Knucklehugs (Arm Yourself With Love)" gibt's einen Hoedown-Part mit Banjo und Johnny-Cash-Gesang, recht ähnlich bietet das Outro "Porch Of Perception" Bluegrass-Americana mit Westerngitarre, Banjo und Bauernhof-Soundeffekten, und dazwischen versucht sich Daniel Håkansson gelegentlich ("Superhero Jagganath", "Karma Bonfire") an Croner-Gesang zwischen dem späten Elvis und Dean Martin.

Den alten Swing hat man dagegen beiseite geschoben - lediglich "Karma Bonfire" pflegt diesen Stil samt Gene-Krupa-Drumming, Walking Bass, ulkiger Trompetendämpfer und allen weiteren Kinkerlitzchen noch ungehemmt. Oder fast, denn eigenartigerweise wirkt gerade diese Nummer viel gezwungener und weniger locker als anno 2007. Ob sich DSO auf diesem Territorium noch wohlfühlen? Die Tatsache, dass poppige bis Musical-artige Momente in "SUperhero Jagganath", "Lady Clandestine Chainbreaker", "Jigsaw Hustle" oder "Interruption" jedenfalls zu den per Gesang beschworenen großen Gesten gehören, spricht wohl dafür. Ungeachtet dessen gelingt die Mischung aber trotzdem: Wenn in "The Age Of Vulture Culture" souveräne Bläser über einem mit Gitarren gepflegten Salsa-Rhythmus agieren, sich in "Jigsaw Hustle" kitschigster Pop und anspruchsvollere Härte duellieren oder in "Interruption" der Refrain jeweils in einem Strudel aus Melancholie ausgelöst wird, dürfte das eigentlich jeden ansprechen, der den tangierten Musikrichtungen ansatzweise etwas abgewinnen kann.

Somit gelingt es Diablo Swing Orchestra damit auch nach fünf Jahren und mit neuer Sängerin, noch einmal gegenüber der versammelten Konkurrenz das Profil zu schärfen: Anders als öOoOoOoOoOo hat man kein halbseidenes Musiktheater nötig, gegenüber Igorrr agiert man insgesamt gemäßigter und zugänglicher, und anders als Pryapisme verzichtet man zugunsten geschlossener Songs auf Von-A-nach-B-Kompositionen. Fassen wir also abschließend noch mal zusammen: Vom alten Swing- und Opern-Spleen hat sich die Band mittlerweile größtenteils gelöst, zieht aber weiterhin eingängige Stücke in Gestalt von imposanter Krach-Crossover-Mucke auf. Ob man sich in "Diablo Merengue Orchestra" umbenennen sollte?

Anspieltipp(s): Superhero Jagganath, Jigsaw Hustle, Interruption
Vergleichbar mit: Dean Martin, Johnny Cash, Django Reinhardt, Dajos Béla, Muse, ABBA, Igorrr, öOoOoOoOoOo und so
Veröffentlicht am: 5.5.2018
Letzte Änderung: 5.5.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Diablo Swing Orchestra

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2007 The Butcher's Ballroom 11.00 2
2009 Sing Along Songs for the Damned & Delirious 10.50 2
2012 Pandora's Piñata 11.00 1

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