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Spock's Beard

Noise Floor

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: Inside Out Music
Durchschnittswertung: 9/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Alan Morse guitar, vocals
Dave Meros bass, vocals
Ryo Okumoto keyboards
Nick D’Virgilio drums, vocals
Ted Leonard vocals, guitar

Tracklist

Disc 1
1. To Breathe Another Day 5:38
2. What Becomes of Me 6:12
3. Somebody's Home 6:32
4. Have We All Gone Crazy Yet 8:07
5. So This Is Life 5:36
6. One So Wise 6:58
7. Box of Spiders 5:29
8. Beginnings 7:25
9. Days We'll Remember 4:15
10. Bulletproof 4:42
11. Vault 4:39
12. Armageddon Nervous 3:32
Gesamtlaufzeit69:05


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Die Organisation „Spock´s Beard“ hat demnächst einen wichtigen Termin. Einen Zahnarzttermin. Oder gleich mehrere, am besten bei einer Koryphäe auf ihrem Gebiet. Es wird nach Behandlungskonzepten gesucht, die dazu führen sollen, dass der Patient wieder mehr Biss bekommt! Denn was hier zwischendurch feilgeboten wird, muss allen Kennern des Subgenres, Freunden von "Octane" bis "Brief Nocturnes", wie ein Festmahl mit einer schlecht sitzenden Kauleiste vorkommen. Eventuell fällt das kulinarische Vergnügen gleich ganz aus, wegen Zahnlosigkeit (So This Is Life).

Das ist eben das Problem bei einer Formation wie dieser - die Messlatte liegt hoch. Kann eine Band das leisten? Schon die vergangene Veröffentlichung, „Oblivion Particle“, stand im Schatten von „Brief Nocturnes“ und war stellenweise eine Enttäuschung, dann kamen aber zwischendrin immerhin großartige Sachen wie Tides of Time oder The Center Line. Bei „Noise Floor“ (der Albumtitel ist nun nicht ganz nachvollziehbar) ist alles schwer routiniert, soundtechnisch über jeden Zweifel erhaben, aber es fehlt an Charisma, dem gewissen Etwas. Die Momente, die unfehlbar ins Ohr gehen, sind nicht gänzlich abwesend, aber sie sind bei einem Kaliber wie diesem viel zu dünn gesät (Have We All Gone Gone Crazy Yet, One So Wise, Box of Spiders sind überdurchschnittlich). Bei Newcomern würde ich sagen: Für den Anfang nicht schlecht.

Ein gutes Beispiel für Defizit stellt gleich das erste Stück To Breathe Another Day dar. Es ist ein vielversprechendes Intro gelungen (hier klingen natürlich die üblichen verdächtigen Klassikprog-Referenzen durch), die Strophe und Soloteile sind auch noch o.k., dann wird eine uninspirierte Melodie aufgetischt, wie sie auch von einem gleichermaßen eindimensionalen wie kurzlebigen Stadion Rock Act stammen könnte (Europe! Survivor!). Einschläfernde Zerfahrenheit und richtungslos erscheinende Zufälligkeit, die immer wieder in Banalität abzugleiten droht. Ein unangenehmer Gedanke tut sich auf: Könnte das schon der Final Countdown sein?

So hangelt man sich durch die ersten Stücke. Es ist nicht alles verwerflich, aber andererseits sprühen auch keine Funken. Problematisch wird es immer, wenn Gesang erscheint, instrumental geht´s so. Dann kommt One So Wise mit einem dynamischen Shuffle-Groove, und man identifiziert erstmalig Spock´s Beard. Erstmalig, aber nur erstmal, vorübergehend.

Wie Nik Brückner in seiner Rezension zu "Oblivion Particle" schon schrieb, „legen Spock's Beard erneut ein etwas inhomogenes Album vor: AOR auf der einen Seite, Prog auf der anderen“. So können sich Morse´s Nachfahren mal wieder nicht entscheiden, welches Feld sie bestellen wollen. Neben progressiven Ansätzen finden sich Pop-Rock-Ditties mit für diese Gewichtsklasse zu simplen Melodien. Es gibt international akkreditierte Interpreten, die das besser hinbekommen. Die haben dann auch gleich ein viel größeres (und passenderes) Publikum, z.b. Michael Bublé. Days We´ll Remember ist so ein Liedchen mit penetranter Schönsingerei und Walzertakt. Damit sind SB problemlos auf ESC-Niveau angekommen.

Kann das wirklich Ted Leonards Intention sein, wenn er zur Veröffentlichung verlauten lässt: „Wir lieben unseren verrückten Prog nach wie vor. Wir wollten jetzt die Songs melodischer gestalten, weil wir glauben, dass es wichtig ist, schnellstmöglich die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen.“ Ryo Okumoto ergänzt: “Man musste die Songs auf Oblivion Particle schon intensiver hören, um einen Zugang dazu zu finden. Diesmal haben wir sie verständlicher gemacht.“ Ihre Musik sei ein Evolutionsprozess, so wird hervorgehoben. Soll die „Evolution“ Zugang zu den Billboard Hot Hundred gewährleisten? Kann es ein Ziel sein, Komplexität durch Leichtgewichtigkeit auszutauschen?

So drängt sich zur Mitte des Albums der Verdacht auf: Sind das überhaupt noch „unsere“ SB, die hier singen und spielen? Wobei ich durchaus in der Lage wäre, mir Bulletproof und Beginnings schön zu hören. Aber darauf kommt es nicht an.

Nun, man muss Geduld aufbringen: Ganz zum Schluss nämlich zeigen sie es uns doch noch, mit dem Instrumental Armageddon Nervous, die ganze vermisste Herrlichkeit. Na also, warum nicht gleich? Ein knackiges 7/8 Intro, schräge Hammondharmonien, pulsierender Bass, memorable Melodien und ein Schuss Hymnisches. Yes! Selbstredend ist Armageddon Nervous das kürzeste Stück auf der ganzen Ansammlung. Klar, Songs mit viel Tempo sind eben kürzer. Aber: Die Besetzung hat ihr Gebiss wiedergefunden!

Zwölf neue Stücke, verteilt auf einem „Special Edition 2CD Digipack“. Die erste CD mit acht Stücken ist „Noise Floor“, die zweite als EP mit vier Stücken „Cutting Room Floor.“ Es ist nicht bekannt, ob die CDs irgendwann auch einzeln erhältlich sein werden. Damit schließen sich SB der Unsitte vieler anderer Progbands an, die ebenfalls immer wieder versuchen, es dem Fan fett zu machen. Letzlich ist zu viel Füllmaterial drauf. Ich wünsche mir acht richtig gute Songs auf nur einer CD. Irgendwann können die Musiker ja ihren Ausschuss gerne veröffentlichen, z.B. als "Anthology 1-3" mit ganz vielen Demoversionen und „Alternate Takes“. Da weiß man dann, was man bekommt. So ist´s, insgesamt gesehen, eine etwas schale Angelegenheit.

Anspieltipp(s): Armageddon Nervous
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.5.2018
Letzte Änderung: 15.5.2018
Wertung: 7/15
Tipp: Armageddon Nervous und Tides of Time (von "Oblivion") DIREKT hintereinander hören. Ist wie EIN geiler Longtrack!

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Was? Peter Meyer gibt dem neuen Spock's-Beard-Album, von dem es heißt, es sei "more melodic", nur 7 Punkte? Der Mann, der von sich sagt, er habe bei Spock's Beard immer schon die AOR-Passagen lieber gemocht? Der Mann, der uns in den letzten Wochen auf Dry River aufmerksam machte und auf die neue Scheibe von Subsignal steht?

Seit dem Weggang Neal Morses legten Spock's Beard ein unausgegorenes Album nach dem anderen vor: Bisschen Prog, bisschen Rock, beides nicht immer gut - und bald wusste niemand mehr so recht, wofür die Band eigentlich stand. Diese Entwicklung hin zu einer Mischung aus beiden Stilen setzt sich jetzt mit "Noise Floor" eigentlich nur fort. Mit dem Unterschied, dass es nun endlich mal eine ausgegorene Mischung ist.

AOR oder Mainstream-Rock mit Progelementen hat zur Zeit eh Konjunktur, und insofern treffen Spock's Beard im Grunde nur den Nerv der Zeit. Diese Engländer damals haben's vorgemacht - wie hießen die noch gleich? Touchstone (brrrr). Subsignal auch. Dry River, HeKz, die machen das heute. Und meist ist das sogar sehr unterhaltsam. Auch bei Spock's Beard ist das so: "Noise Floor" ist ebenso catchy wie proggy. "To Breathe Another Day", "Days We'll Remember" und das beatleshafte "So This Is Life" sind catchy, "Box of Spiders", "Beginnings" und "Armageddon Nervous" sind proggy. Aber durch den Fokus auf eingängigem, konzisem Songwriting ist "Noise Floor" das erste Post-Neal-Morse-Album, bei dem das so richtig gut funktioniert. Ich finde, die Band hat ihr Ziel erreicht.

Dabei hat Peter nicht Unrecht: progressiv ist das nicht. AOR mit Progelementen hat's eigentlich schon immer gegeben. Trotzdem konnte man in den letzten Jahren, wenn eine veritable Progband anfing, sich dem Mainstream zuzuwenden (Mastodon und Shining fallen mir spontan ein), oft lesen, wie das in der Musik- und, ja, auch in der Progpresse bejubelt wurde, mit der Begründung, die Band entwickle sich weiter und sei genau darin - jetzt kommt's - progressiv. Rückschritt als Fortschritt: das ist weniger verquer als vielmehr ein Ausdruck der großen Verunsicherung, die viele, auch Rezensenten, in Folge der aktuellen massenhaften Adoption progfremder Bands in den Progressive Rock inzwischen befallen hat. Wenn jegliche Entwicklung Progression ist, und AOR neuerdings zum Prog gerechnet wird, dann ist, folgerichtig, jede Entwicklung einer Progbrand hin zum AOR progressiv.

?

Natürlich nicht. Prog ist ein bestimmtes Genre, AOR ist ein anderes. Und die Verbindung von beidem hat es, wie gesagt, schon immer gegeben. Queen, Kansas natürlich, und angeblich hatten Styx, Saga und Supertramp auch mal was mit dem Prog zu tun. Hier reihen sich Spock's Beard ein - und die Integration der beiden Stile ist ihnen hervorragend gelungen. Mehr Prog als die eben genannten Bands haben sie ohnehin zu bieten.

Dazu hat, wie man hört, auch InsideOut-Chef Thomas Waber seinen Teil beigetragen. Er war offenbar maßgeblich an der Entscheidung darüber beteiligt, welche Songs auf das Album durften. Die Qual der Wahl, elegant gelöst dadurch, dass man die aussortierten Stücke zu einer Bonus-EP namens "Cutting Room Floor" zusammenstellte. Die ist nämlich kaum schwächer als das Album.

"Noise floor", zu deutsch " Grundrauschen", bezeichnet übrigens das Eigenrauschen eines einzelnen Gerätes wie beispielsweise einer Verstärkerstufe oder eines Messgerätes, das lediglich in betriebsbereitem Zustand ist, aber kein Nutzsignal führt.

Die große Neuigkeit ist zunächst einmal, dass Schlagzeuger und Background-Sänger Jimmy Keegan fehlt. Spock's Beard haben zurückgeschaut und Urmitglied Nick D'Virgilio engagiert. Die Schlagzeuggeräusche rufen daher Erinnerungen an die Originalband wach - leider erlaubt es sein aktueller Zeitplan ihm aber nicht, Vollzeitmitglied der Band zu werden.

Das Songwriting ist, wie gesagt, eingängiger, melodieorientierter, konziser. Man kann das als Abkehr vom Prog verstehen, allerdings ist "Noise floor" ein derart proggiges Album, dass ich das nicht ganz nachvollziehen kann. Man kann es nämlich auch einfach als Präzisierung des Standorts der Band verstehen, und damit ist es dann das Ergebnis einer Entwicklung, das man nur begrüßen kann. Die Songs stammen, wie üblich, von den Bandmitgliedern und ihren regelmäßigen Mitarbeitern John Boegehold und Stan Ausmus. Und man muss keine Angst haben: So songorientiert das Album auch sein mag, nichts von dem Material hier kann die Top 10 erreichen, nicht einmal "So This Is Life", eine poprockige Ballade mit einem ausgeprägten Beatles-/Pink-Floyd-Feeling. Der Song könnte von George Harrison sein, und Nick D'Virgilio spielt Schlagzeug wie einst Nick Mason.

Alles andere ist starker, proggetränker AOR, oder knackiger, auf den Punkt gebrachter Prog. Ein großes Epos ist nicht auf dem Album zu finden, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, allerdings hängen "Box of Spiders" und "Beginnings" derart eng zusammen, dass man sie ohne weiteres als gewichtigen 13-Minüter hören kann, mit instrumental-komplexer erster Hälfte und pathetisch-epischem zweiten Teil.

Wer seinen Prog gern eingängiger, gesangsorientierter und kraftvoller hat, dem dürfte etwa "Have We All Gone Crazy Yet" gefallen. Und wer in diesem Spektrum eher zu den harten Rockern mit den Ohrwurmmelodien tendiert - aber das hatten wir ja schon.

Die EP ist übrigens kaum weniger stark als das Hauptalbum. "Days We'll Remember" ist eine klassische Powerballade, "Bulletproof" ist eingängiger Pop-Rock, dann wird's proggiger, bis hin zu dem starken instrumentalen Prog-Freak-out "Armageddon Nervous".

Also, ich kann mich meinem Vorredner diesmal nicht anschließen. Ich finde, der Fokus auf konzise Songs im Bereich zwischen AOR und Prog hat der Band immens gutgetan, und ich halte "Noise Floor" für ein starkes Album - womöglich sogar für das stärkste seit...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.5.2018
Letzte Änderung: 17.5.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Spock's Beard

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 The Light 11.80 4
1996 The official live bootleg 11.00 1
1996 Beware Of Darkness 11.25 4
1998 From the vault 4.00 1
1998 The Kindness Of Strangers 11.33 3
1998 Live: The Beard Is Out There 11.00 1
1999 Live at the Whisky and Nearfest 8.50 2
1999 Day For Night 9.00 2
1999 Skin (Single) 3.00 2
2000 Don't Try This @ Home Either (The "from the vaults" series vol.3) 6.00 2
2000 V 11.25 4
2000 Don't try this at home 8.50 2
2000 Nick 'n Neal - Live In Europe - Two Seperate Gorillas (The "from the vaults" series vol.2) 3.50 2
2001 All On A Sunday (Single) 1.00 2
2001 There & here (The "from the vaults" series vol.4) 7.00 1
2002 Don't Try This At Home (DVD) 10.00 1
2002 Snow 12.50 3
2003 Feel Euphoria Ltd. Edition 7.20 5
2004 The Making of Snow - 1
2005 Octane 8.57 7
2005 Gluttons For Punishment - Live in '05 9.00 2
2006 Spock's Beard 8.75 4
2008 Live (DVD) 11.00 2
2010 X 11.00 5
2012 The X-Tour Live 11.00 1
2013 Brief Nocturnes and Dreamless Sleep 10.33 3
2015 The Oblivion Particle 10.50 2
2015 The First Twenty Years 10.00 2
2017 Snow Live 11.00 2

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