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The Sea Within

The Sea Within

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018 (erscheint am 22.6.18)
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion; New Artrock; RetroProg; sonstiges
Label: Inside Out Music
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Roine Stolt vocals, guitar
Daniel Gildenlöw vocals, guitar
Jonas Reingold bass
Tom Brislin keyboards, vocals
Marco Minnemann drums, vocals

Gastmusiker

Jordan Rudess piano
Jon Anderson vocals
Rob Townsend saxophone
Casey McPherson vocals

Tracklist

Disc 1
1. Ashes of Dawn 5:59
2. They Know My Name 5:10
3. The Void 4:54
4. An Eye for an Eye for an Eye 7:01
5. Goodbye 5:31
6. Sea Without 2:23
7. Broken Cord 14:11
8. The Hiding of Truth 5:35
Gesamtlaufzeit50:44
Disc 2
1. The Roaring Silence 8:06
2. Where Are You Going? 5:54
3. Time 7:19
4. Denise 5:16
Gesamtlaufzeit26:35


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Nein, sie sind ja gar keine Supergroup, wollen nicht als eine solche wahrgenommen werden, wie ein Blick auf die Homepage verrät: „Lasst uns eine Sache gleich zu Beginn klarstellen. "The Sea Within" ist nur ein Zusammenschluss leidenschaftlicher Talente, die gemeinsam ein einzigartiges Album auf die Beine stellen wollten.“ Vielleicht erweckt das Etikett „Supergroup“, das bei einer solchen Ansammlung von Namen von einem ungeduldigen Umfeld schnell ins Spiel gebracht wird, bei der einschlägigen Zielgruppe eine Erwartungshaltung, die man dann doch lieber vermeiden möchte. „Musikkollektiv“ passt da eher. Ein Kollektiv kann in gediegener Zurückhaltung baden gehen, ohne allzu große Häme zu erzeugen. Eine Supergroup scheitert immer krachend, unter dem belustigten Blick einer schadenfrohen Öffentlichkeit.

Einige Musiker spielen schon relativ lange zusammen, so half Gildenlöw noch während seiner Zeit mit Pain of Salvation bei Stolts Band The Flower Kings aus, bevor er dort festes Mitglied wurde. Zweieinhalb Fünftel von „The Sea Within“ sind also Kings, man kann davon ausgehen, dass sich diese Leute blind verstehen. Die Kompositionen, bzw. die Ideen dazu wurden, so wird bekräftigt, von allen Musikern gleichermaßen zusammengetragen und weiterentwickelt. Roine Stolt, der als lenkender Geist die Band im Herbst 2016 zusammenstellte, bezeichnet die entstandene Musik als schwer zu definierende Mischung aus allem Möglichen - etwas Rock, etwas Prog, etwas Jazz, symphonisch, improvisiert, bis hin zu Filmmusik.

Ich möchte darauf verzichten, die einzelnen Songs separat vorzustellen, da diese die erste Kritik auf der Site ist, es aber voraussichtlich nicht dabei bleiben wird. Insofern vertraue ich auf meine Mitschreiber. Die Songs der Vereinigung leidenschaftlicher Talente lassen einen ein wenig im Zwiespalt zurück, z.B. gibt es einige recht schwache Beiträge (Goodbye, Denise), denen sich auch jegliches Prog-Prädikat verweigert (das veredelt allenfalls Broken Cord). Andere sind kingmäßig verschwurbelt. Oder scheinbar beliebig hingerotzt (Sea Without), mit Längen befrachtet. Das Spektrum reicht von „recht ordentlich“ bis „nanu?“, die meisten Nummern reihen sich jedoch unaufgeregt unter „gehobenes Mittelmaß“ ein. Die Highlights sind Ashes of Dawn (Instrumentalteil), An Eye for an Eye for an Eye (Pianoimprovisation!). Stolt ist nicht der Kracher am Mikrofon (das haben schon andere festgestellt), Gildenlöw wie meistens über jeden Zweifel erhaben.
Auch darf wieder die Frage gestellt werden, ob ein (als Debut relativ wichtiges) Release als Doppelalbum/Zweier-CD sinnvoll ist. So hoch ist die Qualitätsdichte nämlich nicht. Ich fühle mich an die neue Spock´s Beard erinnert, wo festgestellt werden musste, dass angesichts der vorhandenen leidenschaftlichen Talente wesentlich mehr möglich gewesen wäre.

Freunden von Pain of Salvation wird es zu weich und nicht dunkel und ambivalent genug sein, Flower-Kings-Hörer und Wilson-Fans dürften entweder zufrieden sein, oder ähnlich gespalten wie der Rezensent. Es fehlt an einzigartigen Momenten, einer aufsehenerregenden Bedeutsamkeit, die man diesem Kaliber zutrauen möchte.

Anspieltipp(s): An Eye for an Eye for an Eye, Ashes of Dawn
Vergleichbar mit: The Flower Kings
Veröffentlicht am: 10.6.2018
Letzte Änderung: 9.6.2018
Wertung: 9/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Es gibt ein paar Musiker in unserem Genre, die man sofort erkennt, wenn sie auch nur einen einzigen Ton spielen. Um dafür Beispiele zu finden, muss man gar nicht mal in die höchste Kategorie greifen, und Giganten wie Gilmour, Oldfield, Bruford, Squire, Fripp oder Wakeman nennen - wer sich in seinem Prog auskennt, kann auch Roine Stolt, Jonas Reingold oder Marco Minnemann sofort erkennen. Daniel Gildenlöw sowieso.

Und wenn solche Leute sich zu einer Band zusammenfinden, kann man etwas Großartiges erwarten, richtig? Man nennt das dann eine Supergroup; einfach, weil die beteiligten Musiker zuvor in anderen Bands tätig waren. Weil die breite Masse mit diesem Etikett aber "super" im Sinne von 'großartig' assoziiert, versuchen Bands tunlichst, es zu vermeiden. Sie wissen, dass eine Band, in der Musiker spielen, die zuvor in anderen Bands gespielt haben, einfach auch nur eine Band ist, und nicht automatisch besser als diese. Deshalb meiden auch The Sea Within dieses Etikett. Sie wollen überzogene Erwartungen im Zaum halten, da hat Peter ganz Recht. Im eigentlichen, nicht falsch verstandenen Sinn des Wortes aber sind sie selbstverständlich eine Supergroup.

Aber es ist mit der Musik ein bisschen so wie mit dem Film: Ein Film ist immer nur so gut wie sein Drehbuch. Klar, ein guter Schauspieler kann auch aus einer platten Figur noch etwas herausholen, aber er ist darin immer durch das beschränkt, was auf dem Papier steht; berühmtgewordenes, weil exponiertestes Beispiel ist der Film "Alien": eine generische Story, die vor allem durch die Schauspielerleistungen zu einem Klassiker erhoben wurde. In der Musik ist es nicht anders: Ein Album, eine Band steht und fällt mit dem Songwriting. Auch dafür kennen wir Beispiele: Spock's Beard, die vollkommen anders wurden, als ihr Hauptsongwriter sie verließ, oder Yes, die sogar das Genre wechselten, weil sie irgendwann das kollektive Komponieren gegen das Einspielen fertiger Songs eintauschten.

Doch die meisten Leute gehen wegen der Schauspieler ins Kino, nicht wegen der Drehbuchautoren. Und, klar, wegen anderer Faktoren, wie Genre, Kundenbindung und so weiter. All diese Dinge dürften auch bei The Sea Within eine Rolle spielen: Man kennt das Genre, man kennt die Akteure, man kennt ihren Stil.

Man ist auf der sicheren Seite. Und tatsächlich kann man den altbekannten musikalischen Einfluss jedes einzelnen Beteiligten auf diese Platte hören, kompositorisch und stilistisch. Es gibt Stellen, die man (ver)meint, eindeutig den The Flower Kings, Pain Of Salvation, Karmakanic oder den Aristocrats in Schuhe schieben zu können. Trotzdem klingen The Sea Within aber durchgängig wie eine richtige Band, weil sie es vermögen, all diese Stile zu einer Einheit zu verbinden - und prompt klingen sie genau an solchen Stellen dann generisch, beliebig, gesichtslos. Man ist auf der sicheren Seite.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe jeden einzelnen dieser Musiker schon auf weitaus besseren Alben gehört. Und das liegt nicht an der Leistung jedes einzelnen hier - die steht außer Frage. Selbst Tom Brislin, der von allen Beteiligten vermutlich am wenigsten bekannte, dürfte seine Zuhörer spätestens mit seinem Spiel auf "An Eye For An Eye For an Eye" von sich überzeugt haben. Das Problem des Albums liegt woanders. Beim Songwriting. Die meisten Stücke, wenn sie überhaupt zum Prog zählen können (und das kann man von der Mehrheit der Stücke nun wirklich nicht behaupten), bleiben blass und uninteressant, so viel die Musiker auch aus ihnen herausholen. Ja, oft wirkt die Musik sogar blutleer und lethargisch, Ausbrüche, Abenteuer oder gar nur ein paar Ecken und Kanten sucht man vergeblich (in "Ashes of Dawn" gibt's sowas). Die Gastmusiker (Rob Townsend, Saxophon auf "Ashes of Dawn", Jon Anderson (Gesang auf "Broken Cord") und Jordan Rudess (Klavier auf "The Hiding of Truth ")) können da auch nichts ausrichten - Townsends Solo ist überraschend kurz, und Anderson und Rudess hört man kaum.

Ein kurioses Detail in diesem Zusammenhang: ausgerechnet die beiden Songs, die Peter über mir zu Recht als "recht schwache Beiträge" nennt, "Goodbye" und "Denise", wurden in einigen frühen Rezensionen (die diesem Album im Übrigen weitaus positiver gegenüberstehen als wir) als die stärksten hervorgehoben. Verkehrte Welt? Ein Symptom des gegenwärtigen Trends im Progressive Rock, einfache Pop-, AOR- und Metalschemata zu bevorzugen (s. Wilson, Mastodon, Shining)? Ein Symptom für unsere (angeblich total) unsicheren Zeiten, in denen die Menschen Zuflucht im Altbekannten suchen? Oder gar - oh wie furchtbar - der Ausverkauf einer Progband an den Mainstream?!?

Na, vielleicht mögen sie's ja. Und es gibt ja auf der anderen Seite den einen oder anderen Progfan, der die Herausforderungen durch echte Kreativität zugunsten der siebten Einspielung von Klassikern aus den 70ern durch ein All-Star-Lineup alter Helden lieber meidet. Vielleicht setzen The Sea Within einfach nur auf die gleiche Linie, auf die auch Spock's Beard mit ihrem neuen Album setzen (das immerhin auf dem gleichen Label erschienen ist): Auf die altbewährte Verbindung von leichtem Prog und eingängigem Rock, die ihren Anfang einst bei Queen, bei Kansas genommen hat, und die heute - unter jeweils verschiedenen Vorzeichen - von Spock's Beard, Subsignal, Dry River oder HeKz fortgesetzt wird. Und so gesehen kann das Album dann eben doch überzeugen - vorausgesetzt, man steht auf sowas. Jeder hat zum Songwriting beigetragen, großartig gespielt und gesungen und später im eigenen Heimstudio noch an Nuancen des Arrangements gefeilt. Die Arrangements sind entsprechend bunt und reichhaltig, der Gesamtsound dabei gleichzeitig einheitlich, die Produktion lässt keine Wünsche offen. Und der größte Pluspunkt: Das Album ist nicht, wie die Scheiben manch anderer, personell verwandter Supergroups, in zwei Wochen zusammengeschustert worden - Transatlantic-Fans wissen, worunter man in dieser Hinsicht leiden kann. Den Songs wurde Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Leider entwickelten sie sich nie, auch nicht in den Progstücken ("The Roaring Silence", "Broken Chord") zu etwas Spannendem, Widerständigem, Herausforderndem - oder wenigstens zu etwas geilem. Stattdessen bleiben sie auf der sicheren Seite. Schade.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: allem ein Bisschen.
Veröffentlicht am: 11.6.2018
Letzte Änderung: 14.6.2018
Wertung: 8/15
Ein überraschend lethargisches Album, das einige hohe Erwartungen enttäuschen wird. Schade. Ich empfehle Not A Good Signs "Icebound" als die bessere Alternative.

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