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Phoenix

Transsylvania-Phoenix

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981
Besonderheiten/Stil: Folk; HardRock; Klassischer Prog
Label: Bellaphon
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Nicolae Covaci Gitarre, Gesang
Mani Neumann Violine, Gesang
Tom Buggie Bass
Ovidio Lipan Schlagzeug, Percussion

Gastmusiker

Sabin Dumbraveanu Cello
Ivan Kopilović Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Gypsy Storie 4:35
2. Wanting 5:28
3. Would You Follow Me 5:17
4. Tamara 5:54
5. Feel The Sound 4:59
6. Star Dance 4:28
7. Wedding 3:41
Gesamtlaufzeit34:22


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


"Transsylvania-Phoenix" (so steht es zumindest auf dem Titel), andernorts auch einfach nur mit "Transsylvania" bezeichnet, hat eine etwas kuriose Entstehungsgeschichte. Zunächst emigrierte Sänger und Gitarrist Nicolae Covaci nach Amsterdam, anschließend wurde der Rest der Band auf als abenteuerlich beschriebenen Wegen nachgeholt. So fanden sich Phoenix dann in Deutschland wieder zusammen und absolvierten Auftritte, nur um sich 1978 erneut zu trennen. Trotzdem versuchte Covaci in teilweise neuer Besetzung (lediglich Schlagzeuger Ovidiu Lipan blieb bzw. kam erneut an Bord, wohingegen umgekehrt mit Manfred "Mani" Neumann der Chef von Farfarello hinzukam - vielen Dank an Leser Bernd für diesen Hinweis) einen Neuanfang und nahm eben dieses Album auf, das prompt auch über das Bellaphon-Label veröffentlicht wurde. Großen Erfolg hatten Phoenix allerdings anscheinend doch nicht, und erst 1987 gab es mit der Aufnahme der "Tuareg"-Single einen neuen Anlauf.

Es passt wohl zu den Begleitumständen, dass "Transsylvania-Phoenix" nicht vollständig "neu" ist, sondern in Form von "Gypsy Storie" (alias "Mica Tiganiada" vom "Mugur De Fluier"-Album) und "Wedding" (zuerst unter dem Titel "Nunta" auf "Cei Ce Ne-Au Dat Nume") zwei Neuaufnahmen enthält. So bringt man dem sehr wahrscheinlich unkundigen Publikum noch mal zwei alte Klassiker in buchstäblich aufpolierter Form ("Nunta" beispielsweise war im Original recht hackig) nahe und schafft zugleich einen Rahmen für das tatsächlich neue Songmaterial, das hieran natürlich stilistisch anknüpft. In dieser Hinsicht jedenfalls ist "Transsylvania-Phoenix" als Ganzes nämlich recht homogen und schlüssig ausgefallen: Es dominiert rustikaler Folk-Prog mit Streichern und gelegentlichen Hardrockeinflüssen, der zwar aus überwiegend kurzen Songs besteht, dabei aber stets verspielt und überraschend bleibt.

Charakteristisch ist auch die häufige Verwendung krummer Takte, was wohl auf die folkloristischen Einflüsse zurückgehen dürfte. Bereits das Akustikintro von "Gypsy Storie" verblüfft in dieser Hinsicht mit 5/8- und 9/8-Takten, was später dann im Riffing (teils mit Cello-Begleitung) seine Erwiderung findet. Ebenso markant sind die Gesangslinien in den Strophen der Lieder, die sich zwar recht oft wiederholen, dabei aber so ausgefeilt sind, dass sie dennoch immer wieder motivierend klingen. Hier spielt - neben der natürlich ebenfalls folkloristisch geprägten Tonalität - auch die Tatsache eine Rolle, dass dabei in den Arrangements immer wieder souverän der Kontrast zwischen Einzel- und Mehrstimmigkeit betont wird. Das geht gelegentlich sogar so weit, dass auf Refrains im engeren Sinne verzichtet wird. So gibt es in "Gypsy Storie" nichts dergleichen, stattdessen wird die Strophenmelodie in andere harmonische Zusammenhänge gestellt, und in "Wanting", taucht etwas, das einem Refrain entsprechen könnte überhaupt nur anderthalb Mal auf. Das Gegenstück dazu markiert natürlich "Would You Follow Me", das nach dem Intro direkt mit dem Chor-Refrain eröffnet, dafür allerdings auch mit einer gesteigerten Form desselben aufsteigend abschließt.

Auch in den Strophen passiert allerhand. Besagtes "Would You Follow Me" stampft eigentlich eher unbekümmert los, was allerdings mit dem geradezu einem Break gleichkommenden Refrain und dem vertrackten instrumentalen Mittelteil einen scharfen Kontrast erhält. Auch das eher balladesk und melancholisch gehaltene "Tamara" fällt auf, denn der eigentlich relaxten Stimmung steht eine eher nervöse Rhythmik gegenüber. Im abschließenden "Wedding" wiederum sorgen die jubilierenden Harmoniegitarren zur Begleitung jeweils für rhythmische Akzente, was ein Überhandnehmen der dem Titel gemäß fröhlichen Stimmung wirkungsvoll unterbindet. Zu vermerken wäre an dieser Stelle sonst noch, dass es unmittelbar hiervor mit dem überwiegend instrumentalen, entfernt an Crimsos "Larks' Tongues In Aspic, Part One" erinnernden "Feel The Sound" den komplexesten Song des Albums zu hören gab und mit dem luftigen "Star Dance" den geradlinigsten, wobei diese Nummer recht klar an diverse Tull-Sachen von "Cold Wind To Valhalla" bis "Dun Ringill" denken lässt (oder an "Scherbenglas" von Lift).

Die Substanz von "Transsylvania-Phoenix" ist also angenehm knackig und doch kurzweilig. Einen weiteren Bonus stellt dann jedoch noch die Tatsache dar, dass es in jedem Song noch in Gestalt unkonventioneller und unterhaltsamer Instrumentalpassagen oder frickeliger Breaks weitere souveräne Detailarbeit gibt. "Wanting" lebt davon, und auch in "Feel The Sound" lässt eine furiose A-Cappella-Passage um 3:05, gefolgt von jagenden Harmoniegitarren-Riffs, vorübergehend die Kinnlade herunterklappen. "Star Dance" wiederum weiß durch feine Arrangements zu überraschen, beispielsweise durch den Einsatz von Streicher-Pizzicati. Zuletzt wäre noch zu vermerken, dass praktisch jeder Song außerdem bündig mit einer kurzen Steigerung abschließt. In "Gypsy Storie" geschieht das sogar praktisch alleine durch zunehmenden Druck auf die Schlagzeug - fast wie zu ähnlicher Zeit bei Barriemore Barlow.

Ach, es gäbe noch einiges zu entdecken an "Transsylvania-Phoenix". Es überrascht jedenfalls, wie lebhaft und verspielt dieses Album heute noch klingt - das sogar unabhängig von den Einflüssen rumänischer Folklore. Mäkeln könnte man allenfalls über die etwas pappige Produktion und den natürlich leicht hausbacken klingenden Gesang von Covaci & Co., aber das schafft andererseits eben auch Charme - also noch so eine Parallele zu Ian Anderson, gell? Schlussendlich wäre natürlich noch einzuwerfen, dass es auch nicht überrascht, dass das Album damals doch kein großer Erfolg war: Solch urwüchsige und folkig-rurale Musik passte genau gar nicht in den von zunehmender Synthetik und offenkundiger Künstlichkeit geprägten Zeitgeist der frühen 1980er Jahre. Aktuellen Retro-Trends kommt diese Platte allerdings absolut entgegen.

Anspieltipp(s): Wedding, Would You Follow Me, Feel The Sound
Vergleichbar mit: Jethro Tull, Kansas
Veröffentlicht am: 6.7.2018
Letzte Änderung: 9.7.2018
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Phoenix

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1972 Cei Ce Ne-Au Dat Nume 10.00 2
1974 Mugur De Fluier 9.00 1
1975 Cantafabule 11.00 2

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