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Ring Van Möbius

Past The Evening Sun

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Canterbury; HardRock; Psychedelic; RetroProg
Label: Apollon Records
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Thor Erik Helgesen Gesang, Hammond L100, Fender Rhodes, Clavinet D6, Moog Satellite, Korg MS20
Håvard Rasmussen Bass
Dag Olav Husås Schlagzeug, Percussion

Gastmusiker

Karl Christian Grønhaug Saxofon

Tracklist

Disc 1
1. Past The Evening Sun 21:39
2. End Of Greatness 5:53
3. Chasing The Horizon 11:55
Gesamtlaufzeit39:27


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Das Trio Ring Van Möbius von der norwegischen Insel Karmøy hat nach eigenen Angaben den Anspruch, auf seinem Debütalbum "Past The Evening Sun" "Progressive rock straight from 1971, but made today" zu spielen. Warum gerade 1971 und nicht etwa 1972 oder 1970? Das ist nicht in Erfahrung zu bringen, eine Vermutung hätte ich da aber: Genau in diesem Jahr erschien mit "Pawn Hearts" mithin das opus magnum von Van Der Graaf Generator, und wie diese Platte besteht auch "Past The Evening Sun" aus genau drei Stücken, darunter einem Zwanzigminüter. Weitere ohne genauere Kenntnis der Musik ersichtliche Parallelen: Auch hier ist ein Saxofon an Bord (wenn auch nur als Gast-Instrument), und ein "Van" haben beide Bands im Namen.

Bei genauer Untersuchung stellt der kundige Hörer natürlich wiederum auch innerhalb der Songs Gemeinsamkeiten im Stil fest. Die eher ruhigen Strophen des Openers, Titeltracks und längsten Stücks "Past The Evening Sun" beispielsweise entwickeln sich recht stringent in Richtung eines hackigen Parts mit hysterisch-eskalierendem Gesang in der Art des "Killer"-Refrains, und Thor Erik Helgesen falsettiert gelegentlich sogar dramatisch. Auch "Chasing The Horizon" liegt nicht so daneben, denn auch hier schwellen die verträumt bis jazzig angelegten Strophen ähnlich wie bspw. "Pilgrims" mächtig an. Wenn man so will, sind das also weitere Indizien für die eingangs genannte zeitliche Selbstverörtung von Ring Van Möbius.

Trotzdem erweckt die Musik natürlich noch andere Eindrücke, die wohl von der etwas gewöhnungsbedürftigen Besetzung (Tasteninstrumente, Bass, Schlagzeug - keine Gitarre!) herrühren dürfte. Die beiden Longtracks nämlich beginnen beide mit dissonanten Keyboard-Motiven, die durchaus Riff-Charakter tragen, zumal später auch noch die ohnehin im Rock-Kontext bestens bekannte Hammondorgel hinzukommt und der wuchtig knarzende Bass natürlich ebenso mitspielt. Das schon erwähnte Saxofon tritt zusätzlich vergleichsweise prominent in Erscheinung und trägt damit wesentlich zur Hardprog-Lastigkeit dieser Abschnitte bei, was auf diese Weise wiederum an jüngere Bands wie Liquid Orbit oder Karakorum (das Spinett-Break um 15:15 im Titeltrack hatten die fast genauso) erinnert. Einen Ausgleich dazu schafft ein gelegentlich vorhandener Mellotron-Einschlag, der noch in jedem der Stücke gelegentlich feierlichen Bombast markiert. Das kürzere, nicht ganz mittelschnelle "End Of Greatness" läuft dabei ohnehin immer wieder auf ein entfernt an Änglagård erinnerndes Mellotron-Thema hinaus, das diese eingängige, wenn auch etwas überraschungsarme Nummer folglich strukturiert.

"Strukturiert", das wäre wiederum einer der spannendsten Aspekte an "Past The Evening Sun". Denn der Titeltrack ist trotz seiner Länge tatsächlich sehr sinnvoll aufgebaut. Aus dem Motiv im Intro werden nach spacigen Klängen prägnante Riffs erarbeitet, ehe um 3:00 lediglich zu Orgel der Gesang einsetzt. Das wird dann immer wieder mit Riff-Einwürfen abgewechselt, bei den Wiederholungen aber immer stärker mit Mellotron & Co. unterfüttert und läuft schließlich auf diesen "Killer"-Refrain hinaus. Eine hektischere 6/8-Passage mit beinahe punkigem Gesang führt über ein Saxofon-Solo zu einem ruhigeren, Camel-artigen Abschnitt, in dem die Keyboards den Duktus von "Song Within A Song" & Co. aufgreifen und immer wieder das Motiv vom Anfang zitieren. Über jazzige Töne wird's dann experimenteller, bis schließlich um 14:00 herum die Orgel soliert, ehe dann die Strophe wieder aufgegriffen wird. Zum Ende werden dann - nicht ohne Verzögerungen - nochmals die Riffs aufgegriffen, und am Ende ist eben wieder dieser VdGG-Refrain dran.

Auch "Chasing The Horizon" steckt dahinter kaum zurück. Auch hier entwickelt sich aus dem Intro-Motiv ein kernig-zappeliges Hardprog-Riff, ehe der eigentliche Song wiederum wie schon erwähnt ruhiger beginnt - nur um sich in den Strophen eben zu steigern. Dabei werden allerdings die schrägen Dissonanzen aus dem Intro gewahrt. Ganz so ausladend wie der Titelsong ist dieses Stück natürlich nicht, im Wesentlichen findet in der Mitte des Songs ein auf einem Arpeggio-Riff (und seinen Varianten auf Saxofon & Co.) basierender Instrumentalpart statt, der gelegentlich aber auch in einen verspielten 3/4-Modus schaltet und das Intro-Motiv regelmäßig einwirft. Die zweite Hälfte hat dann gegenüber der ersten eigentlich nichts Neues mehr zu bieten, stellt aber dezent-durchdachte Variationen des Arrangements der Strophe vor, beispielsweise eine vielstimmige Aktivität von Orgel und Saxofon um 9:00 herum. Das ist schon ganz gut, auch wenn die ganz große Raffinesse hier fehlt.

Unterm Strich ist "Past The Evening Sun" somit ein achtbarer Einstand der drei Norweger (plus Gast), der im Geiste der genannten Vorbilder agiert, dabei aber trotz des ausgewiesenen Retro-Instrumentariums recht frisch daherkommt. Einwenden ließe sich höchstens, dass "End Of Greatness" und "Chasing The Horizon" nicht ganz so große Sprünge machen wie der rundum gelungene Titeltrack. Auch weist "Past The Evening Sun" ohnehin eine gewisse Sperrigkeit auf, erfordern die längeren Stücke doch einiges an Gewöhnung, wohingegen das schwelgerische "End Of Greatness" in seiner Kürze nicht diese harte Kante zeigt. Aber ich denke, dass Freunde dieses Genres - und insbesondere von VdGG - in der Lage und auch willens sind, sich hier durchzubeißen. Denn noch 1971-er dürfte es andernorts kaum werden.

Anspieltipp(s): Titeltrack
Vergleichbar mit: VdGG, Änglagård, Camel
Veröffentlicht am: 9.8.2018
Letzte Änderung: 9.8.2018
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Die Norweger scheinen sich langsam dazu anzuschicken den Schweden in Bezug auf Retroprog den ersten Rang im nördlichen Europa streitig zu machen. Zumindest gab es in den letzten Jahren einige durchaus interessante Retroprog-Produktionen aus Norwegen die dem Rezensenten sehr zugesagt haben (kürzlich z.B. "Jordsjø" von Jordsjø, oder "Ultrasound" von Pixie Ninja). Nun haben auch Ring Van Möbius den Weg zu mir gefunden, deren Erstling unlängst von Apollon Records, die sich zu einer guten Adresse für norwegischen Prog entwickelt haben, veröffentlicht wurde.

Wie mein Vorschreiber schon richtig festgestellt hat, geben sich Ring Van Möbius sehr retro und authentisch, und man kann den Vorsatz "progressive rock straight from 1971" zu spielen als erfüllt ansehen. Klassischen Prog aus den frühen 70ern spielen die Norweger also (nach), der sich sehr warm, farbig und authentisch durch die Gehörgänge arbeitet. Auch ich höre vor allem Van der Graaf Generator als Inspirationsquelle, insbesondere dann wenn das Sax trötet, von ausladendem Georgel begleitet, und Thor Erik Helgesen mit seiner Stimme und Artikulation einen auf Peter Hammill macht. Gerade das abschließende "Chasing The Horizon" klingt über weite Strecken schwer nach "A Plague of Lighthouse-Keepers" (wobei manche der hier zu hörenden E-Pianolinien auch etwas an Zeps "No Quarter" erinnern). Hätte mir jemand das Stück als von einem neuen Album von Van der Graaf Generator stammend vorgespielt, von einer Reunionscheibe mit David Jackson, dann hätte ich das vermutlich nicht angezweifelt. Mir wäre aber aufgefallen, dass sich Hammill und Kollegen dann ziemlich zurück zu ihren Wurzeln begeben hätten, und erstaunlich sperrig und fast experimentell zu Gange wären.

Aber, es gibt auch noch andere Vorbilder. Wenn sich das Mellotron streichend oder flötend nach Vorne arbeitet, dann muss ich auch an King Crimson denken. Vor allem der Anfang von "End Of Greatness" klingt sehr nach der frühen Musik der Band um Robert Fripp, fast wie eine Hommage an "Epitaph". Aber, je nach Vorliebe und Hörvergangenheit wird jeder hier wohl (noch) andere Vergleichspunkte zu den 70ern entdecken. Emerson-artige Moog-Exzesse vielleicht, sakrales Georgel à la Procol Harum, oder – wie mein Vorschreiber – Camel/Canterburyartiges.

Ring Van Möbius emulgieren hier somit allerlei Klangspuren und Tonfragmente aus den Anfangstagen des Prog zu einem klangvollen, alles in allem schön kantigen und abwechslungsreichen Ganzen, das druckvoll produziert, perfekt gespielt und sehr authentisch voran schreitet. Mitunter ist die Nähe zu den Vorbildern allerdings sehr groß, was vielleicht zu Abzügen in der B-Note (Kreativität) einlädt. Trotzdem ist "Past The Evening Sun" eine sehr unterhaltsames und sympathisches Album, das 70er-Prog-Freaks, Retroprg-Adepten und VdGG-Fans sehr viel Spaß machen sollte.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.10.2018
Letzte Änderung: 20.10.2018
Wertung: 11/15

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