SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
22.1.2017
Dave Bessell - Black Horses Of The Sun
Sky Flying By - Miscellany
Meller Golyzniak Duda - Breaking Habits
21.1.2017
Richard Pinhas & Barry Cleveland - Mu
La Bocca della Verità - Avenoth
Dream Theater - A Dramatic Turn of Events
20.1.2017
X-Panda - Reflections
19.1.2017
Richard Pinhas - Reverse
Pink Floyd - The Final Cut
Dream Theater - Metropolis 2000: Scenes From New York
Pink Floyd - A Momentary Lapse of Reason
Dream Theater - Octavarium
Nth Ascension - In Fine Initium
Maschine - Naturalis
18.1.2017
Reflections in Cosmo - Reflections in Cosmo
Pain of Salvation - In The Passing Light Of Day
17.1.2017
Dream Theater - Metropolis Pt. II - Scenes From a Memory
Sons Of Noel And Adrian - Turquoise Purple Pink
ARCHIV
STATISTIK
23068 Rezensionen zu 15748 Alben von 6106 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Stern-Combo Meissen

Reise zum Mittelpunkt des Menschen

(Archiv-Tipp 1/2016)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980 (Als Remaster-CD zuerst 1993)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Amiga
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Thomas Kurzhals keyboards
Reinhard Fißler vocals
Lothar Kramer keyboards
Peter Rasym bass
Michael Behm drums
Martin Schreier leader

Tracklist

Disc 1
1. Allein 3:44
2. Hinwendung 13:29
3. Romanze 8:37
4. Innenwelt 6:50
5. Menschenzeit 6:14
Gesamtlaufzeit38:54


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 1 von 3)


Der letzte Beitrag der Stern Combo Meißen zur Geschichte des DDR-Kunstrocks wurde erst 1980 aufgenommen. Offiziell nannte sich die Gruppe seit dieser Platte nur noch "Stern Meißen". Die große Zeit des "Progs" war damals auch in der DDR vorbei. Es ist kaum anzunehmen, daß die Platte ein, zwei Jahre später überhaupt noch zustande gekommen wäre. Das wäre allerdings bedauerlich gewesen, denn musikalisch gesehen ist die "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" das mit Abstand beste Album der Stern Combo. Qualitativ läßt sich der Platte aus dem DDR-Prog allein Lifts "Meeresfahrt" an die Seite stellen, wobei mir das musikalische Niveau auf dem Album der Meißener sogar weit ausgeglichener erscheint.

Die Band hatte sich für die Einspielung personell verändert. Nach wie vor prägten zwar - wie bei Lift - die Keyboarder entscheidend das Geschehen. Doch Ex-Drummer und Bandleader Martin Schreier zog sich endgültig ans Mischpult zurück. Der zuletzt als Co-Vokalist, Perkussionist und Texter agierende Norbert Jäger war gar nicht mehr dabei. Auch Sänger und Schlagzeuger Werther Lohse hatte die Band zugunsten von Lift wieder verlassen. So blieben die Trommelstöcke diesmal in den Händen von Michael Behm. Am Bass trat jetzt Peter Rasym hervor. Vor allem seinem Beitrag verdankt die Musik eine Lebendigkeit, die den meisten anderen DDR-Prog-Platten fehlt. Weite Passagen des Albums befreien sich durch die rührige Betriebsamkeit des Basses aus der Attitüde behäbigen Kunsthandwerks und machen richtigen Spaß. Doch selbst der tastenorientierte Track 3 - "Romanze" -, dessen Titel eigentlich nichts Gutes verheißt, wartet zwischendurch mit vergleichsweise experimentierfreudigen Klängen auf. Es wird kein Freejazz daraus, das 19. Jahrhundert kommt nie aus dem Blick, aber die Musik ist für ein paar interessante Momente doch freier, als ich das der Band zugetraut hätte. Überhaupt bietet diese Platte musikalisch mehr, als ich von der Stern Combo Meißen aufgrund ihrer zuvor veröffentlichten Alben erwartet hatte. Es handelt sich nicht um einen krassen Bruch mit der zuvor verfolgten Richtung, aber alles wirkt frischer, geschickter und weit abwechslungsreicher als etwa auf "Weißes Gold", wohl auch, weil auf einen Chor diesmal verzichtet wurde.

Alles? Die Texte auf „Reise zum Mittelpunkt des Menschen“ stammen einmal mehr von Kurt Demmler, der große Teile der DDR-Rockszene mit Worten versorgt hat. Diese Texte sind nicht nur in unangenehmer Art und Weise trivial („Kinderzeit – Geborgenheit“), sondern sprachlich zum großen Teil geradezu scheußlich verquer („Menschenzeit im Tropfsteinkleid“). Hier wird versucht, aus billigem Sperrholz Stilmöbel herzustellen, und das geht gründlich schief. So etwa bei dem Bemühen, den besonderen Moment einer tieferen menschlichen Begegnung sprachlich zu erfassen. Den Weg zum Mittelpunkt des Mitmenschen (oder wat auch immer) beschreitet der Verfasser nämlich leider, indem er „zu ihm einfährt wie in einen Berg“. Und nicht nur das. Die Metaphorik des „Eindringens“ erreicht zwischenzeitlich eine, äh, „Eindringlichkeit“, bei der sich Sigmund Freud und Arno Schmidt (der westdeutsche Schriftsteller, nicht der DDR-Liedermacher) begeistert auf die Schenkel geklopft hätten.

Tucholskys „fremde Augen“ stehen bei einigen Wendungen unverkennbar Pate. Hier gibt’s allerdings die lyrische Plasteversion: „Manchmal im Gewühl, in der Tage Hast“ sieht, nein, „trifft“ das dichterische Ich nicht nur einen kompletten „andern Menschen“, sondern auch vereinzelte Körperteile wie „eine Stirn“ (boing) oder gar „einen Wimpernschlag“. Der Blick des anderen „schreit“ nach dem eigenen Blick. Es muß sich bei diesem "Anderen" um eine Art Quasimodo handeln, dessen Ohren vermutlich äugen.

Genug. Was die Texte angeht, so ist die schon erwähnte „Meeresfahrt“ von Lift trotz diverser Ungeschicklichkeiten weitaus poetischer und auch mehr um eine Aussage bemüht als die „Reise zum Mittelpunkt des Menschen“. Letztere gemahnt eher an das Prinzip, wo nichts zu sagen ist, läßt sich um so besser schwafeln. Eigentlich seltsam: DDR-Texte waren offenkundig häufig auf ein Publikum berechnet, das zwischen den Zeilen zu lesen vermochte, daran auch Spaß hatte und sehr genau um die Doppelbödigkeit von Worten wußte. Um so eigenartiger nimmt sich das oft fehlende Gespür für unfreiwillige Komik aus (die bekanntlich besonders da lauert, wo die Worte besonders hehr und künstlerisch daherkommen wollen). Dabei ist mir allerdings vollkommen klar, daß auch aus westlicher Produktion zahllose deutsch- und englischsprachige Alben vorliegen, die textlich um nichts besser sind als das hier besprochene. Es liegt mir wirklich völlig fern „Wessis“ prinzipiell für geistreicher zu halten als „Ossis“.

Die Kritik an den Texten ist übrigens keine Kritik am Sänger. Reinhard Fißler kann singen. Die Fähigkeit bzw. der Wille, die Lyrics mit einer gewissen Ironie zu interpretieren, fehlt ihm allerdings. Ein bedauerlicher Mangel, wenn man damit betraut ist, Sätze wie „Verzicht und Gier, was blieb sind wir“ zum Vortrage zu bringen.

Fazit: Musikalisch ein gelungenes Album, auf dem nur wenige Minuten lang Gesang ertönt, was angesichts der Qualität der Texte mit Dankbarkeit registriert werden darf. Einige hübsche Gesangsmelodien werden leider dennoch durch die Lyrics so arg kontaminiert, daß der Genuß in Frage steht – man muß zumindest durch Gewöhnung Resistenz ausbilden. Die Kompositionen von Thomas Kurzhals sind jedoch aller Ehren wert und werden durch die Rhythmusgruppe mit Michael Behm und Peter Rasym erfrischend belebt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.8.2002
Letzte Änderung: 3.11.2002
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Von: Thoralf Koss @ (Rezension 2 von 3)


Eigentlich schreit Ralfs Kritik regelrecht nach Widerspruch.

Und endlich habe ich den Schrei vernommen und erhebe Widerspruch, wobei diese Meinungsverschiedenheit eher auf der Ossi-Wessi-Basis als auf der multikulturellen Musikbasis erfolgt (denn zur musikalischen Wahrnehmung sind wir uns diesbezüglich einig!). Erfolgen muss!

Darum möchte ich diese Kritik mit einem Zitat aus dem Booklet von "Beatkiste 2 - Hit-Raritäten aus dem DDR-Rundfunkarchiv" eröffnen, um den harten, ungerechten Aussagen zum Text dieses hervorragenden Konzeptalbums den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Das war schon etwas Komisches und für westliche Bobachter geradezu unverständlich, welche Rolle da der Rockmusik in der Gesellschaft zugeteilt war. [...] Im Mittelpunkt stand für die Offiziellen immer die Angst vor unbequemen und kritischen Text-Wahrheiten." Diese 'Offiziellen' nannten sich Komitee für Unterhaltungskunst, wobei besonders in Sachsen eine Gisela Steineckert sich auf ekelhafte Weise ausschließlich über die Texte der Musiker hermachte und diese ideologisch zerlegte, während die Musik überhaupt keine Rolle spielte.

In einem Interview, das ich mit Norbert Jäger von der Stern-Combo Meissen führte, sagte dieser wortwörtlich zu mir: "Die textliche Unterdrückung durch eine Frau Steineckert oder der ganzen Kommission verhinderte die freie Entwicklung jedes einzelnen Künstlers in der Dresdner Ecke. Dass eine Frau Steineckert noch heute aktiv publizieren kann, stellt für viele der von ihr bevormundeten 'sächsischen Dichter und Denker' einen symbolischen Faustschlag in das Gesicht dar, welches man jetzt endlich ohne diese Dame zeigen kann. Eigentlich müsste man von dieser Frau Schadenersatz verlangen, doch stattdessen veröffentlicht die schwer gewendete Steineckert nun ihre neuen, gewandelten lyrischen Ergüsse. Und dass selbst Veronika Fischer sich mit der Steineckert einlässt und eine Biographie herausbringt, ist mehr als bedauerlich. Anscheinend heilt die Zeit alle Wunden - und so wird heute selbst die Lüge am Beispiel der 'roten Gisela' salonfähig gemacht." (Zitat aus einer Wettbewerbsarbeit zur DDR-Geschichte über die Stern-Combo Meissen, die unter der Schirmherrschaft von Thomas Brussig im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig den 1. Preis gewann und dort einzusehen ist!)

Eine dieser "Wunden" ist natürlich auch dem Text von Kurt Demmler "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" geschuldet. Doch gerade dieser Text macht klar, dass, wenn man ihn mit Ost-Ohren hört, hier hinter höchsten (manchmal etwas gezwungen wirkenden) lyrischen Ansprüchen einige deutliche DDR-Kritiken steckten. So konnten wir eben höchstens eine 'Reise zum Mittelpunkt des Menschen', aber nicht zum "Mittelpunkt der Erde" antreten, weil uns bei dieser Reise zu viele Mauern im Wege standen! Knallhart ist darin die Kritik an den Zensoren, verpackt in wirkliche Poesie:

"Hält mich nicht zurück / Ein Gesicht von Ton / Das Kleid der Eitelkeit / Der Schild aus Spott und Hohn / Halt ich meinen Mut / Gegen fremde Angst / Such ich, den ich seh' / Einen andern Menschen."

Solche und ähnliche Texte gaben uns im Osten Mut und hielten unsere Hoffnung wach, irgendwann auch mal das laut und deutlich sagen zu können, was man uns bis dahin immer wieder verbat, selbst wenn sie im Westen durchaus zurecht sehr befremdlich klangen. Wir sprachen immer zwischen den Zeilen und suchten dort auch nach den Antworten aus unserer DDR-Misere. Aber genau das diesem hervorragenden, nach "Weißes Gold" zweitbesten Studio-Album zum Vorwurf zu machen, kann nicht unwidersprochen bleiben.

Übrigens fehlte nicht umsonst Norbert Jäger bei diesem Album. Er hatte sich nämlich zuvor mächtig mit Kurt Demmler (Der sich vor einigen Jahren der Anklage wegen Kindesmissbrauchs durch Freitod entzog!) angelegt, weil er dessen Text zu "Weißes Gold" zu platt fand und darin deutliche Änderungen vorgenommen hatte, die zu einem Zerwürfnis zwischen Demmler und ihm führten, auch wenn die Band selber diesbezüglich ein wenig zwischen den Stühlen zu sitzen schien. So enthält die "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" zwar wieder einen Demmler-Text, aber der Musiker und ebenfalls Texter Norbert Jäger fehlt. Allein daran ist zu erkennen, welche Bedeutung in der DDR besonders die Texte der Rock-Alben hatten. Und vielleicht kann man so auch verstehen, wie sehr es mich persönlich schmerzt, wenn ich ein gutes Prog-Rock-Album höre, das einen miserablen Text enthält, göttliche Missionars-Botschaften verbreitet oder die x-te Vertonung der "Herr der Ringe"-Mythologie darstellt, mir aber überhaupt nichts zu sagen hat - im völligen Gegensatz eben zur "Reise zum Mittelpunkt des Menschen".

Allerdings ist auch die Sicht von Ralf absolut nachvollziehbar, da Demmlers Text in seiner Gesamtheit manchmal in dermaßen unverständlicher "Alltagslyrik", die auf die Dauer mehr den Reim als die poetische Aussage bedient, tatsächlich in der einen oder anderen Trivialität versinkt und den Hörer mit einem großen Fragezeichen im Kopf zurücklässt. Aber vielleicht sollte gerade diese Unverständlichkeit dazu beitragen, die ideologischen Seitenhiebe geschickt zu verschleiern. Darum sollte diese Bedeutung, die sich daraus für mich ergibt, sicher nicht jedem genauso erschließen und ich bin mir sicher, dass solch ein Text heutzutage befremdlich wirkt. Er ist eben ein Zeitdokument.

Beim ersten Hören dieses Stern-Meissen-Albums im Jahr 1981, als gerade aus dem Westen die NDW und der Punk zu uns herüberschwappten, war ich ziemlich verstört. Eine dunkle Grundstimmung, der etwas Beängstigendes innewohnte, quoll mir regelrecht aus den Lautsprechern entgegen. Das konnte nicht gerade ein fröhlicher oder glücklicher Zeitgenosse sein, in den man da musikalisch einfuhr. Der Keyboarder Thomas Kurzhals, der diese "biologische Sinfonie" komponierte und arrangierte, arbeitete mit einer Vielzahl von Motiven und Stimmungen, die mal offen zu Tage traten oder sich hinter Mellotron- und Synthie-Flächen auf mystische Weise versteckten. Dazu dieser geheimnisvolle Text, der 1981 genau das in Worte fasste, was in Klänge gegossen wurde. Eine wahre Klangdramaturgie für einen gespenstischen Film, der sich in den menschlichen Hirnwindungen abspielt und in der beispielsweise der Teil Romanze überhaupt nicht romantisch, sondern extrem verstörend klingt, da hier raffiniert mit den unterschiedlichsten Klängen experimentiert wird. Und gerade wegen solcher Momente und solcher Texte gehört "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" bei mir zu den Alben, die ich immer und immer wieder höre, ohne dass sie mir auch nur einmal langweilig werden. Und das schon seit 30 Jahren!

Der einzige Wermutstropfen an diesem wundervollen Kunstwerk ist aus heutiger Sicht für mich die Tatsache, dass sich die "neue" Stern-Combo Meissen noch immer nicht dazu entschließen konnte, endlich nicht nur "Weißes Gold", sondern auch "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" live auf die Bühne zu bringen. Doch vielleicht lohnt sich ja das Warten und manchmal ist es sogar eine Kritik, die ein kleines Wunder vollbringen kann. Denn ich bin garantiert nicht der Einzige, der bei jedem Konzertbesuch diesen Wunsch in sich trägt. Ein Wunsch, der vielleicht noch wahr wird:

"Lass doch heraus / Was da geschieht / Die Schönheit will / Dass sie jeder sieht!"

Und diese Schönheit will ich unbedingt noch einmal live hören!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.12.2011
Letzte Änderung: 15.12.2013
Wertung: 14/15
Ein Meisterwerk progressiver Rockmusik mit schwer zugänglichem Text!

Zum Seitenanfang

Von: Horst Straske @ (Rezension 3 von 3)


Auf "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" hatte eine pulsierende Elektronik in den Sound von Stern-Combo Meißen Einzug gehalten, die für einige Zeit das Wort "Combo" in ihrem Bandnamen ablegen sollten, ohne dabei aber im Jahr 1980 die symphonisch-progressive Ausrichtung abzulegen. Die Sachsen setzten zu Zeiten von New Wave und Mainstream Pop-Rock sogar zu einem unerwarteten Höhenflug an, der den von allerlei analogem Tastenarsenal geprägten Sound der Band in breitflächigen Klanglandschaften fortführte und dabei in einem von andächtigem Pathos dominierten Konzept mündete. Eine bedeutungsschwangere Lyrik sowie analoger Tastenreigen vereinen sich zu einem ungewohnt komplex arrangierten Symphonic Rock, der über weite Strecken instrumental ausgerichtet ist. Ein kraftvoller Bass sorgt für die passende Dynamik und lässt den Titel "Hinwendung" zu einem Paradebeispiel für einen verschlungenen Elektronik-Rock avancieren.

Treten Gesangspassagen auf, so stellen sie sich in tiefgründiger Symbolik ganz in das Zentrum der hier vertonten "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" und zeigen sich von einem beinahe schon ehrfürchtigen Pathos erfüllt. Was das Album so auszeichnet, sind die nahtlosen und jederzeit stimmigen Übergänge zwischen dem sich stetig steigernden Tastenbombast sowie den schwermutig vorgetragenen Gesangssequenzen. Musikalisch klingt dies so wie eine Mixtur aus ELP und Tangerine Dream.

"Romanze" ist stilistisch umso mehr von der Elektronik der Berliner Schule inspiriert und versteht in mystisch-schwebenden Synthieflächen eine weihevolle Atmosphäre zu kreieren. Mit virtuosen Pianoläufen klingt dieser stimmungsvolle Ruhepol aus und leitet zum majestätischen Bombast von "Innenwelt" über, mit einem effektvollen Wechsel von sirrenden Synthie-Einsätzen und andächtigen Mellotronflächen, die zum krönenden Abschluss von poetischen Gesangseinlagen abgerundet werden.

"Blumen, noch nie, konnt ich die seh´n, Vögel im Flug, nie noch so schön, Worte wie Schnee, zart unberührt...".

"Menschenzeit" setzt dem Album im fulminanten Synthie-Bombast ein andächtiges Ende und dürfte jeden Freund des analogen Tastenklangs in Verzückung bringen. Zu Beginn der 80er Jahre wurden hier noch einmal alle Tugenden des seligen Artrocks des 70er Jahre mobilisiert und in eine ebenso stimmungsvolle wie symphonisch-vertrackte Umsetzung eines ambitionierten Konzepts überführt. Dies gleicht einem aufwendig inszenierten Grabeszug für ein ganzes Genre, dem auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs lediglich eine kurzzeitige Galgenfrist eingeräumt wurde. "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" kann mit einer selten anzutreffenden atmosphärische Dichte aufwarten und tendiert in die Regionen des Meisterwerks "Weißes Gold".

Anspieltipp(s): Innenwelt
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.12.2012
Letzte Änderung: 21.12.2012
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Stern-Combo Meissen 9.00 3
1978 Weißes Gold 12.00 2
1979 Der Weite Weg 12.00 1
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2011 Lebensuhr 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum