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Simon Says

Paradise Square

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2002
Besonderheiten/Stil: Neoprog; RetroProg
Label: Galileo Records
Durchschnittswertung: 10.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Matthias Jarlhed Percussives
Jonas Hallberg GTR, Backing Vox
Daniel Fäldt Lead And Backing Vox, Sitar
Stefan Renström Bass, Keys, Voice

Tracklist

Disc 1
1. And By The Water 4.45
2. Paradise Square 13.42
3. Striking Out Of A Single Note For Love 11.08
4. Fly In A Bottle 5.48
5. Darkfall 2.35
6. White Glove 15.26
7. Aftermath 10.02
Gesamtlaufzeit63:26


Rezensionen


Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 1 von 3)


Auf dem zweiten Album der schwedischen Prog-Formation Simon Says "Paradise Square" verfeinert das Quartett seine schon auf dem Debüt "Ceinwen" (1995) überaus gelungene Mischung aus verschiedenen klassischen Prog-Elementen. Stilistisch orientieren sich Simon Says, ähnlich wie The Flower Kings eher an Bands wie Yes und Genesis; die düstere Komponente, die für schwedische Bands nicht untypisch ist (man denke nur an Sinkadus, Anekdoten, Landberk etc.) ist bei Simon Says nicht sonderlich ausgeprägt.

"Paradise Square" ist ein Konzeptalbum, textlich und musikalisch, dennoch kann man das Album auch ohne profunde Exegese genießen. Simon Says Musik ist komplex und melodiebetont; fast ist man versucht zu sagen, dass die verschachtelten, epischen Tracks der Schweden ebenso als eine Reihe einzelner Songs mit eigenem, fast songwriterhaftem Charakter gelten können, was sie wiederum in der Nähe der amerikanischen Spock's Beard bringt. Dies gilt freilich nur für den Songcharakter der Kompositionen, musikalisch navigiert Simon Says in einem ganz anderen, europäischeren Fahrwasser. Es ist eine eigentümliche Mischung aus den oben zitierten Yes und Genesis, zusammen mit der fast typischen schwedischen Nonchalance (eben wie bei den Flower Kings), die selbst komplexeste Musiken mit einer gewissen Leichtigkeit und Verspielheit zu interpretieren wissen, fernab von technischer Verkrampfung und kalter Sterilität. Dazu trägt auch bei, dass die Schweden sich nicht schnurgerade an den großen Helden der 70er Jahre halten, sie legen sie zeitgemäßer um, verquickt mit Elementen, wie sie etwa bei den Beatles entnommen sein könnten. Dazu fügen sie fernöstliche Elemente ein (der Sänger Daniel Fäldt spielt nicht nur Sitar, er hat auch einige Zeit in Indien gelebt).

Resümierend bleibt also zu konstatieren: Anhänger der Frickel-Fraktion werden hier wiederum kaum ihre Kosten kommen, die Freunde klassischen Progs dafür umso mehr.

Mit "Paradise Square" präsentiert das schweizer Label Galileo nach Höhepunkten wie Metaphor- "Starfooted" und Scythe- "Divorced Land" ein weiteres exzellentes Prog-Album im klassischen Stil und etabliert sich mit einem exzellenten Katalog als wahre Fundgrube für Prog-Fans.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.5.2003
Letzte Änderung: 8.5.2003
Wertung: 9/15

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Von: Andreas Kiefer @ (Rezension 2 von 3)


Also, ich sehe das Album um einiges positiver als mein Vorredner. Ich besitze "Paradise Square" bereits vier Jahre, und empfinde auch heute noch einen erhöhten Spaßfaktor beim Hören. Daher hier meine Gedanken zum Album:

Diese CD von der schwedischen Band "Simon Says" zog mich gleich nach einmaligem Hören in ihren Bann. Denn hier fühlt sich jeder Progger gleich Zuhause, der auf die guten alten Progressive-Rock-Zeiten im Stile der 70er Jahre steht. Vorbild der Band, das ist nicht zu überhören, ist die Proglegende "Genesis": Es gibt schöne Hackett-Gitarren, und auch das Keyboardspiel erinnert an Tony Banks. Doch bitte nicht falsch verstehen, "Simon Says" sind kein Genesis-Klon, denn das Album strotzt geradezu vor eigenen Ideen, Kreativität, überraschenden Arrangements und Spielfreude, es bleibt also ein guter Abstand zum Vorbild. Zudem besitzt Sänger Daniel Fäldt eine unverwechselbare und ausdrucksstarke Stimme, die das gewisse Etwas hat. Aber auch die Instrumente werden perfekt bedient. Durch die ständigen Wendungen in Komposition, Melodie und die interessant erzählte Geschichte wird dieses Konzeptalbum nie langweilig.

Wer also auf sinfonischen Progressive Rock im 70er-Stil steht, bzw. auch mit Neoprog was anfangen kann, sollte auch heute noch zugreifen, er wird mit einem prima Album belohnt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.1.2007
Letzte Änderung: 28.9.2011
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 3)


"Paradise Square" postierte Simon Says zur Zeit seiner Veröffentlichung schon sehr nah an der Spitze der damaligen Retroprog-Bands, und die durch dieses Album dürfte jene Aufmerksamkeit generiert haben, die dazu führte, dass der Nachfolger "Tardigrade" gute sechs Jahre später immer noch ein gehöriges Echo hervorrief. Wie üblich (?) wurde auch Simon Says für "Paradise Square" vorgeworfen, lediglich die altbekannte Stilistik der 70er-Genesis ohne tieferes Verständnis für die Musik aufzuwärmen und somit eine schamlose Kopie zu sein, die zwar mit dem Imitat der äußeren Texturen die Altfans ködert, formell aber in jedem Fall dem Original unterlegen sei - und die mangelnde Eigenarbeit der Band sei ohnehin moralisch verwerflich.

Aus meiner Sicht geht solche Kritik an "Paradise Square" größtenteils vorbei. Zwar klingt die Musik natürlich über weite Strecken tatsächlich nach Genesis von "Nursery Rhyme" bis "...And Then There Were Three...". Trotzdem finden sich daneben immer noch genügend eigene Elemente in Form kleiner Details und Spielereien, die dem Stil von Simon Says einen relativ lockeren, bisweilen humorvollen Ton verpassen. Das dürfte die Band ein ganzes Stück weit von vergleichsweise "ernsten" Bands wie Unifaun oder den FloKis absetzen, wobei ich mich bis heute frage, ob die von jenen in auftauchende "Just This Once" und hier in "White Glove" aufgegriffene Formulierung "The harder they come, the harder they fall" als direkte Persiflage auf Roine Stolt & Co. zu verstehen wäre. Kurzum: Simon Says erweitern das Spektrum dessen, das die zitierten Vorbilder ausgemacht hatte, und erzeugen daraus einen relativ eigenen Musikstil. Und das wäre im Folgenden genauer auszuführen.

Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass "Paradise Square" einen gewissen konzeptionellen Zusammenhang hat. Das Intro "And By The Water" gibt bereits Melodien bzw. ein Thema vor, das im Outro des Titeltracks und am Ende von "White Glove" nochmals zitiert wird, zudem findet sich in der Mitte von "Paradise Square" noch ein balladesker Part, dessen Klavierbegleitung nochmals auf "And By The Water" bezieht. Das ist vielleicht noch kein Alleinstellungsmerkmal, untermauert aber schon einmal, dass Simon Says es mitnichten dabei belassen haben, bloß den Geschmack von Genesis nachzuahmen. Dann wären noch einige hieran gemessen untypische Elemente und Spielerein zu vermerken: So gibt es in "Paradise Square" nach ca. 6 Minuten eine Passage, die mit heftigen Orgelakkorden, jaulender Gitarre und psychedelischem Wah-Wah-Bass einen Bruch gegenüber dem vorigen Verlauf des Songs markiert und aufgrund ihrer immanenten Schrägheit eher an die Crimso-inspirierten Sachen von Änglagård erinnert. Auch die Elektropop-Begleitung in den ersten Strophen von "Striking Out A Single Note For Love" (vergleiche Kraftwerk - "Computerwelt") sind ein lustiger, aber stimmiger Einfall.

Später im selben Track gibt es ebenfalls noch ein Kuriosum zu hören: Nach einem Break mit Morsecode-Effekten (wie sie im Übrigen schon in "Paradise Square" verwendet wurden) bei 4:40 folgt ein kurzer jazziger Part, der trotz des 3/4-Taktes an Klassiker wie "Take Five" erinnert. Der weitere Verlauf wäre ebenfalls spannend: Zwar geht es direkt danach gesangsbetont und mit leichten Anleihen an "Willow Farm" weiter, aber zum Abschluss dieses Songs gibt es dann die Synthese aus diesem Material mit dem Jazz davor - und zum faktischen Ende des Stücks noch die Überblendung auf Kirmesmusik. Weitere leicht jazzige Momente gibt es dann in "White Glove" in Form eines burlesken Clavinet-Parts nach der balladesken "The harder they come..."-Eröffnung. Selbige Nummer greift ebenso um Minute 9 herum noch die Sitar-Psychedelik auf, die zuvor im Instrumental "Dark Fall" bereits für Amusement gesorgt hatte, fügte sie doch der ansonsten kompositorisch Anlehnung an "The Lamb Lies Down On Broadway"-Zwischenstücke wie "Riding The Scree" eine ganz andere Klangfarbe hinzu. Das Ende dieses Stückes markiert schließlich noch ein besonderer Gag: Nach einem kurzen "The Colony Of Slippermen"-Zitat folg eine holprig und merkwürdig verschleppt wirkende Passage - tatsächlich wird hier aber nichts verschleppt, sondern bloß ein 7/8-Takt gespielt, bei dem das Schlagzeug auf der HiHat aber nur Viertel mitnimmt.

Mit weiteren direkten Genesis-Referenzen gehen Simon Says ebenfalls spielerisch bis kunstvoll um. So wird gegen Ende von "Paradise Square" kurz eine Passage angespielt, die sich hörbar an der "Apocalypse In 9/8" orientiert, was bis in das Orgelsolo führt - dann aber ganz anders weitergeht. Das kurze "Fly In A Bottle" fällt ebenfalls in die Kategorie: Eine Ballade mit Gitarrenbegleitung à la "Blood On The Rooftops" wird immer wieder für überbordenden Mellotron-und-Orgel-Bombast unterbrochen, was angesichts der Übertreibung zunächst einmal parodistisch aufzufassen wäre. Tatsächlich wird damit aber das nicht weniger schwere Ende dieses Stückes eingeleitet, was dieses Merkmal dann doch zu einem zielführenden Mittel macht.

So, um diesen Text mal zu einem Ende zu bringen: Das sind alles nette und hochgradig unterhaltsame Spielereien, die Simon Says' Sinn für Humor ebenso illustrieren wie das Geschichtsbewusstsein, die Klassiker eben an angebrachter Stelle zu zitieren (und sie andernorts freilich zu dekonstruieren). Da wären zum Ende nur noch zwei, drei Dinge zu bermerken. Erstens: Besonders spektakulär komponieren Simon Says bei all diesen Mitteln eigentlich nicht, die Longtracks auf "Paradise Square" folgen üblicherweise dem Muster, auf ein Intro einen liedhaften Part mit Strophen und Refrain folgen zu lassen und darauf dann ausladende Instrumentalparts und B-Teile, abschließend dann bestenfalls eine Rückkehr zur Variation des Anfangs (oder gleich zu "And By The Water"). Zweitens: Die eigentlichen Schmankerl dieses Albums sind natürlich die heillos überladenen, aber dennoch zielführenden Instrumentalpassagen. Gerade diese Mellotron-Chor-Passage nach ca. 9:30 von "White Glove" ist schlichtweg monumental. Und drittens: Wenn es einen faktischen Mangel an diesem Album gibt, dann ist das der vergleichsweise wenig sattelfeste, eher weinerlich kligende Gesang von Stefan Renström. Der sich in dieser Weise aber ebenfalls als Persiflage auf die üblichen Imitationen von Peter-Gabriel-Phrasierungen deuten ließe. Ob's das wirklich mit voller Absicht gewesen sein soll, weiß ich nicht. Es hört sich aber danach an.

Anspieltipp(s): White Glove, Paradise Square
Vergleichbar mit: Genesis natürlich, aber das muss ja noch nix heißen
Veröffentlicht am: 21.10.2016
Letzte Änderung: 21.10.2016
Wertung: 12/15
Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Simon Says

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Ceinwen 7.00 1
2008 Tardigrade 11.67 6
2011 Siren Songs 12.00 1

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