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Savatage

Poets and Madmen

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2001
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: SPV
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jon Oliva Gesang, Keyboards
Christopher Caffery Gitarre
Johnny lee Middleton Bass
Jeff Plate Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Stay with me awhile 5:06
2. There in the Silence 4:57
3. Commissar 5:36
4. I seek Power 6:03
5. Drive 3:17
6. Morphine Child 10:12
7. The Rumor 5:16
8. Man in the Mirror 5:56
9. Surrender 6:40
10. Awaken 3:23
11. Back to a Reason 6:05
Gesamtlaufzeit62:31


Rezensionen


Von: Jochen Lohr @ (Rezension 1 von 2)


Nach dem Abgang von Zak Stevens übernahm auf "Poets and Madmen" wieder Altmeister Jon Oliva höchstselbst das Mikrophon.

Das ist allerdings schon so ziemlich die einzige echte Neuerung, die zu vermelden ist. Musikalisch geht es auf "Poets and Madmen" zwar etwas härter und rauher zur Sache als auf "The Wake of Magellan", aber im Kern bleibt Savatage sich treu. So wird die Platte dominiert von Midtempo-Stücken mit packenden Riffs, die immer wieder mittels von Chören gesungenen Refrains, Klavier und Synthie-Orchester auf Romantik-Metal getrimmt werden. Wie immer sind die Stücke selbst von einer klar überdurchschnittlichen Qualität, ohne dass es mal zum großen Überraschungseffekt oder Aha-Erlebnis kommen könnte. Dafür kann man aber eben auch nix falsch machen. Mag man die Alben ab Gutter Ballet, wird man auch mit Poets and Madmen etwas anfangen können, mag man die Vorgänger nicht, wird sich das nun nicht anders darstellen. Einzig die im Vergleich zu "Wake of Magellan" anziehende Härte und der im Vergleich zu Zak Stevens rauhere, etwas dünnere Gesang Jon Olivas könnte den einen oder anderen Hörer, der mit den vorangegangenen Konzeptalben zu Savatage kam, etwas abschrecken. Andererseits, wenn man bereits die eine oder andere Scheibe von Sava sein eigen nennt, wird "Poets and Madmen" keinen wirklichen Zugewinn darstellen. Schließlich hat man eigentlich alles an anderer Stelle schon einmal gehört.

Meine Empfehlung: sich den besten Track des Albums, "Morphine Child", anhören und danach entscheiden.

Anspieltipp(s): Morphine Child
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.7.2003
Letzte Änderung: 11.7.2003
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


"Poets And Madmen" stünde in der Savatage-Diskografie selbst dann in exponierter Position, wenn es nicht das das bis heute letzte Studioalbum der Band gewesen wäre. Denn schon die formalen Unterschiede zum Vorgänger "The Wake Of Magellan" sind beachtlich: In den vier Jahre zwischen den beiden Alben verließen Zak Stevens und Al Pitrelli die Band, hingegen engagierte sich Chris Caffery umso stärker im Songwriting, und Jon Oliva kehrte - zumindest für die Aufnahmen - als hauptamtlicher Sänger zurück. Was hinterher geschah, ist nicht weniger kurios: Auf der überaus erfolgreichen Tour halfen dann Damond Jinaya als Sänger und Jeff Waters an der Gitarre aus - aber diese Besetzung versandete später.

Umgekehrt mutet es dagegen angesichts der Bandgeschichte beinahe wie eine Selbstverständlichkeit an, dass "Poets And Madmen" ebenfalls ein Konzeptalbum ist. Im Mittelpunkt steht diesmal der südafrikanische Reporter Kevin Carter, der 1994 mit dem Pulitzerpreis für Feature-Fotoberichterstattung ausgezeichnet wurde. Carter hatte 1993 über eine Hungersnot im Sudan berichtet und ein erschreckendes Foto von einem zusammengesunkenen Kind geschossen, in dessen Nähe sich ein Geier niederließ. Zwei Monate nach der Preisvergabe beging Carter, von Depressionen und Selbstzweifeln geplagt, Selbstmord. Hier setzen Savatage nun mit ihrer fiktiven Story an: Kevin Carter ist nicht tot, sondern versteckt sich in einer verlassenen Nervenklinik, wo er einigen dort herumstöbernden Jugendlichen wie ein Geist erscheint. Schon in seiner Herangehensweise unterscheidet sich "Poets And Madmen" hier deutlich den früheren Alben: Eine durchgängige Geschichte wird nicht erzählt, denn eigentlich gibt es nur ein Setting, dessen Hintergründe - im Sinne eines "Wie konnte das passieren?" - rückblickend oder motivierend erläutert werden.

Nun, vielleicht liegt dieses narrative Vorgehen auch im vorhandenen Songmaterial begründet. Ein Gerücht besagt, dass Oliva und Caffery eigentlich ein weiteres Material ihres Doctor-Butcher-Projektes (nach dessen Debüt 1995) aufnehmen wollten. Ob dann einfach auf den prestigeträchtigeren Namen der Hauptband umgesattelt wurde und Paul O'Neill das Album unter seine Fittiche nahm, kann nur spekuliert werden. In jedem Fall aber besteht der Großteil des Materials auf "Poets And Madmen" diesmal in der Tat aus "konventionellen" Songs mit Intro, Strophe und Refrain, was in einem gewissen Sinne natürlich die Tendenz von "The Wake Of Magellan" fortsetzt. Diese Eigenschaft erodieren Savatage allerdings im Laufe des Albums wieder, denn "Morphine Child", "Man In The Mirror", "Surrender" und "Back To A Reason" stellen dann doch wieder durchkomponierte Quasi-Longtracks dar.

Bis dahin gibt es aber erst mal relativ eingängige Songs - die im Unterschied zu "The Wake Of Magellan" allerdings wieder deutlich härter, aggressiver, metallischer und technischer ausgefallen sind. Alleine schon der Refrain des Openers "Stay With Me Awhile" wäre hier mit komplexem Stakkato-Riffing, nervösem Rhythmus, halsbrecherischen (und trotzdem kompetent gesungenen) Melodien und mehr schneidenden denn bombastischen Keyboards repräsentativ, und sein buchstäblich ausklingendes Ende ist ebenfalls bemerkenswert. Die weiteren Songs halten die Spannung dann weiter hoch: "There In The Silence" baut vergleichsweise klassisch mit sich steigerndem Klavier plus Synthie-Motiv und hinzukommenden Gitarren in den Strophen eine regelrechte Drohkulisse auf, und "I Seek Power" ist eine gut abgehangene Rockballade. Eher zwiespältig finde ich dagegen das als Vorab-Single veröffentlichte "Commissar": Zwar gibt es hier einen kuriosen Gegensatz zwischen einer marschierenden, ebenso "aufbauenden" Strophe ("Do you hear, commissar?") und einer anderen, die eher im Power-Metal-Stil gehalten ist. Letztere klingt merkwürdigerweise allerdings bei weitem nicht so souverän, wie es einer Band, die dieses Genre eigentlich geprägt hat, zuzutrauen wäre. Das kurze, knackige "Drive" macht es später wesentlich besser und bringt zudem diese von Doctor Butcher und den späteren Caffery-Soloalben bekannten panisch klingenden Dissonanzen in den Riffs ein.

Ab dem Longtrack "Morphine Child" geht der Spaß aber erst so richtig los, denn dieses Stück dürfte in Bezug auf Dramaturgie und Aufbau wohl überhaupt das ausgefeilteste der Band sein. Nach einem kurzen, aber raffinierten Bassintro wird das Hauptriff vorgestellt, um einen ebenfalls - was sonst? - marschierenden Rhythmus mit Keyboardbegleitung erweitert, und dann erst beginnt in einer ruhigeren Passage der Gesang, der dann aber wieder ziemlich neckisch auf dem Klavier begleitet wird. Es folgen weitere gelungene Passagen, in denen sich Keyboards, Gesangsarrangements und kurze, aber prägnante Gitarrensoli die Waage halten - und am Ende, nach einem außergewöhnlichen Kanon (dagegen waren "Chance" und "One Child" wohl reine Aufwärmübungen) wird über das Hauptriff ausgeklungen. Besser haben es Savatage vorher nie hinbekommen!

Die beiden eher konventionell aufgebauten Halbballaden "The Rumor" und "Man In The Mirror" kühlen danach die Stimmung netterweise wieder ab. Ersteres verknüpft eine akustische Strophe mit einem weiteren garstig gestimmten Refrain mit Doctor-Butcher-Kompatibilität, letzteres dagegen untermalt seine mit Bass-Dominanz erzeugten bluesigen Untertöne kongenial mit Textzeilen wie "When it's late and the alcohol's glow is nearly gone" (und der Refrain haut hier ebenfalls wieder manisch auf den Putz). Dann allerdings fährt "Surrender" die Spannung wieder hoch: Erst gibt es einen Gegensatz zwischen zwei Strophen, die eine gekonnt zwischen Zucker und Melancholie balancierendend, die andere wieder abgedreht, und im letzten Drittel folgt wieder die beklemmende Eskalation. Das rockige, aber basslastige, außergewöhnlich gesungene "Awaken" lockert nochmals, ehe zum Finale "Back To A Reason" einerseits zwar wieder gekonnt auf dem Klavier spielt, dann immer wieder die Daumenschrauben anzieht und schließlich zwar bombastisch, aber resignierend statt erlöst endet. "The only reason I have left is you."

Was soll man von diesem Album halten? Bei Savatage-Fans ist "Poets And Madmen" seit jeher umstritten; vermutlich dürften die regelmäßig von Chris Caffery eingebrachten schroffen Disharmonien bei den Riffs der Grund dafür sein. Andererseits funktioniert dieses Stilmittel im Rahmen des Kontexts aber besonders gut: Im Zusammenspiel mit Jon Olivas Gesang entsteht stets eine beklemmende, manische bis depressive Stimmung, die die angedachte Nervenklinik geradezu vertont. Das ist natürlich weit entfernt von der Harmonie, bei der Savatage seit "Gutter Ballet" oft gelandet sind, aber es passt eben nahezu perfekt. Davon abgesehen haben Savatage hier auch einen ganzen Haufen gut geschrieber und noch besser eingespielter Songs versammelt - welchen Vorwurf wollte man der Band da noch machen? Nein, ich bleibe dabei: "Poets And Madmen" ist ein ebenso ungewöhnliches wie gelungenes Album, das viel zu oft übersehen oder marginalisiert wird.

Anspieltipp(s): Stay With Me Awhile, Morphine Child, Surrender
Vergleichbar mit: Auf seine Weise dürfte das Savatages "The Final Cut" sein
Veröffentlicht am: 15.3.2017
Letzte Änderung: 14.3.2017
Wertung: 12/15
Das etwas andere Savatage-Konzeptalbum - wer's nicht mag, soll halt TSO hören... ;)

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Savatage

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1987 Hall of the Mountain King 9.00 1
1989 Gutter Ballet 10.50 2
1991 Streets - A Rock Opera 8.50 2
1993 Edge of Thorns 9.00 2
1994 Handful of Rain 11.00 2
1995 Dead Winter Dead 12.00 2
1997 The Wake of Magellan 11.00 3

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