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Yes

Relayer

(Siehe auch: Leitfaden "Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974 (in der Rhino-Version um 3 Tracks erweitert)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Atlantic Records
Durchschnittswertung: 14.22/15 (9 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson lead vocals
Chris Squire bass, vocals
Alan White drums, percussion
Steve Howe gtr, vocals
Patrick Moraz keyboards

Tracklist

Disc 1
1. The Gates of Delirium 21:55
2. Sound Chaser 9:25
3. To Be Over 9:08
4. Soon (Single edit)   (RHINO-Version) 4:18
5. Sound chaser (Single edit)   (RHINO-Version) 3:14
6. The Gates of Delirium   (RHINO-Version) 21:17
Gesamtlaufzeit69:17


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 9)


Tja, was sollte nach einem Momumentalwerk wie "Tales From Topographic Oceans" noch kommen, insbesondere, da Keyboarder Rick Wakeman die Band verließ, um seine Soloprojekte intensiv zu verfolgen? Erstmal wurde mit dem Schweizer Patrick Moraz ein mehr als adäquater Ersatz gefunden, und mit diesem schafften "Yes" es, das vielleicht beste Album ihrer Karriere einzuspielen: "Relayer".

Vom Aufbau her ähnelt "Relayer" "Close To The Edge": ein seitenlanges Epic und zwei Neun-Minuten-Nummern auf der zweiten Seite. Aber die Kompositionen entwickeln den "Yes"-Stil und -Sound entscheidend weiter, insbesondere durch Patrick Moraz' Keyboard-Zaubereien. Mehr als Rick Wakeman greift er auf Synthie-Sounds zurück, und dies nicht nur für Lead-Aufgaben, sondern auch in der Begleitung; die Sounds sind fett fanfarenartig, heftig agressiv und druckvoll und sehr, sehr abwechslungsreich. Dazu kommen Mellotron, Piano, E-Piano, doch kaum Orgel. Aber nicht nur soundmäßig unterscheidet sich der Schweizer von seinem Vorgänger, auch seine Spielweise ist grundlegend anders: wo Wakeman sehr lineare Hochgeschwindigkeits Arpeggios runterperlt, greift Moraz auf Jazz-Skalen zurück, wo Wakeman das Mellotron "washen" läßt, rifft Moraz mit dem Synthie. All dies verleiht der Musik von "Yes" einen zusätzlichen Kick, der auf den anderen Platten durch eine pastoralere und symphonischere Spielweise ersetzt ist.

Die Eröffnungssuite "The Gates Of Delirium" zeigt "Yes" in absoluter Hochform. Obwohl sehr linear aufgebaut und ohne die Strukturfeinheiten von "Tales" oder auch "Close To The Edge", gehört doch insbesondere der dämonische, vertrackte, polyrhythmisch abgedrehte, treibende, kraftvolle, paranoide Mittelteil zu ihren besten Momenten überhaupt: die Band spielt trotz komplizierter Riffs perfekt zusammen, Alan White und Chris Squire treiben voran, Steve Howe schüttelt einige absolute durchgeknallte Gitarren-Läufe aus dem Ärmel, Patrick Moraz hupende Synthies geben Fülle und über all dem toben auch noch verstörende Klangeffekte: pures Genie. Das ganze mündet in einem explosiven Snare-Ritardando, welches in einen hymnischen 11/8-Teil überleitet. Abgeschlossen wird das Stück vom sanften, schönen "Soon"-Teil, der Jon Andersons Engelsgesang gebürenden Platz einräumt.

"Sound Chaser" begint hektisch, überdreht, fast zerissen und kontrastiert perlendes Jazz-E-Piano mit kratziger Gitarre und kraftvollem Baß-Riffing. Die eigentlich recht ruhige mehrstimmige Gesangsmelodie zusammen mit der übernervösen Begleitung erzeugt eine surreale Stimmung, die durch die seltsame Gitarren-Solo-Kadenz und die nachfolgenden Teile inklusive jaulendem Synthie-Solo nicht gerade gemindert wird.

Das ruhigere "To Be Over" baut nach einer etwas zu schönen Melodie und Steve Howes Slide-Gitarre vielschichtige symphonische Texturen auf, nimmt einen kurzen kontrapunktischen Abstecher und endet erhebend. Ein schöner Abschluß einer großen Platte.

Anspieltipp(s): Sound Chaser
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 6.6.2002
Wertung: 14/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 9)


Ich will Udos Kritik nicht mehr viel hinzufügen. Ich halte diese Platte für die beste, innovativste YES-Platte, vielleicht sogar für die beste, die der britische Progrock je herausgebracht hat. Und das ist anscheinend Moraz' Verdienst. Was er hier an Ideen in die Band bringt, ist atemberaubend - sein Spiel hevorragend, und besonders seine Klangfarben geben dem Album einen sehr futuristischen Sound. Mein Lieblingstück ist "Sound chaser", von dem ich gern mal eine ordentliche Liveversion hören möchte - für mich das beste Stück von "YES" (wenn man sowas überhaupt sagen kann). Was danach kam - da ging es leider wieder in kommerziellere Gefilde, nicht immer schlecht, aber wenn man diese und die Vorgängerplatte kennt, einfach traurig.

Nachtrag 2003: Nun gibt es neben der remasterten Version von ATLANTIC, die expanded & remastered Version von RHINO. Das kleine, aber feine Label hat auch schon die früheren Studioplatten neu auf den Markt gebracht. Soundtechnisch klingt diese Version in meinen Ohren etwas wärmer als die ATLANTIC-Ausgabe und auch die leichten Übersteuerungen in SOUND CHASER haben sie in den Griff bekommen, aber das sind kleine Details, die den Neukauf für Nichtfans nicht lohnenswert machen. Interessant sind eher die Bonustracks, hier nun besonders ein Studio-Runthrough von GATES OF DELIRIUM. Es ist roher als die endgültige Fassung, viele Keyboardpassagen sind noch nicht vorhanden, sondern es dominieren hier eher Hammondtöne (war Moraz hier schon dabei?) das Stück ist insgesamt gitarrenlastiger. Auch die Tempiwechsel etc. funktionieren nicht immer reibungslos und das Ende zitiert noch mal den Anfang des Stückes - ein gelungener Einblick in die YES-Werkstatt. Auch klingt Anderson unproduziert nicht ganz so engelsgleich, sondern hat einen leicht rauchigen Unterton in der Stimme.

Die Aufmachung ist wie bei den anderen Re-Releases von Rhino sehr liebevoll. Die CD kommt mit neuen Beiheft in einem Digipack inkl. Schutzhülle aus Pappe. Wer also diese CD noch nicht hat, sollte diese Version kaufen, die klanglich beste. Allerdings bekommt man für ein paar Euro weniger auch schon die sehr schön gemachte ATLANTIC-Ausgabe, die nur unmerklich "schlechter klingt".

Anspieltipp(s): Sound chaser
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.6.2002
Letzte Änderung: 13.9.2003
Wertung: 15/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 9)


Konzeptionell gleich aufgebaut wie "Close to the edge" (1 langes Opus auf Seite A, 2 kürzere Stücke auf Seite B), flankiert Relayer das Meisterwerk "Tales" auf der anderen Seite. Mit diesem Album endet die geniale Trilogie der grossen Yes-Werke. Nach "Tales", welches als Primus inter pares den anderen beiden etwas entrückt ist, gehen YES hier wieder etwas härter und rockiger zu Werke. Gates of delirium bietet wieder alle Facetten des reichen, vielfältigen Musikstils der Briten. Herrlich verschachtelte Rhythmen, ein knackiger, prägnanter Bass, zum Teil sphärisches, zum Teil virtuos-frickeliges Tastenspiel, schreiende Gitarrenriffs, liebliche parts der akustischen Gitarre und den markanten, unverwechselbaren Gesang Jon Andersons.

Nach den im grossen und ganzen eher ruhigen, sphärischen, spirituell-entrückten "Tales" kommt einem "Gates" beinahe wie ein heavymetal Stück vor. Hier scheinen sich die Musiker so richtig auszutoben, das Stück hört sich im Mittelteil nach purem Chaos an. Wilde Bassläufe jagen aus den Boxen, das Schlagzeug kracht, Gitarre und Tasten kulminieren in einem scheinbar unkontrollierten Finale. Dann kehrt Ruhe ein. Eine wehmütige, wimmernde Gitarre wird abgelöst von Andersons glockenheller Stimme, die von "our reason to be here" singt.

Na klar: um solche Werke zu geniessen.

Sound chaser beginnt hektisch-schräg-schrill. Dass sich Patrick Moraz nicht die Finger verknotet bei seinem Solo.... Und Alan White muss am Ende dieser Aufnahme klitschnass gewesen sein, so malträtiert er seine Felle. Sound chaser setzt da fort, wo "Gates" aufgehört hat: hart und rockig peitscht die Musik durch den Hörraum, im Mittelteil ein hartes Gitarrensolo, bei dem man die Saiten beinahe zu sehen scheint.

Nach einem ruhigen Interludium folgt ein herrlich verschleppter 5/4-Takt, der eine tolle Variation erfährt, indem er plötzlich doppelt so schnell gespielt wird. Die Wirkung ist etwa so, als ob man einen Plattenspieler plötzlich von 33 rpm auf 45 rpm umstellen würde. Die übrigen Instrumente ändern auch entsprechend ihre Tonlage. Eines der ausgeflipptesten, interessantesten Stücke dieser YES-Epoche.

Das abschliessende "to be over" ist 5 Minuten lang eher langweilig, mündet dann aber in eines der schönsten Finale der Band. Man erinnere sich an die Stimmung des Adlers in "Ritual" (Tales). Hier fliesst unter dem Adler ein Fluss, der als silbernes Band am Horizont verschwindet.

Als ganzes fehlt bei Relayer aber irgendwie das Neue. Die beiden Vorgänger haben die meisten Elemente bereits beinhaltet. Und wo "Tales" noch eine Portion Unwirklichkeit und Entrücktheit, eine Spur mehr Poesie gegenüber "Close to the edge" drauflegen konnte, fehlt bei "Relayer" das letzte Quentchen Eigenständigkeit, das es zu einem Meilenstein gemacht hätte. Daher von meiner Seite "nur" eine 14.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2002
Letzte Änderung: 31.10.2002
Wertung: 14/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 4 von 9)


Aller guten Dinge sind drei. Indem Yes nach "Close to the Edge" und "Tales from Topographic Oceans" - und ungeachtet des Ausscheidens von Rick Wakeman - noch ein drittes Opus magnum vorzulegen vermochten, zementierten sie endgültig ihren Ruf als Band, die Außergewöhnliches zu leisten vermag. Die Hoffnungen, die dadurch geweckt wurden, flackern trotz aller Enttäuschungen noch dreißig Jahre später immer wieder auf, wenn ein neues Album der Gruppe angekündigt wird.

Meine Rezension richtet sich an alle Leser, denen Ufos, magische Traumwelten, Engelsgestalten, intergalaktische Sphären und Groschenroman-Futurismus gleichgültig sind. Die Musik auf diesem Album ist meisterlich genug, um all das vergessen zu können. Insbesondere Sound Chaser gehört zu den Highlights der Yes-Diskographie.

Anspieltipp(s): Sound Chaser
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.5.2003
Letzte Änderung: 9.5.2003
Wertung: 15/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 5 von 9)


Gemeinsam mit "Close To The Edge" habe ich mir auch gleich die Rhino-Version von "Relayer" gekauft.

Was soll ich noch sagen? "Relayer" ist ein weiteres Meisterwerk von Yes. Nach so vielen Jahren klingt diese Musik frisch, modern und unverbraucht. Auch dieses Werk habe ich sofort wieder ins Herz geschlossen. Es ist für mich das zweite grosse Yes-Highlight, nach eben "Close To The Edge".

Dabei ist "The Gates Of Delirium" als Einzeltrack vielleicht das Beste, was mir von Yes bisher so untergekommen ist. Nach eher ruhigem, verhaltenem Beginn steigert sich der Track, getragen von Andersons Stimme, in einen schier unglaublichen Instrumentalpart. Und Yes können rocken! Der Hörer kann vor Anspannung kaum noch atmen, wenn sich schliesslich alles in dem wunderschönen "Soon"-Part von Jon Anderson entlädt. Diese Stelle ist vielleicht die emotionalste Musik, die ich kenne und treibt mir regelmässig Tränen in die Augen. Unglaublich auch das Duell von Synthie und Percussion im Mittelteil von "Gates...". Patrick Moraz leistet als Wakeman-Nachfolger ganze Arbeit und fügt eine völlig neue, jazzige Klangfarbe zum Yes-Sound dazu. Moderne Sounds fegen den älteren symphonischen Klang förmlich weg. Dazu trommelt Alan White auf allen möglichen Metall-Teilen herum, die er auf dem Weg ins Studio auf einem Schrottplatz eingesammelt hat. Unglaubliche Sounds... unbedingt mit dem Kopfhörer hören.

Warum mir "Close To The Edge" als Album letztlich besser gefällt, liegt am Gesamtpaket: Auf "Close To The Edge" bilden die drei Titel eine geheimnisvolle und stimmige Einheit. Auf "Relayer" folgt mit "Sound Chaser" ein Stück, dessen Virtuosität (vor allem Keyboards und Gitarre sowie der Chor-Gesangspart) ich bewundern kann. Aber emotional lässt mich das Stück kalt und ist mir irgendwie auch zu abgedreht.

"To Be Over" zum Abschluss ist nun genau der andere Fall: Dieses Stück ist mir etwas zu langatmig und auch etwas zu langweilig, um einen gelungenen Abschluss darzustellen.

Das klingt jetzt allerdings negativer als es ist: Diese Vergleiche gelten nur im Zusammenhang mit dem Überwerk "Close To The Edge". Ansonsten ist es unglaublich gute Musik.

Das Bonusmaterial dieser CD-Ausgabe ist insofern interessant, weil man merken kann, dass der "Soon"-Part ohne in den Gesamt-Song "The Gates Of Delirium" eingebunden zu sein, nicht wirkt. Der Single-Edit wirkt kraftlos. "Sound Chaser" hingegen gefällt mir in dieser kompakteren Fassung um einiges besser. Das Studio-Demo zu "The Gates..." ist eine nette Zugabe für Fans.

Auch bei leichten Abstrichen gegenüber "Close To The Edge" gilt: Ein wichtiges Werk des progressive Rock, welches eigentlich jeder Liebhaber dieser Richtung kennen sollte (muss).

Anspieltipp(s): alles
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.12.2004
Letzte Änderung: 31.12.2004
Wertung: 14/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 6 von 9)


Ultimativ die beste Scheibe von Yes und die beste Prog-Scheibe überhaupt.


Dieses Album hat eine Power, dass es mich jedes mal wieder umhaut. Dass diese Platte eindeutig besser ist, als alle anderen Alben von Yes, hat vermutlich zwei Gründe. Zum einen ist nach der "etwas aus dem Ruder gelaufenen" Experimentalscheibe "Tales", endlich der Knoten geplatzt - als hätte man mit einem Schwert einfach das verstrickte Knäuel mit einem machtvollen Hieb durchgeschlagen. Weiterhin ist "Relayer" auch eine Besinnung darauf, dass progressive Rock eben auch Rock ist. Gerade einer Band wie Yes, mit einer so starken Rhythmustruppe, steht treibender Rock als Basis einfach gut zu Gesicht. Der Hauptgrund ist für mich aber, der neue Keyboarder Patrick Moraz, der einfach ungemein viel frischen Wind in die Band bringt. Mensch Leute, wieso habt ihr den ziehen lassen!? Er ist um Längen besser als Rick Wakeman... Seine verspielten, temporeichen, wilden, komplexen und genialen Läufe sind hier einfach einzigartig und motivieren Howe als seinen Partner zu absoluten Höchstleistungen. Gitarre und Keyboards liegen hier oft, siehe Soundchaser und im Mittelteil des überragenden Longtracks "Gates", in einem leisen bis fulminanten bzw. bombastisch bis durchgeknallten-schrägen aber extrem fruchtbaren Wettstreit, dass es eine Freude ist zuzuhören.


"Gates" sowie das ganze Album durchzieht eine Größe, ein Spielwitz, eine Spielfreude und auch eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, wie sie Yes (leider) nie wieder erreicht haben. Dem allgemein unbestritten genialen und bis auf den Mittelteil typischen Yes-Long-Track "Gates", stehen aber zwei gleichwertige kleine Brüder zu Seite. In "Soundchaser" (passender Titel) gibt man in Punkto Tempo und Schrägheit noch ein paar Punkte drauf. Der Song ist so herrlich durchgeknallt, temporeich und frech. Bei "CHa Cha CHAAA - Cha CHA" einer befremdlichen und doch passenden Gesangszeile, könnte ich niederknien... Yes sind in der Avantgarde angekommen! Eigentlich haben Yes mit "Relayer" das erreicht, was sie mit "Tales" schon wollten - und siehe da, es geht doch auch wesentlich kürzer, prägnanter, mehr auf dem Punkt!


Klasse auch das temporeiche, beeindruckende Zusammenspiel von Bass und Gitarre in "Soundchaser". Als Abschluss gibt es eines der besten symphonischen Rockstücke: "To be over". Das Finale ist bombastisch und groß - und so muss das auch sein, so zart und besinnlich wie der Song beginnt. Gerade Jon Anderson brilliert in diesem Song, wie so oft leise aber gewaltig, mit seiner weichen, emotionalen und vor positiver Energie strotzenden Stimme.


Im Gegensatz zu dem ein oder anderen Vorredner finde ich Relayer eine markerschütternde Einheit, hier stimmt einfach alles, hier passt einfach alles zusammen. Vielleicht wurden die Jungs ja vor den Studioaufnahmen von Aliens entführt und haben dabei ein wenig überirdische Energie getankt - soviel zum futuristischen Touch des Albums. :-)


Fazit: Für mich das Prog-Album überhaupt

Anspieltipp(s): alles
Vergleichbar mit: nichts
Veröffentlicht am: 21.2.2009
Letzte Änderung: 22.2.2009
Wertung: 15/15

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Von: Günter Schote @ (Rezension 7 von 9)


Snakes are coiled upon the granite, horsemen ride into the west...

"Relayer" muss irgendwas Heiliges sein in der Welt des Progressive Rock, das ist mal sicher. Gäbe es eine Kirche des Genres, so hätte diese Musik bestimmt was mit Taufen zu tun - oder Beerdigungen. Ich für meinen Teil möchte später jedenfalls mal zu "Soon" unter die Grasnarbe verlegt werden...also eher Beerdigungen. Bald, o bald wird das Licht hereinbrechen und diese endlose Nacht beenden....

Was bei Topographic Oceans noch nicht rund lief, schafften Yes mit dem Nachfolgealbum: man begab sich auf's Glatteis, fiel nicht auf die Nase und lieferte stattdessen eine fast perfekte Vorstellung ab. Eine Dreifaltigkeit ohne größere Makel.

"The Gates of Delirium" startet fantastisch, steigert sich in's Martialische und endet triumphal. Dieses Stück ist ein Ton gewordenes Abenteuer, das nie langweilig wird. Yes loten und reizen in diesen 22 Minuten die Möglichkeiten der Pop/Rockmusik bis an alle Ecken und Kanten aus. Und auch nach dieser emotionalen Berg- und Talfahrt werden keine sanfteren Töne angeschlagen, sondern mit "Sound Chaser" gleich das nächste Feuerwerk der Kreativität abgefackelt. Intro-Riff-Howe-Riff-Moraz-ChaChaCha-Niederknien! Ist das noch Rockmusik? Sicher ist es das, und was für welche. Mit diesen beiden Songs haben Yes alles gewagt und alles gewonnen. Wir nähern uns dem Ende und gelangen in leider etwas profanere Sphären. "To Be Over" hätte das sensationelle Finale zu einem dann perfekten Album werden können. "To Be Over" ist aber "nur" klasse. Als Hymne wirkt es etwas zu erzwungen, zu aufgesetzt. "To Be Over" will zu schön sein und geht spätestens mit seinen recht zähen Gesangsmelodien dezent in die Knie. Ein würdiger, aber nicht perfekter Abschluss.

Yes ist 1974 der ganz große Wurf gelungen. Donald Lehmkuhls Gedicht plus Roger Deans atemberaubendes Artwork runden dieses Meisterwerk zudem kongenial ab. Dass dieses herausragende Monument oft nur im Schatten des Klassikers "Close to the Edge" steht ist sehr unglücklich.

"Relayer" ist eines der essentiellen Werke des Progressive Rock! Alles andere, lieber Leser, ist bloß Musik. Cha, cha, cha!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.7.2011
Letzte Änderung: 1.3.2012
Wertung: 14/15
1 Punkt Abzug wegen "To Be Over"

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Von: Horst Straske @ (Rezension 8 von 9)


"Relayer" markiert den Abschluss der ganz großen Yes-Phase und vermag zum letzten Mal die für Yes so bekannten ätherisch-spirituellen Klangwelten zu entfalten. "The Gates of Delirium" ist in seinen weit verzweigten Verästelungen und hypnotisch-verschachtelten Arrangements einer der denkwürdigen Longtracks mit einem stets präsenten roten Faden. Mit einem fein gesponnenen Geflecht im Sinne einer typisch esoterischen Symphonik beginnend steigert sich dieser Longtrack zum orgiastischen Höhepunkt, der in einer schroffen Komplexität kulminiert, ehe ein symphonisch-meditativer Schlusspart mir hingabevollem Engelsgesang von Jon Anderson für ein von majestätischem Mellotron und akustischer Gitarre getragenes schöngeistiges Finale sorgt.

"Sound Chaser" führt den Hörer nach einem Zustand von ergriffener Andacht in symphonisch-jazzigen Klangfarben zu einem erneuten Trip in eine artrockige Parallelwelt, die sich von der gängigen Rocktradition völlig zu distanzieren weiß. "To Be Over" lässt dann in phasenweise asiatisch anmutenden Harmonien einen der drei Meilenstein im Repertoire von Yes ausklingen und stellt einen harmonischen Abschluss eines innovativen Albums dar.

Anspieltipp(s): The Gates of Delirium
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 3.12.2011
Letzte Änderung: 1.12.2011
Wertung: 14/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 9 von 9)


Close to the edge – Tales from topographic oceans – Relayer

3 wichtige Werke nicht nur für Yes-Fans, sondern für den Progressive Rock im allgemeinen. Während „Close to the edge“ vor allem durch seinen Zusammenhalt und seine Homogenität besticht, „Tales“ eher wegen seiner sphärischen Entrücktheit, bietet „Relayer“ eine bis dato nicht so bekannte Seite von Yes: sie rocken mehr als vorher.

Die (damalige) erste LP-Seite bot mit THE GATES OF DELIRIUM eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach zaghaftem Anfang entwickelt das Stück relativ schnell eine Eigendynamik, die fast nicht enden will. Patrick Moraz ersetzt Rick Wakeman hier und kreiert abgehobene Sounds, während Steve Howe seine Gitarre rocken lässt. Erst nach einer Viertelstunde beruhigt sich die aufgeheizte Stimmung und macht Platz für einen der markantesten Stimmeinsätze der Progmusik: „Soon“ ertönt und dieser Moment ist unsterblich. Volle Punktzahl für diesen Longtrack, da kann es doch fast keine 2 Meinungen geben.

Und es geht genau so ungestüm mit dem ersten Track der zweiten LP-Seite weiter. SOUND CHASER klingt angriffslustig als ginge es um das eigene Leben. Die Gitarre von Steve Howe wird effektvoll eingesetzt und man hat das Gefühl, als ob er mitten im Raum live spielen würde. Im Mittelteil wird der Song ruhiger um wenig später komplett aus dem Ruder zu laufen mit seinen aberwitzigen Notenfolgen. Nichts passt hier auf den ersten Hör, und doch ist das ganze Arrangement sensationell (Chachacha).

Mit dem dritten und letzten Song TO BE OVER kann ich mich aber leider auch nach 40 Jahren noch nicht anfreunden. Warum haben Yes eigentlich nicht das gesamte Album hindurch das Tempo oben gehalten? Musste es unbedingt eine Ballade sein, dazu noch mit einer Gesangsmelodie die mich an Bands des Ende der 60'er Jahre bekannten Laurel Canyon erinnern lässt? Dass die Steelgitarre diesen Eindruck verstärkt verschlimmert die Sache noch.

Das ist leider der Wermutstropfen auf einem ansonsten fast nicht zu überbietenden Album.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.9.2016
Letzte Änderung: 7.9.2016
Wertung: 13/15
ein Meisterwerk mit (leider) nicht ganz so starkem Ende

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Fragile 11.20 5
1972 Close To The Edge 13.80 12
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1975 Yesterdays - 2
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Yesshows 10.00 3
1980 Drama 11.50 8
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 Union 6.00 7
1992 Yesstory - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1994 Talk 6.17 6
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2001 Magnification 8.00 9
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2001 Keystudio 9.00 2
2002 Extended Versions - 2
2002 Yes today - 1
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Yes Remixes 2.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2006 Essentially Yes - 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2011 Live on Air - 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2

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