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Brian Eno

Before And After Science

(Archiv-Tipp 9/2018)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1977
Besonderheiten/Stil: Ambient; ArtPop; Elektronische Musik; Independent / Alternative; Moderne Electronica; sonstiges
Label: Virgin Records
Durchschnittswertung: 12.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Brian Eno voices, synthesizers, guitars, piano, synthesized percussion, brass, vibes, metallics, bell

Gastmusiker

Phil Collins drums
Percy Jones bass
Rhett Davies agong-gong, stick
Paul Rudolph bass
Jaki Liebezeit drums
Dave Mattacks drums
Shirley Williams brush timbales, time
Kurt Schwitters voice
Fred Frith modified guitar
Andy Fraser drums
Phil Manzanera rhythm guitar, guitars
Robert Fripp guitar solo on Track 5
Hans-Joachim Roedelius pianos
Dieter Moebius bass piano
Bill MacCormick bass
Brian Turrington bass

Tracklist

Disc 1
1. No one receiving 3:51
2. Backwater 3:43
3. Kurt's rejoinder 2:53
4. Energy fools the magician 2:05
5. King's lead hat 3:53
6. Here he comes 5:40
7. Julie with... 6:20
8. By this river 3:03
9. Through hollow lands 3:54
10. Spider and I 4:08
Gesamtlaufzeit39:30


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 4)


Ungestüm zirkulierend wie eine Windhose, naiv wie eine Sammlung Kinderlieder, krachend und schneidend wie eine Fabrik mit Hochofen, harmonisch wie eine Runde am Lagerfeuer, kontemplativ wie impressionistische Malerei, melancholisch wie Totensonntagswetter, poppig wie Disco, hymnisch wie ein Choral und bei allem so wenig greifbar für die Ohren, dass man die Musik eher zu sehen als zu hören glaubt: das alles ist dieses Album. Und trotzdem passen und gehören alle diese scheinbar unvereinbaren Stilmittel zusammen.

Hatte uns Eno noch mit den ersten Alben "Warm jets" und "Tiger mountain" zum ironischen Mitschmunzeln animiert, auf "Another green world" minimalistische Arrangements vorgeführt und auf "Discreet music" gezeigt, was für eine Atmosphäre man mit wenigen Tönen erzeugen kann, so führt er auf "Before and after schience" alle Stränge zusammen und präsentiert schlichtweg eins der besten Alben, die je aufgenommen wurden, und das alles ohne großen Aufwand. Es ist kaum zu beschreiben, wie er das macht, denn die Musik scheint sich der Rationalität zu entziehen; zunächst ist da der unglaublich aufrüttelnde Bass, der jeden Song vor dem "Alles schon gehört"-Klischee bewahrt und ein fast jazzartiges Eigenleben führt. Dann Enos Elektronik, die zwischen allen nur erdenklichen Klangfarben schillert und eine solche Fülle an Tricks beinhaltet, dass es bei jedem anderen kalt und manieristisch klingen würde, aber niemals bei Eno, der sein ganzes Arsenal einzig und allein in den Dienst der Seele des Songs stellt: Breitwand-Klangwolken in "Spider and I", Popakzente in "Backwater", messerscharfe Schnitte (er nennt´s im Booklet zu Recht "metallics") in "King´s lead hat" (im Duett mit Fripps Gitarre), geheimnisvolle Melodien in Fantasy-Manier auf "Energy fools the magician" (der Titel ist Programm - der Bass treibt den Zauberer an den Rand des Wahnsinns), zarteste Glockenklänge in "By this river" im Hintergrund (damit vergleichbar ist nur noch "Bells for her" von Tori Amos), minimalistische Einsamkeit in "Through hollow lands" ... und so weiter: das alles könnte wohl keiner hinreichend aufzählen.

Dann die Vokalarrangements, die mal ganz nebenbei den New Wave vorwegnehmen (am Schluss von "Kurt´s rejoinder"), zwischendurch ein Kinderlied anstimmen (zu Beginn desselben Songs), dann in "Here he comes" die totale Harmonie ausrufen (wer diesen Song banal findet, sollte mal ausschließlich auf die instrumentale Begleitung achten!), schließlich eine lyrisch-bukolische Ruhe verströmen ("Julie with..."). Und dann greift der Meister auch noch gelegentlich zur Gitarre und schmettert uns eine scheppernde Rhythmusgitarre um die Ohren, dass The Edge die Mütze runterfliegen würde ("King´s lead hat"), um dann in "Julie with..." einen Höhepunkt in die Basslinie zu setzen, die Hacketts Höhenflügen mit der Akustikgitarre bei Genesis alle Ehre machen würde (nur dass bei Genesis eine vergleichbare Akkordfolge nie auf einen solchen Songbeginn gefolgt wäre).

Eno hatte 1976 eine Weile in ländlicher Ruhe im Weserbergland verbracht und dort mehrere Musiker kennen gelernt (Cluster: Roedelius und Möbius), weshalb einige Aufnahmen zu diesem Album im Studio von Conny Plank getätigt wurden (aus dieser Gegend stamme ich übrigens, falls das wen interessiert - mit "By this river" könnte glatt die Weser gemeint sein); die anderen Aufnahmen sind aus London. Vielleicht ist es ja der Kontrast zwischen diesen Gegenden, der ihn zu einer solch bewusst kontrovers angelegten Veröffentlichung inspiriert hat; vielleicht hat er auch seinen Werdegang auf zwei Seiten mit den Songs illustrieren wollen: die Tracks 1-5 wären dann "before science" und die Stücke 6-10 könnte man als "after science" ansehen (für diese Vermutung spricht, dass in der Vinylepoche jeder dieser Songblöcke je eine Plattenseite ausmachte). Vielleicht entzieht sich das alles auch jeder Interpretation in gewöhnlichen Worten, wer weiß. Jedenfalls (sagte ich das nicht schon?) ist dies eins der besten Alben aller Zeiten (jedenfalls in meinen Gehörgängen) und sollte einen festen Platz in einem maßgeblichen Musikmuseum dieser Welt erhalten, wo es dann den ganzen Tag gespielt werden könnte, bis sich vielleicht mal ein hörendes Genie findet, um es ganz zu verstehen und deuten zu können. Weniger als das hieße dem Werk nicht gerecht zu werden.

Anspieltipp(s): alles oder nichts
Vergleichbar mit: man könnte es mit allem vergleichen, was jemals gut war im Progumfeld, oder man kann es schlicht unvergleichlich finden: ich neige eher zu Zweiterem
Veröffentlicht am: 11.9.2003
Letzte Änderung: 7.5.2014
Wertung: 15/15

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Von: Dirk Reuter @ (Rezension 2 von 4)


Seit über 20 Jahren kann ich mich nicht entscheiden, welches ENO-Album denn nun das bessere ist: "Another Green World" oder "Before and After Science". Ich gebe es hier und jetzt auf, eine Antwort auf diese Frage finden zu wollen; beide sind auf ihre Weise schlichtweg genial.

Während "Another Green World" mit seinen skizzenhaften Klangminiaturen rauh und im besten Sinne ungeordnet daher kommt, klingt auf dem eher liedhaften "Before and After Science" jeder Ton bis ins Letzte durchdacht. Beides hat seinen Reiz und so dürfte es hauptsächlich von der Tagesstimmung abhängen, welcher CD man gerade den Vorzug gibt.

Bei dieser Rezension ist es nolens volens natürlich "Before and After Science" und eigentlich hätte ich zu diesem Album gar nichts weiter geschrieben, weil ich Hennings Besprechung voll und ganz zustimmen kann. Ohne Frage eines der besten Alben aller Zeiten, klingt die Musik doch auch heute noch ebenso aktuell und unverbraucht wie bei ihrem Erscheinen 1977. Warum schreibe ich also überhaupt etwas dazu? Ganz einfach, einer unserer BBS-Leser wünschte sich eine Zweitrezension "zur Bestätigung". Diese Bestätigung soll er nun hiermit bekommen!

Aber weil ich gerade dabei bin, noch ein kleiner Zusatz: "Before and After Science" hat etwas, was "Another Green World" fehlt, nämlich Phil Manzanera, über dessen traumhaftes Gitarrenspiel ich mir allerdings weitere Lobhudeleien spare. Ich bin da sowieso befangen. Ach ja, für HENRY COW Fans: auch Fred Frith darf einige Gitarrentöne beisteuern. Und Dadaisten dürfen sich über Sprachfetzen ihres bereits 1948 verstorbenen Kunstidols Kurt Schwitters freuen, der bei "Kurt´s Rejoinder" aus seiner "Ursonate" rezitiert. In diesem Sinne: "Fümms bö wä tää zää Uu".

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.4.2006
Letzte Änderung: 1.4.2006
Wertung: 15/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 4)


Meine beiden Vorschreiber ziehen für "Before and after science" einstimmig die Höchstnote. Hier kommt daher eine etwas nüchternere Meinung. Ich bin zugegebenermassen nicht unbedingt ein Eno-Fan. "Taking Tiger Mountain" und das hier zu rezensierende Album sind die beiden einzigen Alben des Meisters des Art-Pop und des Erfinders der Ambient-Music, die ich besitze. Dazu kommen noch weitere Scheiben, an denen Eno beteiligt war, so einige frühe Roxy Music-LPs, "Diamond Head" von Manzanera, "Mainstream" von Quiet Sun, die erste Fripp & Eno-Platte und die beiden 801-Alben (die mir übrigens alle besser gefallen als die beiden Eno-LPs). Ich bin also eher einer, dem sich die Genialtät des Brian Eno nie so ganz erschlossen hat und bei dem dessen Popperlen, z.B. auf dem ansonsten hervorragenden Live-Album von 801, eher leichte Aversionen auslösen.

"Before and after science" ist eine abwechslungsreiche Scheibe irgendwo zwischen New Wave, Pop und Artrock, die gelegentlich recht interessant gemacht ist. Percy Jones am Bass ist zudem immer beeindruckend, und auch die Fitzelchen, die Manzanera und Frith an der Gitarre beisteuern, sind hörenswert. Trotzdem ist mir das Album alles in allem viel zu glatt, langweilig und kalt geraten ist. Vieles hier ist ausgesprochen zäh und langsam (z.B. fast die gesamte zweite LP-Seite) und lässt mir die Augen zufallen - angenehm zu hören ist das Ganze aber sicherlich und verströmt dabei eine ausgesprochene Atmosphäre der Ruhe (hier macht sich wohl die ländliche Abgeschiedenheit des Weserberglandes bemerkbar). Dazu kommt der emotionslos-eintönige Gesang, der immer gleich zu klingen scheint. Ist die Musik nicht monoton-einschläfernd, wird es poppig-melodieselig ("Backwater", "Here He Comes") oder punkig ("King's Lead Hat"). Den Punk finde ich ja noch ganz gut, und auch das seltsame "Kurt's rejoinder" und das einleitende "No one receiving" haben "etwas", letzteres vor allem eine sehr interessante Schlagzeug- und Perkussionbegleitung.

Ansonsten kann ich in "Before and after science" beim besten Willen kein Meisterwerk erkennen. Auch kann ich Hennings Lobeshymnen in Bezug auf die geniale Instrumentierung nicht so recht nachvollziehen. Das Album ist eine nette Popplatte, perfekt produziert und gekonnt musiziert, kommt mir aber um einiges zu steril und meistenteils zu unaufgeregt aus den Boxen. Eines der besten Alben aller Zeiten? Also da hätte ich wohl ein paar hundert andere weiter oben auf meiner Liste - z.B. all diejenigen, die ich auf diesen Seiten höher bewertet habe. Fazit: Ordentlich!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.4.2006
Letzte Änderung: 5.4.2006
Wertung: 8/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 4)


Die Höchstnote werde ich zwar auch nicht zücken, aber mit den 8 Punkten von Kollege Achim finde ich dieses Album dann doch wieder unterbewertet. Glatt, langweilig, zäh - das sind so ziemlich die letzten Vokabeln, die mir hier in den Sinn kommen. Eno bietet hier eine Art Werkschau, eine Übersicht seiner stilistischen Vielfalt, vom schrägen Art-Pop der beiden ersten Soloalben über den Minimalismus von Another Green World bis zu den Ambient-artigen, pastoralen Klangminiaturen, die in Zusammenarbeit mit Cluster entstanden. Insofern könnte man einwenden, dass Before And After Science wenig Neues bietet, es ist eher eine Art "Best of" mit lauter unveröffentlichten Stücken.

Enos Gesang als "emotionslos-eintönig" zu bezeichnen, ist nicht ganz verkehrt. Aber es ist eine Art von Emotionslosigkeit, die mit einer leicht ironischen Note daherkommt, mit einer Art britischem Understatement, ähnlich wie Richard Sinclair bei Caravan. Ich finde Enos Gesang jedenfalls sehr angenehm und habe es stets bedauert, dass er nach diesem Album nur noch selten als Sänger zu hören war!

Fazit: eine gelungene Übersicht über Eno stilistische Bandbreite!

Anspieltipp(s): Kurt's Rejoinder, Julie With
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.4.2006
Letzte Änderung: 12.7.2006
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Brian Eno

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Here Come The Warm Jets 11.50 2
1974 Taking Tiger Mountain (By Strategy) 10.00 2
1975 Discreet Music - 1
1975 Another Green World 11.00 1
1978 Ambient 1-Music for airports - 1
1978 Music For Films 13.00 1
1982 Ambient 4-On land - 1
1983 apollo: atmospheres and soundtracks - 1
1985 Thursday Afternoon - 1
1992 Nerve Net 13.00 1
1992 The Shutov Assembly - 2
1993 Neroli - 1
1997 The Drop 12.00 1
2005 Another Day On Earth 10.00 1
2010 Small Craft on a Milk Sea 11.00 1
2011 Drums Between the Bells 10.00 1
2011 Panic of Looking 10.00 1
2012 Lux - 1
2016 The Ship 11.00 1
2017 Reflection - 1

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