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Pink Floyd

Delicate Sound of Thunder

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1988
Besonderheiten/Stil: live; Melodic Rock / AOR
Label: EMI
Durchschnittswertung: 9.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

David Gilmour guitars, vocals
Nick Mason drums
Richard Wright keyboards, vocals

Gastmusiker

Jon Carin keyboards, vocals
Tim Renwick guitars,vocals
Guy Pratt bass, vocals
Gary Wallis percussion
Scott Page saxophones
Margret Taylor backing vocals
Rachel Fury backing vocals
Durga McBroom backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. Shine on you crazy diamond 11:54
2. Learning to fly 5:27
3. Yet another movie 6:21
4. Round and around 0:34
5. Sorrow 9:29
6. The dogs of war 7:19
7. On the turning away 7:57
Gesamtlaufzeit49:01
Disc 2
1. One of these days 6:17
2. Time 5:16
3. Wish you were here 4:49
4. Us and them 7:22
5. Money 9:52
6. Another brick in the wall Part II 5:29
7. Comfortably numb 8:57
8. Run like hell 7:12
Gesamtlaufzeit55:14


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


Meine Einstellung zu Pink Floyd war schon immer seltsam gestört, und dieses Livealbum zeigt mir genau, woran das liegt:

Ich kenne keine andere Band, die es geschafft hat, mit so wenigen Alben in dreißig Jahren einen solchen Weltruhm zu erlangen, und keine, die selbst angesichts der verhältnismäßig wenigen Veröffentlichungen ihr Live-Repertoire auf eine nochmals reduzierte Anzahl von Alben stützte – und die trotzdem immer in randvollen Sälen auftrat.

Wenn ich mir die Tracklist dieses Livealbums der späten 80er ansehe, ist mir ja klar, dass die Band wegen rechtlicher und persönlicher Differenzen nicht auf Waters-Material zurückgreifen konnte; man kann ja nichts Unmögliches verlangen. Aber hätte es denn nicht noch irgendwas Überraschendes geben können, neben dem damals neuen Album, das fast nur mit "Wall", "Wish you were here" und "Dark side" garniert wurde? Warum nicht mal was von der guten alten "Atom heart mother" oder etwas von der "Meddle" außer deren Opener? Und was ist mit Gilmours "Narrow way" von der "Ummagumma"? Gerade daraus hätte sich doch die eine oder andere Variation angeboten. An die Filmsoundtracks mag ich gar nicht erinnern – die wurden ja immer von der Band vernachlässigt. Und wenn ich dann bedenke, dass es aus der Frühphase der 70er kaum offiziell herausgegebene Liveaufnahmen gibt, obwohl sich jeder Fan danach verzehren musste (und das sicher bis heute noch tut), dann kann ich nur den Schluss ziehen, dass Gilmour & Co nichts Anders mehr gewollt haben als das ewig Gleiche, weil's am wenigstens Arbeit machte...

Ich spüre beim Hören die Ermüdungserscheinungen sogar schon im "Shine on"-Intro. Das liegt nicht nur daran, dass eine stark verkürzte Version daraus geboten wird (Live kann man eben nicht alles haben); es kommt hinzu, dass Gilmour sein berühmtes Gitarrensolo schon zu dieser Zeit hörbar leidenschaftslos spielt, wie eine Pflichtübung, die nun mal dazugehört: die Magie des "Wish you were here"-Albums erweist sich tatsächlich als unnachahmlich, selbst die ursprünglichen authentischen Musiker können sie nicht mehr einfangen. Es ist gar nicht so leicht, den Unterschied zum Original in Worten einzufangen: es sind die Geräusche und geringfügigen Sounddetails im Hintergrund (auf die es bei Pink Floyd schon immer ungemein ankam), die hier weder zu hören noch zu erahnen sind, obwohl der Sound technisch perfekt ist. Pink Floyd waren immer mehr als einfach nur Musik, das gewisse Feeling der Psychedelic-Ära spielte immer die Hauptrolle, aber diese Rolle ist schlichtweg nicht mehr besetzt. Zu hören sind nur noch Rock-Veteranen, die der Fan-Wille bis heute in den Olymp der Rockgeschichte hebt, denen aber genau das schon völlig reicht, die keine Leidenschaft mehr kennen, seit der Stress ihrer Nachlassverwaltung wohl den größten Teil ihrer Zeit in Anspruch nimmt.

Bezeichnenderweise wird nach diesem Opener denn auch vor allem mit Pomp geprahlt: es folgen die Songs des damals aktuellen Albums "A momentary lapse of reason", natürlich voll und satt dargeboten, aber schon der Anfang von "Learning to fly" präsentiert eine Effekthascherei, wo es keine Effekte mehr gibt, die aus der eigentlichen Musik erwachsen könnten, weil ein Song wie der andere klingt, bis schließlich in "The turning away" der Sound im Hefeteig-Kitsch ertränkt wird.

Die zweite CD begibt sich in einen eingeschränkten Teil der Band-Vergangenheit: es kommen die oben erwähnten Klassiker. "One of these days" gefällt mir hier sogar recht gut; der Live-Sound überzeugt vor allem durch die zweite, rockende Gitarre, von der Gilmours liegende Gitarre hübsch kantig ergänzt wird; das ist okay, unter anderem vielleicht auch deshalb, weil Gilmour sich jetzt richtig anstrengen muss. Aber schon danach häufen sich die Langweiligkeiten: "Time" und "Money" zeigen wieder einen eher lustlos rockenden Gilmour, der mangelnde Spielfreude durch technische Perfektion kompensiert. Besonders schlimm ist m.E. die Erweiterung im "Money"-Mittelteil: obwohl ich finde, dass solche Experimente in Konzerten dazugehören, überzeugt mich dieses nicht, weil es eben kein Experiment ist, sondern nur bis zur Verwesung einstudierte Kalkulation: Gitarre und Saxophon mögen sich ja ganz nett duellieren, aber wenn der gesamten Rhythm-Section nichts auch nur halbwegs Entsprechendes dazu einfällt, fällt die Heuchelei des Unternehmens allenfalls bei einmaligen Hören während des Konzerts nicht auf – aber auf CD verewigen sollte man das noch lange nicht.

Ich begreife auch nicht, wie man "Us and them" spielen und brav mit dem letzten Ton abschließen kann: jeder Fan weiß, dass hiernach "Any colour you like" folgt. Es muss ja nicht sein, dass die Band dann genau das spielt, aber der Schluss von "Us and them" lässt schließlich Raum für alles Mögliche, was da hätte folgen können – nur: IRGENDWAS hätte wirklich folgen sollen.

Wahrscheinlich ist es schon gar nicht mehr nötig, dass ich mich noch zum Schluss-Abräumer "Run like hell" äußere; ich fand den Song nur berauschend, als ich (mit 19 Jahren) zum ersten Mal "The wall" hörte, aber Live ist er für mich fast unerträglich geworden, einfach nur zerdehnter Krach ohne Substanz.

Was ich noch ganz gut finde (einerseits) ist die Version von "Another brick in the wall", die jetzt endlich mal im Gitarren-Schlussteil etwas länger ausgefallen ist. Aber soll ich Pink Floyd Anno '88 dafür wirklich loben? Schließlich (andererseits) ist es immer eine gewisse Frechheit gewesen, den Song in der Studioversion ausgerechnet an seiner interessantesten Stelle auszublenden.

Meine Empfehlung: man sollte sich lieber irgendeine Aufnahme von Grobschnitts "Solar Music" anhören...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.11.2003
Letzte Änderung: 27.3.2013
Wertung: 5/15

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Von: Wolfram Ehrhardt (Rezension 2 von 3)


Die Live-Aufnahmen der Reunion-Tour von Pink Floyd im Jahre 1988 waren hinsichtlich der Bandhistorie seit der Wall-Tour acht Jahre vorher doch etwas ziemlich Besonderes. Mit Abschluss zu den Aufnahmen des eigentlichen Roger Waters Solowerks The Final Cut im Jahre 1982 begann eine zwischenmenschliche und auch kreative Düsternis der Band. Nachdem absehbar wurde, dass das Riesenego eines Roger Waters nicht mehr mit den anderen Floyd-Mitgliedern unter einen Hut zu bekommen war, starteten die drei Restfloyds, ähnlich wie beim Ausschluss von Syd Barrett 1968, die Aufnahmen zu A Momentary Lapse of Reason einfach ohne ihren kreativen Despoten. Natürlich war durch den Ausfall von Waters eine Lücke hinsichtlich der früheren kompositorischen Tiefe und textlichen Versiertheit vorhanden, die beim Songschreiben von David Gilmour durch das Einbeziehen weiterer Komponisten (u.a. Bob Ezrin, Phil Manzanera, Anthony Moore) kompensiert werden sollte. Außerdem holte man einige renommierte Gastmusiker wie zum Beispiel Jim Keltner, Carmine Appice - Drums / Michael Landau - Guitar oder Scott Page, John Halliwell - Saxophone ins Studio, um der neuen Floyd-Musik den entsprechenden Schliff zu verpassen. Trotzdem konnten die neuen Kompositionen natürlich nicht an die außergewöhnliche Güte des Schaffens der Band in den 70er Jahren heranreichen. Allerdings weisen für meinen Geschmack Tracks wie "Signs Of Life", "Yet Another Movie", "The Dogs of War" und vor allem das gitarrenorgiastische "Sorrow" mehr ursprüngliche Floyd-Seele auf als vieles von The Wall oder das komplette The Final Cut Album.

Trotz harter juristischer Auseinandersetzungen hinsichtlich der Bandnamensrechte zwischen Waters und der Gilmour-Fraktion fand sich das Floyd-Triumvirat Gilmour/Wright/Mason nach siebenjähriger Liveabstinenz im Jahre 1987 mit einigen Gastmusikern zu ersten Proben zusammen. Man griff auf einen ähnlich komplexen Bühnenaufwand mit zusätzlichen Musikern, vergleichbar wie bei der Wall-Tour, zurück. Unter Zuhilfenahme modernster Computertechniken, besonderer Spezialeffekte sowie zukunftsweisender Lichtkunst wurde eine außergewöhnliche akustische sowie optische Inszenierung geboten. Auf Grund der Bühnengigantomanie mit Inszenierung der vielen visuellen Effekte war ein musikalisches Live-Konzept erforderlich, wodurch die Band eine gewisse Unnahbarkeit ausstrahlte. Allerdings täuscht man sich, wenn man den Musikern hierdurch emotionsarmes und gelangweiltes Musizieren unterstellt, da sie gerade bei dieser ersten Floyd-Tour ohne Roger Waters mit großer Freude und Leichtigkeit musizierten. Besonders einem David Gilmour hört man die Spielfreude an, und wer die Band damals live gesehen hat, wird sich wohl noch an die vielen glücklichen Musikergesichter erinnern können. Dies ist auch ohne weiteres auf dem Delicate Sound of Thunder (folgend immer DSOT genannt) Video oder der TV-Aufnahme von PINK FLOYD IN VENEDIG nachprüfbar. Und die Begeisterung des Publikums ist mir noch heute von meinen Konzertbesuch am 28. Juni 1988 in Dortmund in bester Erinnerung. Die enthusiastischen und lang anhaltenden "Standing Ovations" nach der regulären Konzertshow sowie nach den beiden Zugaben "Comfortably Numb" und "Run Like Hell" sind für mich bis heute von kaum einem Konzert wieder erreicht worden (außer der P.U.L.S.E.-Tour zum Beispiel). Und diese auch akustisch packende Vorstellung wurde auf dem Live-Mitschnitt von DSOT bestens eingefangen.

Die Aufnahmen dieser DoCD wurden aus fünf ausverkauften Konzerten im August 1988 im Nassau Colosium auf Long Island/New York zusammengestellt und anschließend in den legendären Abbey Road Studios gemixt. Der Veröffentlichungstermin war weltweit am 22. November 1988.

Schon der Beginn der ersten Scheibe verursacht bei mir immer wieder pure Gänsehautatmosphäre. Das stimmungsvolle Publikum, die glasklar klingenden und schwebenden Gitarren- und Keyboardtöne sowie die rauere und druckvollere Interpretation mit insgesamt elf Musikern (inklusive drei vorzüglicher Background-Sängerinnen) machen diese 12-minütige Aufführung von "Shine On You Crazy Diamond" zu etwas Außergewöhnlichem.

Auch die nachfolgenden sechs Stücke der damals aktuellen A Momentary Lapse of Reason CD bereiten mir, bis auf das Schmalzstück "On the Turning Away", durchgehend Freude. Für diese Stücke gilt, wie für eigentlich alle 15 Tracks von DSOT, dass sie mit mehr Pepp und Verve im Gegensatz zu der Studioscheibe gespielt werden. Und "Sorrow" in der Live-Version ist ein echter PF-Hammer. Dann heißt es bei mir: Lautstärkeregler hochdrehen und emotional abheben. Nach dem orgiastischen Saiteneinstieg spielt Meister Gilmour seine Gitarre im Stil von "Comfortably Numb", und das Gitarrensolo auf diesem Track gilt ja als eines DER wenn nicht sogar DAS Gitarrensolo in der Geschichte der Rockmusik.

CD 2 bietet dann für meinen Geschmack mit die besten zusammenhängenden 55 musikalischen PF-Minuten, die auf Tonträger gepresst wurden. Dass es allerdings das fantastische "The Great Gig In The Sky" nicht auf diese CD, sondern nur auf das Video zur Tour geschafft hat, ist eigentlich unverzeihlich. Immerhin hat man es bei der Liveperformance zur P.U.L.S.E.-Tour auf selbiger CD verewigt. Nichtsdestotrotz ist der Querschnitt an "Best-Of"-PF-Tracks im zweiten Teil der DSOT-Aufführung sehr gelungen und von seiner musikalischen Interpretation von hoher Güte. Da ich kein großer Fan der schrägen Psychedelic-Phase von Floyd bis zum Ende der 60iger Jahre war, vermisse ich auch keine Stücke von zum Beispiel Ummagumma oder A Saucerful Of Secrets.

Wie schon zum Start auf dem ersten Silberling werde ich zum Beginn der zweiten Runde ebenfalls akustisch gefangen genommen. Die eruptive Darbietung von "One Of These Days" bietet einen soundmäßig farbenfrohen und lautsprechertestenden "Blow Me Away" Einstieg. Hier gilt ebenfalls zur besonders tiefen Empfindung - Play it LOUD! Und wenn ich mir danach die Studioversion von 1971 anhöre, kommt mir die Originalversion irgendwie lau und fad vor.

"Time" erklingt in seinem luftigen "glockenhaften" Einstieg mit kernigem Bass einfach lebendiger als die Studioversion. Sowohl die gekonnten Wechselgesänge von Gilmour, Wright und den Background-Sängerinnen als auch die groovige Darbietung mit hartem Gitarrensound machen diese Version zu einer gelungenen Alternative zur Studiofassung.

"Wish you were here" zeichnet sich durch äußerst klar klingendes Gitarrenspiel, eine druckvolle Rhythmusbegleitung und seine emotionale Liveatmosphäre aus.

"Us and Them" klingt etwas stärker an der Studiofassung orientiert, fängt aber trotzdem eine stimmige Live-Atmosphäre ein, die durch ein ausgezeichnetes Saxophonspiel von Scott Page sowie den vorzüglichen Gesängen der Backgrounddamen geprägt ist.

"Money" kommt von Anfang an mit mehr Biss aus den Boxen und liefert uns im Mittelteil eine äußerst hörenswerte Instrumentalphase mit Reggae-Rhythmus und Improvisationscharakter. Diese Version bekommt bei mir von maximal 15 Punkten 16 Punkte.

Nahtlos geht es dann in das für mich etwas abgelutschte "Another Brick In The Wall, Part 2" über, das hier ebenfalls beschwingter dargeboten wird.

Mit den beiden Zugaben "Comfortably Numb" und "Run Like Hell" folgen zum Konzertende würdige Highlights, die ebenfalls die musikalischen Höhepunkte von The Wall darstellten. Hier geht es live einfach knackiger zur Sache, wobei Gilmours Solo auf "Comfortably Numb" in dieser Version ekstatischer und dreckiger klingt. Genial!

Auch wenn ich oftmals vernehme, dass die Live-Darbietung auf der P.U.L.S.E.-DoCD viele Musikinteressierte mehr begeistert, so mag ich die Versionen auf DSOT doch bevorzugen. Hier klingen Pink Floyd im Vergleich etwas ungehobelter, härter sowie spielfreudiger. Und das Soundmixing hat die Musik nicht so glatt gebügelt wie bei den Tracks von P.U.L.S.E..

Anspieltipp(s): Shine On You Crazy Diamond, Sorrow, CD 2
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.3.2011
Letzte Änderung: 27.3.2013
Wertung: 13/15

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Von: Günter Schote @ (Rezension 3 von 3)


Ende November 1988 veröffentlichte EMI zwei Live-Alben prominenter Bands: zum einen Marillions „The Thieving Magpie“, zum anderen Pink Floyds „Delicate Sound of Thunder“. Zur vorweihnachtlichen Promotion ließ man in urbanen Ballungsräumen Litfaßsäule um Litfaßsäule je zur Hälfte mit Pink Floyd, zur Hälfte mit Marillion zuplakatieren. Sah hübsch aus.

Heute, 29 Jahre später, wiederveröffentlichen PINK FLOYD RECORDS „Delicate Sound of Thunder“ als Doppel-LP und selbstverständlich tun sie dies mit Stil: Die optische Umsetzung ist wieder vorbildlich, der (Live-)Sound der zwei 180gr-Platten grundsätzlich gut, aber etwas zu steril.

Dafür, dass das seinerzeit aktuelle Album keinen künstlerischer Meilenstein und das dazugehörige Livealbum keinen Paukenschlag in der Bandgeschichte darstellte, kommt diese Wiederveröffentlichung nun ausgesprochen sympathisch und gut hörbar rüber. Die nachvollziehbare Songauswahl und deren selbstverständlich perfekte Darbietung halten dabei keine Überraschungen bereit. Aber „Überraschungen“ hatte Gilmour seinen Pink Floyd auch nicht auf die Fahne geschrieben. Trotzdem kann ich bis heute nicht nachvollziehen, was Gilmour eigentlich mit einem Album wie „A Momentary Lapse of Reason“ sagen wollte. Klar, es war der Ausruf, dass es Pink Floyd auch ohne Waters noch gibt. Aber die Floyd-Musik jener Zeit war weder auf Airplay schielender, radiofreundlicher Pop, es war nicht „typisch Floyd“ und schon gar nicht experimentell. Die Floyd-Musik dieser Phase war in der Summe recht belanglos.

Pink Floyd waren in den 80ern eben schon lange keine 4-Mann-Band mehr, die ihren Trip auf die Bühne brachte, sondern Gilmours Multi-Player-Wohlklang-Combo für die Arenen dieser Welt. Genau diesen „Combo-Sound“ dokumentiert dieses Album. Das zahlreiche Publikum ist dezent präsent, niemals nervend im Mix. Die Songs selbst sind auf den Punkt gespielt, bis in alle Ecken und Enden ist alles an seinem Platz. Das kann man langweilig und vorhersehbar finden. Oder auch professionell. Auffallend ist dabei, wie öde die „neuen“ Stücke großteils sind. Ob „Money“ nun wirklich besser als „Sorrow“ ist, sei mal dahingestellt. Aber es hat Charme. Leider fehlt ausgerechnet das seinerzeit ebenfalls gespielte „Welcome to the Machine“, dessen Re-Make namens „The Dogs of War“ ihm nicht das Wasser reichen kann.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, meine angestaubte CD-Version auszugraben und einzulegen, um dieses Album zu hören; die LP-Version jedoch rotiert nun seit Tagen munter auf meinem Plattenspieler. Round and Round. Eine gelunge Überraschung!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.12.2017
Letzte Änderung: 7.12.2017
Wertung: 10/15
10 Punkte für die Vinyl-Wiederveröffentlichung

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Pink Floyd

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1967 The Piper at the Gates of Dawn 9.50 5
1968 A Saucerful Of Secrets 10.00 6
1969 More 9.75 4
1969 Ummagumma 11.33 4
1970 Atom Heart Mother 11.33 4
1971 Meddle 12.00 3
1971 Relics 9.00 2
1972 Obscured By Clouds 9.67 4
1973 The Dark Side of the Moon 12.29 7
1974 Masters Of Rock - 1
1975 Wish You Were Here 11.00 8
1977 Animals 13.00 6
1979 The Wall 8.40 7
1980 Is there anybody out there? - The Wall live 1980/81 7.00 1
1981 A Collection Of Great Dance Songs 12.00 1
1983 The Final Cut 8.75 8
1987 A Momentary Lapse of Reason 6.75 4
1989 Delicate Sound of Thunder (Video) 4.00 1
1994 The Division Bell 5.40 5
1995 London '66-'67 - 1
1995 P.U.L.S.E. 9.00 3
2003 Live at Pompeii (DVD) 12.00 4
2003 The Pink Floyd & Syd Barrett Story (DVD) 7.00 1
2005 London 1966/1967 (DVD) - 1
2006 P.U.L.S.E. (DVD) 10.00 2
2011 Discovery - 1
2014 The Endless River 10.00 5

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