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Atmosphera

Lady Of Shalott

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2002 (Aufnahmen von 1975-87)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: MIO Records
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Efraim Barak Vocals, Guitar (CD1, tracks 1-3 CD2)
Motti Fonseka Guitars (CD1, tracks 1-3 CD2)
Alon Nadel Bass (CD1, tracks 1-3 CD2)
Yuval Rivlin Keyboards (CD1, tracks 1-4 CD2)
Ami Lipner (alias Me El-Ma) Drums (CD1, tracks 1-4 CD2), all instruments (tracks 5-7 CD2)
Yaron Bloch Vocals (track 4 CD2)
Ze'ev Weinstock Bass (track 4 CD2)
Ovadiya Ahorony Vocals (Tracks 3, 4 CD1)
Tsoof Philosof Bass (Tracks 3, 4 CD1)
Yanon Bloch Vocals (Track 5 CD2)

Tracklist

Disc 1
1. Lady of Shalott 16:25
2. Cuckoo (Love's Labour's Lost) 16:48
3. Tomorrow   (Demo 1975) 10:48
4. Love is Waiting for a Lover   (Demo 1975) 7:59
5. Cuckoo   (Alternate Version 2002) 16:24
Gesamtlaufzeit68:24
Disc 2
1. Announcement   (Live) 0:36
2. Tomorrow   (Live) 11:00
3. Lady Of Shalott   (Live) 12:41
4. Catharsis   (Isotopy) 7:46
5. Nightmare   (Me El-Ma 1984) 6:31
6. Toridtagitar   (Me El-Ma 1984) 5:22
7. The Children Dance   (Me El-Ma 1987) 8:59
Gesamtlaufzeit52:55


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 3)


Schon nach nur wenigen Takten von "Lady Of Shalott" von Atmosphera wird dem erfahrene Proghörer klar werden, von welcher bekannten britischen Prog-Band die Israelis stark beeinflußt waren: Yes. Gerade was die Bass- und Gitarrenarbeit anbelangt, sind die Ähnlichkeiten mit der Spielweise von Howe und Squire nicht von der Hand zu weisen. Efraim Baraks Organ ist zudem dem von Anderson nicht all zu unähnlich, wenn auch nicht ganz so markant und schneidend (böse Zungen könnten seinen Gesangststil allerdings auch als schwachbrüstig, gepresst und ein wenig weinerlich bezeichnen). Ein Yes-Klon also? Nun, wie bei den amerikanischen Bands Cathedral, Lift, Mirthrandir, Starcastle und Yezda Urfa kommt es wohl auf die persönliche Einschätzung und das "Urheberrechtsempfinden" des Hörers an, ob er diese Musik nun als geklaut, inspiriert oder nur leicht von der Ursprungsband beeinflußt ansieht. So weit wie Starcastle gehen Atmosphera sicher nicht. Somit könnte man sie als Yes-inspiriert, aber mit deutlich eigenem Charakter bezeichen. Atmosphera sind etwas hardrocklastiger, nicht so verspielt-verfrickelt wie Yes in ihrer Hochzeit, und ihre Musik ist daher alles in allem etwas einfacher gestrickt. Trotzdem bietet "The Lady Of Shalott" immer noch recht komplexen, hochklassigen symphonischen 7ziger-Jahre-Prog, der sich im Vergleich zu den damaligen Großen des Genres nicht zu verstecken braucht (insbesondere wenn man die Entstehungszeit 1976-78 in Betracht zieht).

"Lady Of Shalott" und "Cuckoo" sollten ursprünglich die beiden Seiten der geplanten Debüt-LP von Atmosphera werden. Beide Stücke haben exzellenten Klang und auch "Cuckoo" merkt man nicht an, daß es eigentlich nicht fertig abgemischt worden ist. Die nächsten zwei Tracks haben eine deutlich schlechtere Klangqualität. Es handelt sich hier um Demoaufnahmen aus dem Jahre 1975, in etwas anderer Besetzung. Hier klingt die Band deutlich hardrockiger, die Arrangements sind schlichter und der Yes-Einfluß ist weitestgehend verschwunden (auch wegen des anderen Sängers). Sehr interessant ist dann die Alternativversion von "Cuckoo", wieder mit sehr gutem Klang, die durch verstärkten Einsatz von Piano und vor allem einem Mellotron glänzt. Diese Version, die erst 2002 im Rahmen der CD-Produktion abgemischt worden ist, gefällt mir eigentlich fast besser als das "Original".

Die zweite CD bietet dann Live-Versionen von "Tomorrow" und "Lady Of Shalott". Das lehnt sich klanglich an die Demoversionen von CD 1 an, zeigt aber auch, daß Atmosphera eine durchaus beeindruckende Live-Band gewesen sein müssen. Wer einen VCD-Player oder entsprechende Software besitzt, kann sich noch einen Fernsehauftritt der Band von 1977 zu Gemüte führen (eine kürzere Version von "Lady Of Shalott"), der als VCD-Track auf CD 2 zu finden ist (es ist der erste vom CD-Player angezeigte Track! Die Musik auf der CD beginnt mit Track 2!).

Dann gibt es noch vier Stücke, die nicht von Atmosphera stammen. "Catharsis" ist die einzige akustische Hinterlassenschaft von Isotopy, einer kurzlebigen Band, der der Atmosphera-Keyboarder Rivlin anfang der 80er angehört hat. An der Aufnahme war auch Lipner am Schlagzeug beteiligt. Ein recht eigenartiges Stück, das eher an RIO-Bands wie Art Bears oder Univers Zero erinnert, mit dominantem Piano und recht schrägem, expressivem Gesang. Ja, und dann kommen meine drei Lieblingsstücke auf dieser CD. Ami "Me El-Ma" Lipner betätigt sich seit Anfang der 80er als Multiinstrumentalist, der im eigenen Studio seine Klangideen verwirklicht. Die drei hier gebotenen Tracks sind recht düster-bedrohliche Soundorgien, angefüllt mit Klängen diversester Instrumente, Tonbandeinspielungen, bizarren Geräusche, seltsamen Rhythmen und rauhem Gesang à la Thierry Zaboïtzeff. An das Solo-Schaffen des Letzteren und an die frühen Einspielungen von László Hortobágyi erinnert diese Musik. Beeindruckend! Von Me El-Ma würde ich gerne mehr hören!

"Lady Of Shalott" ist wohl vor allem Freunden des klassischen Yes-Sounds (1972-74) zu empfehlen, insbesondere solchen, die auch die oben erwähnten US-amerikanischen Bands, vor allem Cathedral, Lift und Mirthrandir schätzen. Als Zubrot gibt dann noch ein paar abenteuerlichere Schmankerl!

Anspieltipp(s): Cukoo
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 14.2.2004
Letzte Änderung: 26.6.2008
Wertung: 11/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 2 von 3)


In der ausführlichen Biographie der CD-Veröffentlichung wird erwähnt, dass der kurzzeitige Höhenflug des Progressive Rocks in Israel erst mit einer zeitlichen Verzögerung Einzug hielt. Erst ab Mitte der 70er Jahre bildete sich dort eine kleine Szene, deren bedeutendste Vertreter die Jungs von Zingale waren. Selbst diesem Aushängeschild war lediglich die Veröffentlichung eines Albums vergönnt. Die Musiker von Atmosphera waren noch um einige Jahre jünger und hatten längst noch nicht die 20 überschritten, was ihren musikalischen Fähigkeiten aber keinen Abbruch tat.

Voller Enthusiasmus hatten sich die Teenager aus dem Heiligen Land dem symphonischen Progressive Rock im Fahrwasser von Yes verschrieben. Mit dem Sänger der bereits erwähnten Formation Zingale konnten sie einen Frontmann gewinnen, dessen kristallklare Gesangeskunst frappierend an Jon Anderson erinnert.

In samtweicher Manier veredelt sein hohes Organ den fein gesponnenen Symphonic Rock, wobei es natürlich mal wieder im eigenen Ermessen liegt, ob hier nun ein reiner Klon vorliegt. Auch wenn sich die beiden Herzstücke "Lady Of  Shalott" und "Cuckoo" voll und ganz in yessigen Gefilden bewegen, entwickelt der pompöse Artrock in den sorgsam eingebetteten Instrumentalpassagen ein schöngeistiges Eigenleben.

Die jungen Israelis verstanden es, in symphonisch-romantischen Klangbildern selbstbewusst in die Fußstapfen des britischen Vorbildes zu treten. Üppige Synthieflächen, flirrende Gitarreneinsätze und ein schmetternder Bass tragen zu einem detailverliebten Wohlklang bei.

Die beiden anderen Aufnahmen "Tomorrow" und "Love Is Waiting For A Lover" fallen demgegenüber aber qualitativ doch reichlich ab und präsentieren die Band in einem noch ungeschliffenen Stadium. Das klingt dann doch recht holprig, wobei als Entschuldigung vorzutragen wäre, dass es sich hier um amateurhafte Demoaufnahmen handelt. Zum Abschluss der ersten CD wird der Titel "Cuckoo" noch einmal im nachträglich versehenen Mellotronkleid dargeboten. Diese im Jahr 2002 noch nachträglich eingestreuten Mellotronhäubchen sind zwar ganz nett, können aber letztendlich nur als nachträgliches Gimmick betrachtet werden.

Anspieltipp(s): Lady Of Shalott
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 23.10.2004
Letzte Änderung: 23.10.2004
Wertung: 10/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 3 von 3)


Ein häufiger Vorwurf gegen den klassischen Prog lautet, er sei nie über die ästhetischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts hinausgelangt. Für meine nächste Reise in die Vergangenheit habe ich mir daher vorgenommen, die Zeitgenossen von Franz Schubert oder Modest Mussorgsky mit dem "Sound Chaser" von Yes in Begeisterung zu versetzen. Ich denke, der Erfolg ist vorprogrammiert, ansonsten beschwere ich mich bei Chris Cutler, der zu den Autoren gehört, die obige These für eine letztschlüssige Weisheit zu halten scheinen und Rückgriffe auf die Vergangenheit offenbar nur insoweit akzeptieren, als ihnen diese Vergangenheit in den Kram passt – vgl. hier.

Die LP "Lady of Shalott" ist ein ganz schwerer Fall von 19. Jahrhundert, denn der Titeltrack bietet eine Vertonung der ersten vier Strophen der 1832 erstmals veröffentlichten Ballade "The Lady of Shalott" von Alfred Lord Tennyson. Tennyson seinerseits griff bei diesem Gedicht über die teppichwebende Lady, die sich in den Ritter Lanzelot verliebt und zum Opfer eines Fluchs wird, auf den mittelalterlichen Artusroman zurück, was bestimmt aus irgendeinem hochfortschrittlichen Grund gar nicht hätte sein dürfen. Und damit nicht genug: Das zweite Stück auf der Platte adaptiert einen Liedtext aus Shakespeares Verlorener Liebesmüh (Love´s Labour´s Lost) – also Worte aus dem 16. Jahrhundert.

Durch ein LP-Cover im Mittelalterdesign – das nicht mit dem oben abgebildeten Cover der CD-Ausgabe identisch ist – wurde dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt: 2015 kam die Platte nur mit den beiden Longtracks noch einmal als black oder sogar coloured vinyl (knallgelb) heraus. Und jetzt war zusätzlich auch noch eine Reproduktion des Gemäldes The Lady of Shalott von John William Waterhouse mit an Bord, das die Engländer aus rätselhaften Gründen in der Londoner Tate Gallery aufbewahren, obwohl es aus dem Jahr 1888 stammt, das sich ja nie ganz aus dem 19. Jahrhundert lösen konnte.

Nimmt man abschließend noch hinzu, dass Atmosphera in sehr arger Manier Klang und Stil von Yes kopieren, muss das Todesurteil eigentlich feststehen. Doch die beiden Longtracks, die den Kern des Ganzen bilden, sind von erstaunlicher Qualität. Die melodische Umsetzung des Tennyson-Textes ist interessant, da die Gruppe nicht irgendeine Tonfolge schrieb, sondern sich auf den Jon-Anderson-Stil verpflichtet hatte. Doch auch wenn die Stimme den Yes-Effekt oberflächlich am stärksten transportiert – die wahre Qualität der Atmosphera-Musik liegt in einer wirklich sehr soliden Instrumentalarbeit.

Natürlich verdienen Nachahmerwerke keine Höchstwertungen. Aber ein, zwei Ohren darf man ihnen schon leihen, wenn sie so hübsch klingen wie hier. Zum Reinhören empfohlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.5.2017
Letzte Änderung: 7.5.2017
Wertung: 10/15

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