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Keith Emerson

Nighthawks

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label:
Durchschnittswertung: 8/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson keyboards,vocals on I'm A Man
Kendall Stubbs bass
Neil Symonette drums
Frank Scully percussion
Jerome Richardson saxes
Greg Bowen lead trumpet
Tristen Fry orchestral percussion
L'Orchestre de L'Opera de Paris

Gastmusiker

Paulette McWilliams vocals on Nighthawking

Tracklist

Disc 1
1. Nighthawks-Main Title Theme   (Emerson) 2.25
2. Mean Stalkin'   (Emerson) 2.22
3. The Bust   (Emerson) 2.07
4. Nighthawking   (Emerson/Mueller) 6.18
5. The Chase   (Emerson) 6.04
6. I'm A Man   (Winwood/Miller) 4.19
7. The Chopper   (Emerson) 3.03
8. Tramway   (Emerson) 3.24
9. I'm Comin' In   (Emerson) 3.04
10. Face to Face   (Emerson) 2.51
11. The Flight of A Hawk   (Emerson) 3.09
Gesamtlaufzeit39:06


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Wenn ich nicht bereits im voraus wüßte, dass diese Filmmusik von Keith Emerson komponiert und mit Hilfe eines Orchesters sowie einer Rhythmustruppe aufgenommen wurde, wären mir spätestens auf "The Chopper" die aus der Spätzeit von ELP bekannten Yamaha-Keyboardklänge höchstwahrscheinlich sehr bekannt vorgekommen.

"Nighthawks" (zu Deutsch: "Nachtfalken"), der Soundtrack zu einem Horrorfilm mit Silvester Stallone, kommt dem Drehbuch enstsprechend oft dramatisch und dunkel rüber. Das düstere "Tramway", worauf Emerson zum ersten Mal den Fairlight Music Computer verwendete, ist das beste Beispiel dafür. Und ansonsten entdeckt man die vielen, über dieses Album verstreuten charakteristischen Keyboardeinwürfe von Keith Emerson, auch wenn kompositorisch nicht immer Hochwertiges geboten wird. Leider haben sich einige Hollywood-Filmmusik-Klischees eingeschlichen, womit ich vor allem die aufdringlich wirkenden Congas, sowie die manchmal auftretenden musikalischen Belanglosigkeiten meine, die mehr dem Filmgeschehen, als der Qualität zuträglich sind. Der einzige ernsthafte Ausfall ist mit dem völlig aus dem Rahmen fallenden Discosong "Nighthawking" zu vermelden. Der Rest kann sich trotz der auf mich manchmal stümperhaft wirkenden Arrangements aus proggiger Sicht hören lassen, besonders wenn man nichts gegen bombastische, abwechslungsreiche Musik einzuwenden hat, die bisweilen an andere orchestrale Werke von Emerson, oder ELP erinnert. Eine Besonderheit bleiben noch die bescheidenen Gesangparts von Altmeister Emerson, die er auf "I'm a man" abliefert, einem durch die Band Chicago bekannt gewordenen Steve Winwood-Song. Das abschließende "The flight of the hawk" ist ausnahmsweise eher romantisch geraten.

Insgesamt ist "Nighthawks" eine vor allem für ELP-Fans interessante, teilweise auch sehr gewöhnungsbedürftige Platte geworden. Wer für orchestrale, in diesem Fall nicht immer geschmacksichere Musik von Keith Emerson etwas übrig hat, wird von dem Album nicht völlig enttäuscht sein.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2004
Letzte Änderung: 19.4.2004
Wertung: 6/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Der Actionkrimi “Nighthawks” (zu deutsch „Nachtfalken“) hätte dem Filmmusik-Komponisten Keith Emerson eigentlich zu seinem Durchbruch verhelfen sollen: Sylvester Stallone spielte die Hauptrolle, daneben waren Billy Dee Williams und Rutger Hauer zu sehen. Unter den fünf Filmen, die Emerson Anfang der Achtziger scorte, ist „Nighthawks“ der einzige ernstzunehmende und bedeutete eine echte Chance für den durch die anbrechenden Achtziger ansonsten ziemlich ignorierten Musiker.

„Nighthawks“ ist der Versuch Emersons, seinen persönlichen Kompositionsstil mit einer bestimmten, damals aktuellen Art von Filmmusik zu fusionieren: Einer sehr amerikanisch-urban wirkenden Mischung aus jazzigem Funk und Latin-Elementen, wie sie damals immer ertönte, wenn Afroamerikaner mit riesigen Rauschefrisuren und brauen Lederjacken aus graubraunen Fords sprangen um zwielichtigen Gestalten in eine enge Backsteingasse zu folgen - und wie sie z. B. auch Stallones ersten Rocky-Film prägt. Dabei stehen die Bläser für die Großstadt, die Percussion repräsentiert die Aufregung der Action-Szenen, die Streicher übernehmen, was sonst, die Emotionen – und die Mischung selbst verkörpert das Melting-Pot-Amerikanische an dieser Art Musik.

Bereits das Main Title Theme ist das perfekte Beispiel dafür, wie gut diese an sich doch recht unwahrscheinliche Mischung aus amerikanisch-urbanem Funk und englischem Prog funktionieren kann: Nach einem Einstieg im Stile von ELPs „Pirates“ ertönt ein fetter Staccato-Bläsersatz über einem lässigen Latin-Groove, der mit einer typisch Emersonschen Moog-Akkordfolge kombiniert wird. Eine kurze Passage bringt mondäne Streicher ins Spiel, schnell aber leitet eine Bridge wieder zu der bläserdominierten Passage über. Unglaublich – aber diese Mischung aus „Pirates“ und der Musik zu „Die Straßen von San Francisco“ funktioniert.

Mit “Mean Stalkin'” setzt sich das auch gleich fort: Emerson beginnt mit einem bei Ginastera abgelauschten sehr dissonanten Part, um dann nach der Hälfte nahtlos an den Stil des vorausgehenden „Nighthawks“ anzuschließen. Wie auch dort, sorgen schräge Jazzakkorde dafür, dass sich die Spannung in der Musik nie auflöst, außerdem ist die Percussion hier noch agiler, funkiger, was dem Stück deutlich Drive verleiht.

Ganz ähnlich geht es mit “The Bust“ weiter. Emerson greift hier ein Fanfarenmotiv aus dem Main Title Theme auf und verlangsamt es. Im zweiten Teil trägt Jerome Richardson ein jazziges Saxophonsolo bei, bis die Musik mit einem kräftigen Beat ihrem Höhe- und Endpunkt zusteuert. Nicht das beste Stück bisher, aber eine schöne Überleitung zu dem balladenhaften Einstieg in „Nighthawking“. Der erste Song des Soundtracks ist allerdings leider ziemlich dämlicher Latinpop zu einem Discogroove von der Stange. Zwar ist ein tolles Klaviersolo zu hören, das kann den Song aber auch nicht mehr retten. Nicht vor sich selbst, aber auch nicht vor Paulette Williams, die ihn mit ihrer dünnen Stimme ziemlich käsig vorträgt. Allerdings ist auch die Instrumentalversion, die auf "Honky" unter dem Titel "Chickcharnie" zu hören ist, kein bisschen besser. Skiptipp.

“The Chase” ist zwar nach einer Verfolgungsjagd benannt, klingt aber eher nach einer Montage verschiedener Motive, die auch in anderen Stücken des Soundtracks anklingen. Mal erzeugen Bongos und Congas einen typischen Frühachtziger-Groove, mal treibt ein straighter 4/4-Takt das Stück voran. Dann wieder gibt es unheimliche, dissonante Klänge aus dem Keyboard oder eben Schnipsel aus anderen Stücken. Während „The Chase“ Musik enthält, die an sich nicht uninteressant ist, hat man doch allzu sehr den Eindruck einer Montage von wenig Zusammenhängendem, was es schwierig macht, dem Stück über die volle Länge hinweg konzentriert zu folgen. Man muss wohl den Film sehen, um nachzuvollziehen, was die Musik hier im Sinn hat.

“I'm A Man” ist die Coverversion eines Songs der Spencer Davis Group, die Emerson-Fans unbedingt kennen müssen. Warum? Nun, Emerson spielt hier zwar nicht gerade seine besten Keyboards - aber er singt. Mhm. Schlecht, zugegeben, aber eben auch das einzige Mal in seiner Karriere.

“The Chopper” ist dann der erste Track, der stilrein an die guten alten, klassischen ELP-Zeiten erinnert. Hier gibt es den original „Pirates“-Sound, komplett mit einer Orchestrierung vom ELP-Veteranen Godfrey Salmon, dazu einen Wechsel von geraden und 5/4-Takten, Emersons charakteristische Quartenharmonik – erst gegen Ende schleichen sich wieder Elemente aus der Actionfilmmusik jener Zeit ein. Ein Höhepunkt von “Nighthawks“.

Es folgen einige Übergangskompositionen, die Schwierigkeiten haben, für sich alleine zu stehen. “Tramway” beginnt mit einigen sehr rhythmischen Streicherfiguren, diesmal von echten Streichern und arrangiert von Godfrey Salmon. Gegen Ende sind einige vorsichtige Keyboardfanfaren zu hören – nichts herausragendes insgesamt, aber eine gelungene Überleitung zu“I'm Comin' In”, das wieder in die Kerbe der Eröffnungsstücke schlägt: Ein funkiger Groove leitet über zu einer Episode mit unheimlichen Sounds von Emersons Keyboards. Gegen Ende erscheint der Groove wieder und ein Keyboard-Motiv ein dem Main Title Theme schließt das Stück ab. “Face to Face” erinnert dann ein wenig an “Inferno”: Dissonante Keyboardgeigen und synthetische Pauken erzeugen eine unheimliche Spannung, dann startet ein langsamer Groove, zu dem eiskalte Keyboardklänge nahe an der Atonalität ertönen. Leider ist das Stück zu schnell vorbei, um sich entwickeln zu können und eine dauerhafte Atmosphäre zu erzeugen.

“The Flight of A Hawk” ist deutlich eigenständiger. Es greift nach einer stillen sentimentalen Einleitung das Hauptthema des Main Title Themes wieder auf. Das Stück ist das letzte Beispiel für Keith Emersons Meisterschaft darin, die Filmmusik jener Zeit mit seinem eigenen unverwechselbaren Stil zu einer Einheit zu verschmelzen. Ein würdiges Ende für ein gelungenes Album.

Ich weiß, „Nighthawks“ gilt allgemein nicht als Emersons bester Soundtrack und ich bin mir bewusst, mit meiner Einschätzung recht allein auf weiter Flur zu stehen - aber ich finde, dass ihm hier genau das gelingt, was auf Alben wie „Murderock“ oder „Harmagedon“ in die Hose ging: Die Verschmelzung zweier an sich inkompatibler Stile. In den siebziger Jahren bewunderte man Keith Emerson dafür, dass er Jazz und Klassik in den Rock integrierte, aber im Grunde muss man seine Entwicklung ab „Works Volume 1“ viel höher einschätzen. Denn die Integration von Jazz und Klassik konnte Emerson immerhin über Jahre hinweg perfektionieren: zunächst mit The Nice, dann über fünf Alben hinweg mit ELP. Aber die Entwicklung, die er als Komponist von 1977 bis, sagen wir, 1983/84 macht, ist in meinen Augen weitaus beeindruckender: Emerson erweitert seine Fähigkeiten so weit, dass es scheinbar überhaupt keine Musik gibt, und sei sie noch so banal, die er sich nicht innerhalb kürzester Zeit aneignen und mit seinem ganz individuellen Stil zu einer interessanten und spannenden Mischung verschmelzen könnte. Im Grunde ist es ein Jammer, dass es ihm durch den ausbleibenden Erfolg der Filme, die er scorte und die andauernden Wiedervereinigungsversuche einer Band, die, seien wir ehrlich, schon 1977 flach auf dem Boden lag, nicht vergönnt war, diese Fähigkeit vollständig auszuloten. Was der Mann in dieser Hinsicht konnte, ist hier, auf dem „Nighthawks“-Soundtrack, in Perfektion zu hören.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.7.2012
Letzte Änderung: 20.7.2012
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Keith Emerson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Inferno 13.00 2
1981 Honky 3.50 2
1983 Harmagedon 5.00 2
1984 Murderock 3.00 2
1985 Best Revenge 8.00 2
1988 The Christmas Album 6.00 2
1989 La Chiesa 9.00 1
1995 Changing States 9.00 3
2002 Iron Man Vol.1 11.50 2
2002 Emerson plays Emerson - 2
2004 Godzilla - Final wars (Soundtrack) 4.00 1
2005 At The Movies 9.50 2
2005 Hammer it out - The Anthology - 1
2006 Off the Shelf 4.00 1
2008 Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla 10.33 3
2009 Boys Club - Live From California 12.00 2
2010 Moscow 11.00 1
2012 Three Fates 6.00 1

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