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Spastic Ink

Ink Complete

(Archiv-Tipp 10/2016)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1997 (CD-Ausgabe von 2000)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Mathrock; Progmetal
Label: EclecticElectric
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Ron Jarzombek guitars
Pete Perez bass
Bobby Jarzombek drums

Tracklist

Disc 1
1. The Mad Data Race 5:15
2. A Morning With Squeakie 3:24
3. Just A Little Dirty 1:43
4. See, And It's Sharp! 4:31
5. Suspended On All Fours 2:04
6. A Wild Hare 8:15
7. Harm And Half-Time Baking Shuffle 2:46
8. To Counter And Groove In E Minor 4:04
9. That 178 Thing 4:27
10. Eighths Is Enough 4:00
11. Mosquito Brain Surgery 8:11
Gesamtlaufzeit48:40


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Die Arbeiten an der ersten Spastic Ink-CD begannen 1994. Anfangs fand man keine Plattenfirma, so dass die CD erst 1997 rauskommen konnte. Die zunächst rare CD ist inzwischen zweimal neu aufgelegt worden, zuletzt 2002 mit Bonustracks.

Und was für eine CD das geworden ist! "Ink Complete" verweist die gesamte Frickelfraktion der Progmetal-Konkurrenz auf die Plätze. Während beispielsweise Dream Theater auf ihre fingebrecherischen Passagen immer wieder recht konventionelle Melodien folgen lassen, wird auf "Ink Complete" fast 50 Minuten lang kaum locker gelassen und das auf höchstem Niveau und ohne Durchhänger. "Watchtower" boten bestenfalls nur ein Vorgeschmack dessen, was hier in ausgereifter Form vorgelegt wird.

Bereits das eröffnende "The mad data race" offenbart bisher (zumindest von mir) ungehörtes, atemberaubendes Zusammenspiel von Gitarre, Schlagzeug und Bass. Da wären z.B. die Unisonoparts für Gitarre und Hi-hat-Becken oder die in "A morning with Squeakie" zu hörenden Dialoge zwischen Bassdrum und Gitarre (mit passender Begleitung seitens Bassgitarre): Alles schier eine Offenbarung für Freunde extremer Frickelkunst.

Der Ausgangspunkt zweier Stücke ist ebenso einfach wie genial und gleichzeitig wohl nicht ganz untypisch für nordamerikanische Künstler: "A wild hare" und "A morning with squeakie" sind schlicht und ergreifend Soundtracks für imaginäre oder echte Comicfiguren. Und so wurde im Fall von "A wild hare" ein im Jahre 1942 für mehrere Instrumente geschriebener Comic-Soundtrack für Bass, Schlagzeug und Gitarre transkribiert. So eine amerikanische Comic-Figur ist bekanntlich meistens hyperaktiv und heckt alle paar Sekunden etwas Neues aus. Auch die Dialoge und alle vorgefundenen Zeichentrickfilm-Geräusche hat man angeblich in die hier zu findende Trio-Interpretation mit einfließen lassen. Das sagt schon ziemlich alles über die so entstandene Musik aus. Ähnlich kopflastige aber letzten Endes effektive Vorgehensweise hat man laut CD-Heft für alle Stücke des Albums angewendet, auch wenn "A wild hare" hier die einzige Fremdkomposition bleibt.

Eine derart fortgeschrittene Komplexität und Virtuosität in den durchkomponierten Stücken mag dem seligen Frank Zappa vorgeschwebt haben, als er seine hörspielartigen Nummern konzipierte oder Monate an seinem Synclavier verbrachte.

Um dennoch etwas zusätzliche Abwechslung aufkommen zu lassen, übte sich Ron Jarzombek ab und zu in Selbstbeschränkung. So wurden für den Anfang von "See, and it's sharp" nur zwei Noten verwendet. Der Titel "Eighths is enough" ist - ebenso auf Noten bezogen - durchaus programmatisch zu verstehen.

Mit "Ink complete", einer instrumentalen Mathrock-Progmetal-Powertrio-CD mit seltenen Fusion- und (in einem Stück) Klassik-Einsprengseln, ist Ron Jarzombek ein Meisterstreich gelungen, der für meine Begriffe kaum zu übertreffen sein wird.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.1.2005
Letzte Änderung: 11.1.2005
Wertung: 13/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 2)


Ink Complete von Spastic Ink gibt dem Mathrock in seiner vollendeten Form einen Namen. Ron Jarzombek, der mit Control And Resistance das wohl wichtigste Progmetal-Album der 80er Jahre wesentlich mitgeprägt hat, spielte hier mit seinem schlagzeugenden Bruder Bobby und dem Bassisten Pete Perez eine faszinierende Platte abseits der "normalen" Hörgewohnheiten ein. In etwas mehr als 70 Minuten (auf meiner CD-Version von Eclectic Electric ist noch ein knapp 25-minütiger mehrteiliger hidden-track drauf, welcher die vorherigen Titel des Albums und einige weitere Ideen in Rohform und recht guter Demoqualität enthält) wird der Hörer hier auf eine Achterbahn-, ach was Gigacoasterfahrt, mitgenommen, die ihn vom ersten Moment an die Fliehkräfte spüren lässt.

Beschleunigung, Dezeleration, Holpern und Stolpern. Plötzliche Stops aus heiterem Himmel, unvermittelte Hochgeschwindigkeitsparts, Gitarrenlinien, die mit Bassläufen um die Wette jagen, um wenig später in perfektem Unisono zusammen mit der Bassdrum gemeinsam die Trommelfelle zu massieren. Und das Zwerchfell, die Magengrube. Die einem abwechselnd die Nackenhaare sträuben und eine Gänsehaut verpassen oder einen wohligen Schauer den Rücken runterlaufen lassen. Selten habe ich Musik physisch so extrem wahrgenommen wie hier. Sie wird einem gewissermassen mit der spastischen Tinte in die Haut geritzt.

Hohe Präzision und absolutes Können an den Instrumenten, perfektes Timing, ein überragendes Verständnis für Metrik und Rhythmus, dazu eine überdurchschnittliche kompositorische Kompetenz, kurz: Ink Complete ist ein herausragendes Album.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.10.2016
Letzte Änderung: 9.10.2016
Wertung: 13/15

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