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Keith Emerson

Iron Man Vol.1

(Siehe auch: Leitfaden "Prog und Film")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2002 (Soundtrack von 1994)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Moderne Klassik; sonstiges
Label:
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson Fairlight CMI,keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Iron Main-Main Title Theme 1.06
2. And the sea shall give up it's dead 18.58
3. I am ultimo,thy deliverer 16.15
4. Data in chaos out 17.00
5. Silence my companion,death my destination 19.19
6. Iron man-Theme Alternate 1.01
Gesamtlaufzeit73:39


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Bei "Iron Man" handelt es sich um eine Comicserie, die auch zu einer TV-Serie umgearbeitet wurde. Keith Emerson wollte mit seiner Arbeit zu diesem Soundtrack vor allem die jüngsten Zuschauer und Hörer ansprechen, um diese für anspruchsvolle Musik zu begeistern.

Leider hat es den Marketingfragen in eigener Sache abgeneigte Keith Emerson versäumt, die tatsächlich anspruchsvolle und hochinteressante Musik zu "Iron Man" vernünftig zu vermarkten. Meines Wissens konnte man "Iron man" nur über Keith Emersons Website als in der Auflage von 1000 Stück veröffentlichte CD-R erwerben.

Inwieweit Emersons Anliegen Jugendliche und Kinder für anspruchsvolle Musik durch einen Zeichentrickfilm-Soundtrack zu begeistern von Erfolg gekrönt war ist mir nicht bekannt. Ich schätze aber, viele, vor allem aber solche an elektronisch-neoklassischer Instrumentalmusik interessierte Proghörer würden bei dieser Musik hellhörig werden, vor allem wenn sie als Untermalung einer Zeichentrickserie im Fernsehen laufen würde.

Der vorliegende über siebzigminütige erste Teil beinhaltet Ausschnitte aus mehreren Stunden Musik. Das ist eine oft sehr stolz und bombastisch wirkende Musik, wie man es von diesem Herrn erwarten konnte. Die avantgardistische Färbung vom Emerson'schen Bombast hätte man aber nicht unbedingt erwarten können. Die CD bietet nämlich sehr oft düstere, symphonisch-dissonante elektronische Musik, die von der Stimmung her mit einigen Werken von Art Zoyd vergleichbar ist. Aber das ist nur eine Facette dieser abwechslungsreichen und kaum vorhersehbaren Musik, die voller überraschender Wendungen steckt. (Ein Zitat aus ELP's "Tank" konnte in "Silence my companion..." ausgemacht werden. Einige hier vorhandene Einfälle könnten bei ELP glatt eine Verwendung finden).

Klassisch Inspiriertes, Orchestrales, Elektronisches, Avantgardistisches und gelegentlich auch Fernöstliches, Jazziges, Poppiges, ein wenig HipHop sowie Rockiges, Kirmesartiges und weiß-was-ich-noch-alles vermag Emerson in seine mit Fairlight CMI erzeugte Musik einfließen zu lassen. Melodisches trifft auf Atonales, Rhythmisches auf frei Fließendes. Dabei imitiert Emerson mit seinem Instrument Kirchenorgel, diverse andere Keyboardklänge, Chöre, elektrische Gitarren, Pauken, Streicher, Xylophon, Schlagzeug und Röhrenglocken. (Wahrscheinlich habe ich irgendetwas vergessen). Einige Pianopassagen müssen aber "echt" sein...Die wohl nur mit Fairlight realisierbaren, metallisch-industrial-durchdringenden Klänge gibt es außerdem noch zu hören.

Es bleibt zu hoffen, dass es mal eine Neuauflage von "Iron Man vol.1" gibt. Und Teil 2 wurde vom Meister höchstselbst schriftlich versprochen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.2.2006
Letzte Änderung: 19.2.2006
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Siggy hat vollkommen Recht: dieses kaum bekannte Album Emersons gehört zum Besten, was er je geschrieben hat. Emerson, nicht Siggy. Und zwar ELP mit eingeschlossen. Und das ist nicht selbstverständlich, musste man doch angehörs der ELP-Releases "Black Moon" und "In the hot Seat" an den kompositorischen Fähigkeiten Emersons zweifeln. Und auch das vor "Black Moon" aufgenommene, aber erst 1995 erschienene Soloalbum "Changing States" war kein übermäßig großer Hoffnungsträger.

Als nach dem "In the hot Seat"-Fiasco unklar war, wie es mit ELP weitergehen würde, suchte Keith Emerson nach neuen Betätigungsfeldern. Als Marvel die Idee hatte, eine neue Iron-Man-Zeichentrickserie zu produzieren, die in musikalischer Hinsicht eine Alternative zu den banalen Soundtracks anderer Kinderserien darstellen sollte, ergriff Keith Emerson die Gelegenheit, ins Filmgeschäft zurückzukehren. Dieses hatte allerdings nichts von seiner nervenaufreibenden Natur verloren: Wieder musste Emerson Fließbandarbeit abliefern und wie er selbst zugab, erkannte er oft seine eigenen Kompositionen nicht wieder – und das nach nur wenigen Tagen.

Am Ende komponierte Emerson die Musik zu 13 Folgen, immerhin, muss man sagen, ich besitze die Serie und gestehe ein, dass ich nicht weit über Folge 14 hinausgelangt bin. Die Stories sind erwartungsgemäß banal und das einzige, was mich bei der Stange hielt, war Emersons Musik. Die allerdings ist superb.

Als sie 2002 in limitierter Auflage dann endlich erschien, wusste das auch die Welt. Oder das, was nach dem erneuten Zusammenbruch von ELP davon übriggeblieben war. Tatsächlich ist "Iron Man" ein Meilenstein im Werk Emersons, den sträflich wenige seiner Fans kennen.

Die CD enthält neben der Titelmelodie vier lange Kompositionen, die jeweils den Soundtrack zu einer ganzen Episode bildeten. Darin besteht dann auch gleich das große Manko der Kompositionen: Denn die Musik bietet keinen Zusammenschnitt des Iron-Man-Soundtracks, den man sinnvoll hätte neuarrangieren können, sondern eben eins zu eins die vollständigen Begleitmusiken dieser Episoden (daher entsprechen die Titel der Songs auch denen der Episoden). Die Musik ist also nicht von einer inneren, musikalischen Logik strukturiert, sondern durch die Handlung der jeweiligen Episode, weswegen sie auf Cede auch einen äußerst patchworkartigen Eindruck macht: Themenfetzen werden im Sekundentakt durchgereicht und es macht wenig Spaß, dem eine längere Zeit zu folgen. Kennt man die Serie, weiß man, dass die Musik als akustische Illustration der Bilder sehr wohl funktioniert, das Alleinestehen dagegen fällt ihr leider nicht gerade leicht. Da die Serie selbst überaus grauenhaft ist, selbst für ein kindliches Gemüt wie mich, ist es leider ein reichlich zweischneidiges Schwert, hier auf die Doppeldevaude zu verweisen, auf der die komplette Serie mittlerweile erhältlich ist.

"Iron Man - Main Title Theme" enthält die beiden musikalischen Themen, die das Album dominieren, weil sie in der Folge (bzw. in den Folgen) leitmotivisch immer wieder erklingen: das heroische Iron-Man-Thema, geprägt von Keyboardfanfaren, und das des Mandarins, seines bösen Todfeindes, ein neobarockes, düsteres Orgelthema.

In der Folge greift Emerson viele Fäden wieder auf die er seit dem Ende ELPs in den Siebzigern verloren zu haben schien und die seither nur auf seinen Soundtracks noch aufblitzten: "Iron Man" ist geprägt durch die symphonische Neoklassik von "Inferno", die neobarocke Orgelgotik von "La Chiesa", den hochtechnisierten urbanen Funk von "Nighthawks" und den elektrifizierten New Age von "Harmagedon". Durch diese Kontexte dekliniert Emerson die beiden Hauptthemen immer wieder durch. Besonders gut gelingt ihm das in "And the sea shall give up it's dead", das im Grunde aus einer Kette von Variationen der beiden Leitmotive besteht. Mal klingen sie düster, mal mystisch, mal dynamisch, mal triumphierend, mal pastoral – und so weiter und so fort. In "I am ultimo, thy deliverer" erscheint das Mandarin-Thema gar als gotischer Walzer, fast wie in einem Vampirfilm.

Dieses Wiederaufgreifen von bekannten Moriven ist bei Seriensoundtracks nicht nur notwenig – bestimmte Motive stehen eben für bestimmte Figuren – sondern auch unvermeidlich, muss doch in derartig kurzer Zeit eine derartig große Menge an Musik nicht nur geschrieben, sondern auch aufgenommen und produziert werden, dass man gar nicht umhin kann, bereits Vorhandenes immer wieder zu variieren. Dabei halfen Emerson natürlich seine unbestreitbaren Fähigkeiten als Komponist, seine reiche harmonische Sprache und seine musikalische Imagination, die es ihm ermöglichten, immer neue Varianten der Leitmotive zu entwickeln. Auch seine Werkkenntnis kam ihm zupaß: nicht wenige Passagen erinnern an die großen Vorbilder Emersons aus der klassischen Musik: Bartók, Strawinski, Holst. Bisweilen zitiert er sogar wörtlich, etwa aus Rachmaninows Etudes-Tableaux in "Silence my companion, death my destination", wenn in der Serie der Klaviervirtuose Van Cliburn auftritt. ELP-Fans dürften aber vor allem daran ihre Freude haben, dass Emerson immer wieder aus alten ELP-Werken zitiert. Ständig entdeckt man neue Melodiefetzen: aus "Tank", "Street War", "Romeo and Juliet" und so weiter.

Trotz der Tatsache, dass die Musik hier kaum eine Chance hat, sich aus sich selbst heraus zu entwickeln, stattdessen der Handlungslogik der jeweiligen Folge unterworfen ist, und trotz des vergleichsweise dünnen Sounds des Albums gehört "Iron Man" zu den eindrücklichsten Werken Emersons. Es ist eines der letzten Alben, auf denen man deutlich hören kann, was dieser Man wirklich konnte: kompositorisch, harmonisch, rhythmisch. Es ist eine Schande, dass der versprochene zweite Teil bis heute nicht erschienen ist. Bis es soweit ist, sei der Fan auf die DVD-Box zur Serie verwiesen...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.11.2007
Letzte Änderung: 5.7.2012
Wertung: 11/15
zurückhaltende Empfehlung!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Keith Emerson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Inferno 13.00 2
1981 Honky 3.50 2
1981 Nighthawks 8.00 2
1983 Harmagedon 5.00 2
1984 Murderock 3.00 2
1985 Best Revenge 8.00 2
1988 The Christmas Album 6.00 2
1989 La Chiesa 9.00 1
1995 Changing States 9.00 3
2002 Emerson plays Emerson - 2
2004 Godzilla - Final wars (Soundtrack) 4.00 1
2005 At The Movies 9.50 2
2005 Hammer it out - The Anthology - 1
2006 Off the Shelf 4.00 1
2008 Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla 10.33 3
2009 Boys Club - Live From California 12.00 2
2010 Moscow 11.00 1
2012 Three Fates 6.00 1

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