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Osmosis

Osmosis

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1970 (CD-Ausgabe 2017 bei Esoteric Recordings)
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion; Klassischer Prog; Psychedelic
Label: RCA - Victor
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Charlie Mariano Flute, Alto Sax, Soprano Sax, Nathaswaram
Bobby Knox Vocals
Danny Comfort Bass
Lou Peterson Drums
Andy Steinborn Guitars, Vocals
Bobby Clark Percussion, Drums, Vocals
Charlie Bechler Keyboards, Melodica, Tympani, Chimes

Tracklist

Disc 1
1. Of War and Peace (Part I) 1:06
2. Beezlebub 3:54
3. Thoughts Often Stray 2:53
4. Sunrise 2:31
5. Shadows 3:37
6. Adrift 4:55
7. Sunlight 2:35
8. Scorpio Rising 3:01
9. Please Let Me Go 4:27
10. Geoffrey's Tune 3:43
11. Of War and Peace (In Full) 7:22
12. Sleep, My Love (Epilogue) 1:52
Gesamtlaufzeit41:56


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Die Karriere des 1923 geborenen Charlie Mariano ist etwas ungewöhnlich. Spielte er seit den späten 40er Jahren in verschiedenen Jazzformationen Swing und Bebop, wandte er sich in der Mitte seines Lebens auch dem Rock zu und beschäftigte sich mit Folklore aus aller Welt. In der Regel verläuft die Entwicklung ja eher umgekehrt, spielen viele Musiker mit zunehmendem Alter die scheinbar intelektuellere und reifere, mitunter aber auch seichtere und gefälligere Musik. Nicht so Mariano. 1967 umgab er sich mit einer Gruppe von Rockmusikern und brach zu neuen Ufern auf. Osmosis, wie die Formation genannt wurde, waren im Grossraum Boston live recht aktiv und spielten ein heute fast vergessenes Album ein, welches 1970 von RCA-Victor veröffentlicht wurde.

"Osmosis" bietet eine für das Erscheinungsjahr durchaus progressive und innovative Mischung aus psychedelischem Rock, Jazz und Exotischem, die insbesondere auf dem amerikanischen Musikmarkt damals nicht häufig zu finden war. Zu einem typisch amerikanischen, psychedelischen Rockfundament aus E-Gitarre, Orgel, Bass und Schlagzeug (das eben so klingt wie eine ganze Reihe von in den späten 60ern tätigen US-Formationen der West-, Ostküste und eben aus Boston), die mal beschaulich-meditativ, mitunter aber auch ziemlich heftig und schräg-aggressiv dahintreiben, gesellt sich ein guter Schuss Jazz, vertreten durch Saxophon, Flöte und E-Piano. Dazu kommt der kraftvolle Gesang von Bobby Knox, eine umfangreiche Schlagzeugabteilung und das exotische Element, hauptsächlich repräsentiert durch Marianos Nathaswaram (Nagasvaram), einem aus Indien stammendes Doppelrohrblattinstrument, welches wie eine sehr näselnde Oboe klingt.

Jazzig-poppige Lieder ("Thoughts Often Stray", "Sunlight", "Scorpio Rising", "Geoffrey's Tune"), die mich an die amerikanischen Kollegen von Circus Maximus erinnern, werden mit kantigeren Psychedelik-Jazzrockern vermengt ("Beezlebub", "Sunrise", "Adrift", "Of War and Peace"), in denen es stellenweise ziemlich zur Sache geht (die Gitarren jaulen und krachen, das Saxophon trötet und Knox deklamiert aggressiv oder hymnisch-getragen seine Texte). Eingestreut sind immer wieder lyrischere Momente, in denen Mariano meist zur Flöte greift, und die Musik sanft aber beschwingt vorantänzelt. Dazu kommt noch ein schräger Bluesrocker ("Please Let Me Go") und der Worldmusikvorläufer "Shadows", in dem Mariano ausgiebig das weiter oben erwähnte, indische Instrument einsetzt. Das Stück lässt mich vermuten, dass Mariano keine unwichtige Rolle bei der Eingliederung von Ethnoklängen in die Musik der deutschen Krautrocker Embryo hatte, denen er sich wenige Jahre später anschliessen sollte (siehe "We Keep On").

"Osmosis" ist eine sehr unterhaltsame Scheibe, die wohl vor allem Proghören zusagen sollte, die die frühen, noch psychedelisch eingefärbten Produktionen aus dem Canterbury-Umfeld schätzen (die ersten Alben von Soft Machine und Caravan z.B.). Es gibt vom einzigen Album von Osmosis ein von einer Mint-LP gezogenes CD-Reissue des Labels Synthon Archive Productions (der Klang ist sehr gut). Vermutlich handelt es sich dabei um eine nicht ganz offizielle Bootleg-Veröffentlichung. Solange die Rechteinhaber aber nicht an einem offiziellen Reissue interessiert sind, ist das immerhin besser als gar nichts. Wert ist es die Scheibe allemal, dass sie nicht in Vergessenheit gerät!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.11.2006
Letzte Änderung: 29.6.2007
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Im Spätherbst 2017 erschien das einzige Album von Osmosis bei Esoteric Recordings doch noch auf CD, bald ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung.

Die Musik ist eine Rezension höher schon ausgiebig beschrieben, daher nur ein paar kurze Anmerkungen. Das US-Septett um den Jazzmusiker Charlie Mariano hat hier eine bunte. abwechslungsreiche Mischung aus aggressiv-abgefahrenen und ruhigen, eher konventionellen Stücken geschaffen. Jazz und Psychedelic bilden die Grundlage der Musik, dazu kommt immer wieder eine mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Ethno-Komponente, die vor allem durch den Einsatz des indischen Blasinstrument Nagaswaram erzeugt wird. Manches wirkt zwar etwas arg luftig-leicht (etwa Geoffrey’s Tune), wird aber durch Marianos schönes Flötenspiel gerettet. Ansonsten finden sich wunderbare Perlen eines jazzigen Psychedelic Pop, vergleichbar dem ersten Caravan-Album (Adrift), ein erdiger und dabei ziemlich abgedrehter Bluesrocker (Please Let Me Go) und eben auch schräg-aggressiver Jazzrock, der in Of War and Peace kulminiert; eine wahre Krachorgie! Herausragend ist dabei (und auch sonst), Sänger Bobby Knox mit kraftvoll-aggressiver Stimme, die dabei nie ins Kreischen abgleitet.

Die CD-Ausgabe kommt mit einem umfangreichen Booklet, das neben den Liner Notes der ursprünglichen LP-Ausgabe noch einen Artikel von Sid Smith (auch Autor eines Buches über King Crimson) enthält. Darin ist unter anderem zu lesen, dass die Band mit der Arbeit ihres Produzenten Dave Blume nicht zufrieden war. So zitiert er etwa Gitarrist Andy Steinborn: “Blume had cut solos, (…) and he tried to make us into a pop band.“ Da würde man gerne einmal im Vergleich dazu die „rough mixes“ hören, von denen Steinborn eine wesentlich höhere Meinung hat.

Die Klangqualität dieser Ausgabe ist sehr gut, wobei man ab und zu schon hört, dass die Aufnahmen bald 50 Jahre auf dem Buckel haben. Für Liebhaber jazzig-psychedelischer Klänge ist das Osmosis-Debüt jedenfalls eine lohnenswerte Anschaffung.

Charlie Mariano starb übrigens 2009 in Köln, wo er seit 1986 gelebt hatte.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.2.2018
Letzte Änderung: 1.2.2018
Wertung: 11/15

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