Somnambulist
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Terry Clouse |
bass |
| Jody Park |
keys |
|
| Henry Bones |
guitar, vocals |
| Scott Ratchford |
drums |
|
Gastmusiker
| Cliff McPeck |
sax (7) |
| Megan Wright |
vocals (3) |
|
| Fred Schendel, Steve Babb (aka Glass Hammer) |
production, engineering |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Frotus
|
06:35
|
| 2. |
Conqueror Worm
|
03:29
|
| 3. |
Return Of The Sun Of Civilization
|
04:37
|
| 4. |
Globos Formas Para Manana
|
06:20
|
| 5. |
Pinocchio
|
05:42
|
| 6. |
Multum In Parvo
|
04:59
|
| 7. |
Prometheus' Lament
|
07:10
|
| 8. |
Torquemada
|
02:54
|
| 9. |
Unlearning Folds Of Red
1. Weenus De Gyro 2. Waiting Underground 3. Weenus Replica 4. Awoke My Precious Sleeper
|
13:35
|
| Gesamtlaufzeit | 55:21 |
|
|
Rezensionen

1996 veröffentlichten Somnambulist ("Schlafwandler") ihr Debütalbum und ehrlich gesagt, bin ich erstaunt, dass dieses Album hier auf diesen Seiten bislang noch keinen Niederschlag gefunden hat. Das muss sich allerdings dringend ändern und passiert hiermit ja auch. Vielleicht noch ein Wort der Warnung vorab: Es gibt ja die Vermutung, dass sich Leser dieser Seiten über die Vorlieben und Grundausrichtungen der Rezensenten informieren, um dann die Rezensionen besser einordnen zu können. Nun, wenn dem so ist, dann sollte bekannt sein, dass ich mit wenigen Ausnahmen eher zu den Liebhabern der symphonischen, melodischen, klassischen Retro- und Neoprog-Schiene gehöre. Daher würde man dieses Album normalerweise NICHT in meiner Sammlung vermuten und wenn doch, dann sollte ich es nicht mögen können, ABER:
Die vier Jungs aus Chattanooga machen aus der Musik von King Crimson, Yes, ELP und Genesis (v.a. die crimsonesken Momente sind immer wieder präsent) ein komplett neues, eigenständiges Werk, welches sich gewaschen hat und vor allem das Gegenteil leichter Kost ist. "Schlafwandler"... na ja, wahrscheinlich ist es in der Tat schwierig mit dem Schlaf nach intensivem Genuss dieses Albums.
Der Opener "Frotus" ist am deutlichsten an King Crimson (klassische Phase Mitte der 70er) angelehnt, nach einem sanften Intro mit Keyboard-Strings bricht eine agressive Gitarre los, der Bass donnert, das Schlagzeug spielt einen krachigen, aber schleppenden Rhythmus. Cool! Im zweiten Song übernehmen zunächst düstere Gitarren- und Keys-Sounds die Regie, die in einen atmosphärischen Part getragen von Mellotron-artigen Klängen übergehen. Über allem jaulen immer wieder schräge Gitarren, das Ganze klingt wie von Crimso's "Discipline" (wir sind also zeitlich schon ein Stück fortgeschritten).... Mit agressivem "Gesang", ja Geschrei wird "Return Of The Sun..." eingeleitet. Henry Bones (zum Zeitpunkt der Aufnahmen zarte 19 Jahre alt) klingt wie eine schiefe Kreuzung aus Adrian Belew (bei den "Thrak"-Sessions) und David Bowie. Die Vocals (auch die Gastvocals von Megan Wright) bestehen aus Wortfetzen und Schreien, die immer wieder eingestreut werden. Die Gitarren jaulen und der Bass donnert ziemlich dominant nach Chris Squire-Art. Dazu trommelt sich der Schlagzeuger ein Break nach dem anderen aus den Rippen (überhaupt ist die Schlagzeugarbeit durchweg brillant und hörenswert).
"Globes...." bietet nun auch dem Keyboarder seine Chance.... man fühlt sich wie in einem Song, der von ELP und Genesis gleichzeitig gespielt wird, bis zum Einsatz der Vocals, die wieder das Bild von David Bowie vor das geistige Auge zaubern. Ganz richtigen Gesang gibt es aber auch hier nicht, meist werden wieder nur Schreie und Wortfetzen in die Musik geworfen. Gegen Ende gibt's dann noch einige Takte fast klassisches Piano (zur Beruhigung), bevor der Song (nach einer Art Diskussion von einem Mann und einer Frau ohne Musik) in eine aggressive Rock-Coda mündet. "Pinocchio" beginnt wieder etwas ruhiger mit schwebender Gitarre und klassischen Keys-Sounds (bis hin zum Spinett...). Im Mittelteil gibt es dann aber doch wieder aggressive, rockige Ausbrüche von Gitarre und Gesang, ruhige und aggressive Parts wechseln sich ab. "Multum..." ist dann ein fast schon erschreckend normaler Song, getragen von Keys-Streichern, perlendem E-Piano und fast normalem Gesang. Nach 3 Minuten etwa erfolgt aber dann doch der Bruch mit einem atonalen Pianopart, der auch von der Gitarre aufgenommen wird. Die Klage des Prometheus beginnt dann eher verhalten symphonisch, getragen wieder von Synthesizer-Streichern mit lakonischem Sprechgesang... bis hin zum Hammill-artigen Ausbrüchen. Dazwischen gibt es dann zur Abwechslung fast free-jazzige Einlagen durch den Gast-Saxofonisten. "Torquemada" ist ein ELP-artiges Zwischenspiel, welches schliesslich mit Klängen wie beim Einzug der Toreros in die Arena und dem zugehörigen Rufen der Menge endet und in den Longtrack "Unlearning Folds Of Red" übergeht....
....hier werden dann von der Band in knapp 14 Minuten nochmals alle Register gezogen und wirklich ALLE Sounds, Stimmungen, Effekte usw. der vorigen Titel durchlaufen und in einem grossen Opus zusammengefasst (wobei die Unterteilungen nicht merkbar sind). Die Einfälle und Entdeckungen, die sich hier verbergen sind legion... da kann man einige Zeit dran knabbern (bis hin zum "Born To Be Wild"-Zitat durch die Gitarre ;) )Uff! Geschafft... eigentlich hätte ich wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt entsetzt das Zimmer verlassen haben müssen, die Stop-Taste am Player gedrückt haben... aber nein: Bei aller Schrägheit, Rohheit, Kuriosität ist dieses Album in sich stimmig und bietet ein tolles, herausforderndes musikalisches Erlebnis.
Witzig finde ich auch, dass Fred Schendel und Steve Babb, im allgemeinen besser bekannt als das Herzstück von Glass Hammer, das Ganze produziert haben. Glass Hammer ist ja nun wirklich am anderen Ende des Progressive-Rock-Spektrums tätig.
| Anspieltipp(s): |
Frotus |
| Vergleichbar mit: |
King Crimson, ELP, Yes, Genesis & VdGG werden zusammengemixt und als Cocktail wieder ausgespuckt! |
|
| Veröffentlicht am: |
13.7.2003 |
| Letzte Änderung: |
14.7.2003 |
|
|
|
Zum Seitenanfang

Von der anderen Seite des Atlantiks veröffentlichte Mitte der 90er wieder mal eine neue, äußerst hoffnungsvolle Band ein Debüt, welches fast uneingeschränkte Begeisterung hervorruft. Das "fast" bezieht sich vor allem auf das eklige Cover, wo das Skelett eines Tieres, herausblickend aus einem Stück Fleisch, glubschäugig vor sich hinstarrt - nicht unbedingt jedermanns Geschmack.
Der für deutsche Zungen nicht leicht aussprechbare Namen Somnambulist, was übersetzt Schlafwandler bedeutet, ist nicht das einzige, was bei näherem Auseinandersetzen mit dieser Band im ersten Augenblick Schwierigkeiten hervorruft. Bei der Musik wird sich ungeniert aus allerlei Gräbern der Prog Rockmusik der 70er bedient und dem Zuhörer einiges an Flexibilität abverlangt. Doch wer sich mehrfach durch die CD durchgehört hat, dem wird ein lohnenswertes, musikalisches Abenteuer geboten.
Seinen Reiz bezieht dieses Debüt hauptsächlich aus der stilistischen Vielfalt und fesselnden Fragmenten, die geschickt zusammengeschweißt wurden. Da geht es mal abgedreht und schräg zur Sache, in ausgeklügeltem Instrumentalbombast beweisen die vier Bandmitglieder ihr Können und die ungezügelte Spielfreude gipfelt in begeisternden Passagen und Soloausflügen. Eine Parforce-Jagd, die auch Elemente von King Crimson, Gentle Giant und Yes in sich vereint, dabei aber nie kopiert, sondern nur Anlehnungen erkennen lässt.
Für die Puristen könnten die üblichen Fragen nach langen Liedern und Hammond sowie Mellotron ebenfalls bejaht werden. Doch damit nicht genug. Um den variationsreichen Kompositionen noch eins draufzusetzen, wird dem reichlich vorhandenen Chaos-Bombast auch mal etwas Melancholie entgegengesetzt. Des weiteren gibt es als abwegige Einflüsse bei "Torquemanda" auch mal Stierkampf-Atmosphäre, bei "Prometheus' lament" erzeugt ein Saxophon kurzfristig jazzigen Charakter. Allein der stellenweise auftretende Gesang von Henry Bones wirkt in seinem nörgelnden Singstil leicht nervend, ist aber wie immer reine Geschmackssache.
Laut Bandinfo wurde die Band aus dem Bedürfnis geboren, neue musikalische Ideen abseits vom Mittelmaß sowie steriler und einfacher Arrangements zu entdecken, was ihnen auch zweifelsohne gelungen ist.
| Anspieltipp(s): |
Frotus |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
6.11.2004 |
| Letzte Änderung: |
6.11.2004 |
|
|
|
Zum Seitenanfang

Ein von A bis Z überzeugendes Album. Selbst der Gesang vermag mich aufgrund seiner Nebenrolle im Gesamtwerk kaum zu nerven. Dafür sind die komplexen, dichten, mal kraftvoll treibenden, mal schräg skurilen, mal virtuos verfrickelten Kompositionen einfach zu gut und kommt das Gesamtpaket einfach zu perfekt arrangiert daher. Das fängt beim omnipräsenten, geschäftigen Schlagzeug an, welches die optimale Balance zwischen songdienlicher Begleitung und wohldosierter Prise Prog in Form von Breaks und Fill-Ins findet, setzt sich über den druckvoll trocken grummelnden Bass fort, der den Stücken ein solides Fundament gibt, und spannt schliesslich den Bogen über die wesentlich den Sound bestimmenden riffenden, meist verzerrten Gitarren zu den meist im Hintergrund agierenden Tasten.
Somnambulist macht unheimlich viel Spass, fordert den Hörer ohne ihn zu überfordern und gehört für mich zu den grossen Alben des 90er Retro-Prog. Ich könnte es nicht besser sagen als Thomas und zitiere:
"Bei aller Schrägheit, Rohheit, Kuriosität ist dieses Album in sich stimmig und bietet ein tolles, herausforderndes musikalisches Erlebnis."
| Anspieltipp(s): |
Unlearning Folds Of Red |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
18.1.2007 |
| Letzte Änderung: |
18.1.2007 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Somnambulist
Zum Seitenanfang
|