Defining the legacy
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
|
|
| Label: |
Cyclops |
| Durchschnittswertung: |
6/15 (1 Rezension) |
|
Besetzung
| Andre Cents |
guitars |
| Marcel Derix |
bass |
| Koen Roozen |
drums |
|
| Siebe-Rein Schaaf |
vocals, keyboards |
| Edo Spanninga |
keyboards |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Defining The Legacy
|
11:17
|
| 2. |
House Of Cards
|
9:17
|
| 3. |
Garden Of Dreams
|
12:35
|
| 4. |
Assassin
|
9:07
|
| 5. |
Impulse
|
11:17
|
| 6. |
Bridge To The Promised Land
|
6:37
|
| 7. |
Mind-Sculpture
|
7:58
|
| Gesamtlaufzeit | 68:08 |
|
|
Rezensionen

Diese Band hat zwei Keyboarder; das sagt schon etwas aus. Damit kann man Einiges anfangen ? der eine kann den Mann fürs Grobe spielen (zum Bespiel auf der Schweineorgel); der andere die typischen Neoprog-Klänge übernehmen. Und etwa so machen die das auch: auf sau(!)gute Orgellinien folgen später oder (meistens) früher die typischen weichen Auf-und-ab-Wellen. Hinzu kommen orchestrale Programmierungen, garniert mit einzelnen Violinen- und Flöten-Samples. Den Rest erledigen Pendragon-Gitarren und Mick-Pointer-artiges Schlagzeug. Und schon haben wir all das, was wir sowieso schon tausendmal gehört haben.
Ich habe das an den Anfang gestellt, damit sich niemand falsche Hoffnungen macht, wenn er den Beginn des Albums hört: da hört er nämlich wirklich starkes Material: die Vocals nebst Piano erinnern allen Ernstes an den Stil von Peter Hammill und kündigen nicht nur Großes, sondern auch Ungewöhnliches an ? dieser Teil macht gerade mal drei Minuten aus. Danach endet die Ungewöhnlichkeit, aber Großes folgt trotzdem noch: die Orgel setzt mit einer Hookline ein, die sich bei mir so in die innersten Gehörgänge einprägt, dass ich mir sofort vornehme, diesen Track gleich mehrmals hintereinander zu hören; das erinnert an frühe Genesis, was auch an der Unterstützung durch eine zurückhaltende Drum-Klimax liegt, die gar an Watcher of the skies erinnert, wenn dort das Mellotron-Intro durchgelaufen ist. Das nenne ich ganz starken Prog-Tobak, der über elf Minuten lang erhalten bleibt, aufgelockert mit kurzen, phantastisch lyrischen Pianoüberleitungen. Ein Track wie ein ganzes Album...
Ich habe auch nichts gegen den zweiten Song ?House of cards?: der hält sich zwar zurück, schleppt sich zunächst sogar etwas lustlos dahin, aber das ist nur vordergründig der Fall: wenn man ihn über Kopfhörer genießt, erlebt man ein recht spannendes Duell zwischen Keyboard auf der rechten und Gitarre auf der linken Seite, unterbrochen von Pianobrücken wie am Beginn von Genesis? ?Lamb? und mit geheimnisvoll-lyrischen Gitarrenstrophen im Stil vom ersten leiseren Teil von Marillion?s ?Incubus?. Alles nur geklaut? Okay, aber intelligent geklaut.
Dann beginnen die Probleme: Was der Hörer von Titelworten wie ?Garden of dreams? erwarten könnte, bekommt er auch: Hymnenprog a la Pendragon, sehr lang zerdehnt und für Pendragon-Kenner nicht sehr ersprießlich, jedenfalls nach dem ersten Hören nicht mehr: die Hymne ist nämlich sehr schematisch geraten, als gäbe es ein Kompositionsprogramm für so was und als sei sie das Produkt des Prototyps davon. Länge auf Kosten von Qualität? Nein danke...
Die nächsten beiden Tracks folgen ebenfalls einem Pendragon-Schema. Der Unterschied zu Track 3 besteht darin, dass Track 4 z.T. durch einen punktierten Rhythmus gelockert wird und leichte Folkwendungen einfließen lässt; demgegenüber gibt sich Track 5 etwas ruppiger, rockiger, auch in den Texten: ?You sick drunken loser, you bloodsucking user?. Das Album hat nämlich ein inhaltliches Konzept, in dem es um Auseinandersetzungen zwischen einem Sohn und seinem alkkranken Vater geht, und in diesem Track haut Sohnemann offenbar mal kräftig auf die Theke. Dennoch bleibt die Musik allen Rockgitarren zum Trotz in der typischen Neoprog-Klangwelt.
Nebenbei: das Vater-und-Sohn-Problem soll wohl auch auf dem Cover thematisiert werden, aber das Bild sieht doch eher wie ein typisches 30er-Jahre-Wahlplakat aus, nach dem Motto ?UNSERE LETZTE HOFFNUNG: EINE RUNDE FÜR ALLE!!?. Aber wen wundert?s ? schließlich ist es ein Cyclops-Cover...:-).
Dann hört?s ganz auf: ?Bridge to the promised land? ist schon wieder so, wie es der Titel verspricht, oder noch schlimmer: Der Song beginnt und endet mit einem Sample, der den ?Soundcheck? eines klassischen Orchesters vorführt; in diesem Sinne hat der Song denn auch durchgehend ein streicher-orchestrales Arrangement. Das wäre an sich ja eine gute Idee, wenn man mit Intelligenz und Konsequenz heranginge ? dann müsste aber dieses schreckliche Tanzkapellen-Schwof-Schlagzeug des Mittelteils fehlen; besser als damit könnte die Band niemanden so schnell davon überzeugen, dass besagtes Arrangement wohl doch keine ganz so gute Idee war, jedenfalls nicht dann, wenn sich Weichspüler an die Arbeit machen. Übrigens gab es diesen Titel bereits als Demo auf einem gleichnamigen frühen und limitierten Album der Band; da war er aber noch ein einfacher Softrock-Song; das hätte er bleiben oder ganz verschwinden sollen...
Die Story endet instrumental: ?Mind-sculpture? klingt so, als würden Pendragon mit Eloy-Keyboards die Instrumentalversion einer alten ELO-Schnulze spielen. Hinhören fällt schwer, da höre ich lieber auf.
Im Ernst: So was muss nicht sein. Und dabei hatte alles so schön angefangen. Aber Proggies aus Holland scheinen sich seit einiger Zeit verpflichtet zu fühlen, Konzeptalben selbst noch auf dem Kamm blasen zu müssen ? die Spur, die Lucassen hinterlässt, regt einfach jeden zur Nachfolge an. Dabei zeigt mir der Titeltrack dieses Albums überdeutlich, wie naheliegend die Idee sein müsste, einfach mal ein paar gute Songs einzuspielen, die auf Ideen beruhen sollten und nicht auf vermeintlichen Vorgaben der Szene, die gar keine sind ? letztlich sind?s ja nur Befehle, die sich die Musiker ohne Not selbst geben. Wird Zeit, dass dieser Trend mal wieder aufhört.
| Anspieltipp(s): |
Opener (=Titeltrack) und sonst gar nichts |
| Vergleichbar mit: |
Pendragon |
|
| Veröffentlicht am: |
19.6.2004 |
| Letzte Änderung: |
19.6.2004 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Flamborough Head
Zum Seitenanfang
|