Dog
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
|
|
| Label: |
Exowax Music |
| Durchschnittswertung: |
11/15 (1 Rezension) |
|
Besetzung
| Mike Keneally |
guitar, keyboards, lead vocals |
| Rick Musallam |
Guitar, vocals |
|
| Bryan Beller |
bass |
| Nick D'Virgilio |
Drums, vocals |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Louie
|
6:38
|
| 2. |
Bober
|
6:48
|
| 3. |
Splane
|
2:59
|
| 4. |
Pride Is A Sin
|
4:55
|
| 5. |
Simple Pleasure
|
1:57
|
| 6. |
Physics
|
1:35
|
| 7. |
Raining Sound
|
2:16
|
| 8. |
Choosing To Drown
|
4:54
|
| 9. |
Gravity Grab
|
3:33
|
| 10. |
This Tastes Like A Hotel
|
15:15
|
| 11. |
Panda
|
4:51
|
| Gesamtlaufzeit | 55:41 |
|
|
Rezensionen

Die Vorbesteller-Aktion von Marillion, bei der die Band mit Hilfe der Fans die Produktion und vor allem die Werbekampagne zur letzten CD "Marbles" wurde in Fankreisen und darüber hinaus einigermassen hitzig diskutiert: zwischen Anerkennung innovativer Finanzierungsmodelle und "Abzocke!"-Rufen schwankten die Kommentatoren. Im Fall Mike Keneally, der ein ähnliches Modell für sein neues Album "Dog" benutzte, war dies kaum der Fall. Dies mag daran liegen, dass Marillion bei ihren Zielvorstellungen und vor allem dem Vorbestellerpreis von 28 englischen Pfund (ca. 41 Euro) für ein - zugegebenermassen nobel aufgemachtes - Doppelalbum etwas tiefer in der Fantasche griffen, als es Keneally mit seinem Vorbestellerpreis von 30 US$ (ca. 25 Euro) für eine CD plus DVD (mit zwei ca. 30minütigen Live-Videos, "Making Of" mit Kommentarspur von Keneally sowie einem kleinen Audio-Teil mit Demos und Alternativ-Versionen) plus Bonus-CD ("Pup!") mit unveröffentlichten Demos, Vorab- und Live-Versionen tat. Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass Marillion 14000(!) Vorbesteller hatten und Keneally weniger als 2000 (die Gesamtauflage der "Dog Special Limited Edition" beträgt von Keneally handnummerierte und unterschriebene 2500 Stück)...
Warum zum Teufel ist dieser mit einem geradezu deprimierend üppigen Barocktalent ausgestattete Künstler immer noch so unbekannt? Ich fürchte nur, "Dog" wird dies nicht ändern, was aber keinerlei musikalische Gründe hat. Denn kaum jemand versteht es wie Keneally, zugängliche, mal fast poppige, mal rockige, mal balladeske Songs mit zappaesken Seltsamheiten, jazzrockigem Drive, Surrealem und Spass-inne-Backen zu verquicken.
Nach dem experimentellen Stream-Of-Conciousness Album "Nonkertompf", dem üppig orchestrierten, aber geradezu poppigen "Dancing" und der quasi-unplugged Feinschnitzerei von "Wooden Smoke" orientiert sich "Dog" wieder in Richtung des kompakten Band-Sounds von Keneallys 97er Album "Sluggo". Folgerichtig erschien es auch unter dem Bandnamen "Mike Keneally Band", dem Quartett, das die ehemaligen "Beer For Dolphins" ersetzt. Diese Band, mit Nick D?Virgilio von Spock's Beard am Schlagzeug, tritt schon seit geraumer Zeit live auf, "Dog" ist das erste Studiozeugnis ihrer Arbeit. Die kürzeren Nummern decken die schon oben erwähnte Spannweite ab, ergänzt durch verdrehten Pseudo-Barjazz und Ska-Anleihen. Straighte Passagen werden dabei immer wieder nonchalant durch trickreiche krumme Passagen gebrochen, ohne jedoch den Fluss der Musik zu zerstören. Obschon viele Passagen zum Mitsingen einzuladen scheinen, wirken Keneallys Vocals immer so, als ob sie um eine Ecke mehr gehen, als sie müssten. Gegen Mitte wird das Album graduell immer Seltsamer, vom elektronischen Drum'n'Bass-inspirierten "Physics" hin zum Zappa-artigen "Choosing To Drown" mit Heavy-Funk-Anmutungen.
Die wahrscheinlich kontroverseste Nummer auf "Dog" dürfte aber das 15minütige "This Tastes Like A Hotel" sein, welches für mich auch den Höhepunkt des Albums darstellt: mal möchte ich hier vor Freude, mal vor Frust laut aufschreien, weinen und lachen gleichzeitig. "This Tastes Like A Hotel" ist eine Collage, ein Experiment. In "Revolution 9"-Manier ziehen Orchesterfetzen durchs Hörbild (Ausschnitte aus Keneallys Orchester-Komposition "The Universe Will Provide", die dieser Tage in den Niederlanden veröffentlicht wurde und Ende des Jahres weltweit erhältlich sein wird), psychedelischer Spacerock und wabernde Gitarren geben sich ein Stelldichein, elektronische Rhythmen blubbern, ein brutal heftiger Hardrock-Kracher bewegt mich dazu, wild das schüttere Resthaupthaar zu schütteln, schleppender Bluesrock hindert mich daran, kaum habe ich meine Mundharmonika hervorgekramt, wirds introspektiv akustisch, dann hab ich das endlich Lagerfeuer an und die Band rockt wieder los. Das ist frustrierend und mitreissend zugleich. In dieser Viertelstunde stecken genug Ideen für ein ganzes Album oder mehr, und diese werden in einem scheinbar chaotischen Sammelsurium verschleudert. Heul. Nein, nicht heul. Denn: "scheinbar". Beim zweiten oder dritten Hören beginnt der Wiedererkennungseffekt, manche Riffs sind doch nicht so wahllos hintereinander geschaltet, wie man denken könnte, sondern miteinander verwandt, mutiert, verdreht und wieder zusammengesetzt und wieder auseinander genommen. Mir macht es Spass, Keneally und Co. auf diesem wilden Ritt zu folgen, als Hörer vor den Hunde zu gehen, aber ich bin sicher, dass dies nicht jedem so gehen wird und muss.
Gottseidank endet das Album beschaulich mit dem Liebeslied "Panda" in einem straighten, coolen, trockenen Groove. Mitgenommen aber glücklich kann man sich zurücklehen und die Repeat-Taste-danach betätigen. Bis zum nächsten Durchlauf von "This Tastes Like A Hotel".
| Anspieltipp(s): |
in die Vollen: This Tastes Like A Hotel |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
30.6.2004 |
| Letzte Änderung: |
30.6.2004 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Mike Keneally
Zum Seitenanfang
|