Perfect Picture of Wisdom & Boldness
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Matt Waters |
vocals, alto and tenor saxophones, 1976 Yamaha CS-50 keyboard |
| Tom O'Donnell |
guitar |
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| Matthew Solberg |
bass, vocals |
| Tyler Cox |
drums |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
This is your final dream
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6:31
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| 2. |
Cloven head
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8:49
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| 3. |
Corpsewielder
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8:57
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| 4. |
Gas pipe
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1:21
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| 5. |
Meditation on the some carcass
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7:17
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| 6. |
Ride of the Juns
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9:09
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| 7. |
Little climbers of Nifelheim
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7:41
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| 8. |
The bringer
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7:04
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| Gesamtlaufzeit | 56:49 |
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Rezensionen

Das erste Album von The Mass, "City of Dis", rezensierte ich noch ganz unter dem Eindruck des unmittelbaren Überwältigt-Seins und suchte dementsprechend verzweifelt nach beschreibenden Worten für dieses Chaos, das da über mich und den Rest der Welt hereinzubrechen drohte. Während mich mein damaliger Text (und eine Rund-eMail an die BBS-Kollegenschaft, in der ich allen vollmundig "blutige Ohren" versprach) auf ewig im Zustand des begeisterten Unverständnisses konserviert, lichtete sich der zuerst so undurchdringlich erscheinende Nebel über der "City of Dis" im Anschluss ganz allmählich dann doch. Aber auch wenn auf diese Weise Strukturen im Chaos erkennbar wurden, so konnte dies meine Faszination für jene verrückte Musik (Mathcore? Saxcore? Proggrind?) nicht abschwächen.
Es lag wohl gerade an dieser intensiven Beschäftigung mit dem Debut, dass es auch dem Zweitwerk der Westküsten-Amerikaner gelang, mich beim ersten Hören zu verunsichern. Diesmal stolperte ich jedoch über den überraschend einfachen Zugang zu "Perfect Picture of Wisdom & Boldness". Liegt das jetzt an mir und meinen 1.000 Besuchen in der "City of Dis" oder daran, dass The Mass, nachdem sie sich auf dem ersten Album die Hörner abstoßen konnten, nun einen etwas entspannteren Zugang zu ihrer Musik gefunden haben? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte, denn auch "Perfect Picture" hat noch seine verstörenden Momente. Vor allem während des nur 80-sekündigen Extrem Metal Ausflugs "Gas Pipe" oder in der Düsternis der sich unmittelbar anschließenden "Meditation on the some Carcass", die sich in etwa wie eine schnellere Bohren & der Club of Gore-Improvisation über das "Hänschen klein, ging allein"-Motiv anhört.
Dennoch, "Perfect Picture" ist deutlich weniger überdreht als das Debut, auf dem alle 20 Sekunden ein neues Fass aufgemacht wurde. Die einzelnen Lieder und die Platte als Gesamtkunstwerk sind bis ins kleinste Detail durchdacht und geben einen umfassenden Plan zu erkennen. Lässt einen das unheilsschwangere Slayer-Riff zu Beginn von "This is your final dream" noch ein paar Sekunden im Unklaren über die Dinge, die da noch kommen mögen (wirkt das Cover der CD nicht auch wie ein mit Wassserfarben nachgemalter Auschnitt eines Slayer-Covers?), löst sich die Spannung jedoch recht schnell in äußerst eingängigem Hardcore-Wohlgefallen auf. Gerade aufgrund des geschickt vorgenommenen Umschaltens zwischen schwermütigen-langsamen und punk-thrashig nach vorne preschenden Passagen, in Kombination mit ein paar eingängigen Krächz-Melodien, scheinen The Mass hier sogar die Tanzflächen erobern zu wollen. Auf diese Weise bekommt man das, was sich bei "City of Dis " erst nach intensivem Hinhören finden ließ, auf "Perfect Picture" gleich zu Beginn auf dem Silbertablett dargereicht: Das Muster, die Basis, die Grundzutat der Musik! Dies im Hinterkopf fällt es dann viel leichter, all die nun folgenden Verrücktheiten des Albums einzuordnen und zu genießen: Die jazzrockigen Gitarrensoli (in "Cloven Head" und "Corpsewielder"), das marsvoltaisierende Spiel mit zu langem Zwischengeplänkel (auch "Cloven Head"), der coole Sprechgesang über groovenden Bassläufen (alte Primus grüßen in "Corpsewielder und "Ride of the Juns"), die von Noise-Attacken gejagten melodischen Iron Maiden-Gitarren (ebenfalls "Ride of the Juns"), aber vor allem das Saxofon von Sänger Matt Waters. Die Auftritte dieses Instruments sind jedoch etwas seltener als auf dem Vorgänger und prägen das Gesamtbild der Musik daher nicht im selben Ausmaß. Tatsächlich greift Waters sogar erst Mitte des zweiten Tracks zum ersten Mal zum Saxofon und zuerst hat es auch nur die Schrägheit seines cleanen Dog Eat Dog - Bruders ("No fronts", wer sich daran erinnert). Zum Glück folgt später auch noch das traditionelle Gepiesacke und Gequäle, bis Matt Waters zum Abschluss dem Saxofon gar ein einfach nur wunderschönes Solo entlockt, mit dem das Album versöhnend ausklingen darf. Zurück auf Anfang: Beginnt das Album also sehr eingängig, steigert sich die Band zu den beiden bereits erwähnten Aus-der-Reihe-Fallern in der Mitte von "Perfect Picture", um dann mit "Ride of the Juns" den Höhepunkt der Platte zu erreichen, das vielseitigste Stück der CD könnte noch am ehesten auch auf "City of Dis" stehen. Im Anschluss klingt das Album eher unauffällig aus, ohne das Saxofon würden "Little Climbers of Nifelheim" und "The Bringer" sogar fast im Mittelmaß versinken.
Trotz der geschilderten Veränderungen ist das Mathcore-Schlachtschiff The Dillinger Escape Plan auch weiterhin ein ganz guter Anhaltspunkt für die Musik von The Mass, selbst wenn sich die bereits zwischen City of dis / Calculating Infinity erkennbaren Unterschiede mittlerweile verfestigt haben. Der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Richtungen, in die sich die beiden Bands nach ihren extremen Debuts entwickelt haben, ist nicht uninteressant. Während der Reiz bei den Dillingern gerade darin besteht, den Hörer auf einer Welle der andauernden Überforderung vor sich her surfen zu lassen ("das Auto, das dich gerade überfährt, hat dich eigentlich vor einer Minute überholt!"), lassen sich The Mass spätestens auf "Perfect Picture" in die Karten gucken, ohne die auf dem ersten Album dargelegten musikalischen Grundsätze vollständig zu verleugnen. Hört man sich "Miss machine", das ebenfalls 2005 erschienene zweite Album von The Dillinger Escape Plan an, dessen Eingängigkeit zum größten Teil darauf beruht, NIN- oder Faith No More-Sounds zu integrieren, ist gerade letzteres dem so viel erfolgreicheren The Mass-Konkurrenten nicht gelungen.
Mit den gemäßigteren Tönen auf "Perfect Picture" werden The Mass sicherlich einige alte Fans verschrecken, dafür aber mit ein bisschen Glück jede Menge neuer Leute für sich interessieren können. Die Band kann mit den "Großen" in ihrem Genre locker mithalten, im Grunde ist sie diesen sogar vorzuziehen.
Zum Abschluss möchte ich noch einen Leidensbericht über die Akzeptanz bewusst überdrehter Musik im engsten persönlichen Umfeld aufgreifen und die bisherige The Mass-Discographie mit folgenden Kommentaren meiner Freundin zusammenfassen:
City of Dis: Mach den Krach aus!
Perfect Picture of W&B: Mach den Krach aus - wobei - wenn der Sänger nicht krächzen, sondern singen würde, wär's gar nicht schlecht. Das Saxofon mag ich!
Also Jungs, nicht aufgeben. Ich tu's auch nicht.
| Anspieltipp(s): |
This is your final dream (eingängig); Ride of the Juns (vielseitig) |
| Vergleichbar mit: |
The Dillinger Escape Plan |
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| Veröffentlicht am: |
1.11.2005 |
| Letzte Änderung: |
28.2.2012 |
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