Oceanic
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Jeff Caxide |
|
| Michael Gallagher |
|
| Aaron Harris |
|
|
| Aaron Turner |
|
| Bryant C. Meyer |
|
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
the beginning and the end
|
|
| 2. |
the other
|
|
| 3. |
false light
|
|
| 4. |
carry
|
|
| 5. |
--(untitled)
|
|
| 6. |
maritime
|
|
| 7. |
weight
|
|
| 8. |
from sinking
|
|
| 9. |
hymn
|
|
|
|
Rezensionen

Georg hat eine vollkommen zutreffende Rezi zu ISIS "Panopticon geschrieben", in der der Sound der Band anschaulich benannt wird. Über "Oceanic" ließe sich dasselbe schreiben. Es geht aber auch anders:
...und so geht MEIN Hörfilm:
Der Sturm hatte sich ausgetobt. Er hatte dem Klipper übel mitgespielt.
Die Halteseile hatten nichts genützt. Ein Großteil der Reeling hatte den Brechern nicht widerstanden, so war die Mannschaft Mann für Mann über Bord in die See gespült worden. Einige andere hingen tot in den Seilen. Ich sah mich um. Eine Erinnerung an Spliff und ihren ?Roten Hugo? blitzte auf. Aber nur kurz. Das hier war kein Pop Gimmick. Das hier war real! Mein Puls stolperte durch die Adern, pochte in meinen Schläfen, eigenartig unrhythmisch, ständig überlegend, ob er nicht doch alle Funktionen einstellen sollte.
Die Sonne schien - als wäre nichts gewesen.
Ich kam nur langsam zu mir. Dröhnende Kopfschmerzen machten mir unmissverständlich klar, dass ich noch am Leben war. Die Intervalle verstärkten sich mit jeder Bewegung. Lag ich ruhig, war es erträglich, aber meine Versuche aufzustehen, lösten Schmerzeruptionen in meinem Schädel aus, die, nach dem ich mich darauf eingestellt hatte, schon fast wie Musik klangen. Ja, es gelang mir, mich durch Selbsthypnose in eine Art Trance zu träumen, in der ich den Schmerz sogar halbwegs melodisch wahrnahm. Er schien sich in eine Art Doom Metal verwandelt zu haben. Oder war das eher Post-Rock? Komisch, welch abstruses Zeug einem durch den Schädel fährt, wenn man in völlig ausweglosen Situationen steckt! Ich war kein Seemann. Das Schiff war ein Wrack. Ich lag auf einem fliegenden Holländer. Irgendwo im Atlantik. Wie lange würde ich durchhalten?
Nach einiger Zeit stand ich schwankend auf meinen eigenen Füssen. Es gelang mir, das Steuer zu fixieren und die Kadaver von Deck ins Meer zu hieven. Ihr Aufschlagen auf die Wasseroberfläche gab einen Misston in die Dröhnlandsinfonie unter meiner Schädeldecke. Vor mir entstand eine Wolkenwand, die nichts Gutes ahnen ließ. Die Geräuschkulisse nahm zu. Die See rollte wieder stärker. Der nächste Sturm zog auf.
Ich wollte nicht unter Deck, denn dort stank es bereits. Ich hatte es nicht vermocht, auch diese Leichen dem Meer zu übergeben. Die Wellen wuchsen wieder. Der Sound in meinem malträtierten Hirn gewann ebenfalls an Intensität. Was eben noch klare Gitarre zu sein schien, grummelte nun als brachialer Bass von Ohr zu Ohr. Ich hatte seit 48 Stunden nichts mehr gegessen, vorher unter starker Seekrankheit gelitten, war also völlig entleert, geschwächt und bekam keinen Knoten mehr fest, um mich wieder anbinden zu können. Warum wollte ich das überhaupt? War mir langsames Verdursten lieber als schnelles Ertrinken? Es kam, wie es kommen musste. Schon der erste Brecher, der über Deck dröhnte, spottete über meinen Knotenversuch. Während ich sah, wie das Tau mich hergab, berauschte ich mich am Dröhnen der Welle, oder war's in meinem Kopf?
Wasser um mich her. Salzwasser. Drööööhn. Nirgends mehr Schiff oder wenigstens Holz! Dröööööhn! Die See wütete. Raaaauuuusch!
Es war Musik. Mal war ich oben, mal unten. Dunkelgrau wohin man sah, oder war ich schon blind?
Die See schien sich wieder beruhigen zu wollen. Ich trieb an der Oberfläche. Wieder Sonne. Ich konnte also sehen. Ich sah dreieckige Rückenflossen. Ich wusste, dass es nun vorbei war. Mehrere tausend Kilometer von zu Hause würde ich Fischfutter werden. Es bestand keine Chance zur Gegenwehr. Ich zog Arme und Beine an und ließ mich sinken. Es ging tiefer und tiefer. Noch spürte ich keinen Biss. Es wurde dunkel. Der Druck im Kopf nahm mit jedem Meter Tiefe zu; verklärte sich. Erinnerungen an Plattencover und Liedfetzen zuckten auf: Achim Reichels "Trutz Blanke Hans", Transits "Sturmflut", Kate Bushs "the ninth Wave", Eloy, Camel, the 3rd and the mortal ---. Ich war dem Meer verfallen. Jetzt erfüllte sich mein Schicksal. Irgendetwas riss an meinem Bein. Das Dröhnen im Kopf erreichte geradezu hymnische Ausmaße. Es lenkte mich ab: Ich war der Klöppel einer gigantischen Glocke. 20 000 Meilen unter dem Meer. In Atlantis-City, in Vineta. Hin und her geschleudert von Wand zu Wand. Ich war das Dröhnen. Ich war der Klang. Ich war eine Gitarre, deren gerissene Saiten sich wie die Tentakel eines Kraken um den Hai wanden, der an mir fraß. Nun-
- kannte ich Isis ; deren "Oceanic" CD soeben in meinem Player verklang. Ende des Hörfilms.
Wow. Schon beim zweiten Hördurchlauf derart inspiriert! Was für eine Platte! Musik ist keine Droge? Aber Hallo!
PS: An alle Möchtegern-Cobains dieser Welt: Leben macht Spass! Ich möchte mit diesem Text nicht zum Suizid inspirieren! Diese CD ist eine empfehlenswerte Art Methadon.
| Anspieltipp(s): |
|
| Vergleichbar mit: |
the 3rd and the mortal ohne Fee |
|
| Veröffentlicht am: |
6.10.2006 |
| Letzte Änderung: |
19.1.2013 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Isis
Zum Seitenanfang
|