Western Culture
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
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| Durchschnittswertung: |
12/15 (1 Rezension) |
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Besetzung
| Tim Hodgkinson |
Organs, alto sax, Hawaiian guitar on "Industry" & "The Decay Of Cities", Piano on "On The Raft" |
| Lindsay Cooper |
Bassoon, Oboe, Soprano Sax & Sopranino Recorders |
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| Fred Frith |
Electric & acoustic guitars, bass, soprano sax in the background of "On The Raft" |
| Chris Cutler |
Drums, electric drums, Noise, Piano on "Falling Away" & trumpet in the background of "On The Raft" |
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Gastmusiker
| Anne-Marie Roelofs |
Trombone & violin throughout |
| Irene Schweizer |
Piano on "Gretel's Tale" |
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| Georgie Born |
Bass on "1/2 The Sky" |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
History & Prospects
1. Industry 6:58 2. The Decay Of Cities 6:55 3. On The Raft 4:01
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| 2. |
Day By Day
1. Falling Away 7:38 2. Gretel's Tale 3:58 3. Look Back 1:19 4. 1/2 The Sky 5:14
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| Gesamtlaufzeit | 36:03 |
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Rezensionen

1978 läuteten schliesslich auch für Henry Cow die Glocken. Zwar hatte man noch im gleichen Jahr mit befreundeten Kontinentaleuropäischen Bands den "Rock In Opposition"-Verband gegründet, doch dann war doch nach den Aufnahmen zum letzten Album "Western Culture" die Band zerbrochen.
Gitarrist Fred Frith und Schlagzeuger Chris Cutler wollten stärker songbasiertes Material spielen und hatten zu diesem Zweck zusammen mit der Ex-Henry Cow Sängerin Dagmar Krause die Art Bears gegründet. Folgerichtig verwirklichten auf "Western Culture" die beiden anderen verbliebenen Bandmitglieder ihre musikalische Vision. Das Album besteht aus zwei Suiten; die erste namens "History & Prospects" stammt komplett aus der Feder von Tim Hodgkinson, die zweite, "Day By Day", wurde zum allergrössten Teil von Fagottistin Lindsay Cooper komponiert. Und wohl genauso folgerichtig findet sich hier auch kein Material, das man auch nur ansatzweise einen 'Song' nennen könnte...
Bei "Western Culture" ging es mir genauso wie mit eigentlich allen anderen Henry Cow-Album. Nach dem ersten, zweiten Hören wusste ich noch nicht genau, was ich mit dieser Musik anfangen sollte. Aber - im Gegensatz zu anderen, einfach schlechten Platten - zog es mich dann immer wieder zu dem Album zurück, und irgendwann macht es 'Klick'.
Die erste Schwierigkeit bei diesem Album besteht schon mal darin, dass Hodgkinsons eröffnende Suite zum Harschesten und Kältesten im Henry Cow Repertoire gehört, was aber konzeptionell begründet ist: schliesslich geht es darum, Gesellschaftskritik - genauer: Industrie- und Kapitalismuskritik - zu üben, welche Sätze wie "Industry" und "The Decay Of Cities" musikalisch umsetzen. Gleich mit den schneidenen eröffnenden Linien von "Industry" wird eine Stimmung heraufbeschworen, die man für den restlichen Verlauf des Albums fast nicht mehr abschütteln kann: die kantigen, sorgfältig jede herkömmliche Tonalität vermeidenen Linien verstrahlen Eiseskälte. Dazu passt, dass die Musik bis ins kleinste Detail durchorganisiert und -komponiert scheint (auch Chris Cutlers Schlagzeug wird mehr wie der Schlagwerk-Satz eines Orchesters als vollkommen eigenständige Stimme und nicht als Rhythmusgeber eingesetzt): die totale Organisation und die überaus komplexe, nicht ohne weiteres zugängliche Partitur vermitteln die Entfremdung, die in den Siebziger Jahren die moderne, westliche Industriegesellschaft in den Augen der extremen Linken - zu der auch die Henry Cow-Mitglieder gehörten -, Marx und Engels folgend, den Arbeitern aufzwang. (Übrigens fehlen auf "Western Culture" die eigentlich sehr Henry Cow-typischen freien Improvisationen praktisch völlig, die z.B. noch etwa die Hälfte von "Unrest" ausmachten.)
Obwohl man teils fast von Kammermusik sprechen muss, da viele akustische Instrumente benutzt werden, die der Musik einen neuklassischen Ton verleihen, liegt doch darunter eine Spannung, ja Gereiztheit, die vielleicht auch die damals aktuelle Situation in der Band wiederspiegelt. So kann man den elegischen fast-Marsch mit Posaune und Pauken in "The Decay Of Cities" nicht nur als Prozession verkommener Slumbewohner deuten, sondern auch als Abgesang auf "Henry Cow".
Schrecklich kopflastig, theoretisch klingt das, fürchte ich, aber keine Sorge: auch ohne entsprechende Interpretation lässt sich diese Musik geniessen, einfach wegen der Intensität, die sie gleichzeitig bei enormer Komplexität ausstrahlt. Und tatsächlich klingt hier vieles durchaus ganz ähnlich wie andere düstere Kammer-Prog-Werke aus der eigentlich unpolitischen Univers Zero/Present/Shub Niggurath-Schule (erstere auch "RIO"-Mitglieder), auf die gerade "Western Culture" stilbildend gewirkt haben dürfte.
Gottseidank gibt sich Lindsay Coopers Seite etwas menschlicher. Dies dürfte vor allem an der - klar! - verstärkten Präsenz des Fagotts wirklich, das mit seinem hölzernen, näselndem Gemecker einfach etwas auflockernd wirkt. Aber hoch hier geht es hoch komplex zu, die einzelnen Stücke durchlaufen eine Vielzahl von Parts, seien düster schwebende Akkordfolgen in den Bläsern oder burlesk-surreale Polyphonie Abschnitte, in denen das Fagott um die anderen Stimmen hüpft. Und im gemeinsam geschriebenen Schlussstück "1/2 the sky" versprechen nach trottendem, düsterem Beginn sanft schimmernde Akkorde, dass nach der Nacht immer ein Morgen folgt, und ein frei und fröhlich quietschendes, gackerndes Saxophon schert sich einen Dreck um die Partitur.
| Anspieltipp(s): |
Falling Away |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
11.5.2002 |
| Letzte Änderung: |
11.5.2002 |
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