Le horla
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Francois "Ace" Bruneau |
guitares |
| Martin Lapierre |
batterie |
| Isabelle Lemay |
voix |
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| Guillaume Marchand |
claviers |
| Jean Marc Pisapia |
voix / claviers / paroles et musiques |
| Daniel Volj |
basse |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Ouverture
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6:14
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| 2. |
Incubus
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9:14
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| 3. |
L'eau, le lait, le vin
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6:30
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| 4. |
Mont Saint Michel
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10:57
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| 5. |
Le chat noir
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2:12
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| 6. |
Un impenetrable mystere
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6:49
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| 7. |
A bougival
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5:07
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| 8. |
Sous hypnose
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7:02
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| 9. |
J'ai vu
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8:46
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| 10. |
Super 61
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3:44
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| Gesamtlaufzeit | 66:35 |
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Rezensionen

Kaum habe ich mit LEBOWSKI eine Band entdeckt, die mich mit ihrem Debütalbum voll überzeugen konnte, kommt ein weiteres Album daher, das die Polen aus dem Player verdrängt hat und seitdem rauf und runter gehört wird. Einige wesentliche Attribute, die ich schon bei ?Cinematic? erwähnte, gelten auch hier, doch in einem anderen musikalischen Umfeld.
Ich kenne das hier bereits besprochene 2005er Album ?Black Dog There? nicht, sondern nur ein altes Album aus den 80ern, aber ich wage die Prognose, dass das vorliegende Album sich von den Vorgängern deutlich unterscheidet. Denn die Vokabeln wie schleimig oder vor sich hin plätschernd sind für "Le Horla" absolut unzutreffend. Und ich weiß wirklich nicht, ob die von mir ebenfalls durchaus gemochten IZZ tatsächlich jetzt noch in einer anderen Liga spielen, das bezweifle ich doch sehr stark.
Aber das bezog sich auf den Vorgänger, da mag obige Beschreibung ja zutreffen - das kann ich nicht beurteilen. Die Rede ist aber jetzt von "Le Horla", und das ist schlichtweg ein Meisterwerk in bester Tradition der typischen 70er Quebec-Szene. Und vielleicht einer der maßgeblichen Unterschiede wird gleich klar: es wird auf Französisch gesungen. Ich habe ein Faible für franco-kanadischen Prog, ich finde Bands/Artisten wie Harmonium, Pollen, Opus 5, Ère G einfach toll. Und genau da reihen sich The Box mit diesem Album ein, und zwar nicht irgendwo, sondern mit an der Spitze.
Dieses Album lebt eben nicht davon, dass hier die beteiligten Musiker mit tollen solistischen Einlagen und beeindruckender Komplexität agieren, sondern dass hier auf sehr abwechslungsreichen Arrangements basierend ein in sich stimmiges, sehr atmosphärisches Album entstanden ist, das einen unvergleichlichen eigenen Charme besitzt.
Hauptverantwortlich dafür ist sicherlich Jean Marc Pisapia, der mich mit seinem überaus angenehmen Gesang sofort auf seiner Seite hat. Noch dazu stammen fast alle Kompositionen und Texte aus seiner Feder, und er bedient neben Guillaume Marchand die Keyboards. Dass mit Isabelle Lemay eine Sängerin aufgeführt ist, sollte nicht täuschen, denn sie taucht nur sehr vereinzelt auf, Pisapia ist eindeutig derjenige, der dieses Album dominiert. Die Tasteninstrumente sorgen für ein sehr stimmungsvolles Klangbild, ob als fette Orgel, feine Synthies, Akkordeon oder Piano. Nanu?! Mir fällt jetzt erst auf, dass das von mir so geliebte Mellotron anscheinend fehlt. Und ich liebe dieses Album trotzdem!
Zwar haben die Tasten einen entscheidenden Anteil am Gesamtsound, aber genau in den richtigen Momenten kommen auch tolle Gitarreneinlagen hinzu, die auch mal für eine dezente Prise Härte sorgen. Und wie gesagt - jeder Song für sich ist kein Prog-Spektakel, aber das gesamte Album ist prall gefüllt mit feinen Melodien, überaus hübschen Arrangements und so gestaltet, dass ich es immer wieder hören mag. Einziger stilistischer Ausreißer ist das abschließende "Super 61", das wie ein Popsong aus den 80ern klingt. Und seltsam, irgendwie mag ich selbst den.
Also Vorsicht für alle Fans der symphonisch-melodiösen Ausrichtung: hier besteht eindeutig akute Suchtgefahr.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
70er Quebec Symphonic Szene |
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| Veröffentlicht am: |
13.6.2011 |
| Letzte Änderung: |
7.3.2012 |
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Nachdem ich Jürgens Zeilen gelesen hatte, musste ich trotz zurzeit vorhandener Schreibfaulheit ebenfalls ein paar Zeilen zu meiner augenblicklichen Lieblingsscheibe loswerden. In diesem Zusammenhang möchte ich mich herzlich bei Kristian Selm und seinem Progressive Newsletter bedanken, da eine Kritik in der April Ausgabe 2011 mich zu "D'Après LE HORLA De Maupassant" (so der komplette Name) geführt hatte. Es handelt sich bei der CD übrigens um ein Konzeptalbum, auf dem die Schauernovelle "Le Horla" des französischen Schriftstellers und Journalisten Guy de Maupassant (*5. August 1850 - ?6. Juli 1893) vertont wurde.
Jürgen trifft mit seiner Beschreibung der musikalischen Darbietung der sechsten Studioveröffentlichung der aus Montreal stammenden Frankokanadier den Nagel sozusagen auf den Kopf. Umso erstaunlicher ist für mich die Entwicklung der Band, die in den 80er Jahren in ihrem Heimatland mit englischem Gesang sogar drei Hitsingles veröffentlichte. Und auf dem aktuellen Werk bietet derselbe Sänger nun eine überzeugende Leistung in seiner Heimatsprache. Mir gefällt dieser authentische französische Gesang von Jean Marc Pisapia, der mich mit seiner gefühlvollen und nonchalanten Intonation sogar richtig zu begeistern weiß.
Musikalisch wissen THE BOX mit viel Emotionalität, Melodie und Atmosphäre zu punkten. In die sowohl feingeistigen als auch stimmungsvollen Kompositionen werden geschickt einige härtere Rhythmen, folkige Elemente sowie dezente jazzige und psychedelische Melodiebögen eingewoben. Manche hypnotische Hooks ergänzen sich fließend mit sowohl düsteren als auch verträumten sowie temperamentvollen Klangmalereien, sodass die Spannung und Hörfreude bei mir über 66 Minuten erhalten bleibt. Außerdem versprühen die zehn Tracks einen charmanten Retro-Charme, dem ich sowieso grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt bin.
Nach den letzten großartigen Entdeckungen aus der Québec-Szene mit den Debütscheiben von Jelly Fishe und Vecteur K weiß mich nun der aktuelle Output von THE BOX komplett zu überzeugen. Auch wenn "Le Horla" schon im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, so gehört das Werk zu meinen Entdeckungen und Faves des Jahres 2011.
| Anspieltipp(s): |
alles |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
14.6.2011 |
| Letzte Änderung: |
28.2.2012 |
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...für Cynthia–(es ist ganz anders geworden, als ich zunächst dachte...)
In den Reviews meiner Freunde JM und WE wurden die musikalischen Qualitäten dieses Meisterwerks bestens herausgearbeitet. Ihren treffenden Beschreibungen ist im Grunde nichts hinzu zu fügen.
Le Horla hat bei mir besondere Emotionen ausgelöst, die mit dem geschichtlichen und vor allem dem geographischen Hintergrund der Novelle von de Maupassant, in engem Zusammenhang stehen. Diese Zusammenhänge möchte ich, ergänzend zu den Erläuterungen meiner Schreiber-Kollegen, hier darstellen.
Jean Marc Pisapia, Komponist und Ideengeber der vorliegenden CD, sagte in diversen Interviews kurz nach Erscheinen des Werkes, er habe sich schon seit langem vorgenommen, zwei literarische Vorlagen zu "vertonen", dies sei neben Le Horla auch Le Petit Prince. Nun sei er froh, wenigstens einen Anfang in diese Richtung gemacht zu haben. Auf die erstaunte Frage, warum er denn die Stilart des Progressive Rock gewählt habe (was den Interviewern offenbar als gewaltiger Stilwechsel gegenüber den früheren Platten von The Box befremdlich vorkam), antwortete er, die nötige Freiheit für die Umsetzung eines Konzeptalbums könne nun einmal nur im ProgRock erzielt werden.
Und genau hier setzt mein eigenes Erleben beim Hören von Le Horla ein: Bilder von starker emotionaler Wirkung entstehen, sowohl durch die feinfühlige musikalische Darbietung, als auch durch die wunderbare, überaus faszinierende Geschichte, die in deutlich und phonetisch sehr angenehm artikuliertem Französisch präsentiert wird. Der des Französischen mächtige Hörer wird so in einen regelrechten Bann geschlagen. Ein stimmiges Konzept wird grandios umgesetzt!
Nach vielen Jahren (zuletzt bei Judge Smith: Curly's Airships) erzeugt ein Album bei mir endlich wieder einmal diese regelrecht cinematografischen Erlebnisse, die mir im ProgRock so besonders wichtig sind.
Die von JM zu Recht erwähnte Suchtgefahr manifestierte sich bei mir schon kurz vor Abreise in den Sommerurlaub, dessen Ziel aber bereits vor dem Kennenlernen der CD feststand: die Normandie. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte, ist, dass zwischen der Novelle des Dichters, den Zitaten in den Texten von Pisapia und der Normandie, ja sogar Quebec (Herkunft der Band) und vor allem der musikalisch durch folkloristische Einsprengsel erzeugten Grundstimmung enge und ganz besondere Verknüpfungen bestehen.
Die Normandie zählt eine Reihe berühmter Persönlichkeiten zu ihren "Söhnen", so u.a. den Musiker Erik Satie, der in Honfleur (gelegen an der Seinemündung, gegenüber von Le Havre) lebte, bis er später im Pariser Club "Le Chat Noir" (vgl. Track 5 der CD) seine Werke spielte. Oder die Schriftsteller Flaubert und de Maupassant. Letzterer lebte lange Zeit in der Nähe von Le Havre, der bedeutenden Hafenstadt der damaligen Zeit.
Pisapia – oder auch Maupassant? – zitiert im Text neben Rouen und Le Havre auch den Mont St. Michel (Track 4 – als Ort ebenfalls der Normandie zuzurechnen), Bougival (Track 7 - südlich von Paris, als Wiege des Impressionismus in der Malerei bekannt, der bedeutende Impressionist Monet lebte und arbeitete ebenfalls in Honfleur) und Satie (Text Track 6, musikalisch u.a. auch besonders Track 5). Wie kommt er darauf, dachte ich mir, als ich Honfleur im Urlaub erkundete. Dann fiel mein Blick auf eine an einem alten Gemäuer angebrachte Plakette, die an einen gewissen Samuel de Champlain erinnerte. Dieser war im Jahr 1608 von Honfleur zu einer Seereise aufgebrochen, in deren Verlauf er in Kanada die Stadt Quebec gründete. Quebec, die Heimat von Pisapia und seiner Band. Magisch?
Magisch auch Honfleur selbst mit seinem mittelalterlichen Kopfsteinpflaster, den engen Gassen, den vielen kleinen Malerateliers und dem fest installierten Karussell (nebst entsprechender Folklore) - auch heute noch das Ebenbild eines typischen französischen Fischerstädtchens. Le Horla bei einem zweiten Spaziergang durch dieses Szenario zu hören kam einer unmittelbaren Versetzung in ein vergangenes Jahrhundert gleich.
Mein Urlaub in der Normandie wäre ohne Le Horla nicht komplett gewesen. Das Album hat Sequenzen für alle Stimmungen; nichts, aber auch gar nichts wirkt störend, nicht einmal der Schlusstrack Super 61, der im Text den Bezug des Komponisten zur Buchvorlage andeutungsweise beschreibt und der musikalisch den Gefühlen eines Heranwachsenden (13 Jahre alt) zu Beginn der 70er Jahre entspricht. Was hätten The Box an diesem Album der Superlative besser machen können? Nun, für das Ende der Story (Stück 9) hätte ich mir ein wenig mehr Dramatik oder Bombast gewünscht – aber vermutlich könnte mir Pisapia ganz leicht erläutern, warum das nun gerade nicht gepasst hätte. Und solange dies nicht geklärt ist, gibt es auch keinen Punktabzug! Das bringt mich zum Schlusswort: Tolles "Hörbuch", das seinen berechtigten Platz im Schrank der großen ProgGeschichte hat!
Zu Höchstwertungen lasse ich mich eigentlich nur dann hinreißen, wenn ich zu einer Band oder einem Album ein spezielles emotionales Verhältnis aufbauen kann – es ist mal wieder so weit!
Wer versuchen möchte, etwas Gleichartiges oder Ähnliches nachzuempfinden, dem sei herzlich empfohlen, sich mit Le Horla ausgerüstet in die Normandie zu begeben und zu genießen...
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
22.7.2011 |
| Letzte Änderung: |
19.3.2013 |
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