The Alaska 12 Expeditions
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Thomas Patrick Shannon |
6-string fretless bass, chapman stick |
| Vince Martinez |
6,7,12-string guitars, vocals, bass, conductor |
|
| Dean McCall |
drums, percussion |
|
Gastmusiker
| Don Medina |
drums |
| George Radai |
4 & 6-string basses |
| Matt Brown |
keys, vocals |
| Mark Segal |
percussion, congas, harmonica |
| Anthony Cossa |
guitar, e-bow, laser gun |
|
| Marc Mylar |
saxophone |
| John Stack |
words & voice |
| Chris McCall |
"Master of sticks" |
| David McIntire |
"heart, mind, throat, pen & words" |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Introduction S.F.T.G.
|
0:15
|
| 2. |
The war against mental atrophy
|
2:38
|
| 3. |
Misunderstanding a little less completely
|
9:13
|
| 4. |
Revolver
|
4:52
|
| 5. |
The suffer ring
|
6:04
|
| 6. |
Snail
|
0:58
|
| 7. |
Death: Theory
|
8:33
|
| 8. |
It is now becoming fantastic
|
5:45
|
| 9. |
Famous strangeness
|
7:07
|
| 10. |
Terrifying anticipations of the unspeakable
|
6:13
|
| 11. |
Let there be light
|
0:33
|
| Gesamtlaufzeit | 52:11 |
|
|
Rezensionen

Die Frage ?Was ist heutzutage eigentlich noch progressiv?? ist ziemlich überstrapaziert und sollte deshalb m.E. unter Progfans nur noch in den seltensten Fällen gestellt werden und nur, wenn es einen guten Anlass dafür gibt. Das dritte Album von Death & Taxe$ ist der beste neue Anlass, den ich seit Jahren gehört habe.
Ich will nicht aufrollen, was irgendwann einmal progressiv gewesen ist, aber es gibt einige Elemente, die immer progressiv bleiben werden, weil sie sich nie abnutzen können. Dazu gehört die Fähigkeit, musikalische Stile so zu verknüpfen, wie es der Hörer kaum erwarten kann, und immer wieder überraschende Mischungen zu erzeugen. Zum Beispiel gehört dazu, ein ganzes Genre ? wie in diesem Fall den Metal ? nicht als Selbstzweck, sondern stilbildend neben anderen Elementen einzusetzen. Dazu gehört auch, wenn man einer seit langem oft gehörten Stilrichtung, die schon zur Darstellung von instrumentalen Fingerfertigkeiten verartet ist, neues Leben einzuhauchen versteht ? in diesem Fall dem King-Crimson-Stil, wie er von besagter Band seit den 80ern entwickelt und weiter entfaltet wird.
Das Genannte ist im wesentlichen das, was Death & Taxe$ tun. Es ist kaum in Worten zu beschreiben, wie sie das machen, wenn man als Rezensent nicht die Möglichkeit hat, ständig musikalische Beispiele zu Demonstrationszwecken beizufügen. Am liebsten würde ich nur noch schreiben, dass so etwas seit den kreativsten Zeiten der erwähnten King Crimson meines Wissens nicht mehr zu hören war, und damit die Rezension abschließen. Aber einige Beispiele müssen einfach herausgefischt werden, damit die Worte etwas mehr Sinn erhalten.
Die Musik von Death & Taxe$ lebt vom Bass und vom Schlagzeug ? wie einst der Sound King Crimsons u.a. von einem Levin und einem Bruford gelebt hat. Sie lebt aber auch davon, wie ihre Schreiber und Spieler (allen voran der viel zu jung verstorbene Tom Shannon) es verstehen, in einer einzigartigen Mischung aus bodenständiger Stilsicherheit und leidenschaftlicher Experimentierfreudigkeit Strukturen zu konstruieren, die den Hörer buchstäblich zum Hineinklettern ermuntern, indem sie einen Trip versprechen, der spannend und abenteuerlich sein wird, ohne einen Sturz ins musikalisch Uferlose befürchten zu lassen.
Beispiel ?Death: Theory?: an sich bin ich kein Freund des Einsatzes von Harmonika und Saxophon im Prog, weil ich dabei blues-jazzige Zerfaserung befürchte und zu den Proghörern gehöre, die neben dem ?Progressiven? das greifbar Komponierte erwarten. Dieser Track schafft es aber, dass ich seine Harmonika und sein Sax nicht nur akzeptieren, sondern einsehen muss, dass man ihn auf andere Art gar nicht hätte spielen können, dass z.B. sein stark Percussion-geprägter furioser Mittelteil ohne diesen Kontext nie so zur Wirkung gekommen wäre, ganz zu schweigen davon, dass den Track nichts so genial abschließen könnte wie der Sprechgesang zum Schluss ? Sprechgesang als logische Folge aus einer Harmonika? Wenn das nicht progressiv ist...!
Beispiel ?Misunderstanding a little less completely?: diese Musik enthält kräftigstes Metal-Geknüppel, aber mit einer so metallisch hohl und fast schief angeschlagenen Gitarre (im Stil von Adrian Belew) hingefetzt und mit treffsicheren Pauseneinsätzen strukturiert, dass es weder ein Crimson-Abklatsch noch ein Metalrocker ist: es ist einfach eine neue musikalische Welt voller Faszination.
Beispiel ?Revolver?: eine solch ergreifende und dennoch schlichte Ballade habe ich seit King Crimson?s ?Walking on air? nicht mehr gehört ? sie ist nur noch viel besser, weil sich das Ergreifende quasi als Nebeneffekt völlig zwanglos einstellt und gar nicht beabsichtigt zu sein scheint; nicht einmal ein orchestraler Effekt im Hintergrund kann hier im Entferntesten kitschig wirken.
Beispiel ?The war against mental atrophy?: wenn ich jetzt schreibe, das sei eine kurze, ansprechende und direkt ins Ohr gehende Bassweise, dann klingt das langweilig. Es ist aber genau das, nur dass es sich anhört, als hätte Roger Waters Anno 1971 einen Acoustic-Song unter dem Einfluss von so dumpfen Songeinleitungen schreiben können, wie man sie heute bei diversen Metalbands hören kann ? manche Songs von Iced Earth z.B. beginnen ähnlich, ohne aber je so viel Stimmung aus dem Anfangsthema herauszuholen, und schon gar nicht mit dem Bass. Tom Shannon (dessen Tonspuren hier original zu hören sind) führt hier mal so nebenbei in zweieinhalb Minuten vor, wie das geht.
Beispiel ?Terryfying anticipations of the unspeakable?: Titel und Stimmung erinnern mich an den Film ?The village? von M. Night Shamalyan (ob das Zufall ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen); jedenfalls ist dies ein Track, mit dessen Material viele Gothicbands ein ganzes Konzeptalbum aus den Gräbern stampfen würden ? hier gibt sich eine Band damit zufrieden, mit ihren Glocken, Bässen und Gitarreneffekten dem Hörer für sechs Minuten so richtige Gruselschauer durch die Gehörgänge zu jagen, als sei Klasse statt Masse das Selbstverständlichste in der Musik, das es gibt.
Die Worte dieser Beispiele dürften reichen (was nicht bedeutet, dass die anderen Songs weniger erwähnenswert wären, ganz im Gegenteil). Mit dem Tod von Tom Shannon ist der Progwelt ein unersetzliches Genie verloren gegangen, und es dürfte für die Band nun schwer ? wenn nicht gar unmöglich ? werden, dieses unglaubliche Niveau zu halten ? schon das ist Grund genug, weshalb man dieses Album haben muss. Und wenn es nur genügend Leute kennen lernen würden, bestünde endlich mal die Chance, dass Nachfolger dieser Ideen einen meiner ganz persönlichen Träume verwirklichen würden: drauf zu kommen, dass Metal ein geniales Stilmittel sein kann, aber nichts, das den anspruchsvolle Hörer stundenlang niederhämmern sollte: eine Idee, die auch Dream Theater schon hin und wieder in ihrem Werk angedeutet haben und die hoffentlich nach weiterer Verbreitung schreit ? ihre Verwirklichung wäre dann für mich so sicher wie ?der Tod und die Steuer?.
| Anspieltipp(s): |
Das sollte man nur ganz oder gar nicht hören. |
| Vergleichbar mit: |
King Crimson vor allem - aber dieses Spektrum ist noch viel größer... |
|
| Veröffentlicht am: |
14.9.2004 |
| Letzte Änderung: |
14.9.2004 |
|
|
|
Zum Seitenanfang

Das sollte man ganz hören!
Dieses Album wirbelt die Stilrichtungen durcheinander - und eigentlich ist nur das kontrastreich rockende Misunderstanding a little less completely an den KING CRIMSON- oder vielleicht auch TOOL-Stil angelehnt. (Fast) kein Stil findet zweimal Verwendung und doch atmet das Album eine ungeheure Atmosphäre des Zusammenhangs.
Der Grundcharakter des Albums ist dabei ein morbider. Dies wird in den Texten deutlich, etwa wenn die Vision des eigenen Todes beschrieben wird (Death: Theory), wenn Terrifying anticipations of the Unspeakable beschworen werden. Aber auch musikalisch ist die Grundstimmung düster bis melancholisch bis hin zum genannten Doom-Stück kurz vor Schluss. Interessanterweise strahlt aber gerade das vom verstorbenen Bassisten Tom Shannon eingespielte Bass-Lied vor Wüstenwindkulisse bei aller Einsamkeit so etwas wie Optimismus aus. Das Spiel mit dem Tod, den die Band ironischerweise gepaart mit den Steuern im Namen trägt, wirkt vor dem Hintergrund des Todes des Bassisten auch vollkommen ungekünstelt und verleiht dem Album seinen ganz besonderen Charakter.
Da sind neben den erwähnten Songs noch das melodiestarke und schön relaxte Revolver, das bei mir Anklänge an Steve Winwoods TRAFFIC weckt. Auch die psychedelisch-spacerockige Richtung wird mit The Suffer Ring nach längerer hardrockiger Einleitung bedient. Mehr ins Stoner-Rockige geht es mit It is now becoming fantastic und in den Hardrock im Midtempo mit dem folgenden Famous strangeness. Erwähnenswert darüber hinaus noch der furiose Jazz-/Blues-Mix von Death: Theory.
Die Einzelstücke empfinde ich selten besser als gut, aber in der Gesamtschau, dem Zusammenwirken der einzelnen Stücke, ist es einfach einen Tick besser. Das Album strahlt eine ungeheuer intensive Atmosphäre aus.
| Anspieltipp(s): |
Misunderstanding a little less completely, Revolver |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
21.9.2004 |
| Letzte Änderung: |
14.3.2012 |
|
|
|
Zum Seitenanfang

Erwartungen müssen sich nicht unbedingt erfüllen. Vor allem dann nicht, wenn man eine Riesenerwartung hat und gespannt ist wie Flitzebogen, schon bevor man den ersten Ton des Albums vernommen hat.
Und so bin ich nicht nur mäßig enttäuscht, sondern sogar auf fast ganzer Linie. "The Alaska 12 Expeditions" kann bei mir nicht annähernd die Euphorie auslösen wie bei meinen Vorrezensenten. Die Tatsache, dass das Album quasi aus Vermächtnissen des verstorbenen Tom Shannon entstanden ist, bessert meinen Eindruck nicht im geringsten. Ich vermute sogar, dass es der Grund ist, weshalb ich das Album als Stückwerk empfinde (weil eben nie zu Ende komponiert), für viel zu langatmig halte (keine Linie vorhanden und manche musikalische Themen einfach ausgereizt bis zum Anschlag) und kaum Aufhänger darin finde, die mich wirklich mitreißen, gar begeistern könnten.
Das Album beginnt hingegen noch recht vielversprechend. Nach kurzem Intro fasziniert ein kurzes Bassstück (The war against mental atrophy) zum leider schon letzten Male meine Ohren. Das nachfolgende "Misunderstanding a little less completely" ist zwar heavy, allerdings erschließt sich das Stück mir nicht, und ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso das Grundthema nach knapp 6 Minuten nochmal aufgegriffen wird und das Stück nochmal anfängt - spätestens da langweilts.
Und so geht mir das auch in anderen Stücken. Hier und da klingts gut, lässt aufhorchen, auf Distanz begeistert es mich eben nicht. Und dann ist da auch noch der Gesang, der mich emotional kein Stück erreicht und für mich wie lästiges Beiwerk klingt.
So mies das nun auch alles klingt, so kann man dem Werk sicher seine Einzigartigkeit nicht absprechen. Das Album bringt schon eine Spur Außenseiterdasein mit, hat auch etwas Innovatives - schon allein durch die Verquickung der verschiedensten Stile (von Country über Folk zu Heavy Metal). Dennoch bleibt für mich die Erkenntnis, dass Innovation nicht immer gleichzusetzen ist mit Begeisterung.
| Anspieltipp(s): |
|
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
27.10.2004 |
| Letzte Änderung: |
27.10.2004 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Death & Taxe$
Zum Seitenanfang
|