The Puzzle
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
F.act Records |
| Durchschnittswertung: |
10.6/15 (5 Rezensionen) |
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Besetzung
| Andreas "Eddie" Gemeinhardt |
Gitarre |
| Marek Arnold |
Keyboards, Saxophone, elektrisches Saxophon, Klarinette |
| Heiko Rehm |
Bass |
| Ulf Reinhardt |
Schlagzeug |
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| Ronny Gruber |
Gesang |
| Lars Köhler |
Gesang |
| Anne Trautmann |
Gesang |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Everytime
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4:30
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| 2. |
Sigrid
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6:02
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| 3. |
Enslaved
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5:31
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| 4. |
Diary
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5:26
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| 5. |
Tell Me
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4:10
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| 6. |
Days Run Away
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7:50
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| 7. |
At The End Of December
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6:17
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| 8. |
The Puzzle
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5:00
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| 9. |
As One
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3:48
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| 10. |
Farewell
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6:17
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| 11. |
Hidden Track
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7:59
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| Gesamtlaufzeit | 62:50 |
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Rezensionen

Der erste Gesang, den man auf diesem Album hört, wird gerappt. Ach nee, Rap mochte ich noch nie, und dabei war die instrumentale Einleitung mit früher Saga-Rhythmik doch so schön. Aber was ist das? Plötzlich wird wirklich gesungen und das wiederum erinnert eher an Kansas.
Genau dieses musikalische Wechselbad ist der rote Faden, der sich durch "The Puzzle" zieht. "Eklektizismus" höre ich die ewigen Nörgler schreien, "sehr abwechslungsreich und bunt" sagen die anderen, die mit den offenen Ohren. Da wird mal eine leise, klassisch anmutende Pianomelodie hingehaucht, dann rotzt eine Gitarre los, um Raum zu schaffen für Marek Arnolds jazziges Saxofonspiel - das alles zu hören in "Sigrid".
"Enslaved" kommt eingängig poppig daher - warum hört man das nicht mal im Radio? - wieder mit tollem klaren Gesang. Ähnlich frisch klingt auch "Diary", das aber im Mittelteil wieder durch unpassenden Rap empfindlich gestört wird.
"Tell me" hat wieder diese zarten Saxofontupfer, klingt aber ansonsten eher unspektakulär und wirkt ein wenig fremd auf der CD.
Auf "Days run away" darf Gitarrist Andreas Gemeinhardt endlich zeigen, was er kann. Man mag gar nicht glauben, dass dieser Mann üblicherweise für die eher dem Schlagerbereich (igitt, das ist ja noch schlimmer als Rap) zuzuordnende Ute Freudenberg die Saiten zupft. Wunderbarer Artrock!
"At the end of December" ist ein eher typischer Rocksong, der allerdings durch kleine Keyboard-Gimmicks und das ulkige Jahrmarkt-Outro interessant wird.
"The Puzzle" ist ein feines Instrumental, das mich aus welchem Grund auch immer an Alan Parsons zu "Steoretomy"-Zeiten und - schlagt mich - "Humble Stance" von Saga denken lässt. Garniert wird das ganze dann noch mit einem Saxofon à la Branford Marsalis. Sehr gelungen.
Bei "As one" taucht dann der von mir nicht gerade geliebte Sprechgesang wieder auf. Zum Glück nur kurz.
Das abschließende "Farewell" überrascht zunächst mal mit einer kraftvollen weiblichen Stimme (beim nächsten Mal bitte mehr von Anne Trautmann!). Das sanfte Pianospiel weicht nach gut 4 Minuten Klangspielereien im Stil von Jean Michel Jarre oder Klaus Schulze. Ein schönes Ende... aber halt! Mein Player zeigt noch zehn weitere Stücke an? Neun davon sind absolute Stille. Die Nummer 20 lässt nach 55 Sekunden noch einen instrumentalen "Hidden Track" im Jazzgewand erklingen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die wohl der Funk- und Soulvergangenheit der Rhythmussektion Reinhardt/Rehm geschuldeten Rap-Passagen - habe ich schon erwähnt, dass ich keinen Rap mag? - teilweise etwas aufgesetzt wirken, insgesamt hier jedoch professionelle Musiker mit Spaß an ein Projekt herangegeangen sind, das auf Nachfolgealben hoffen lässt.
Ach ja, noch ein Hinweis: Auch wenn Marek Arnold bei Seven Steps to the Green Door federführend ist, hat die CD nicht viel mit der Musik von Toxic Smile gemeinsam! Sei´s drum, ich mag beide Bands.
| Anspieltipp(s): |
Days run away, The Puzzle |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
1.7.2006 |
| Letzte Änderung: |
2.7.2006 |
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Also, wer seine Band "Seven Steps To The Green Door" nennt, rechnet wahrscheinlich nicht mit dem großen nationalen oder gar internationalen Erfolg... Trotzdem hätte das Septett um den Toxic Smile-Keyboarder Marek Arnold vielleicht sogar Chancen auf Air Play und einen gewissen Erfolg, zumindest im rock-affinen Hörerumfeld, wenn nur jemand dieses Album jemals zu Ohren bekommen würde.
Das Projekt aus dem Osten Deutschlands vereinigt Musiker mit unterschiedlichen Hintergründen und so bietet die Musik auch ein "Querbeet" interessanten Rocks mit einem Schuß (Soft-)Jazz. Locker und lässig spielen sich Seven Steps To The Green Door durch melodischen Rock (wo auch ganz selten mal das Tempo ein bisschen angezogen wird), luftige Pop-Melodien und sanfte Piano- und Saxofon-Läufe.
Dabei könnten gerade ein fast schon AOR-naher Titel wie "Enslaved" oder die zuckersüße Ballade "Tell Me" Songs mit Hitpotential abgeben. Dass sie es auch noch ganz anders drauf haben, zeigen die Seven Steps... aber auch mit verzwirbelten Rockern wie "Days Run Away" oder "At The End Of December" und dem angeproggten Instrumental "The Puzzle".
Aufgemischt wird die Musik durch allerlei elektronische Gimmicks, die zunächst gar nicht so ins Ohr fallen, aber unterm Kopfhörer doch deutlich werden, und den gelegentlich eingesetzten Rap-Gesang. So eine kurze, knackige Portion Sprechgesang lasse ich mir dann schon mal gefallen, wenn sonst - wie hier - recht melodisch mit der Stimme umgegangen wird.
Schwachpunkte des Albums könnten - je nach Standpunkt des Hörers - sein: Die allzu leichtgewichtige Melodienseligkeit kann leicht etwas "unproggy" wirken, für Progheads im engeren Sinne ist das also nichts. Mir persönlich gehen die sanften Saxofon-Töne etwas gegen den Strich. Saxofon ist eh ein kritisches Instrument für mich, aber wenn, dann doch bitte mit Rotz und Verve gespielt à la David Jackson oder Akineton Retard und nicht ganz so süßlich-sanft...
Aber sei's drum: Genau richtig im Timing legen Seven Steps To The Green Door das diesjährige Sommeralbum für Proggies vor ;-) Sozusagen der legitime Nachfolger von Henning Paulys "13 days", an das ich mich gelegentlich erinnert fühle.
Ach ja: Hidden Track... eine seltsame Angewohnheit, die ich so gar nicht leiden mag. Die Variante auf diesem Album ist allerdings besonders nervig: Nach neun Mal Stille kommt dann doch noch was... ich hätte den Track ohne die Beschreibung vom Kollegen Dirk gar nicht gefunden, denn wenn man mit einem Funkkopfhörer hört (wie ich), dann verliert dieser bei allzu langen Ruhephasen den Kontakt und ein unsanftes Rauschen ertönt. Man kann sich vorstellen, dass das keinen Spass macht. Und dann ist der Hidden Track die ganze Mühe auch nicht wirklich wert...
| Anspieltipp(s): |
Enslaved, Days Run Away, The Puzzle |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
2.7.2006 |
| Letzte Änderung: |
2.7.2006 |
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Nun, das ist ja mal ein kryptischer Name für eine Band, lässt sich wahnsinnig leicht einprägen und geht einem so gar nicht mehr aus dem Kopf. Wie kann man einer Band nur solch einen Namen verpassen? Ich weiß es nicht, selbst wenn das Album-Cover versucht, den Namen bildlich zu untermalen!
Doch Cover hin oder Name her, eins ist klar: jeder einzelne Schritt (dem Cover nach wohl eher jede Stufe) in Richtung der (imaginären) grünen Tür ist ein musikalischer Hoch-Genuss. Allerdings ein Genuss, der vom Hörer mehr verlangt, als sich auf eine musikalische Richtung oder ein starres Schema (Rock? Rap? Pop? Prog? Jazz? Alternative? ? alles dabei!) festzulegen. Die Treppe führt wohl nicht zum zeppelinschen Erfolgshimmel, eher zur völlig zu Unrecht unbeachteten Hölle anspruchsvoller Rockmusik, die im Radio kein Gehör und bei Vermarktungsstrategen keine Beachtung findet.
Die absoluten Stärken der deutschen Band liegen neben ihrer musikalischen Stil-Vielfalt wohl besonders auch im Einsatz von vier tollen Sängern (zwei männliche, eine weibliche und eine weibliche [Gast-]Stimmen) und der breiten Instrumentierung (neben Gitarre, Schlagzeug, Bass & Keyboards auch Saxofone und Klarinetten sowie Percussion-Instrumente). Außerdem lauern auf dem Silberling jede Menge überraschende Sound-Gimmicks, die in bester Stereo-Qualität dem Hörer rechts wie links um die Ohren gehauen werden. Eine zusätzliche Adelung erhält die Musik auch dadurch, dass Norbert Jäger, das legendäre Gründungsmitglied der seit nunmehr 42 Jahren aktiven deutsche Proglegende Stern-Combo Meißen, die Percussions auf ?The Puzzle? einspielte.
Schon der Opener ?Everytime? beginnt mit einer Stereo-Spielerei, einem Synthie-Ton auf Wanderschaft durch die einzelnen Boxen, der dann durch Saga-haft gespielte Keys und Gitarren verdrängt wird. Doch es kommt noch besser, urplötzlich setzt sanfter Rap-Gesang ein, jeweils eine Zeile auf dem rechten, die nächste auf dem linken Kanal usw. Doch auch dieser Gesang erweist sich nur als gewollte Provokation, denn er wird sehr schnell ?normal? und melodiös, der Titel gewinnt an Härte und Fahrt. Diese zügige Reise endet aber schon wieder bei ?Sigrid?, die man mit einem zarten Piano-Spiel und wundervollem, fast traurigen Gesang begrüßt ? aber auch dieser Titel wird zu einer wahren Achterbahnfahrt: Traurigkeit zerbricht an Gitarren- & Keyboard-Dynamik, die dann plötzlich durch ein bar-jazzig gespieltes Saxofon abgelöst wird, um gleich wieder die Oberhand zu gewinnen, die letzten Endes wieder von dieser anfänglichen Traurigkeit abgelöst wird. Allein dieser eine Titel spiegelt die immense Vielfalt des ganzen Albums wider, die zu beschreiben fast unmöglich oder zumindest den Umfang einer Rezi sprengend ist.
Besonders erwähnenswert ist wohl auch der einzige Instrumentaltitel des Albums, der zugleich dessen Namensgeber war, da hier eine herrliche Kombination aus elektronischen Instrumenten sowie Gitarre, Schlagzeug und viel Saxofon gefunden wurde, die an die allerbesten Zeiten eines Klaus Doldingers erinnern lässt. Und wenn wir schon bei Vergleichen sind, dann fallen mir noch bei den ruhigeren Titeln Saga oder Alan Parsons Project ein, bei den härteren Stücken Symphony X oder Enchant, wobei die Vergleiche bei der abwechslungsreichen Musik wirklich hinken.
Tieftrauriger Höhepunkt und Abschluss des Albums ist dann, wie passend, ?Farewell?, gesungen von Anne Fritzsche, deren ?schwarz-soulige? Stimme fast göttlich (Ich übertreibe nicht!) klingt, so als hätten im Himmel schwarze Engel einen Chor gebildet, um dessen Schönheit nicht wie gewohnt zu ver(sinn)bildlichen, sondern zu vertonen! Unglaublich!
Nach diesem faszinierenden Ende wird leider ein völlig überflüssiger Hidden-Track (Titel 11-19 Stille, Titel 20 ein jazziges, etwas an GONG erinnerndes Musik-Schnipselchen) angehängt. Hier wird sozusagen noch mal das Puzzel-Thema aufgegriffen, allerdings habe ich inzwischen gegen jegliche Art von Hidden-Tracks eine Allergie entwickelt. Das Thema ist einfach ausgereizt. Zum Glück ist dies der einzige Schwachpunkt dieses Albums.
Doch alles Andere an dieser Band, die sich Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, dem musikalischen Himmel (zumindest meinem) nähert, bleibt rätsel- und zauberhaft. Ach ja, die grüne Tür scheint keine Klinke zu haben, aber eine wundervoll klingende Türglocke bittet um Einlass.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
15.8.2006 |
| Letzte Änderung: |
15.8.2006 |
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Um den Faden nicht noch einmal von vorn aufzurollen, ein paar ergänzende Kommentare von mir.
Sprechgesang auf diesem Album ist nicht als Rap im Sinne von Hip-Hop sondern eher als Rap im Sinne von Crossover zu verstehen, wie unter anderem von den H-Blockx dargeboten. Ich finde das durchaus ansprechend, fügt es sich doch gut in die Stücke ein und ist nicht ?aufdringlich? vorgetragen.
Gelungen finde ich auch den Spannungsbogen, der über das Album hinweg geboten wird. In dieser Konstellation vergeht die Zeit im Flug und ich habe das Bedürfnis, das Album gleich nochmal zu hören, wenn es denn zuende ist. Ein paar Stücke fallen dagegen aber ein wenig ab. So die leider etwas zu kitschig geratene Ballade 'Tell Me', was vor allem an Arnolds Saxofonspiel liegt, und 'Sigrid', das mich aufgrund des perfiden Wortspiels ?secret? <-> ?Sigrid? im Refrain nach ein paar Durchläufen nervt. Die zusammengehörigen Stücke 'Enslaved' und 'Diary', 'Days Run Away' mit seinem schrägen Intro und das instrumentale Stück 'The Puzzle' sind dafür sehr stark.
Trotz der Absicht der Musiker, in allen Rockgewässern zu fischen, sollte man schon einen Hang zur Melodieseligkeit mitbringen. Mir ist das Album stellenweise zu brav um richtig gut zu sein, ein bisschen rockiger, lauter hätte es sein dürfen. Genau das wünsche ich mir von einem eventuellen Nachfolger.
| Anspieltipp(s): |
'Diary', 'Days Run Away' |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
31.8.2006 |
| Letzte Änderung: |
30.8.2006 |
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Als Kind frönte ich einer Leidenschaft, die mich Stunden in ihren Bann ziehen konnte. Ich puzzelte. Regelrecht süchtig sortierte ich die einzelnen Teilchen nach geraden Seiten, nach bestimmten Motiven oder besonders auffälligen "Beinchen". Jedes einzelne Puzzleteil entwickelte so sein Eigenleben, bis es, zusammengefügt mit einem anderen, erst ein Bild ergab, das dann wiederum irgendwo im Großen und Ganzen des kompletten Puzzle-Meisterwerks aufging.
Dass eine ähnliche Form des Zusammenfügens einzelner musikalischer Puzzle-Teile auch in der Musik möglich ist, um aus einem zerstückelten, stilistischen Etwas ein Klangbild entstehen zu lassen, war mir bisher noch nicht bekannt. Dabei lag es doch nur sieben Schritte weit von einer grünen Tür entfernt. Wenn man diese öffnet, tanzen dahinter rockige Headbanger mit poppigen Fönfrisurträgern und rappenden Rastalockenhüpfern, die progressiven Freigeistern ihre so wichtigtuerische, intolerante Arroganz mit Hilfe von grauhaarigen Jazzern davonblasen.
Sowas kann einfach nicht gehen? Von wegen! Seven Steps To The Green Door sind eine Band von Musikern, die aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen kommen und sich um den auch Saxofon spielenden Keyboarder Marek Arnold geschart haben. Mit seiner Band Toxic Smile hat Arnold bereits einige Achtungszeichen in der progressiven Rockszene gesetzt und sogar in Südkorea größere Erfolge feiern dürfen. Das ging allerdings nur so lange gut, bis die Forderungen der großen Plattenbosse an die Band, doch endlich auch "Wonderful Tonight" von Eric Clapton zu covern, deutlich über deren anspruchsvolle Hutschnur hinausging und man sich im beiderseitigen Einvernehmen trennte - um seine musikalische Zukunft im progressiv schnarchigen Deutschland fortzusetzen. Schon 'ne ganze Menge, auf was Musikmoralist Arnold da im Interesse der Kunst verzichtete. Doch ohne diesen Verzicht hätten wir garantiert nicht dieses spannende, jeglichen Stilbruch praktizierende Album vor uns liegen.
"The Puzzle" ist das Ergebnis eines kreativen Austauschs von Musikern, die von Hause aus in den unterschiedlichsten Kapellen aktiv sind, also neben der bereits erwähnten Prog-Metal-Band Toxic Smile wären da noch die Funkrockband Mother's Pride, die Hardcore-Fraktion Xtro, das Power-Metal-Projekt Testimony oder ganz einfach einer der in Deutschland gefragtesten Studio-, Live- und Jazz-Gitarristen "Eddy" Gemeinhardt. Man muss wirklich ganz schön puzzeln, um all die Einflüsse unter einen Hut zu bringen. So erscheint dieses Album an gewissen Stellen noch wie ein Selbstfindungsversuch, der Rockmusik mit progressiven Ideen, eindringlichen Melodien und überraschenden Grooves zu kombinieren versucht und diese dabei immer wieder mit besonders durch das Saxofon heraufbeschworene Jazzeinlagen würzt.
Ein zusätzliches Puzzle-Stück, das sich hervorragend in dieses von seiner Covergestaltung her recht dunkle Album einpasst, ist der Gesang von Anne Fritzsche von der Band Dayfly (Übrigens ein faszinierendes Folk-Pop-Projekt, das es ebenfalls zu entdecken gilt!) auf dem offiziell letzten Titel (Es folgt nämlich noch ein Hiddentrack!), der eine tiefdunkle Ballade voller Wehmut und Leidenschaft ist. Zusätzlich gibt's noch ein besonders leuchtendes Puzzle-Teil, das einen Namen trägt: Norbert Jäger, Gründungsmitglied und Percussionist der DDR-Artrock-Legende Stern-Combo Meissen, verleiht an verschiedenen Stellen der Musik durch sein Percussionspiel eine ganz besondere Atmosphäre, sodass vielleicht sogar die alteingefleischten Fans der Stern-Combo mit dieser Scheibe einen bisher noch ungehobenen Edelstein entdecken können.
Ein wirklich mutiges Album! Genauso mutig ist wohl auch die Wahl des Namens. Gibt es in der Rockmusik überhaupt eine Band, die einen längeren zu bieten hat als Seven Steps To The Green Door? Mir zumindest ist diesbezüglich keine bekannt, dafür aber das Geheimnis, das sich um diesen Namen rankt. Darum will ich es hier lüften. Der Schlagzeuger Ulf Reinhardt hatte in seinen frühsten Musikerjahren eine Band gegründet, die einen ebenso verrückten Namen trug: Preachers Of Prunes (Backpflaumen-Prediger). Ihr erstes fertig produziertes Album, das allerdings niemals endgültig zur Veröffentlichung kam, hieß .......?????? Genau! Allerdings erklärte die Band Ulf anfangs für verrückt, als er diesen Namen neben einer Vielzahl anderer vorschlug - jedoch war einen Tag später allen Musikern nur noch dieser, wohl doch recht interessante Vorschlag in den Gedankengängen verankert geblieben. Und dass dieser Name zu solcher Musik mehr als passend ist, kann man wahrhaft nicht überhören!
FAZIT: Mit ihrem Debüt "The Puzzle" schuf diese junge ostdeutsche Band ein musikalisches Kaleidoskop in den buntesten Farben, die nach sieben Schritten an einer grünen Tür enden. Hier entstand ein musikalischer Silberling, der noch die Suche nach etwas völlig Neuem darstellt, und so bei jedem aufgeschlossenen Hörer riesige Neugier erwecken muss. Und was kaum zu glauben war, sollte zwei Jahre später in Erfüllung gehen. Auf dem Nachfolgealbum wurde nicht mehr gepuzzelt, sondern nahtlos zu einem faszinierenden musikalischen Bild zusammengefügt. Doch dazu komme ich dann etwas später!
| Anspieltipp(s): |
Egal, kein Titel klingt wie der andere! |
| Vergleichbar mit: |
Saga, Toxic Smile, Marillion, Pink Floyd ... |
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| Veröffentlicht am: |
21.11.2010 |
| Letzte Änderung: |
10.3.2012 |
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