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STATISTIK
23964 Rezensionen zu 16368 Alben von 6362 Bands.
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Opeth

Watershed

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Progmetal; RetroProg
Label: Roadrunner
Durchschnittswertung: 13.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Mikael Åkerfeldt Guitars, vocals
Frederik Åkesson Guitars
Martin Mendez Bass
Per Wiberg Keyboards
Martin Axenrot Drums

Gastmusiker

Nathalie Lorichs Vocals

Tracklist

Disc 1
1. Coil 3:10
2. Heir Apparent 8:50
3. The Lotus Eater 8:50
4. Burden 7:41
5. Porcelain Heart 8:01
6. Hessian Peel 11:25
7. Hex Omega 7:00
Gesamtlaufzeit54:57


Rezensionen


Von: Michael Büttgen @ (Rezension 1 von 3)


Fast 3 Jahre hat's gedauert, bis sich die Schweden um Grunzgurke Mikael Akerfeldt nach der strapaziösen und kräftezehrenden Produktion von "Ghost Reveries" wieder aus dem Tal der trauernden Frickelseelen an die Öffentlichkeit wagen. Nach eigenen Aussagen war diese Zeit sogar dermaßen anstrengend für die Band, dass Akerfeldt ernsthaft in Erwägung zog, wohl eine der z.Zt. führenden und einflussreichsten Prog-Deathmeal-Bands den Gnadenschuss zu geben und aufzuhören. Gott sei dank ist es – nach einigen Besetzungswechseln – nicht dazu gekommen. Im Gegenteil: Die Band ist gestärkt aus diesem Konflikt hervorgegangen und präsentiert als Beweis ihr neues Album "Watershed".

Kommen wir also zum subjektiven Teil. Nachdem ich bei den letzten Alben durchaus den kompositorischen wie technischen Anspruch erkannt habe, habe ich trotzdem seither diese Alben im Vergleich zu solchen Perlen wie "Still Life" oder "Blackwater Park" nur selten gehört und sie setzen auch noch heute Staub in meinem CD-Regal an. Ob das nun auch bei "Watershed" der Fall ist? Also, ich kann bisher verkünden, dass ich immer noch, und nach zahlreichen Hördurchgängen, das neue Scheibchen wirklich mag und immer noch gerne höre. Es hat vielleicht sogar das Zeug dazu, sich zu den beiden oben genannten Meisterwerken zu gesellen.

Mit "Coil" steigen die Schweden stimmungsvoll relaxt, mit gewohnten Akustikklängen, Akerfeldt'schen Klargesang und weiblicher Unterstützung ein. "Heir Apparent" und "The Lotus Eater" zerstören mit brachialen Riffs die fluffige Atmosphäre des Openers und es geht in bester Death-Metal-Manier und einem zutiefst growlenden Mikael Akerfeld in die nächste Runde. Der absolute Wahnsinn! Double Bass-Attacken, rasende Geschwindigkeit und pure Aggressivität paaren sich mit muffeligen, aber sanften Mellotron-Klängen, melodischen Gitarrensoli und schiefen Takten, die jedem aufgeschlossenen Progger die Freudentränen in die Augen treiben könnten, hätten die meisten nicht so viel Angst vor Growls. Dabei ist der Herr Akerfeldt doch ein begnadeter Könner dieses extrem ausdrucksstarken Gesangsstils.

Nach diesem Inferno für Kopf und Herz nehmen die Jungs bei "Burden" den Fuß vom Gaspedal und präsentieren mit dickem Mellotron- /Orgelsound und klarem Gesang einen schönen, mit ordentlichen Gitarrensoli aufgepeppten Song für die Romantiker unter uns (also für so gut wie keinen hier, richtig?).

Das schleppend in Fahrt kommende "Porcelain Heart" setzt sich zwar mit einem markanten, opulenten Riff ins Ohr, bleibt aber in den 8 Minuten eher ruhig und unspektakulär.

Herzstück des Album ist – wie in den meisten Fällen – auch hier der Longtrack "Hessian Peel", der eigentlich alles bietet, was Metaller und Progger gleichermaßen zufrieden stellt. Die Progger werden in der ersten Hälfte mit ruhigen, atmosphärischen Mellotronklängen und retroprog-ähnlichen Strukturen verwöhnt, bis Opeth in der zweiten Hälfte des Songs den Frickeldeath auspacken, ohne jedoch dabei selbstverfreilich den Prog, bzw. das Mellotron gänzlich aus den Augen zu verlieren.

Das ruhige, zurückhaltende "Hex Omega" markiert auch schon den Rausschmeißer von "Watershed", mit dem ich alles in allem eigentlich ganz zufrieden bin. Dank der beiden Granaten "Heir Apparent" und "The Lotus Eater" setzt die Platte auch nach dem x-ten Hördurchgang bisher keinen Staub bei mir an.

Opeth schaffen es mit ihrem neuen Werk die alten Fans, die die metallischere, extremere Phase der ersten Alben bis "Still Life" vermisst haben und die Prog-Fans, die die anspruchsvollere, verspieltere und atmosphärischere Phase der letzten Alben bis "Ghost Reveries" mochten, gleichermaßen zufrieden zu stellen.

"Watershed" erscheint ebenso in einer limitierten Edition, die zusätzlich eine DVD mit diversen 5.1 Versionen und Bonus-Tracks beinhaltet.

Anspieltipp(s): Heir Apparent, The Lotus Eater
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.6.2008
Letzte Änderung: 7.10.2013
Wertung: 12/15

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Von: Markus Wierschem @ (Rezension 2 von 3)


Der Brief erreichte mich an Karfreitag, als Expresspost. Kein Absender. Ich brach das wächserne Siegel. Eine Photographie. Lieber Freund, ein kleines Zeichen meiner Anerkennung. Photographiert im Mai letzten Jahres. Heute ist das Bild ausgeblichen, verkratzt. Vermutlich war es schon ehedem nie gut, Grünstich, verschwommen und überbelichtet. Wer ist der Mann auf dem Bild? Vielleicht will ich es wissen. Wir sammeln Bilder, jeder von uns, wenigstens ich, von uns, Familie, Freunde, von uns, Geliebten, ehemals Geliebten, beinah Geliebten, von uns, Toten, Lebenden. Tot. Vielfach schon lange tot, noch so lebendig in unsern Bildern. Manche sind uns teuer, manche verhangen in Schande, mit weißen Laken, manche beides, jene, die uns anstarren, starrer Augen aus ihre Rahmen, durch die Laken. Immer die Familie. Grünstichig, ganz am Rand, das Bild einer Frau auf dem Schreibtisch, leicht abgewandt. Ist es meine Mutter? Vielleicht war der Mann mein Vater. Vielleicht war ich es selbst. So viele Bilder. So viele Lügen.

Das Album ist ein Rätsel. Drei Jahre nach Ghost Reveries veröffentlichen Opeth Watershed. Gleich in mehrfacher Hinsicht markiert das Werk einen Wendepunkt. So verließen innerhalb von zwei Jahren sowohl Schlagzeuger Martin Lopez als auch Gitarrist Peter Lindgren die Band, ersterer wegen gesundheitlicher Probleme, letzterer wohl, weil ihm Opeth als "Unternehmen" zu groß geworden waren. Dafür stießen an Stöcken und Saiten Martin Axenrot (Bloodbath) und Frederik Åkeson (ehem. Arch Enemy) hinzu. Öffnet man das Booklet ist man überrascht: keine Lyrics, nur kryptische Chiffren am Ende des Heftchens. Mikael Åkerfield befand die Texte für "zu persönlich", wollte lieber noch eine Weile damit zurückhalten. Was könnte so persönlich sein? Die Seiten gehören beinah ganz Travis Smith, der in Zusammenarbeit mit Åkerfield das Artwork gestaltete. Statt Worten also sprechende Bilder.

Ich stehe von meinem Schreibtisch auf, und trete zwischen die langen Vorhänge am Fenster, schaue hinaus. Draußen ziehen Nebelfetzen vorüber, tränken die Äste der Nadelsträucher und Bäume um das Haus, hüllen sie in weiße Fetzen. Vielleicht war es immer so. Stünde ich draußen, ich könnte kaum die Hand vor Augen erkennen. Es war ein trockener Tag ungewöhnlich heiß für April, als sie den Leichnam abholten. Es war ein langer Cadillac, aber die Hand des Mannes, ich glaube es war der Priester, war kalt und hart, als ich sie schüttelte. Wish you were here. Dann fuhren sie, und nahmen sie mit. Aber vielleicht war es doch mein Vater.

Und die Musik? "Coil" leitet das Album überraschend mit sanfter Akustikgitarre ein. Sind Mikaels wunderbare Vocals verhallt erklingt plötzlich eine Frauenstimme, die von Natalie Lorichs. Beide finden nicht zusammen, der "Bund" scheint gebrochen. So gerät das von Streichern und Oboe getragene Vorspiel des Albums zur melancholischen Weise, die in einer dunklen Drohung ausklingt. "Heir Apparent" bricht mit der Brutalität aufgestauten Zorns aus den Boxen, die Growls ein Schrei der Anklage, die knallharten Riffs nur kurz durchbrochen durch einen gehetzten, beinah schizophren wirkenden akustischen Brückenteil. Eingelullt durch das Summen eines Wiegelieds schreckt man aus unruhigem Schlummer, unsanft geweckt vom Grollen des Riffgewitters und dem hochfrequenten Donnern der Doublebass. "The Lotus Eater" ist eine Spirale abwärts, in die Tiefen einer gestörten Seele. Wir hören Stimmengewirr, die Pfeifen einer düsteren Gruselorgel, und wir gehen die lange, lange Treppe abwärts, immer schneller. Eine kurze Erholungpause, nur um umso irrer die grinsenden Grimassen bösartiger Geister zu schauen, die einen irren, funkigen Ringelrein tanzen. Am Ende die Stimmen, wie sie wild durcheinander plappern. Hier werden alle Register progressiven Songwritings gezogen: Das Stück ist vertonte Schizophrenie.

Ich besuchte das Grab indem sie mich zur Ruhe gelegt haben. Ruhe! Nicht in dieser Familie. An jenem Tag, ich erinnere mich noch, da hörte ich sie streiten, in dem Zimmer mit den Vorhängen. Ich war zwölf oder dreizehn, und es war das erste Mal, dass ich sie so hörte, nicht wissend, worum genau es ging. Mein Gesicht war abgewandt. Wir müssen sie wegsperren. Es ist nur zu ihrem Besten. Vielleicht habe auch ich selbst mich gestritten, mit meiner Frau, und mein Sohn, oder mein Bruder, lauschte. Das Licht fiel hell durch die Fenster. In dem Zimmer, wo meines Vaters Schreibtisch steht. An dem ich meine Briefe schreibe.

"Burden" ist eine Ballade im Breitwandsound der frühen King Crimson. Hier darf sich Per Wiberg austoben: Gefühlvolles Piano, warmes Melotron, abgefahrene Läufe auf der Hammondorgel, dazu jagt ein latimereskes Gitarrensolo das nächste. Mikael Åkerfield geht ganz auf Schmusekurs, und alles könnte nun gut sein ... endete nicht alles doch wieder in tiefer Verstimmung. Es folgen drei Stücke in bester Opeth-Tradition: stets pendelnd zwischen anmutiger Schönheit und brachialer Gewalt, gespannt zum Zerreißen zwischen unheilsschwangeren Keyboards, harten Riffs und explosivem Drumming auf der einen und traumhaft-malerischen Akustik- und Pianoteilen auf der anderen Seite, die in "Porcelain Heart" Züge eines Wiegenlieds annehmen. Ein Gefühl der Zerrissenheit macht sich breit, enden doch auch "Porcelain Heart" und "Hessian Peel" (mit verstecktem Gruß an "sweet Satan") unbehaglich, in neurotischer Wiederholung. "Hex Omega" dagegen schließt mit einer Kirchenorgel. Das Ende kommt überraschend, schneller als erwartet.

Musikalisch reiht sich Watershed in eine Reihe exzellenter Alben aus der "Stadt des Mondes" ein, die die Schweden mit fast schon beängstigender Konstanz veröffentlichen. Es ist das bisher technischste, experimentierfreudigste Album der Band. Die Umbrüche hat man bestens verkraftet; sowohl Axenrot als auch Åkeson hinterlassen ihre deutliche Prägung. War Lopez im Grunde stets einem lässigen Groove verpflichtet, stehen bei Axenrot rhythmische Komplexität und Varianz im Vordergrund, und die hypnotischen Doppelläufe der Gitarren wurden zu Gunsten eines erhöhten Frickelfaktors und solistischer Einlagen Åkesons und Åkerfields etwas zurückgefahren. War Ghost Reveries geisterhaft und träumerisch, so ist das Element des Transzendentalen in Watershed beinah ganz verdunstet und im Psychologischen aufgegangen. Am Ende erscheint das Album als Portrait eines zerrütteten Individuums, dessen familiäre Vergangenheit schwere Schatten auf sein Leben wirft. So erscheinen auch die Stücke selbst, mit ihren oft scheinbar disharmonischen, gar "unbefriedigenden" Enden, als Ausdruck einer Psyche (Åkerfields?), die erfolglos versucht, das zu verarbeiten, was sie erlebt hat. Doch vieles bleibt unausgesprochen, Interpretationssache. Ob das nun psychologisch überzeugt oder als Geschichte Sinn macht, ist eher zweitrangig. Als musikalisches Kunstwerk jedenfalls ist Watershed ein Triumph.

Eines Tages waren sie alle fort. Ich kann mich nicht erinnern, wer zuerst ging, ich oder sie. So viele Lügen. Und Mutter? Sie sang uns abends immer Schlaflieder. Dann, eines Tages, war sie weg. Ich muss ihr immer mehr ähneln. Vielleicht haben wir sie getötet, ich weiß nicht mehr. Ich decke noch immer jeden Abend den Tisch für vier Personen. Und dann essen wir zusammen, wie es Brauch ist. Eine richtige Familie. Vielleicht sollte ich diesen Brief abschicken. Das Photo ist vom letzten Mai. Seitdem sind Jahre vergangen. Und meine Liebe? Vielleicht heirate ich sie eines Tages. Und wir werden gemeinsam alt.

Anspieltipp(s): Burden, The Lotus Eater
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.6.2008
Letzte Änderung: 7.10.2013
Wertung: 13/15
Opeth auf neuen Pfaden und in Höchstform.

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Von: Holger Grützner @ (Rezension 3 von 3)


Ein beeindruckender und schwerverdaulicher Brocken Musik.

Hoch interessante Texte.

Aber mit Schulenglisch ist man hier schnell am Ende.

Deshalb hat's bei mir ein Weilchen gedauert, aber mit jedem Durchlauf und jedem Klick ins online-Wörterbuch wuchs mein Staunen, denn es geht hier nicht um Liebelei oder Monsterkitsch. Hier ringt jemand mit einer Tragödie der besonderen Art. Der sich entwickelnde Hörfilm liest sich in etwa so:

Ich sitz hier fest. Mein Kopf rennt durch ein Sorgenfeld. Seit Tagen das gleiche Sorgenfeld. Ich erreiche sein Ende nicht. Nur meiner Schwester hab ich davon erzählt. Sie bedauert mich nun. Das tröstet. Helfen kann sie mir auch nicht.

Großvater ist der beste, wusste ich von jeher und ich bin sein Thronfolger. Alles hab ich von ihm gelernt. Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Luftgewehr schießen, was man halt so braucht. Lagerfeuer machen, Zelt aufbauen? Durch seine Gutenachtgeschichten ritten Hildebrandt, Eisenherz, Sigurd und Winnetou.

Großvater ist der beste - dachte ich immer. War das Irrtum oder gelogen?

In allem wollte ich sein wie er.

Er war der Mann, der alles konnte.

Er hatte ein Glasauge --- gut: auch Helden geht mal etwas schief.

Er hat schließlich unseren Wohlstand erschaffen - und er hat mir alles vererbt.

Er nannte mich immer "seinen Kronprinz", der später sein Andenken in Ehren halten wird. Er und ich - wir waren die MÄNNER der Familie.

Als er starb, war ich schon mitte 20. Kein Kind mehr. Ich wusste, dass Sterben zum Leben gehört. Trotzdem war es ein Schock für mich, als er von uns ging.

Großmutter gab mir vor ein paar Tagen einen Packen Briefe.

"Die gehören auch zu DEINEM Erbe."

Das "Deinem" hatte sie so eigenartig betont.

Nun weiß ich, was sie meinte, weiß jedoch nicht, ob ich sie hassen soll, weil sie mir diese Briefe gab oder ob ich ihn IHN - GROßVATER! - von nun an verachten muss --- Es ist so kompliziert! Wir waren so lange eins, flossen im selben Strom dahin, bis dieser Brocken, dieser Packen Briefe auf meinem Tisch landete und nun steh ich an der Wasserscheide:

Großvater! Unsere Wege trennen sich hier!

--Das kann ich nicht sagen! Das ist so undankbar!

Aber was hier steht, kann ich nicht gutheißen! Plötzlich ist da nicht mehr viel in Ehren zu halten! Verdammt!

--Aber ich bin doch dein Thronfolger! Warum kann ich dich nicht mehr fragen! Warum hast du mir nie davon erzählt! Wie wäre deine Version aus heutiger Sicht?

Du hast verdrängt statt zu bereuen. Verfluchen müsste ich dich.

--Nein, das kann ich nicht. Verflucht seien diese Briefe!

Nein das wäre feige. Das hieße mitschuldig werden. Ich kann dir nicht vergeben!

Hex Omega; aus! Aus! Verwünscht sei das alles! Was alles? Ich weiß es nicht ?

Soweit der Plot. Als Hörer sitzt man überwältigt vor den Boxen. Alter Schwede! Der du vor 50-60 Jahren Briefe nach Hause schriebst! Wo bist du gewesen?

Akerfeld lässt offen, wo Großvater sich als "spindeldürrer Traumtänzer" herumtrieb auf der "Suche nach seinen Idealen". Man erfährt nur, dass er sich fangen ließ von den Lügen im Auftrag eines mysteriösen "Thrones der Geheimhaltung" und Werkzeug wurde.

Was konkret geschah bleibt unerwähnt, aber:

"Getötet wird normalerweise immer woanders. Das ist immer weit weg!... Du hast mit mir gescherzt, gelacht, gealbert! Dein Gewissen regte sich nicht!"

Vor dem aufmerksamen Zuhörer entrollt sich eine sehr spannende und sehr gut verschlüsselte Geschichte, eingebunden in eine ebenso durchdachte Musik, die zwar als Progmetalmonolith auch ohne Text funktionieren würde, die jedoch auf dem Punkt im Dienst der Story steht:

Das hilflos zarte Liedchen von "coil" (dem Teufelskreis) als Opener, der immerwährende Wechsel zwischen Brutaloakkorden und melancholischen Passagen in den Folgesongs; klar gesungen, wenn mit der unangenehmen Wahrheit gerungen wird, Growls, wenn Großvater aus dem Jenseits zu höhnen scheint.

MEIN Lieblingsmoment passiert in Track 4, als dem Grübler die "burdon", (die Last, die er nun trägt) bewusst wird, wenn in der linken und rechten Box der Anlage 2 Klampfen sich perfekt ergänzen.

Dann fällt die rechte Gitarre aus.

Die linke spielt ein Weilchen weiter, aber plötzlich verzerren sich die Töne, dass man beim ersten Hören meint, die Anlage gibt den Geist auf oder die CD ist eine Montagspressung - dann der Gänsehautmoment der Erkenntnis, wenn man begreift:

Großvater und Enkel passten zusammen.

Der eine starb.

Der andere glaubt, weitermachen zu können wie bisher, bis -

tja bis zur "Wasserscheide".

Das Bild von der Wasserscheide funktioniert hier somit als Notlösung für die Problemsituation, in der man nicht verdammen kann - denjenigen, dem man selbst Dankbarkeit schuldet. Das Booklet, sehr gut illustriert, enthält keinerlei Wassermotive, sondern Gutshaus- und Gutsparkimpressionen grünstichig alt, verwunschen und menschenleer.

Eine Idylle, hinter der eine brutale Geschichte steckt.

Dieses Werk hätte einen Kultstatus wie "Electric Ladyland" oder "Dark side of the moon" durchaus verdient.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.4.2010
Letzte Änderung: 21.1.2013
Wertung: 15/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Opeth

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Orchid 12.00 1
1999 Still Life 8.00 2
2001 Blackwater Park 12.50 2
2002 Deliverance 11.00 1
2003 Damnation 10.17 6
2003 Lamentations (DVD) 10.00 2
2005 Ghost Reveries 13.50 2
2007 The Roundhouse Tapes 10.00 1
2011 Heritage 10.00 6
2014 Pale Communion 11.17 6
2016 Sorceress 10.40 5

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