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Isildurs Bane

MIND Volume 1

(Siehe auch: Leitfaden "Skandinavischer Prog der 90er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1997
Besonderheiten/Stil: instrumental; mit Orchester; Konzeptalbum; Moderne Klassik; Zappaeskes; sonstiges
Label:
Durchschnittswertung: 14/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Klas Assarsson Percussion
Jonas Christophs Guitar
Fredrik Emilson Bass
Joakim Gustafsson Violin
Mats Johansson Keyboards
Kjell Severinson Drums & Percussion

Tracklist

Disc 1
1. The Flight Onward - Phases 1-5 12:05
2. Ataraxia 3:27
3. In A State Of Comprehension 4:24
4. The Pilot 5:38
5. Unity 3:31
6. Opportunistic Walk - Phases 1-2 15:15
7. Holistic Medicine 14:51
8. A Blank Page 3:08
Gesamtlaufzeit62:19


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


"Isildurs Bane" sind eine schwedische Band, die schon seit Ende der Siebziger Jahre aktiv ist. "MIND" steht für "Music Investigating New Dimensions", ein recht anmaßender Titel, aber für meine Begriffe voll zutreffend für dieses gelungene Experiment. Dabei handelt es sich um ein Konzept, das der Keyboarder Mats Johansson entwickelt hat, und das den Prozeß des Komponierens/Schreibens von Musik in mehreren Phasen über "Experiment, Wissen, künstlerische Freiheit und Neugier" definiert und beschreibt und eine mögliche Arbeitsweise aufzeigt. Dieses Konzept wurde bei den mehrere Jahre umfassenden Arbeiten an der vorliegenden CD benutzt und wird auch lose in den Songs nachvollzogen und illustriert.

Aber egal, die Musik spricht für sich...

Man nehme von Frank Zappa entlehnte vertrackte Linien in üppigen Arrangments mit hervorstechender Melodie-Percussion, eine riesiges, an balinesische Gamelan-Ensembles angelehntes Percussion-Ensemble, eine rauchig-kratzige Ian Anderson-artige Flöte, ergänze das ganze durch ein veritables Rock-Orchester (Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Bandbesetzung) und lege dies alles in die Hände eines begabten jungen Komponisten mit einem Hang zur modernen Klassik, Prog-Hintergrund und einem Talent für unglaublich einfallsreiche Arrangements: voilà "MIND Vol.1". Aber diese Auflistung/Beschreibung wird dem ganzen immer noch nicht gerecht.

Schon das erste Stück, "The Flight Onward" ist ein echter Hinhörer. Nach einem ruhigen Synthie-Anfang entwickelt sich ein Kaleidoskop vertrackter Linien und seltsamer Rhythmen in verschiedensten Besetzungen über schweren Rock-Beats, wie ich es noch selten gehört habe. Und die ganze CD über bleibt die Musik auf einem konstant hohen Niveau. Neben vertrackten, schrägen Stellen stehen sanfte, wunderschöne akustische Parts und auch mal eine dreckig verzerrte Gitarre und unter all dem geschäftige, aber nie aufdringliche Percussion in unterschiedlichsten Klangfarben. herkömmliche Songstrukturen sucht man vergeblich, aber nie ist die Musik einfach nur schräg um des schräg seins willen, sondern recht zugänglich und zu jedem Zeitpunkt weiß man genau, wozu die momentane Stelle gut sein soll, auch wenn man nicht immer weiß, wo sie hinführt. Dennoch muß man genau und intensiv hinhören, um nur halb mitzubekommen, was gerade passiert. Die Instrumentierung ist - mit hilfe der vielen Instrumente - unglaublich delikat und abwechslungsreich. Ständig wechseln die Kombinationen von Spielern, und dadurch wird ein sehr origineller, nie langweiliger Sound erreicht. Mal teilen sich Flöte und Geige die Melodie, mal Percussion und Posaunen, mal vollkommen andere Kombinationen. Die Band begeht nicht den Fehler so vieler anderer Projekte, die klassische Instrumente mit Rock-Bands zu kombinieren versuchten, wo aber allzu oft die verschiedenen Welten einfach nebeneinander her spielten bzw. die Orchester lediglich als Begleitung der Band benutzt wurden, sondern hier werden die einzelnen Instrumente eng miteinander verwoben, um immer neue Klangeindrücke entstehen zu lassen. Und man sollte nicht vergessen, daß neben den ganzen kompositorischen und arrangement-technischen Kabinettstückchen auch noch einige wirklich schöne Gitarren-Soli geboten werden...

Und so gelingen "Isildurs Bane" spektakulär geniale Stellen, wie z.B. die bluesige akustische Gitarre in "Ataraxia", das Gitarrensolo in "In A State Of Comprehension", das fast Bombast wäre, wenn nicht ein so seltsames Verhältnis zwischen Solo, Akkorden und Baß herrschen würde, die tolle melancholische Melodie in "The Pilot", die von einer cleanen elektrischen Gitarre eingeführt und später im Stück grandios im Duett von leicht angezerrter Gitarre und Piccolo-Flöte wieder auf genommen wird: ein einfach geiler Gänsehaut-Sound. Ach, so viele tolle Stellen: die drängenden Kesselpauken in "Opportunistic Walk" ebenso wie die wahnsinnig coolen unisono Wah-Baß/Trompeten-Einwürfe im genialen Gitarren-Solo ebenda. "Holistic Medicine" ist übrigens eine akustische Nacherzählung eines Schachspiels (Zappas "Welcome To The United States", vom "Yellow Shark"-Album - eine Vertonung eines Einreiseformulars in die USA - kommt in den Sinn), in der ein Sprecher die einzelnen Züge aufzählt. Hier werden mit schrägen modern-klassischen Teilen und schönen Rock-Stellen die einzelnen Phasen der Partie nachgezeichnet: vom vorsichtigen Abtasten der Eröffnung bis zur bitteren Jagd des Enspiels, das hier eingeleitet wird durch eine an Mark Knopfler erinnernde cleane Klampfe, die durch eine düstere, drängend rockende verzerrte Gitarre verdrängt wird.

Ach, welch grandiose, intelligente, mitreißende, anstrengende, schöne Platte, die für vieles steht, was ich an Prog liebe. Mehr davon! Leider steht "MIND Volume 2" wohl erst für's Jahr 2001 ins Haus. Ich für meinen Teil warte schon ungeduldig.

Anspieltipp(s): The Flight Onward, The Pilot
Vergleichbar mit: orchestraler Frank Zappa
Veröffentlicht am: 14.5.2002
Letzte Änderung: 14.5.2002
Wertung: 14/15

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 2 von 4)


In beinahe allem unterschreibe ich Udos Meinung zu dieser wahrlich brillianten Platte; selten findet sich eine solch gelungene Synthese aus "Kopf" (minutiös durchgeplante Kompositionen mit allen Finessen und vielen aus der klassischen Fugentechnik entlehnten Kniffen, abwechslungsreiches Arrangement, das sich intelligent angepasst durch die Frequenzgänge der jeweiligen Instrumente hangelt usw usw) und "Bauch" (sehnsuchtsvoll, melancholisch, witzig, gruselig... immer voller Dichte in ihrer Aussage schwappt die Musik direkt ins Rückenmark...) innerhalb unserer zeitgenössischen Musikszene. An manchen Stellen allerdings - dies ist nun aber nur ein recht kleiner Minuspunkt - würde man sich wünschen, daß man etwas schneller zur Sache kommt (vor allem Track 1 ist schlicht 5 min zu lang geraten) - daher mein Abzug von der Höchstnote.

Anspieltipp(s): durchhören - habe mir sogar extra eine Version gemacht ohne Trackeinteilungen!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.6.2002
Letzte Änderung: 9.6.2002
Wertung: 14/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 3 von 4)


Im Prinzip haben meine beiden "Vorschreiber" schon alles gesagt, aber diese CD ist so gut, dass ich das Ganze noch mit einer weiteren Bekräftigung verstärken möchte.

Die MIND Volume 1 ist eine unglaublich vielseitige CD, auf der es immer wieder etwas neues zu entdecken gibt. Es wird einem nicht langweilig. In vollkommener Zustimmung zu Thomas T.'s Rezi möchte ich bekräftigen, dass hier wirklich Herz und Hirn eine Symbiose eingehen, die ihresgleichen sucht. Daher finden hier sowohl Hörer aus der jazzorientierten Frickel-Fraktion sowie auch Hörer, die eher aus der melodischen Ecke kommen (wie z.B. ich), einen Einstieg und sicherlich auch Erfüllung. Für mich ist auch immer wieder faszinierend wie gut sich hier die teilweise sehr bluesige Gitarre einfügt.

Genug der Lobhudelei, jeder kann sich glücklich schätzen dieses Album zu kennen, zu besitzen und zu geniessen.

Anspieltipp(s): Vorne anfangen, ich gehe davon aus, das man dann eh' nicht mehr abbrechen kann
Vergleichbar mit: Mir wäre da nichts bekannt
Veröffentlicht am: 5.7.2003
Letzte Änderung: 5.7.2003
Wertung: 15/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 4)


Auch von meiner Seite gibts nur Lob für dieses hervorragende Album. Es wartet mit allem auf, was mir im Progrock lieb und teuer ist.

Mir fehlt im übrigen auch kein bischen "Herz" auf dieser Platte. Die Trennung in "verkopft" und "Bauch-Herz-Seelen-Musik" ist mir sowieso zu eindimensional und zu dogmatisch. Die Fähigkeit, eine intelligente Melodie, ein etwas komplexeres Arrangement oder vertrackt-verschachtelte Rhythmen zu komponieren, beinhaltet für mich sehr viel Seele und schliesst auch nicht aus, dass das Stück mich auf der "Herz-Ebene" berühren kann. Mind Vol.1 gelingt dies mühelos, die Stücke enthalten bei aller Komplexität, die ich eigentlich nur mit bösem Willen als konstruiert bezeichnen kann, viel Gefühl und "Bauch".

Und ob man nun, wie hier, Schachnotationen einstreut oder, wie Geoff Mann (Twelfth Night) "BlaBliBlaBliBla" sagt, ist doch bloss eine Fussnote. Für alle Schachspieler hier die Notationen zum Nachspielen (1.e4 c5 2.Nc3 Nc6 3.f4 g6 4.Nf3 Bg7 5.Bc4 e6 6.0-0 Nge7 7.d3 d5 8.exd5? exd5 9.Bb3 0-0 10.Kh1 Bg4 11.h3 Bxf3 12.Rxf3 Nd4 13.Rf1 b5 14.a4 c4 15.dxc4 bxc4 16.Ba2 Nef5 17.Re1 Rb8 18.g4 Qh4 19.gxf5 Qxh3+ 20.Kg1 Nf3+  0-1).

Ich sagte es zu Anfang: die Musik ist klasse und das Album gehört gehört. Udo hat es auf den Punkt gebracht und ich würde mich da nur wiederholen. Fazit: Anspruch mit Herz ;-).

Anspieltipp(s): The flight onward
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.10.2003
Letzte Änderung: 26.2.2014
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Isildurs Bane

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1984 Sagan Om Den Irländska Älgen 7.00 1
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1987 Eight Moments Of Eternity 8.00 1
1988 Sagan Om Ringen 8.00 1
1989 Cheval - Volonté De Rocher 8.67 3
1992 The Voyage - A Trip To Elsewhere 12.00 2
1994 Lost Eggs 9.00 1
2001 MIND Volume 2 - Live 13.25 4
2003 MIND Volume 4 - Pass 11.17 6
2003 MIND Volume 3 8.75 4
2005 MIND Volume 5 - The Observatory (DVD) 8.80 5
2005 Songs from the Observatory 6.67 3

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