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24538 Rezensionen zu 16776 Alben von 6533 Bands.
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Neal Morse

Life & Times

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Rock / Pop / Mainstream
Label: Radiant Records
Durchschnittswertung: keine Wertung (1 Rezension)

Besetzung

Neal Morse piano, keyboards, guitar, mandolin, percussion, lead and backing vocals, bass on "Good Love Is on the Way"

Gastmusiker

Richard Brinsfield bass
Scott Williamson drums
Chris Carmichael strings
Scotty Sanders pedal steel, dobro
Julie Harrison lead vocals, backing vocals
Wil Morse backing vocals
Gabe Klein backing vocals, programming
Joey Pippin shouting on "Manchester"
Holly Smith french horn
Dominique Caster trumpet

Tracklist

Disc 1
1. Livin´Lightly 5:00
2. Good Love Is On The Way 3:50
3. Joanna 4:33
4. Selfie In The Square 3:53
5. He Died At Home 4:55
6. She´s Changed Her Mind 3:59
7. Wave On The Ocean 4:12
8. You+Me+Everything 4:32
9. Manchester 4:05
10. Lay Low 3:57
11. Old Alabama 4:45
12. If I Only Had A Day 3:41
Gesamtlaufzeit51:22


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Erinnert Ihr Euch noch? „Songs from November“ hieß Morse´s letztes Singer/Songwriter-Album, Ende 2014 wurde es veröffentlicht. Auch ich habe die reflexhafte Nörgelei „Schon wieder Morse of the same“ nicht verstanden. Nun hat der Meister nachgelegt, mit dem mittlerweile 18. Album, das er unter seinem Namen herausbringt. Und dafür hat er keine zwanzig Jahre gebraucht.

Dass Mr. Morse mit so einigen Songs nach seinem Ausstieg bei Spock´s Beard zum Teil hart am Rande des Kitsches balanciert, kann man hinnehmen - er ist eben so wie er ist, gefühlvoll und immer mit einer halben Träne im Knopfloch. Der Mann, das haben schon andere festgestellt, kann was, vor allem im Bereich Songwriting und Produktion. Und dann ist es völlig in Ordnung, sein Talent mehr als einem Genre zur Verfügung zu stellen. Er war schon häufig progfern unterwegs, versuchte einst, einen Vertrag als Songwriter in Los Angeles zu bekommen, produzierte Countrymusik und schrieb zwei Musicals. Diese Vergangenheit scheint bei den Solowerken immer wieder durch.

Die CD enthält ein übersichtlich gestaltetes Booklet mit ausführlichen Informationen und allen Texten, wie es sich für eine anspruchsvolle Produktion gehört. Zusätzlich gibt es ein paar Selfies des Künstlers, auch in the square zu sehen.
Es ist unverkennbar Morse, was da aus den Boxen dringt, das steht bereits nach wenigen Takten fest. Er hat ein Faible für gewisse Harmoniefolgen, die den Songs den Stempel aufdrücken. Der Vielschreiber aus dem kalifornischen Van Nuys, dessen ungeheure Produktivität der von Steven Wilson in nichts nachsteht, hat ein Anliegen. Er möchte seinen Hörern Einblicke in seine Befindlichkeiten gewähren, sie zum Nachdenken anregen und ihnen gelegentlich einen Hinweis geben, wie sie ihr Leben noch intensiver genießen können. Dabei hält er sich auf „Life & Times“ mit missionarischer Tätigkeit wohltuend zurück. Die Melancholie verbirgt sich hinter einer Wand schön gefügter Melodien in den Texten. Diese handeln vom Leben und der Liebe an sich, ohne belanglos zu wirken. Ein Kritiker schrieb einmal, die Welt um ihn herum könne auseinanderfallen, Morse, glaubensgestützt, würde von seinem Optimismus nichts einbüßen. Dementsprechend vermittelt die Musik auf dieser Veröffentlichung grundsätzlich eine positive Stimmung, eine Wohlfühlstimmung. Bis auf He Died At Home. Der sparsam instrumentierte Beitrag ist ein Protestsong. Der Protagonist, ein Patriot und zunächst überzeugter Kombattant, zerbricht an den Gräueln des Krieges von dem Moment an, an dem er selbst zum Tötungswerkzeug wird. Herauszuheben ist auch das Duett mit Julie Harrison, der Blues Old Alabama, eine Geschichte über Heimatverbundenheit, auch wenn man räumlich und zeitlich weit entfernt ist.

Einige der neuen Lieder wurden während der „Road Called Home Tour“ mit der Neal Morse Band 2017 geschrieben. Manchester, zum Beispiel, basiert auf den Assoziationen, die der Musiker während des Aufenthalts in der englischen Stadt hatte, als er an einem sonnigen Tag in einem Coffee-Shop saß, die Seele baumeln und die Atmosphäre auf sich wirken ließ. Selfie In The Square reflektiert eine Szene in Luxemburg: Alleinsein, Kirchenglocken, spielende Kinder, der Gedanke, wie es wäre, die schönen Eindrücke in der Fremde mit einer nahestehenden Person teilen zu können ("but you would have made it like a holiday, I miss your love, I miss your mood, I miss your spicy attitude“.) Das sind Empfindungen, die die meisten von uns schon einmal gehabt haben werden. Sehr nachdenklich stimmen auch die Gedanken in If I Only Had A Day, dennoch ist der Song absolut lebensbejahend. Neal Morse, der als Mittfünfziger mit erwachsenen Kindern erste Bilanzen ziehen kann, sagte dazu: „Ich habe schwierige Zeiten hinter mir und befinde mich mittlerweile in einer komfortablen Situation. Ich denke, man kann das an den neuen Songs erkennen.“

Strukturell werden schematische und unkomplizierte Abläufe bevorzugt: Strophe, Refrain Mittelteil, Strophe, usw. so dass alles in vier Minuten passt, der letzte Durchgang wird einen Ton höher gespielt (She´s Changed Her Mind, Manchester, If I Only Had A Day). Das ist ein handelsüblicher Trick, um noch mal eine Steigerung herbeizuzaubern. Auf längere Instrumentalpassagen und abgefahrene Metren wird man vergeblich warten, auch auf alles in irgendeiner Form Unangepasste. Es ist in keiner Weise sarkastisch gemeint, wenn ich feststelle, dass „Life And Times“ mehr Ähnlichkeit mit Neil Diamond hat als mit etwa „The Light“. Das Niveau des "Steely Dan"-Reminders Whatever Days von „November“ wird zwar nicht erreicht, die Songs sind dennoch gut, stilistisch vergleichbar mit den restlichen des Vorgängers - etwas Folk (If I Only Had A Day), etwas Country (Lay Low, Old Alabama), ein klein wenig Karibik-Feeling (Wave On The Ocean), die Schmachtballaden, die Neal Morse - mit einigen textlichen Modifikationen - auch für Barbra Streisand oder Celine Dion geschrieben haben könnte (You+Me+Everything, She´s Changed Her Mind). Es werden häufig akustische Instrumente eigesetzt (das lässt sich schon an der Besetzungsliste ablesen), die Streicherarrangements sind gelegentlich etwas süßlich (Joanna).

„Stinklangweilig“ konstatierte Nik Brückner, als er über „Songs from November“ schrieb. Das kann man mit der entprechenden Erwartungshaltung an Musik im Allgemeinen und Morse im Besonderen auch bei diesem Album durchaus so sehen. Ihm kommt es in erster Linie gar nicht auf die Musik an, er legt das Gewicht auf die Texte.

Proghörer, für die Spock´s Beard, Transatlantic und vielleicht auch Flying Colours das Nonplusultra sind und die daher ebenfalls bestimmte Erwartungen haben dürften, bekommen die Chance, den Multi-Instrumentalisten und Songwriter von einer anderen, aber ebenso kraftvollen Seite kennen zu lernen.

Anspieltipp(s): Livin´Lightly, Good Love Is On The Way
Vergleichbar mit: Songs From November
Veröffentlicht am: 2.2.2018
Letzte Änderung: 3.2.2018
Wertung: keine 10 Punkte im Singer/Songwriter-Genre

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Neal Morse

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Neal Morse 6.67 3
2000 Merry Christmas From The Morse Family 10.00 1
2001 It's Not Too Late 6.33 3
2003 The Transatlantic Demos 10.00 2
2003 Testimony 9.00 6
2004 One 10.80 6
2004 Testimony Live (DVD) 11.00 1
2005 ? 10.75 4
2006 Cover To Cover - 1
2006 Send the Fire - 1
2007 Sola Scriptura 7.33 7
2007 Songs From The Highway - 1
2007 ? Live 6.33 3
2008 Lifeline 7.40 5
2008 Sola Scriptura And Beyond (2DVD) 12.50 2
2009 So Many Roads (Live In Europe) 10.00 2
2011 Testimony two 10.33 3
2012 Momentum 11.33 3
2013 LIVE Momentum 11.00 1
2014 Songs From November - 2
2015 Morsefest 2014 10.50 2
2015 The Grand Experiment 9.67 3
2016 Alive Again 10.00 2
2016 The Similitude Of A Dream 10.75 4
2017 Morsefest 2015 12.00 2

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