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Long Distance Calling

Boundless

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: instrumental; Independent / Alternative; Metal; New Artrock; Progmetal; sonstiges
Label: InsideOut/Sony
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

David Jordan guitar
Florian Füntmann guitar
Janosch Rathmer drums
Jan Hoffmann bass

Tracklist

Disc 1
1. Out there 9.13
2. Ascending 4.59
3. In the Clouds 6.00
4. Like a River 4.56
5. The Far Side 5.45
6. On the Verge 6.02
7. Weigtless 6.56
8. Skydivers 5.32
Gesamtlaufzeit49:23


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Vergleicht man den ersten Track des Vorgängerwerks „Trips“ mit dem Opener des 2018 neuen Albums „Boundless“, so begreift man ziemlich schnell, wo aktuell die wichtigsten Veränderungen liegen.

Während Long Distance Calling (nachfolgend auch LDC genannt) 2016 noch zum Erstaunen vieler mit der Pop-Ästhetik der 80er Jahre (mal mit, mal ohne Sänger) flirtete, gibt es 2018 vorwiegend den nach Aufbruch klingenden Instrumental-Rock, der die Elemente von Hard Rock, Progmetal, Postrock und vom progressiven Rock in sich vereint. Vielleicht geschieht einiges sogar im Geiste des Krautrock, wie mancher vermutet.

Mitten in „Out there“ gibt es kurz lyrische Pianoklänge (obwohl laut Besetzungsliste niemand Piano spielt) und flirrende Postrock-Gitarren (obwohl die Musiker sich ungerne als dem sog. Postrock zugeneigt bezeichnen lassen). „Ascendig“, „The Far Side“ und „In the clouds“ werden von den wahrhaftig entfesselten (Prog)-Metal-Riffs angetrieben, die auch mal Platz für filigrane Gitarrenmotive freimachen. Bei „Skydivers“ bekommt jeder Freund des mitunter rasanten (Prog)-Metal feuchte Augen, so wie dort die Tempi gewechselt werden und kurz auch mal die Double-Bassdrum zum Einsatz kommt.

So verstehe ich langsam, wieso da einer schrieb, „Boundless“ sei die rockigste Scheibe in der Bandgeschichte. “Like A River“ scheint ungeniert beim cineastischen, folkig-postrockigen Country-Rock anzuknüpfen. In dem zunächst eher hymnisch-balladesk angelegten „On the Verge“ glaube ich zunächst keltisch-folkige Akzente zu erahnen, bis dann wieder kraftvolle Riffs alle folkigen Träumereien wegfegen. Das Stück erfährt dann gegen Ende eine unerwartete, bombastisch-orchestrale Steigerung.

In dem gerade mal siebenminütigen „Weightless“ konnte ich vier unterschiedliche Teile ausmachen: es beginnt ambientartig-melancholisch, mutiert kurz zum atmosphärischen Artrock, widmet sich dann dem flotten Alternative Rock, bis schließlich die harten Riffs (mal wieder) die Führung übernehmen. Dabei habe ich nicht mal das Outro für zwei Gitarren erwähnt.

Eine erstaunliche Exotenmusik ist das in der Welt des Mainstream, des Hitradios und der Massemedien. Bis zu neun Minuten dauernde Rock-Instrumentals, für zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Und schon wieder ohne Gesang, wie auf den ersten drei Alben von LDC. So vertraute der Bassist Jan Hoffmann dem Magazin namens Focus an, dass sich die Musiker nach den zwei Alben mit den Sängern ziemlich eingeengt fühlten. Der Titel „Boundless“ scheint sich demnach vor allem auf die nicht mehr vorhandenen Sänger zu beziehen.

Nicht gerade typisch in einer Welt, in der kaum eine Rockband ohne Gesang auskommt. So darf sich der Bassist Jan Hoffmann von Focus auch fragen lassen, ob man von so etwas noch leben kann und ob eine Gitarrenmusik (so ganz ohne Computer) überhaupt eine Zukunft hat. Das geht, wenn man viel tourt und was die Zukunft bringt, wissen nur die Götter des Prog. (Die erste Antwort war von Jan Hoffmann, die zweite von mir).

Die zuständige Plattenfirma InsideOut/Sony beauftragte einen Journalisten, sich mit der Band zu treffen, um dann etwas zum neuen Album zu schreiben. Das Treffen war ergiebig und ziemlich erfolgreich, nur dass der Journalist sich unerwartet auf einer Bergtour in den Dolomiten fand, natürlich von LDC eingeladen. Und schon wieder war es Jan Hoffmann der meinte, am Berg muss man aus seiner Komfortzone herausgehen, um Neues zu entdecken. Einen vergleichbaren Eindruck, so hoffen die Musiker, vermitteln auch die Stücke von „Boundless“.

Fast könnte man auf die Idee kommen, LDC die Absicht unterstellen zu wollen, mittels einer gesteigerten Härte mehr Zuwendung von der Metal-Hörerschaft zu bekommen. Es handelt sich bei dieser stilistischen Entscheidung vermutlich doch eher um die Folgen von ausgedehnten Bergtouren durch die Dolomiten, nachdem man den Sänger endlich losgeworden ist. Und außer den harten Riffs bietet die Musik von „Boundless“ noch einiges mehr, so dass die progressive Komponente keineswegs zu kurz kommt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.2.2018
Letzte Änderung: 3.2.2018
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Long Distance Calling

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2007 Satellite Bay 10.00 1
2009 Avoid The Light 7.50 2
2011 Long Distance Calling 9.67 3
2013 The Flood Inside 10.67 3
2014 Nighthawk 11.00 1
2016 Trips 10.00 3

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