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Sleep in Heads

On the Air

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Metal; New Artrock
Label: Noizr
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Sonya vocals
Seri guitars
Natali violins
Katerina keyboards
Fann bass
Roman drums

Gastmusiker

Erland Sivolapov session drums
Nikolay Kirsanov

Tracklist

Disc 1
1. Pacifying 7:35
2. Vagrant 6:48
3. Deceiver 4:42
4. Time Like the Sand 6:37
5. Blue Fear 7:00
6. Secret Shelter 7:19
Gesamtlaufzeit40:01


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


„Noizr Productions kündigen stolz die Veröffentlichung von „On the Air“ an.....Quality crafted sound, groovy riffs, dreamscapes, alles ist in einer dynamischen musikalischen Reise der Schläfer miteinander verwoben“.

So weit der Werbetext der zuversichtlichen Plattenfirma. Ich bin mir nicht im Klaren, was "Sleep in Heads" bedeuten soll. Eventuell handelt es sich um einen Übersetzungsfehler aus dem Kyrillischen (bekannt ist hingegen der Begriff „sleepy head“, Schlafmütze). Schlafmützig ist schon mal die Weglassung der Nachnamen im Line-Up, wie soll man die Leute jetzt wiederfinden?
Aber schon die ersten Takte dieses Debuts zeigen, dass man sich mit der Musik von Sleep in Heads eingehender beschäftigen sollte. Schöne Frauenstimmen, bzw. die Stimmen schöner Frauen befinden sich in klanglich geschmackvoller Umgebung. Wuchtige Gitarrenriffs (groovy riffs) röhren durch weite, sphärische Klanglandschaften. Das sind die eingangs erwähnten dreamscapes, ergänzt durch Synthesizerfiguren und kurze Pianoeinschübe. Der aggressive Gitarrensound bildet mit den hellen Vocals (auf Bandcamp.com werden sie als „charmant“ bezeichnet) einen interessanten Kontrast. Es gibt aber inmitten druckvoller Power auch immer wieder entspannte Passagen.

Der im Infomaterial genannte Vergleich zu Anathema trifft voll und ganz zu. Auf griffige Melodien, unter anderem für die Sängerinnen, haben die Komponisten Wert gelegt. Auffällig in diesem Ensemble ist die solo Geige, gespielt von Natali ohne Nachnamen. Die Geige wird wie die maßvoll verhallten Stimmen von Synth-Flächen (Stichwort „Wall of Sound“) und eben den dominanten Gitarren begleitet. Pacifying ist noch das ruhigste der sechs Stücke. Die Rhythmusgruppe gibt fast durchgehend 4/4 vor, die aber variabel synkopiert werden, wobei der Bass dezent in den Hintergrund gemischt wurde. Die Musiker halten sich mit extravaganten Soli zurück (gelegentlich ist bei derlei Verstiegenheit in Kritiken von „Frickelorgien“ die Rede), die einzelnen Elemente werden also mannschaftsdienlich integriert, ohne dass sich jemand (ohne Nachnamen) in den Vordergrund hineinprofiliert.

Mir gefallen diese Arrangements, wie mir auch vieles von Anathema gefällt. Eine übermäßige Progrelevanz sehe ich hier nicht - genau so wenig wie bei Anathema. Am ehesten lassen sich die Ukrainer dem New Artrock an der Grenze zum Metal zuordnen, eben weil es gelegentlich mal etwas metallischer wird. Den Engländern aus Liverpool wird häufig vorgeworfen, ihre Themen allzu oft zu wiederholen und dabei hyperaktiv an der Loudness-Schraube zu drehen, anstatt kompositorische Variationen anzubieten. Das kann man dem Sextett aus dem Osten nicht vorhalten, kein Loudness-War. Die Progmetal-Einordnung ist dennoch etwas gewagt.

Pluspunkt: Die Gruppe um Texterin Sonya Sleepyhead versucht erst gar nicht, ihre harte, unmelodische Landessprache auf Biegen und Brechen in alle Welt zu exportieren. Zumal behauptungsweise die meisten Russen der Ansicht sein sollen, dass alle einfach Russisch lernen sollten.

Deceiver gehört zu den hörenswertesten Songs dieses leider nur 40 Minuten langen Debuts. In dieser einprägsamen Komposition mit stimmungsvollem Harmoniegefüge wechseln 6/8 und 4/4 Takt ab.

„Das ist doch abgekupfert!“ werden manche empört rufen, wenn sie Blue Fear hören. Klar ist das abgekupfert, und zwar von Thin Air und anderen auf We ´re Here Because We ´re Here. Sagen wir, Thin Air (und andere) dienten als Inspirationsquelle, denn der Sleep in Head-Song ist lebhafter, prägnanter, abwechslungsreicher, einfach besser.

Rockfans und auch Progfans sollten sich jetzt mehr nach Osten orientieren, denn eventuell werden die umfangreich eingeführten amerikanischen Musikprodukte - trotz internationaler Warnungen - schon in naher Zukunft mit hohen Strafzöllen belegt.

Anspieltipp(s): Deceiver, Blue Fear, Vagrant
Vergleichbar mit: s.o.
Veröffentlicht am: 9.3.2018
Letzte Änderung: 9.3.2018
Wertung: 11/15
Fatal: Sleep in Heads sind momentan wohl die besseren Anathema

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