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Anderson, Bruford, Wakeman & Howe

Anderson, Bruford, Wakeman, Howe

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1989
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label:
Durchschnittswertung: 8.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson Lead Vocals
Bill Bruford Acoustic and Electronic Drums
Rick Wakeman Keyboards
Steve Howe Guitar

Gastmusiker

Tony Levin Bass, Stick, Vocals
Matt Clifford Keyboards, Programming, Orchestration, Vocals
Milton McDonald Rhythm Guitar

Tracklist

Disc 1
1. Themes

1. Sound
2. Second Attention
3. Soul Warrior

5:58
2. Fist Of Fire 3:27
3. Brother Of Mine

1. The Big Dream
2. Nothing Can Come Between Us
3. Long Lost Brother Of Mine

10:18
4. Birthright 6:02
5. The Meeting 4:21
6. Quartet

1. I Wanna Learn
2. She Gives Me Love
3. Who Was The First
4. I'm Alive

9:22
7. Teakbois 7:39
8. Order Of The Universe

1. Order Theme
2. Rock Gives Courage
3. It's So Hard To Grow
4. The Universe

9:02
9. Let's Pretend 2:56
Gesamtlaufzeit59:05


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Das Album beginnt vielversprechend mit den stimmungsvollen Keyboard-Arpeggi und recht yessigem Gesang in "Themes". Aber dann ein abrupter Wechsel in einen rockigen Teil, der schon eines der Probleme dieses Albums aufzeigt: viele Stellen werden unmotiviert zusammengekleistert, Überbleibsel und Fragmente von anderen Sessions (z.B. "Jon & Vangelis" oder Howes Solo-Arbeiten) werden verwurschtet; die Stücke wirken kaum flüssig und gewachsen, sondern konstruiert. Kein Wunder: sind doch die meisten Stücke entstanden, ohne daß die 'Band'-Mitglieder gemeinsam im Studio daran gearbeitet haben, sondern sie wurden von jedem separat, teils über verschiedene Orte verteilt aufgenommen und dann zusammengeschickt.

Weiterhin gibt es ein paar peinliche Posen ("Rock gives courage!" in "Order Of The Universe", das auch eigentlich ganz nett hymnisch anfängt mit toller Gitarrenarbeit im Hintergrund, aber dann in übelsten Stadium-Rock-Modus schaltet. Mann, fast noch peinlicher als "Rock Is The Medium Of Our Generation" von "Tormento", äh "Tormato"...) und mich nerven vor allem Rick Wakemans Plastik-Bläser-Keyboardsounds. Auch Bruford hat bei der Wahl seiner E-Drum-Sounds nicht immer ein glückliches Händchen. Der ein oder andere Snaresound ist einfach zu penetrant. Bei den 80er-"King Crimson" oder im David Torn-Album "Cloud About Mercury" hat er das besser hingekriegt.

Es gibt aber auch ein paar Lichtblicke, z.B. das tatsächlich aufrüttelnde, kraftvolle "Birthright" über Atombombenversuche auf Aborigine-Land. Auch "Fist Of Fire", das in eine ähnliche Kerbe schlägt, ist ganz ok, und einzelne Teile in den anderen Stücken lassen durchaus "Yes"-Eleganz via vertrackte Rhythmen oder bombastische Harmonien aufblitzen. Aber dann dieser überflüssige triviale Mithüpfsound mittendrin: siehe "Long Lost Brother Of Mine" in "Brother Of Mine".

Ganz originell, unterhaltsam und recht unpeinlich ist noch das leichtfüßige, ja fluffige "Quartet" mit seinen textlichen Anspielungen auf das "Yes"-Oevre, pseudo-klassischen Ausflügen und unerwartet melancholischem, aber schönen Ende. Welcher Teufel sie aber dann bei der Karibik-Nummer "Teakbois" ("The Life And Times Of Bobby Dread") geritten hat, ist mir nicht klar. Und: nein, es ist nicht witzig! Das ist echt nur was für fanatische Limbo-Tänzer. Das ist so bizarr, daß es schon wieder eine gewisse surreale Qualtität hat und man hofft, daß man gleich aufwacht.

Insgesamt ein wirklich durchwachsenes Album mit einigen richtig schönen aber auch etlichen mindestens genauso peinlich Stellen und typischem Achtziger-Jahre-Sound. Aber da man es oft als Cut-Out in irgendwelchen Ramschregalen findet, kann man als "Yes"-Fan schon mal 12.95 investieren. Und hartgesottene Masochisten sollten es sich wegen "Teakbois" auf jeden Fall zulegen.

Anspieltipp(s): Themes, Birthright
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 4.4.2002
Letzte Änderung: 2.5.2002
Wertung: 5/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 4)


Ich Armer stecke bei diesem Album echt in einer Zwickmühle. Gefühlsmäßig bin ich so nah an zwei Bands mit nur drei Buchstaben im Namen (eine davon im Progbereich), dass die bloße Ankündigung einer Platte extreme Suchterscheinungen hervorruft. So erging es mir auch, als ich damals die ersten Anzeigen im ME/Sounds las: "the return of a legend" - dazu wieder ein Dean-Bild und dann vier Namen, die mich quasi in den Infarkt trieben. Was interessierte mich, dass Chris Squire fehlte oder sie nicht YES hießen, für mich war das YES (mehr als YES-West auf alle Fälle). Und wenn die damalige KC-Rhythmusfraktion auf die drei YES-Romantiker trifft, hätte das eine spannende Platte werden können.

Und die Platte beginnt auch gut, die Sucht wird voll befriedigt - auf der ersten Seite findet sich in vielen Stellen das typische Feeling der Band, nicht mehr so vertrackt wie zu früheren Zeiten, aber immerhin auch nicht so eingängig wie die anderen in den Staaten. Manche Wechsel sind wirklich arg zusammengestoppelt, aber für mich klingt das, als hätten sie im Überschwang der Gefühle zu schnell zu viel YES hineinpacken wollen ;-) Dazu kommen die typischen Wakemanläufe über alle möglichen und unmöglichen Keyboards, Anderson singt deutlich engagierter, Howe ist Howe - also was wollte ich mehr. "The meeting" und auch "Quartett" sind sehr schöne, ruhige Stücke, Highlight ist "Birthright", und überhaupt mag ich die erste Seite trotz aller Quitschekeyboards und Drumcomputersounds von Bruford.

Nur hat leider auch Udo Recht, zumindest wenn man etwas nüchterner an die Sache herangeht: die Keyboards sind so mit das Schlechteste, was die Band an Sounds je hatte, Bruford klingt auch zu stumpf und elektronisch, und "Teakbois" - da schweige ich, obwohl ich manchmal mit dem Fuß mitwippe. Den Stadionrock verzeihe ich ihnen dagegen, das ist ein ganz netter Rocker, und das Anderson auch sowas singen kann, zeigte er schon früher für einen Soundtrack von John Paul Jones.

Also war es nichts mit dem Aufleben wirklich neuer Höhenflüge, nur das ich etwas mehr gebe als Udo, weil das Licht für mich leicht überwiegt und diese Platte mit dafür gesorgt hat, dass ich die YES-lose Zeite bis zu den diversen ReUnions nach Yes-West überstehen konnte.

Anspieltipp(s): Birthright, Themes, The Meeting
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.2.2004
Letzte Änderung: 17.2.2004
Wertung: 8/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 4)


Meiner Meinung nach ist dieses Album bisher unterbewertet. Es steht für mich deutlich über sämtlichen 90er-Jahre Alben der Band, kann sich auch mit den Vorgängern 90125 und Big Generator messen und ihm gebührt deshalb auch eine höhere Bewertung. Für mich überwiegen die "guten" Momente des Albums klar, ich habe mich noch nie gelangweilt oder genervt und die leblosen, relativ eintönigen Elektrodrums, der schwachbrüstige Bass und die teilweise etwas zusammengesetzt wirkenden Songs stören mich auch nicht allzu sehr, denn: dieses Album bringt viele liebgewonnene Elemente Yes`schen Schaffens zurück, die in den Jahren nach Drama unter Rabin`schem PowerProg verschüttet gingen.

Da gibt es prickelnde Spannung zu Anfang von Themes (sound), bis einen die krachende Snaredrum zusammenzucken lässt (second attention), das hektische (Elektro)-HiHat (egal!) Feuer unter dem Hintern macht und der grummelnde Bass das Zwerchfell massiert. Dann der Tempo- und Rhyhmuswechsel (soul warrior) und Wakeman solierend. In einer Zeit, in der im Radio Milli Vanilli, Technotronic und David Hasselhoff das Bild bestimmten, war Themes (welches ich damals als 3 inch-singel-CD (!) kaufte) ein strahlendes Licht.

Es folgt das düster-bedrohliche "fist of fire", dann die Single "brother of mine". Vom ruhigen "the big dream" mit piano-Einlagen über das hymnisch-pathetische "nothing can come between us" zum zugegebenermassen im Refrain etwas platten "long lost brother of mine". Doch diese Schwachzeile ist wirklich kurz und ist umrahmt von krummtaktigem, temporeichem Prog, der Spass macht.

"Birthright" ist monoton-hypnotisierend zu Anfang, plötzlich zerreisst eruptiv hartes Gitarrenriffing die Grundstimmung, dann wieder die pumpende Monotonie. Anderson steigert die Intensität des Gesangs, eine akustische Gitarre beginnt eine Klimax, die E-Gitarre übernimmt und leitet über einen nun tempogesteigerten, ähnlich hypnotisierenden Rhythmus wie zu Beginn. Packend.

"The meeting" ist eine zerbrechliche Ballade, eingeleitet von Klavier, dann dominiert von Andersons heller Stimme. Schlicht und schön. Von der Art erinnert das Stück beinahe an ein Kinderlied.

"Quartett" beginnt in "I wanna learn" besinnlich-ruhig und klingt nach Kreuzung aus Yes`schen Elementen, Oldfield`scher Gitarre und frühen Genesis. Beschwingter gehts in "she gives me love" weiter, Wakeman kramt verschiedenste Sounds (Trompete, Bimmel, Spinett) aus der Synthi-Konserve hervor, das beinahe etwas mittelalterlich anmutende "who was the first" ist einfach wunderschön. Für mich das heimliche Highlight des Albums.

"Teakbois". O.K.,bestimmt starker Tobak für konservative, klassische Yesianer. Aber ich möchte dem Stück einen gewissen Witz nicht absprechen. Warum denn nicht mal Steeldrums und ein karibischer groove? Ich kann darüber nur schmunzeln. Ähnlich geht es mir beim Anfang von "Order of the universe". Die Überfrachtung mit quietschenden Keyboards, die fiddelige Gitarre, die kesselnden drums und der "order of the universe"-Choir: findet sich ähnliches auf Open Your Eyes, auf Talk (wenige Ausnahmen abgesehen)? Dann rocken die Herren los. Selten haben sie so gerockt. Anderson brüllt sich die Seele aus dem Hals. Höre ich da das "Owner"-Riff heraus? Double Bass, Chaos, Howe-Gefrickel, zum Schluss läuft ein Krummtakt-Bass gegen die 4/4-Metrik des Grundthemas, das Stück endet mit Gongschlägen. Was interessiert mich der Text.

"Let`s pretend" we were not Yes. Dann wäre es wohl ein Klassealbum geworden, welches nicht gegen die Hypothek der Vergangenheit hätte bestehen müssen.

Mit diesem Album haben sich die "wahren" Yes wieder zurückgemeldet. Nicht dass es die guten alten Zeiten wieder zurückbringen würde. Aber es setzt dem glattgebügelten und kommerzpolierten "Big Generator" wohltuende Abwechslung und Vielfalt entgegen.

Nach 90125 das einzige neue Yes-Album, das man wirklich noch haben sollte.

Anspieltipp(s): Themes, Quartett
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.3.2004
Letzte Änderung: 2.3.2004
Wertung: 10/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


Als Yes 1987 "Big Generator" den letzten Schliff verliehen, war Jon Anderson derart frustriert, dass er hinschmiss. Neumitglied Trevor Rabin hatte sich mit Unterstützung der Plattenfirma und gepusht von Chris Squire als Bandleader profiliert und Anderson beiseite gedrängt. Seine Position war auf die Funktion als Sänger reduziert worden, als einer von zweien zudem, denn Rabin übernahm mehr und mehr auch das Mikro. Jünger und dem Image des Guitar Heroes und Bandleaders entsprechend, war er die Figur, auf die eine Plattenfirma in den 80ern setzte. Zudem hatte Rabin zahlreiche bereits fertige Songs an die Band herangetragen, Anderson dagegen setzte immer noch auf die offenere, kollektive Arbeitsweise, die die Band in den 70ern gepflegt hatte. Konzisere Songs hatten aber einfach die größeren Chancen auf dem Markt.

Anderson ließ sich zwar dazu überreden, die Tour mitzumachen, ging danach aber unter großem Getöse: Es stilisierte sich als der Verteidiger alter Tugenden, der sich dem Diktat der Verkaufszahlen nicht unterwerfen wollte. Er nahm daraufhin mit seinen ehemaligen Yes-Kollegen Bill Bruford, Steve Howe und Rick Wakeman Kontakt auf, um mit ihnen sein Konzept von Yes zu verwirklichen. Bruford war selbstverständlich nicht begeistert. Er wurde in die Band getrickst, indem Anderson ihn zunächst im Glauben ließ, er solle auf einem seiner Soloprojekte trommeln. Er und Howe ließen sich erst erweichen, als Anderson angab, die musikalischen Ideen für ein Album bereits weitgehend beisammen zu haben. Ganz im Boot war Bruford allerdings erst, als feststand, dass der schwerfällige Chris Squire nicht mit von der Partie war.

Neben Anderson hatte vor allem Steve Howe Material für das Debütalbum der neuen Band in petto, hatte der doch in den Jahren zuvor sowohl Asia also auch GTR verlassen und von diesen Projekten noch massig Material übrig: "Long Lost Brother of Mine" ist eine Zusammenarbeit Howes mit Asias Geoffrey Downes, das unter dem Titel "Lost in America" für das Asia-Album "Astra" vorgesehen war. Ganz ähnlich einige Teile von "Order Of The Universe". "Birthright" wiederum wurde unter dem Titel "This World’s Big Enough" von Max Bacon im Winter 1987 für ein zweites GTR-Album eingesungen.

Anderson, Bruford, Wakeman und Howe verbrachten fünf Wochen in Paris, um das neue Material zu erarbeiten und flogen dann auf die Karibikinsel Montserrat, um das Album in den AIR-Studios von Beatles-Produzent George Martin aufzunehmen. Dabei entstand Krach: Einige von Howes Gitarrenparts, insbesondere für “Fist of Fire” und “The Meeting” wurden von Technikern Martins im Nachhinein wieder gelöscht, ohne Wissen Howes. Fast wäre die Veröffentlichung des Albums an diesem Krach gescheitert, doch im letzten Moment stimmte Howe der Veröffentlichung doch noch zu.

In der Rückschau sieht manches anders aus als zu der Zeit, zu der etwas geschieht - das gilt auch für "Anderson, Bruford, Wakeman, Howe". Ursprünglich geplant als Gegenentwurf zu der vom klassischen Yes-Sound weit abgekommenen Hauptband, sollte "ABWH" den Weg zurück zu den Wurzeln weisen und Yes zeigen, wo der Hammer hängt. Kommerziell gesehen muss man dieses Projekt als gescheitert ansehen: "ABWH" verkaufte sich nur etwa genauso oft wie "Big Generator", die beiden Bands taten sich danach sogar wieder zusammen, lieferten mit "Union" ein aus halbfertig produzierten Stücken, verstümmelten Yes-Songs und Demos (!) zusammengestückeltes Dokument ihres desolaten Zustandes ab - und Yes blieb danach der Spielball von Managern und Plattenfirmen, der die Band spätestens seit 1982 gewesen war. Ein Befreiungsschlag war "ABWH" wahrlich nicht.

Dennoch: In der Rückschau muss man zugestehen, dass "ABWH" das letzte Album war, das Yes-Musiker nicht als heruntergekommene Verwalter ihrer eigenen Vergangenheit präsentierte (mit der Ausnahme von "Talk" vielleicht). Denn das schlagende dieses Albums ist doch, dass es das Paradebeispiel dafür ist, dass die Legende von den alles kontrollierenden Plattenfirmen, die nach 1980 ihre Bands an die kurze Leine des Pop legten, alles andere als zutreffend ist. Angehörs dieses Albums muss man zugesetehen, dass es offenbar nur ausreichender Halsstarrigkeit bedurfte, um auch in den 80ern waschechten Progressive Rock zu machen. "ABWH" mag übriggebliebene (und sogar bereits verarbeitete!) Ideen von den Soloalben der Bandmitglieder recyclen, über genanntes hinaus von Yes und Jon & Vangelis, dennoch stellt es die beiden vorangegangenen Yes-Alben "90125" und "Big Generator" sowas von locker in den Schatten, dass man sich heute fragen muss, warum so ein Album nicht schon früher möglich gewesen war. Zu allem Überfluss wirkt es im Vergleich zu den mit ähnlichem Anspruch vorgelegten "Keys to Ascension"-Alben weitaus weniger hölzern, lange nicht so zusammengeschraubt und weit weit besser produziert.

Gonzo (der Rechtsnachfolger von Voiceprint) hat das Album jetzt neu aufgelegt. Dem Originalalbum von 1989 (es entspricht diesem genau und enthält keine etwaigen Alternativfassungen der Songs, wie etwa die Version von "Fist of Fire" mit der durchgehenden Guitarrenfigur Howes, die nur auf dem Yes-Box-Set "In a Word: Yes" zu hören ist) legte Gonzo eine Bonusscheibe bei, die die folgenden Tracks enthält:

1. "Rick Wakeman Intro's" (jetzt fangen die auch schon mit dem Pluralapostroph an - 2:48), eine gesprochene Einleitung Wakemans.

2. "Brother of Mine (Edit)" (6:30), auch bekannt als "Rock Edit", das ist die Single-Version.

3. "Brother of Mine (Radio Edit)" (3:22)

4. "Vultures in the City" (5:50), eine eher poppige und im Vergleich zum Rest des Albums sparsam arrangierte Nummer, die einst die B-Seite zu "Brother of mine" gebildet hatte. "Vultures" ist eine weiterentwickelten Fassung des Steve Howe-Songs "Rare Birds", die es damals nicht mehr auf das Album geschafft hatte.

5. "Order of the Universe (Edit)" (4:51), eine Singleversion.

6. "Order of the Universe (Long Edit)" (6:00), eine zweite Singleversion.

7. "Quartet (I'm Alive) (Single Edit)" (3:15), eine vollkommen neu eingespielte und etwa 80 Sekunden längere Popversion des Stückes, produziert von Chris Kimsey, Jon Anderson und Michael Hutchinson, gemischt von Steve Thompson und Michael Barbiero. Es ist die Version, die 1989 als Single veröffentlicht und zu der auch ein Video gedreht wurde.

8. "Brother of Mine (Live)" (10:49)

9. "And You and I (Live)" (10:31)

10. "The Order of the Universe (Live)" (9:38), diese drei Aufnahmen stammen vom Konzert am 24. Oktober 1989 im NEC in Birmingham, das demnächst unter dem Titel "Live at the NEC" von Gonzo als Doppel-CD veröffentlicht werden wird.

Als Dreingabe gibt es noch einen Hidden Track, nämlich die ABWH-Fassung von "Distant Thunder" (5:28), Yes-Fans besser bekannt als "Children of Light" vom "Keys"-Album. Es handelt sich dabei um die weithin gebootleggte, weniger verträumte und deutlich tribalere Version des (ansonsten unscheinbaren) Stückes.

Für Sammler ist diese Ausgabe sicher eine schöne Ergänzung, da sie nun wirklich alles enthält, was damals rund um "ABWH" in Arbeit war. Allen anderen sei gesagt, dass "Vultures", "I'm Alive" und ein paar kürzere, weil vor Schluss ausgeblendete Fassungen zweier anderer Songs den Kauf nicht wirklich rechtfertigen.

Noch ein Tipp: Absolute Komplettisten brauchen (neben den Live-Dokumenten) natürlich auch die Demos zum zweiten ABWH-Album "Dialogue", die Jon Anderson vor einigen Jahren unter dem Titel "Watching the Flags that fly" veröffentlicht hat.

Anspieltipp(s): "Quartet", "Order of the Universe" "Teakbios", "The Meeting"
Vergleichbar mit: hm. Hmmmmmmm - hmmmmmm. Hm. Hmmmmmmmmmmmmmmmmh. Hmhmhm... hmmmmmmmmmmmmmmmm.......... Hm. Yes vielleicht?!? Naja, irgendwo zwischen "Going for the one" und den "Keys"-Alben.
Veröffentlicht am: 18.4.2011
Letzte Änderung: 24.1.2014
Wertung: 11/15

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1989 In The Big Dream (DVD) 10.00 1
1989 Brother Of Mine 9.00 2
1993 An Evening Of Yes Music Plus... 9.50 3
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