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Keith Emerson

Best Revenge

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1985
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Klassischer Prog; Melodic Rock / AOR; Rock / Pop / Mainstream
Label:
Durchschnittswertung: 8/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson keyboards
Aynsley Dunbar drums,percussion
Levon Helm vocals on 4
Brad Delp vocals on 6
National Philharmonic Orchestra
John Coleman conductor und orchestration
Will Alexander Fairlight programming

Tracklist

Disc 1
1. Dream runner 2:41
2. The runner 3:31
3. Wha'd ya mean 5:05
4. Straight between the eyes 2:41
5. For those who win 3:37
6. Orchestral Suite to Best Revenge 15:28
7. Playing for keeps (Main title theme) 4:19
Gesamtlaufzeit37:22


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski (Rezension 1 von 2)


Im Gegensatz zu "Murderock" wirkt der Soundtrack zu "Best Revenge" zumindest nicht so "dahingeschluddert".

Das Album wird von "Dream Runner" eröffnet, einem wunderschönen Pianostück mit dezenter Orchesterbegleitung. Das gleiche Thema wird in dem zerrisenen, mit geschmacklosen Rhythmen und passablen Keyboardparts aufwartenden Pop-Rock-Instrumental "The runner" wieder aufgegriffen.

Der erste Stargast dieses Albums, der Schlagzeuger Aynsley Dunbar wertet das harmlose Pop-Fusion-Stückchen "Wha'dya mean" einigermaßen auf.

Der auf "Straight Between the eyes", einer lässiger Mainstreamrock-Nummer, singende Levon Helm, ist als Drummer und Mitglied von The Band bekannt.

Das abweschslungsreiche "For those who win" bedient am ehesten noch die Rock-Musicalschiene, während "Orchestral Suite to Best Revenge" das Proggerherz höher schlagen läßt. Die für Orchester, Schlagzeug, elektrische und akustische Gitarre und Keyboards geschriebene mehrteilige "Orchestral suite" zeigt Emersons kompositorische und spielerische Qualitäten, auch wenn die immer wieder auftauchenden simplen Schlagzeugrhythmen etwas einfallslos anmuten. Das auffälligste und interessanteste Merkmal der Suite ist Emersons ausgiebiger Gebrauch seines Fairlight CMI, das Symbiose mit dem Symphonieorchester eingeht.

"Playing the keeps", eine gefällige, vom Boston-Sänger Brad Delp gesungene AOR-Nummer schließt den "Best Revenge"-Soundtrack ab. Mit Orchesterarrangement und einem Meister an den Keys ist es eine etwas außergewöhnliche AOR-Nummer.

Der "Best revenge"-Soundtrack ist nur für Emerson-Fans, die keine Angst vor seiner (oder seines Auftraggebers) stilistischer Unentschlossenheit haben. Man könnte diese Unentschlossenheit schließlich auch als enorme Bandbreite abfeiern.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.2.2006
Letzte Änderung: 19.2.2006
Wertung: 7/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


„Best Revenge“ war ein dröger Drogenschmuggelfilm, der bei uns unter dem faszinierend reißerischen Titel "New York - Tanger" lief… - wenn überhaupt. Was Keith Emerson dazu bewogen haben mag, seine Musik für einen derartigen Stuhl herzugeben, darüber lässt sich nur spekulieren. Aber vermutlich wollte der Mann einfach nur arbeiten – und die Achtziger waren nicht gerade eine Zeit, in der ein Musiker von Emersons Statur sich aussuchen konnte, was er tun wollte. Und so komponierten die einen Tarnpop für AORler, die anderen Esofarz für Arztgattinnen und der dritte eben Filmmusik für, naja, niemanden, weil eben keiner diese Filme je sah. Immerhin gab es in „Best Revenge“ Levon Helm zu sehen, Drummer bei The Band, daneben John Rhys-Davies und Michael Ironside. Was den Film allerdings nicht aufgewertet hat: Auf DVD gibt es ihn nicht – und nicht einmal in der englischen Wikipedia hat er einen Artikel.

Die Qualität der Musik Keith Emersons schlägt die des Films um Längen. Das Album eröffnet mit „Dream runner“ (später als „The Dreamer (Love Theme)“ auf der CD-Ausgabe in der „At the Movies“-Box). Das Stück gehört in eine Reihe von Klavierminiaturen, wie sie Emerson erst seit Anfang der Achtziger im Programm hatte (vergleichbar sind etwa "Interlude" von "Changing States" oder "Close to Home" von „Black Moon“). Das Stück fällt im Gesamtwerks Emersons durch seinen ungewöhnlich wehmütigen Charakter auf. Es ist eines jener Stücke, die für den am klassischen ELP-Sound geschulten Hörer vielleicht zu süßlich sein mögen, für jemanden, der Schönheit nicht verschmäht, jedoch durchaus spannende Ergänzungen des Emersonschen Werks darstellen, weil sie den Mann mal von einer ganz anderen Seite zeigen.

“The runner” ist eine Bearbeitung desselben Stücks für Rocktrio, hier ist erstmals Aynsley Dunbar zu hören (Schlagzeuger bei Journey und Jefferson Starship). Dunbar kloppt leider ziemlich blöde vor sich hin, das Arrangement ist ansonsten aber nicht uninteressant: Emerson stellt das Thema in einen vollkommen anderen, poppigen Uptempo-Kontext und improvisiert gewohnt fantasievoll über Bausteinen dieser Melodie. Am Ende lässt er sogar einige seiner in Quartenharmonik gehaltenen Keyboardfanfaren erklingen. Durch die Auswahl der Keyboardsounds wirkt das Ganze allerdings ziemlich leichtgewichtig – und aus heutiger Sicht ist “The runner” doch ziemlich unglücklich gealtert.

“Wha'd ya mean” ist ein für Krimis aus dieser Zeit typisches Instrumentalstück: Poppige Funk-Fusion, die aber für ihr Alter deutlich besser dasteht als „The runner“. Das liegt an den jazzigen Klängen, die lassen das Stück gleich viel zeitloser wirken, ebenso aber auch am Schlagzeugspiel Dunbars, der sich hier viel mehr reinhängt, und ein paar tolle Fills und sogar eine längere Latin-Passage beiträgt.

“Straight between the eyes” ist der Tiefpunkt des Albums, blöder, mainstreamiger Bluesrock, der glücklicherweise bald wieder verklingt. Interessant ist er allenfalls deshalb, weil er von Levon Helm, dem Hauptdarsteller des Films persönlich gesungen wird. Der Song wurde bei der Wiederveröffentlichung der Musik in der „At the Movies“-Box konsequenterweise ausgespart.

“For those who win” ist ein ebenfalls angenehm kurzer riffbasierter Song, der tatsächlich ein wenig an Musicals erinnert. Das liegt wohl daran, dass sich hier eine (nicht genannte) Frau und ein (ebenfalls nicht genannter) Mann den Gesang teilen. Die Musik ist vollkommen uninteressant und auch ein Solo Emersons wertet sie nicht auf.

Unbestrittener Höhepunkt des Albums ist nun aber die fünfzehnminütige “Orchestral Suite to Best Revenge”, die in ihren besten Momenten an ELPs „Pirates“ erinnert – wenn sie auch niemals dessen Dichte und Qualität erreicht. Sie ist aber durchaus auf Augenhöhe mit der Musik auf „Inferno“, der bis heute besten Filmarbeit Emersons. Die Suite verbindet in typisch Emersonscher Weise verschiedene musikalische Stile, hier sind es Rock, moderne Klassik und einige ethnische Motive. Dabei dominieren zu Beginn die Rockelemente, schon allein klanglich, weil hier die Bandbesetzung im Vordergrund steht und klassische Instrumente allenfalls als zusätzliche Klangfarbe hinzugefügt werden. Nach etwa zwei Dritteln verschiebt sich das Gewicht dann in die Klassik.

Das Stück beginnt mit dem Hauptthema des Soundtracks, das später wieder aufgegriffen und variiert wird. Es folgen poppig-rockige Elemente, eine flamencoartige Passage im 5/4-Takt und natürlich typische Emerson-Momente, an denen sich andauernd Rhythmus und Metrum ändern. Ein längerer, spaceig-orientalischer Teil bildet dann die Überleitung zum orchestralen Schluss, der sehr düster beginnt, mit klassischer Gitarre, dann aber in getragenen Molltönen, die das „Dream Runner“-Thema variieren, ausklingt.

Die “Orchestral Suite to Best Revenge” gehört zum Besten, was Emerson im Jahrzehnt nach dem Ende ELPs komponiert hat und ist der eigentliche Grund, aus dem man sich dieses Album unbedingt besorgen sollte.

Mit “Playing for keeps” schließt dann der Titelsong des Films das Album ab. Seine triumphale Gesangsmelodie war dementsprechend bereits in der Suite mehrfach zu hören gewesen. Der Song ist im Stil des damals populären AOR gehalten, eine Art heroische Hymne mit dramatischen Untertönen, klanglich jedoch nicht ganz so pathetisch inszeniert wie etwa die ziemlich gleichzeitigen Songs auf Asias Debütalbum, auf dem Emersons ehemaliger Bandkollege Palmer zu hören war. Von Interesse sind neben der Gesangsmelodie vor allem die instrumentalen Zwischenspiele, bei denen Emerson mit zeitgemäßen Elektroniksounds experimentiert, die man bis dato noch nicht von ihm gehört hatte. Es sind solche Passagen, an denen er unter Beweis stellt, dass ein Prog-Musiker aus den Siebzigern Anfang der Achtziger noch lange nicht altertümlich klingen muss.

„Best Revenge“ ist ein recht heterogenes Album. Die Einflüsse umfassen Klassik, Romantik, Pop, Rock, Fusion, Funk, AOR, Jazz – kurz, „Best Revenge“ ist ein waschechtes Emerson-Album. Obwohl Filmmusik normalerweise dem Zweck dient, die Bilder auf der Leinwand zu untermalen, kann diese Musik durchaus für sich alleine stehen. Und das macht „Best Revenge“ zu einem der besseren Soloalben Emersons. Fans sollten hier unbedingt zugreifen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: ELP - in den klassischen Passagen - und Three, in den rockigen
Veröffentlicht am: 11.7.2012
Letzte Änderung: 12.7.2012
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Keith Emerson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Inferno 13.00 2
1981 Honky 3.50 2
1981 Nighthawks 8.00 2
1983 Harmagedon 5.00 2
1984 Murderock 3.00 2
1988 The Christmas Album 6.00 2
1989 La Chiesa 9.00 1
1995 Changing States 9.00 3
2002 Iron Man Vol.1 11.50 2
2002 Emerson plays Emerson - 1
2004 Godzilla - Final wars (Soundtrack) 4.00 1
2005 At The Movies 9.50 2
2005 Hammer it out - The Anthology - 1
2006 Off the Shelf 4.00 1
2008 Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla 10.00 2
2009 Boys Club - Live From California 12.00 1
2010 Moscow 11.00 1
2012 Three Fates 6.00 1

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